Nobadi

österreichischer Spielfilm von Karl Markovics (2019) From Wikipedia, the free encyclopedia

Nobadi ist ein österreichischer Spielfilm von Karl Markovics aus dem Jahr 2019 mit Heinz Trixner und Borhan Hassan Zadeh in den Hauptrollen. Premiere war am 7. September 2019 im Rahmen des Toronto International Film Festivals 2019 in der Sektion Contemporary World Cinema.[2] Österreich-Premiere war am 25. September 2019 im Wiener Gartenbaukino,[3] der österreichische Kinostart am 4. Oktober 2019.[4][5] Im ORF wurde der Film am 5. Juli 2021 erstmals ausgestrahlt.[6]

TitelNobadi
ProduktionslandÖsterreich
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2019
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Nobadi
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2019
Länge 89 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Karl Markovics
Drehbuch Karl Markovics
Produktion Dieter Pochlatko,
Jakob Pochlatko
Musik Matthias Loibner
Kamera Serafin Spitzer
Schnitt Alarich Lenz
Besetzung
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Handlung

Der 93-jährige Heinrich Senft lebt in einem Schrebergartenhaus auf der Wiener Schmelz, auf seinem Arm hat er eine SS-Blutgruppentätowierung.[7] Er möchte seinen toten Hund im Garten begraben. Als der Stiel seiner Spitzhacke abbricht, besorgt er im Baumarkt eine neue. Auf dem Heimweg bittet ihn Adib Ghubar, ein Flüchtling aus Afghanistan, um Arbeit. Sie einigen sich und beginnen mit dem Ausheben der Grube. Sie lernen sich etwas besser kennen. Man sieht, dass Adib hinkt, und Senft erfährt, dass Adib seine Deutschkenntnisse seiner Arbeit im Camp Marmal der Bundeswehr verdankt. Bei der Bezahlung kommt es zu einer Auseinandersetzung. Senft findet sein Geld nicht, beschuldigt Adib, es gestohlen zu haben, bedroht ihn mit einer alten Pistole, lässt ihn seine Taschen leeren und Jacke und T-Shirt ausziehen. Schließlich erinnert sich Senft, dass er das Geld selbst versteckt hat, und bezahlt Adib.

Adib verlässt die Gartensiedlung und schläft mit Fußschmerzen bei einer Bushaltestelle ein. Senft findet ihn, will ihn ins Krankenhaus schicken, aber Adib verweigert trotz der schweren Verletzung eine ärztliche Behandlung, weil er keinen Ausweis hat. Senft erkennt die Gefahr einer Blutvergiftung bzw. Sepsis und bringt ihn zu seiner vertrauten Tierärztin. Diese wählt aber den Rettungsnotruf, worauf Senft sie mit dem Telefonkabel erwürgt. Er entwendet Operationsbesteck, Medikamente und Verbandsmaterial und bringt Adib zurück in sein Gartenhäuschen. In der Nacht beschließt er, das Leben Adibs nur retten zu können, indem er sein Sanitäterwissen aus dem Krieg ausgräbt und Adibs Fuß amputiert.[8] Er führt zur lokalen Betäubung einen „Kreuzstich“ (Spinalanästhesie) durch und amputiert den Fuß mit einem Elektromesser, während Adib bei vollem Bewusstsein aus seinem Leben erzählt. Nach der Operation pausiert Senft und bemerkt zu spät, dass Adib verblutet und stirbt. Am Morgen kommt eine Sozialarbeiterin und trifft Senft beim letzten Festklopfen der zugeschütteten Grube an.

Hintergrund

Der Filmtitel leitet sich von einer Tätowierung des afghanischen Flüchtlings ab, auf dem Unterarm des Burschen steht Nobadi, eine verballhornte Form von „Nobody“. Dies ist der Name, der ihm im NATO-Lager in Afghanistan gegeben wurde, wo er als Laufbursche und später als Übersetzer tätig war, und zugleich eine Anspielung auf den Trick des Odysseus in der Höhle des Zyklopen (siehe dort). Wäre Nobadi umgekommen, hätte man zurecht sagen können, dass „niemand“ gestorben sei und müsse Hinterbliebene nicht unterstützen. Zugleich soll die Odyssee eine Parabel zu den Flüchtlingsbewegungen des 21. Jahrhunderts knüpfen.[5]

Produktion

Die Dreharbeiten fanden vom 3. April bis zum 17. Mai 2018 statt, gedreht wurde in Wien und Niederösterreich. Unterstützt wurde der Film vom Österreichischen Filminstitut, vom Filmfonds Wien und vom Land Niederösterreich, beteiligt war der Österreichische Rundfunk. Produziert wurde der Film von der Epo-Film.[4]

Für Ton und Sounddesign zeichneten William Edouard Franck und Philipp Mosser verantwortlich, für das Kostümbild Caterina Czepek, für das Szenenbild Andreas Sobotka und für die Maske Martha Ruess.[4][9][10]

Hauptdarsteller Borhanulddin Hassan Zadeh kam 2012 als Flüchtling aus Afghanistan nach Österreich. Nach ersten Bühnenerfahrungen im Rahmen eines von Hilde Dalik ins Leben gerufenen Theaterprojektes war dies sein erster Film und seine erste Hauptrolle.[5] Für Karl Markovics ist dies nach Atmen (2011) und Superwelt (2015) der dritte Kinospielfilm.[5]

Rezeption

Andrey Arnold bezeichnete den Film in der Tageszeitung Die Presse als „Brachialparabel“, in der alles Symbolgehalt habe. „Die Dynamik zwischen den typenhaften Protagonisten soll eine Mentalität illustrieren, die die Würde des Anderen selbst im Gestus vermeintlicher Barmherzigkeit nicht anerkennt: Heinrichs persönlicher Flüchtling bleibt immer nur Haustierersatz. Die kraftvoll aufspielenden Darsteller verleihen dem Geschehen zwar Profil, trotzdem ist „Nobadi“ Makrovics' [sic] schwächster Film bisher: Sein Verlauf mag unberechenbar sein, die Botschaft ist es nicht.“[11]

Auszeichnungen und Nominierungen

Österreichischer Filmpreis 2020

  • Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt (Alarich Lenz)[12]
  • Nominierung in der Kategorie Beste Tongestaltung (Originalton: William Edouard Franck, Sounddesign: Philipp Mosser, Reinhard Schweiger, Mischung: Bernhard Maisch)

Thomas-Pluch-Drehbuchpreis 2020

  • Nominierung für den Hauptpreis und den Spezialpreis der Jury (Karl Markovics)

Einzelnachweise

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