Notinsel

Netzwerk von Geschäften und Läden, in denen Kinder bei Gefahr Zuflucht finden From Wikipedia, the free encyclopedia

Notinsel ist ein Netzwerk von Geschäften und Läden, in denen Kinder bei Gefahr Zuflucht finden.

Logo zur Kennzeichnung von Teilnehmern

Die Anlaufpunkte sind erkennbar durch das einheitliche Zeichen an der Eingangstür, auf dem drei Kinder stilisiert abgebildet sind mit dem Motto: „Wo wir sind, bist Du sicher.“

Das Projekt

Das Projekt wurde von der Stiftung Hänsel und Gretel im Jahr 2002 in Karlsruhe gestartet und wird bundesweit umgesetzt. Mit dem Projekt Notinsel hat die Stiftung Hänsel+Gretel die eine Möglichkeit geschaffen, Kindern in Notsituationen Fluchtpunkte aufzuzeigen, in denen sie Hilfe bekommen. Notinseln können Einzelhandelsgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien, Friseursalons, kleinere Supermärkte, Apotheken, Banken uvm. werden, sofern sie geeignet sind und sich bereit erklären, Kindern zu helfen, wenn diese Hilfe benötigen.

Notinsel werden

Einrichtungen wie Geschäfte, Apotheken, Arztpraxen oder Büchereien können sich freiwillig als Notinsel engagieren. Voraussetzung sind unter anderem:

  • Zentrale Lage und gute Erreichbarkeit für Kinder
  • Barrierefreier Zugang
  • Regelmäßige Öffnungszeiten
  • Bereitschaft zur Hilfeleistung im Notfall

Interessierte Einrichtungen können sich online registrieren. Voraussetzung für die Teilnahme ist das Vorhandensein eines lokalen Projektträgers, der die Umsetzung des Projekts in der jeweiligen Region betreut. Nur in Regionen mit einem solchen Träger kann eine Anmeldung verbindlich erfolgen. Nach Freigabe durch den lokalen Partner erhalten die Einrichtungen den offiziellen Notinsel-Aufkleber sowie begleitende Informationsmaterialien und eine Handlungsanweisung. Die Teilnahme ist kostenfrei[1].

Hintergrund und Ziele

Die Notinsel wurde als präventive Maßnahme konzipiert, um Kindern schnell und unkompliziert Hilfe zu ermöglichen, wenn sie sich im öffentlichen Raum unsicher, bedroht oder verloren fühlen. Ob bei akuter Bedrohung, Mobbing, einem Unfall oder orientierungslosen Kindern – die Notinseln bieten einen ersten Anlaufpunkt.

Das Projekt verfolgt dabei mehrere zentrale Ziele[2]:

  • Kinder starkmachen und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln
  • Erwachsenen Handlungssicherheit im Umgang mit hilfesuchenden Kindern geben
  • Ein gesellschaftliches Bewusstsein für Kinderschutz und Zivilcourage fördern

Funktionsweise

Kinder, die sich in einer Notsituation befinden, weil sie sich verlaufen haben, bedroht werden oder Angst haben, können gezielt eine Notinsel aufsuchen. Diese ist durch einen deutlich sichtbaren Aufkleber an der Eingangstür gekennzeichnet. Das Personal vor Ort ist darauf vorbereitet, Unterstützung zu leisten.

Wichtig ist, dass Kinder bereits im Vorfeld durch Eltern, Schulen oder Betreuungseinrichtungen über die Bedeutung der Notinsel informiert werden. Für Schulen und Kitas gibt es speziell erstellte Arbeitsblätter, Projektideen und Hausaufgabenhefte, in denen das Thema kindgerecht aufgegriffen wird.

Projektstruktur und Trägerschaft

Die Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel ist die bundesweite Initiatorin und Koordinatorin des Projekts. Die Umsetzung vor Ort erfolgt jedoch durch lokale Projektträger, in der Regel öffentliche oder gemeinnützige Organisationen, wie:

  • Städte und Gemeinden
  • Jugendämter oder Schulämter
  • Wohlfahrtsverbände
  • Kinderschutz- oder Präventionsstellen

Der Projektträger übernimmt Aufgaben wie:

  • Gewinnung und Betreuung der Notinsel-Partner
  • Ausstattung der teilnehmenden Einrichtungen mit Aufkleber, Handlungsanweisung, Flyern uvm.
  • Öffentlichkeitsarbeit und Bekanntmachung des Projekts
  • Kooperation mit Schulen, Kitas und weiteren Einrichtungen

Eine Übersicht der aktiven Projektregionen ist auf der offiziellen Website[3] über eine interaktive Karte einsehbar.

Wirkung und Verbreitung

Seit Projektbeginn hat sich die Notinsel bundesweit zu einem der größten Kinderschutzprogramme im öffentlichen Raum entwickelt. Aktuell (Stand: 2025) beteiligen sich über 17.000 Einrichtungen in mehr als 250 Städten und Landkreisen[4].

Die Notinsel leistet damit einen aktiven Beitrag zur Präventionsarbeit und Kindersicherheit, stärkt das Verantwortungsgefühl in der Bevölkerung und fördert Zivilcourage. Besonders durch die Einbindung lokaler Akteure entsteht ein belastbares, regional angepasstes Netzwerk für mehr Kinderschutz.

Beispielhafte lokale Umsetzungen
  • Stadt Norderstedt[5]: In Norderstedt gibt es mittlerweile etwa 130 Notinseln. Die Stadt hebt hervor, dass das Projekt ein starkes Zeichen für Kinderschutz und Zivilcourage setzt
  • Stadt Ulm[6]: Seit 2004 ist Ulm Projektpartner der Notinsel. Über 200 Einrichtungen beteiligen sich, und jedes Jahr erhalten Grundschüler ein Hausaufgabenheft, in dem das Projekt altersgerecht vorgestellt wird.
  • Kinderschutzbund Rostock[7]: Der Kinderschutzbund Rostock unterstützt das Projekt seit vielen Jahren und stellt sicher, dass alle teilnehmenden Einrichtungen mit den notwendigen Materialien ausgestattet sind.

Botschafter

Das Projekt wird vielfach durch prominente Botschafter unterstützt. Axel Schulz, Moderator des Tigerentenclubs Pete Dwojak, oder auch Starfriseur Udo Walz (†) setzen sich für die Notinsel ein.

Ausblick und Entwicklung

Neben dem Ausbau des Netzwerks steht aktuell die stärkere Verzahnung mit Schulen, Kitas und lokalen Präventionsinitiativen im Fokus. Außerdem wird angestrebt, weitere kommunale Projektträger zu gewinnen, um eine noch flächendeckendere Präsenz zu erreichen.

Siehe auch

Einzelnachweise

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