Nikolaus Brauns

deutscher Journalist und Historiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Nikolaus (Nick) Hans-Dietrich Brauns (* 4. November 1971 in München) ist ein deutscher Journalist. Seit September 2024 ist einer der beiden Chefredakteure der Tageszeitung Junge Welt.

Nikolaus Brauns, 2014

Leben

Studium und parteipolitisches Engagement

Von 1990 bis Ende 1992 war Brauns Mitglied der SPD und aktiv bei den Jusos in München.

Brauns studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichtswissenschaft und wurde dort 2002 mit einer Arbeit über die Rote Hilfe Deutschlands promoviert.

Er war 1994 Mitbegründer der trotzkistischen Kleinstpartei RSB, der er bis 1997 angehörte. Von 1997 bis 2001 gehörte er der Partei des Demokratischen Sozialismus an, für die er bei der Bundestagswahl 1998 als Direktkandidat im Bundestagswahlkreis München-West/Mitte antrat und mit 0,8 % der Stimmen den siebten Platz belegte. Seit seinem Austritt aus der PDS ist er parteilos.[1]

Autor und Abgeordnetenmitarbeiter

Seit 1997 schrieb Brauns als freier Autor für die Junge Welt (jW) und leitete 2006 deren bayerisches Regionalbüro in München. Von ihm erschienen unter anderem auch in der Tageszeitung Neues Deutschland und in der SoZ Beiträge. Er veröffentlichte Bücher und Artikel zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Deutschland sowie zur Geschichte und Politik der Türkei, der Kurden und des Nahen Ostens.

Seit 2006 ist Brauns Vorsitzender des nach Hans Litten benannten Vereins Hans-Litten-Archiv-Verein zur Errichtung und Förderung eines Archivs der Solidaritätsorganisationen der Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegung und der sozialen Bewegungen (Rote – Hilfe – Archiv) e.V. in Göttingen.[2][3]

Für die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke (Die Linke) arbeitete er von 2007 bis zu Jelpkes Ausscheiden aus dem Bundestag 2021 als wissenschaftlicher Mitarbeiter.[4] Er war vielfältig in der Unterstützerszene der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vernetzt, so z. B. als Sprecher des „Kurdistan-Solidaritätskomitees Berlin“, als Beiträger der „Informationsstelle Kurdistan“ oder als Vorstandsmitglied der Münchner „Deutsch-Kurdischen Gesellschaft e. V.“. Er legitimierte den „kurdischen Befreiungskampf“ als „völkerrechtlich legitim“ und betrachtet „den Widerstand - auch den bewaffneten - gegen die imperialistische Besatzung in Afghanistan und Irak für legitim“.[5][6][7]

Wirken bei der Jungen Welt

Im November 2021 wurde Brauns bei der jW Redakteur für Innenpolitik.

Im August 2022 veröffentlichte er dort einen Bericht über eine geplante Reise der Linkspartei-Parlamentarierinnen Janine Wissler, Martina Renner, Anke Domscheit-Berg und Katina Schubert in die Ukraine; diese wollten ihre Solidarität mit den Opfern des russischen Überfalls auf die Ukraine bekunden. Nach der Veröffentlichung wurde die Reise wegen Sicherheitsbedenken abgesagt, da die im Artikel veröffentlichten Details einen gezielten Angriff auf die Delegation möglich gemacht hätten. Renner erklärte gegenüber der taz, dass die Informationen gezielt durchgestochen wurden, um die Reise zu sabotieren.[8][9]

Seit April 2023 einer der beiden stellvertretenden jW-Chefredakteure,[10] wurde er im September 2024 deren Co-Chefredakteur.[11]

Am 7. Oktober 2023, dem Tag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel 2023, betitelte Brauns seinen jW-Beitrag dazu mit Gaza schlägt zurück und bezeichnete darin die Hamas-Terroristen als „palästinensische Kampfverbände“ sowie die überfallenen israelischen Ortschaften als „zionistische Siedlungen“.[12][13]

Nachdem die Webseite Red insbesondere aufgrund ihrer engen Verbindungen zum russischen Propagandakanal RT von den Russland-Sanktionen wegen behördlich festgestellter „ausländischer Informationsmanipulation“ betroffen war und sich daher auflösen musste, veranstaltete die jW im Juli 2025 dazu eine Podiumsdiskussion über das angebliche „EU-Wahrheitsregime“. Für die jW nahm Brauns persönlich daran teil, von den NachDenkSeiten der ehemalige RT-CvD Florian Warweg und vom Overton-Magazin Roberto de Lapuente. Zu Beginn der Veranstaltung wurden Beiträge der kremlnahen Blogger Alina Lipp und Thomas Röper eingespielt.[14]

Publikationen

Bücher

  • Schafft Rote Hilfe! Geschichte und Aktivitäten der proletarischen Hilfsorganisation für politische Gefangene in Deutschland (1919–1938). Bonn: Pahl-Rugenstein, 2003, ISBN 3-89144-297-1, 345 Seiten.
  • Revolution und Konterrevolution. Ausgewählte Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Bonn: Pahl-Rugenstein, 2006, 169 Seiten.
  • mit Brigitte Kiechle: PKK – Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes: zwischen Selbstbestimmung, EU und Islam. Stuttgart: Schmetterling Verlag, 2010, ISBN 978-3-89657-564-7, 512 Seiten.

Herausgeberschaften

  • hrsg. mit Dimitri Tsalos: Naher und Mittlerer Osten – Krieg, Besatzung, Widerstand. Bonn: Pahl-Rugenstein, 2007, ISBN 978-3-89144-385-9, 209 Seiten.
  • hrsg. mit Murat Çakır: Partisanen einer neuen Welt – Eine Geschichte der Linken und Arbeiterbewegung der Türkei. Berlin: Die Buchmacherei, 2018, ISBN 978-3-9819243-4-3, 527 Seiten.

Einzelnachweise

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