Nitroxolin

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Nitroxolin ist ein in den 1960er Jahren in den Markt eingeführtes Antibiotikum und Antimykotikum aus der Gruppe der 8-Hydroxychinolin-Derivate, das zur Behandlung von akuten und chronischen Infektionskrankheiten der ableitenden Harnwege eingesetzt wird. Zu diesen Harnwegsinfekten gehören beispielsweise Zystitis (Blasenentzündung) und Urethritis (Harnröhrenentzündung). Der Arzneistoff wird zudem zur Rezidiv-Prophylaxe angewendet.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Nitroxolin
Allgemeines
Freiname Nitroxolin
Andere Namen

5-Nitrochinolin-8-ol (IUPAC)

Summenformel C9H6N2O3
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 4008-48-4
EG-Nummer 223-662-4
ECHA-InfoCard 100.021.513
PubChem 19910
DrugBank DB01422
Wikidata Q304570
Arzneistoffangaben
ATC-Code

J01XX07

Wirkstoffklasse

Antibiotikum

Eigenschaften
Molare Masse 190,16 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

179,5–181,5 °C[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301311315319331335
P: 261280301+310305+351+338311[2]
Toxikologische Daten

104 mg·kg−1 (LD50, Maus, oral)[3]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Eigenschaften

Nitroxolin besitzt ein breites Wirkspektrum, das zahlreiche Gram-negative und Gram-positive Bakterienspezies sowie Mycoplasma hominis,[4] Ureaplasma urealyticum und Candida spp.[5] erfasst.[6] Als möglicher Wirkmechanismus, der vornehmlich in einer Urin-bakteriostatischen Aktivität resultiert, wird die Hemmung der RNA-Polymerase mittels Chelierung zweiwertiger Kationen[7] diskutiert.[6] In Gegenwart subinhibitorischer Konzentrationen hemmt Nitroxolin die bakterielle Adhäsion an Epithelzellen des Harntrakts sowie an die Oberfläche von Blasenkathetern.[6]

In Zellkulturmodellen und Gewebekulturen menschlicher Haut vermochte Nitroxolin die Vermehrung von Mpoxviren effektiv zu hemmen. Es unterdrückt den PI3K/AKT/mTOR- und den Raf/MEK/ERK-Signalweg, die bei der Replikation von Orthopoxviren eine Rolle spielen.[8]

Verwendung

Das zugelassenen Anwendungsgebiet umfasst die Behandlung akuter und chronischer Infektionen der ableitenden Harnwege mit Nitroxolin-empfindlichen Bakterien und Sprosspilzen sowie die Vorbeugung gegen immer wiederkehrende Infekte (Rezidivprophylaxe).[9]

Zur klinischen Pharmakologie liegt nur wenig Information vor.[10] In der aktuellen interdisziplinären S3-Leitlinie AWMF zur Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen (2017) wird die Nitroxolin-Behandlung aufgrund der sehr guten Resistenzlage, der hohen Eradikationsrate und des günstigen Nebenwirkungsprofils als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der unkomplizierten Zystitis empfohlen.[6] Eine Studie aus 2017 an hospitalisierten älteren Patienten zeigte begrenzte therapeutische Erfolge, die im Gegensatz stehen zu den Erfolgsraten von über 90 % in einer Meta-Analyse[11] von 2014, bei der die eingeschlossenen Patienten jünger waren.[12]

Synthese

Zur Synthese von Nitroxolin kann 8-Hydroxychinolin mit Natriumnitrit und Salzsäure zu 8-Hydroxy-5-nitrosochinolin umgesetzt werden. Dieses kann wiederum mit Salpetersäure zu Nitroxolin oxidiert werden.[13]

Handelsnamen

Nitroxolin forte (D, P, RO, BG), Nilox (D)

Einzelnachweise

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