New Model Army
Parlamentsarmee während des Englischen Bürgerkriegs
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Die New Model Army war die Parlamentsarmee während des Englischen Bürgerkriegs, die seit Anfang 1645 einsatzbereit war. Oberbefehlshaber war zunächst Thomas Fairfax, während Oliver Cromwell die Reiterei, die Ironsides, kommandierte. Die Armee war entscheidend für den für das Parlament siegreichen Ausgang des Bürgerkriegs und setzte anschließend gegen die Parlamentsmehrheit die Hinrichtung des Königs durch. Dabei trat zunehmend Cromwell als führender Mann in den Vordergrund. Ab 1650 war er Oberbefehlshaber; gestützt auf die Armee regierte er von 1653 bis zu seinem Tod England, Schottland und Irland als Lordprotektor. Die Armee wurde nach der Restauration der Monarchie 1660 aufgelöst.
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| Führung | |||
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| Oberbefehlshaber: | Thomas Fairfax (1645–1650) Oliver Cromwell (1650–1658) | ||
| Sitz des Hauptquartiers: | London | ||
| Militärische Stärke | |||
| Aktive Soldaten: | |||
| Wehrpflicht: | Nein | ||
| Wehrtauglichkeitsalter: | |||
| Geschichte | |||
| Gründung: | 6. Januar 1645 | ||
| Auflösung: | 1660 | ||

Geschichte
Nachdem der Kriegsverlauf im Englischen Bürgerkrieg zunächst die für König Karl I. kämpfenden Truppen begünstigt hatte, beschloss das Parlament auf Betreiben Cromwells und Thomas Fairfax die Aufstellung eines neu organisierten Heeres. Es musste eine gut ausgebildete Truppe sein, die jeden Feind schlagen könnte, sie war die erste professionelle Nationalarmee Englands. Ihre Gründung markierte eine signifikante Verschiebung in der militärischen Organisation, die Einführung von professioneller Führung, Disziplin und logistischer Unterstützung, was es der Parlamentspartei letztendlich ermöglichte, entscheidende Siege gegen die Streitkräfte von König Charles I. zu erringen. Obwohl sie oft mit Oliver Cromwell in Verbindung gebracht wurde, der ihr prominentester General wurde, vertrat sie eine vielfältige Koalition von Interessen jenseits der puritanischen Ideologie, die eine Mischung aus politischen, wirtschaftlichen und religiösen Motivationen unter ihren Führungen und Truppen widerspiegelt. Die Aufstellung begann im Winter 1644 und war im Februar 1645 größtenteils abgeschlossen.
Bei ihrer Aufstellung wurde nicht nur Wert auf eine zeitgemäße Ausrüstung und Taktik gelegt, sondern auch darauf, dass die Offizierspatente nicht nach sozialer Herkunft, sondern nach Befähigung und den Leistungen im Felddienst vergeben wurden. Der Oberst eines Regiments wurde ermutigt zu entscheiden, wer als nächster zum Major befördert wird. Dieser konnte entscheiden, wer zum Hauptmann befördert wird usw. Die Soldaten wurden zudem einer umfassenden Ausbildung unterzogen und aus den Depots des Parlaments mit Waffen und Ausrüstung versorgt. Die Armee zeichnete sich durch ihre Standardisierung von Regimentern und Uniformen sowie durch ihre Rekrutierungsmethode aus, die auch die Anwerbung von Gefangenen umfasste. Die Organisatoren der New Model Army leisteten auch Pionierarbeit in punkto militärischen Innovationen und Durchsetzung einer strengen Disziplin, in weiterer Folge förderte man auch die Loyalität gegenüber dem Parlament und der Nation und nicht zu einem Warlord. Diese Entwicklungen legten den Grundstein für eine völlig neue Militärorganisation in England. Die Soldaten (oft „Redcoats“ oder „Roundheads“ genannt) zeichneten sich durch eiserne Disziplin und puritanischen Eifer aus. Auch die Artillerie wurde intensiv geschult. Zum wichtigsten Teil der Ausbildung gehörte aber die präzise Ausführung von Manövern in der Schlacht. Deshalb wurde das neue Heer als New Model Army, Armee nach neuem Muster, bezeichnet und zum Vorbild für spätere Armeen. Die New Model Army spielte eine entscheidende Rolle nicht nur in den Bürgerkriegen, sondern auch bei nachfolgenden Militärinterventionen in Schottland und Irland. Ihr Vermächtnis umfasste die Etablierung der Kontrolle ziviler Institutionen über das Militär und das Konzept einer stehenden Armee, die zukünftige militärische Strukturen in Großbritannien wesentlich beeinflussen sollte.
Ihren ersten bedeutenden Sieg erkämpfte sich die New Model Army am 14. Juni 1645 in der Schlacht bei Naseby. Auch die dreitägige Schlacht von Preston vom 17. August bis zum 19. August 1648 konnte von der New Model Army für sich entschieden werden. An dem Feldzug Cromwells gegen Irland, der 1649 begann, war die New Model Army ebenfalls maßgeblich beteiligt. Viele ihrer Soldaten ließen sich dort nach dem Ende der Kämpfe vor allem in Ulster nieder. Da es zu großen Problemen bei der Soldauszahlung kam, erhielten viele Soldaten als Ausgleich ein Stück Land auf irischem Boden. Nach der Stuart-Restaurierung im Jahr 1660 wurde sie wieder aufgelöst.
Gliederung
Die Infanterie der New Model Army bestand zu über zwei Dritteln aus Musketenschützen, während es sich bei den restlichen Infanteristen um Pikeniere handelte. Die Reiterei bestand aus Kürassieren und Arkebusierreitern. Hinzu kam ein Regiment Dragoner (Fußsoldaten zu Pferd) und eine Freiwilligen-Kompanie Forlorn Hope, welche in der Schlacht besonders gefährliche Aufgaben übernahm.
Ausrüstung

Nur wenige Soldaten der New Model Army waren mit einer Rüstung ausgestattet. In der schweren Reiterei und bei einigen Pikenieren war eine Kombination aus einem visierlosen Helm und einem Brustpanzer gebräuchlich, doch bevorzugte man ein langes Gewand aus verstärktem Leder (buff coat). Dieses war meist gelb-braun gefärbt und typisch für die Soldaten des Neuen Musterheeres; wenn auch nicht jeder Kämpfer ein solches trug.
Religiöse Einstellung
In der New Model Army wurde die Kommandogewalt ohne Rücksicht auf die soziale Rangfolge vergeben. Damit brach sie die Tradition anderer zeitgenössischer Armeen, in der nur Adelige hohe Ämter in der Armee bekleiden konnten. Da Puritaner aufgrund ihres Glaubens als besonders tüchtig galten, wurden besonders viele Befehlshaber mit puritanischen Anschauungen eingestellt. Diese förderten die Ausbreitung ihres Glaubens in der Truppe. Die Armeegeistlichen ermutigten die Soldaten zum Bibelstudium und zum Gespräch über religiöse Fragen. Auch wurden die Soldaten psalmensingend in die Schlacht geführt.
Die Folge war ein religiös verstandenes Bündnis zwischen Mannschaften und Offizieren, das zu einer höheren Kampfmoral führte. Zudem förderten die religiösen Diskussionen in der Truppe die Kommunikationsfähigkeit. Dies war für die spätere Einmischung der Mannschaft in die sozialen Belange des Königreichs von entscheidender Bedeutung.
Der Name „Roundheads“ wurde im Vorfeld des Bürgerkriegs für die Anhänger des Parlaments von deren Gegnern aufgebracht und war als Verhöhnung gedacht. Er bezog sich auf die kurz geschorenen Haare der Londoner Kleinbürger, die das Parlament unterstützten. Im Gegensatz dazu trugen die adligen Royalisten, die „Cavaliers“, meist langes, gelocktes Haar. In der New Model Army war es ein strafbares Vergehen, einen Soldaten Rundkopf zu nennen.
Literatur
- Ian Gentles: The New Model Army. The New Model Army in England, Ireland and Scotland, 1645–1653. Blackwell, Oxford u. a. 1992, ISBN 0-631-15869-3.
- Keith Roberts: Cromwell's war machine. The New Model Army 1645–1660. Pen & Sword Military, Barnsley 2005, ISBN 1-84415-094-1.
- Hagen Seehase: New Model Army. In: Pallasch. Zeitschrift für Militärgeschichte. Bd. 14 (2010), Heft 33, S. 170–173.