Norbert Achterberg

deutscher Jurist und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Norbert Hans Herbert Achterberg (* 29. Mai 1932 in Berlin; † 17. März 1988 in Münster) war ein deutscher Jurist und Hochschullehrer.

Leben

Norbert Achterberg, Sohn von Elisabeth Achterberg, geborener Klapprodt, und des promovierten Ingenieurs und Bundesbahnoberrats Theodor Achterberg, besuchte Gymnasien in Ingolstadt und Kassel, studierte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft an der Philipps-Universität Marburg. Er absolvierte 1957 und 1961 die juristischen Staatsprüfungen und wurde 1959 in Marburg bei Hubert Görg mit einer Dissertation zu Fragen der stillschweigenden Bundeszuständigkeit und der Mischverwaltung[1] zum Dr. jur. promoviert. Nach Assistentenjahren in Bonn und Marburg habilitierte er sich 1968 an der Universität Marburg mit seiner von Hubert Görg und Gerhard Hoffmann betreuten Arbeit über Probleme der Funktionenlehre[2] für das Fach Öffentliches Recht, begann im selben Jahr in Marburg seine Lehrtätigkeit und wurde 1971 dort zum Professor ernannt.

Im Jahr 1972 erhielt Achterberg den Ruf auf die ordentliche Professur für Öffentliches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Als Nachfolger von Hans Ulrich Scupin wurde er im selben Jahr auch geschäftsführender Direktor des Instituts für Öffentliches Recht und Politik.

Das berufliche Wirken Norbert Achterbergs erstreckte sich weit über die Fakultät hinaus. So war er seit 1962 Mitglied im Verein Deutscher Juristentag, seit 1968 der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer, seit 1971 der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen, später Stellvertretender Vorsitzender des Prüfungsausschusses für Wirtschaftswissenschaftliche Prüfungen der Westfälischen Wilhelms-Universität und von 1972 bis 1983 Richter im Nebenamt am Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel. Zudem war er ab 1972 auch Mitglied des Justizprüfungsamtes am Oberlandesgericht Hamm. Darüber hinaus hat er sich der rechts- und staatswissenschaftlichen Fortbildung in besonderer Weise angenommen, vor allem ab 1973 als Studienleiter der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, und war von 1970 bis 1972 Mitglied des Gründungsbeirats der Gesamthochschule Kassel.

Norbert Achterbergs Interesse galt der rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung. Er war ab 1973 Mitglied der Internationalen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (IVR), als Nachfolger von Hans J. Wolff Vorsitzender der Westfälischen Sektion der IVR, in der namhafte Wissenschaftler des In- und Auslandes mitwirkten. 1978 bis 1982 hatte er den Vorsitz der Deutschen Sektion der IVR in der Bundesrepublik Deutschland inne, ab 1982 war er stellvertretender IVR-Vorsitzender. Er war außerdem ab 1974 Vorstandsmitglied der mit dem Institut für Öffentliches Recht und Politik eng verbundenen Johannes-Althusius-Gesellschaft zur Erforschung der Naturrechtslehren und der Verfassungsgeschichte des 16.–18. Jahrhunderts.

Ganz besonders war Achterbergs wissenschaftliches Werk Hans Kelsen und der Reinen Rechtslehre gewidmet. In Würdigung seiner Verdienste um die Kelsen-Forschung wurde er 1973 Internationaler Korrespondent des Hans-Kelsen-Instituts in Wien.[3]

Norbert Achterberg verband in seinem Wirken Theorie und Dogmatik des Öffentlichen Rechts. Sein Schriftenverzeichnis umfasst weit mehr als 200 Publikationen, darunter zwei staats- und verwaltungsrechtliche Standardwerke: Allgemeines Verwaltungsrecht und Besonderes Verwaltungsrecht sowie das 1984 erschienene und bis heute aufgelegte Parlamentsrecht. Er war beteiligt an der Herausgabe von Beiträge zum Parlamentsrecht, Bonner Kommentare zum Grundgesetz, Die Öffentliche Verwaltung, Münsterer Beiträge zum Öffentlichen Recht und Juristische Arbeitsblätter.

Achterberg war evangelisch, ab 1964 verheiratet mit der Apothekerin Gisela Achterberg, geborene Sinning (1936–2010), und hatte zwei Kinder (Christoph und Nicola). Er war ein Neffe des Theologen Herbert Achterberg.

Schriften (Auswahl)

  • Probleme der Funktionenlehre (= Münchener öffentlich-rechtliche Abhandlungen. Band 5). Beck, München 1970; zugleich Habilitationsschrift 1968.
  • Grundzüge des Parlamentsrechts. Beck, München 1971.
  • als Hrsg.: Öffentliches Recht und Politik, Festschrift für Hans Ulrich Scupin zum 70. Geburtstag. Duncker & Humblot, Berlin 1973, ISBN 3-428-03024-9.
  • als Hrsg. mit Werner Krawietz und Dieter Wyduckel: Recht und Staat im Sozialen Wandel, Festschrift für Hans Ulrich Scupin zum 80. Geburtstag. Duncker & Humblot, Berlin 1983, ISBN 3-428-05347-8.
  • Das rahmengebundene Mandat. Überlegungen zur Möglichkeit der Bindung des Abgeordneten an das Parteiprogramm. De Gruyter, Berlin / New York 1975, ISBN 3-11-006628-9.
  • Die parlamentarische Verhandlung. Duncker & Humblot, Berlin 1979, ISBN 3-428-04453-3.
  • Theorie und Dogmatik des Öffentlichen Rechts. Ausgewählte Abhandlungen 1960–1980. Duncker & Humblot, Berlin 1980, ISBN 3-428-04743-5.
  • als Hrsg. mit Günter Püttner: Textbuch staats- und verwaltungsrechtlicher Gesetze in Nordrhein-Westfalen. C. F. Müller, Heidelberg 1981, ISBN 3-8114-2588-9; 7. Auflage 1985.
  • Fälle und Lösungen nach höchstrichterlichen Entscheidungen – Allgemeines Verwaltungsrecht. Müller, Heidelberg 1982, 5. Auflage 1984.
  • Die Rechtsordnung als Rechtsverhältnisordnung. Grundlegung der Rechtsverhältnistheorie. Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-05190-4.
  • mit Günter Püttner: Textbuch Staats- und verwaltungsrechtliche Gesetze Bundesrepublik. 7. Auflage. C. F. Müller, Heidelberg 1985.
  • als Hrsg.: Rechtsprechungslehre. Internationales Symposium, Münster 1984, Heymanns, Köln u. a. 1986, ISBN 3-452-20349-2.
  • Allgemeines Verwaltungsrecht. Ein Lehrbuch. 2., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. C. F. Müller, Heidelberg 1986, ISBN 3-8114-8685-3.
  • mit Günter Püttner (Hrsg.): Besonderes Verwaltungsrecht. Ein Lehr- und Handbuch. 2 Bände, C. F. Müller, Heidelberg 1999–2002.
  • mit Martin Schulte: Das Bonner Grundgesetz. Kommentar. Band 6: Artikel 38 bis 49. Vahlen, München 1991, ISBN 3-8006-1112-0.
  • Parlamentsrecht. Mohr, Tübingen 1984, ISBN 3-16-644769-5.

Literatur

  • Martin Schulte: Zum Gedenken an Norbert Achterberg. In: Werner Hoppe, Werner Krawietz, Martin Schulte: Rechtsprechungslehre. Heymanns, Köln u. a. 1992, ISBN 3-452-22037-0, S. 677–710.
  • Werner Hoppe: Das staats- und verwaltungsrechtliche Werk von Norbert Achterberg. In: Werner Hoppe, Werner Krawietz, Martin Schulte: Rechtsprechungslehre. Heymanns, Köln u. a. 1992, ISBN 3-452-22037-0, S. 5–12.
  • Werner Krawietz: Das rechtsphilosophische und rechtstheoretische Werk von Norbert Achterberg. In: Werner Hoppe, Werner Krawietz, Martin Schulte: Rechtsprechungslehre. Heymanns, Köln u. a. 1992, ISBN 3-452-22037-0, S. 13–26.
  • Achterberg, Norbert. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 3.
  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Walter de Gruyter & Co., Berlin / New York 1976, 1980, 1983, 1987.
  • Catalogus professorum academiae Marburgensis. II,75.

Einzelnachweise

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