Nowa Cerekwia
Dorf in Polen
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Nowa Cerekwia (deutsch Deutsch Neukirch, tschechisch Německá Cerekve) ist ein Ort in der Stadt- und Landgemeinde Kietrz im Powiat Głubczycki der Woiwodschaft Opole in Polen.
| Nowa Cerekwia Deutsch Neukirch | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Opole | |
| Powiat: | Głubczyce | |
| Gmina: | Kietrz | |
| Fläche: | 13,71 km² | |
| Geographische Lage: | 50° 5′ N, 17° 56′ O | |
| Einwohner: | 761 (1. Okt. 2020[1]) | |
| Postleitzahl: | 48-133 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 77 | |
| Kfz-Kennzeichen: | OGL | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | DW 419 Nowa Cerekwia–Branice | |
| Nächster int. Flughafen: | Katowice | |
Geographie

Nowa Cerekwia liegt sechs Kilometer westlich von Kietrz (Katscher), 16 Kilometer südöstlich von Głubczyce (Leobschütz) und 78 Kilometer südlich von Opole (Oppeln) in der Nizina Śląska an der Troja.
Nachbarorte von Nowa Cerekwia sind im Osten Kozłówki (Kösling), im Südosten Chróścielów (Krastillau), im Westen Rogożany (Rosen), im Norden Sucha Psina (Zauchwitz) und im Nordosten Księże Pole (Knispel).
Geschichte


Die Gegend um das spätere Nowa Cerekwia war bereits in der Steinzeit besiedelt. Bei archäologischen Ausgrabungen wurden zahlreiche Scherben und Tongefäße aus dieser Zeit entdeckt. In einem naheliegenden Steinbruch wurde ein Tonbrandofen gefunden, der aus der Zeit der Kelten stammt. Nordöstlich des Ortes wurden in den Feldern zahlreiche Römische Münzen aus der Zeit von 100–200 n. Chr. entdeckt.
Die nach 1200 entstandene Siedlung wurde erstmals 1234 in der Schreibweise Noweczerkowie erwähnt und nach Deutschem Recht gegründet. 1266 lautete die Ortsbezeichnung Nouuenkirchen; für die Jahre 1267 1296, 1377, 1341 und 1352 ist sie lateinisch civitas Nova Ecclesia belegt. Der Ortsname leitet sich vom slawischen Substantiv cerekiwe (= Kirche) ab. Der Namenszusatz Deutsch kam erst später hinzu als Unterschied zum gleichnamigen Dorf Groß Neukirch im Herzogtum Cosel.[2]
Im Mittelalter entwickelte sich die Siedlung zu einem blühenden Marktflecken, der 1428 in den Hussitenkriegen zerstört wurde. Während der Reformation bekannten sich die Einwohner um die Mitte des 16. Jahrhunderts zum Protestantismus. Im Zuge der Gegenreformation setzte um 1620 die Gegenreformation; dadurch wurde ein und Neukirch wurde wieder katholisch. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort geplündert und niedergebrannt. 1666 zerstörte erneut ein Feuer den gesamten Ort. 1688 entstand auf dem Friedhof die Wenzelkirche.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Deutsch Neukirch mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Zwischen 1786 und 1788 wurde unter dem Pfarrer Anton Proske die katholische Pfarrkirche errichtet.
Nach der Neugliederung der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Deutsch Neukirch ab 1816 zum Landkreis Leobschütz, mit dem sie bis 1945 verbunden blieb. 1826 zerstörte erneut ein Feuer den Ort. Das Pfarrhaus, die Schule sowie 140 weitere Häuser fielen den Flammen zum Opfer. 1845 bestanden im Dorf eine katholische Pfarrkirche, eine katholische Schule, ein Schloss, ein Pfarrhaus, drei Wassermühlen, zwei Brennereien und 83 Häuser. Die Einwohnerzahl lag damals dei 1018, davon zwei evangelisch und sechs jüdisch.[3] 1861 wurden für Deutsch Neukirch gezählt: 41 Groß- und Kleinbürger, 18 Gärtner- und 87 Häuslerfamilien.[4] 1874 wurde der Amtsbezirk Deutsch Neukirch gebildet, dem die Landgemeinden Bieskau, Deutsch Neukirch, Kösling und Rosen eingegliedert wurden. Erster Amtsvorsteher war der Kaufmann Schneider in Deutsch Neukirch.[5]
Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten in Deutsch Neukirch 826 Personen für einen Verbleib bei Deutschland und eine für Polen. Deutsch Neukirch verblieb wie der gesamte Stimmkreis Leobschütz beim Deutschen Reich.[6] 1925 lebten 884 Einwohner in Deutsch Neukirch. Am 1. April 1937 wurde Deutsch Neukirch und Bieskau zur Gemeinde Altstett zusammengeschlossen. Bis 1945 gehörte der Ort zum Landkreis Leobschütz.[7] Die ersten Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges erreichten den Ort Mitte März 1945. Am 18. März 1945 flogen sowjetische Flieger über Altstett und ließen zahlreiche Phosphorbrandbomben niedergehen. Zahlreiche Häuser wurden dabei zerstört. Die Bevölkerung floh am darauffolgenden Tag, dem 19. März 1945, in Richtung Sudetenland. Die Front verlief tagelang in der Nähe von Altstett. Durch anhaltenden Artilleriebeschuss wurden weiter zahlreiche Gebäude zerstört. Die katholische Pfarrkirche erlitt dabei heftige Treffer. Der Turm sowie der Dachstuhl wurden zerstört. Die Friedhofskirche St. Wenzel wurde ebenfalls zerstört. Am Karsamstag rückte die Rote Armee im Ort ein. Die im Ort verbliebenen Menschen wurden vergewaltigt und ermordet.
Als Folge des Zweiten Weltkriegs kam Neukirch 1945 zur Verwaltung an Polen, wurde zunächst in Stara Cerekwia umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. Im Mai 1945 kehrte ein Großteil der zuvor geflüchteten Bevölkerung zurück. Im Juli 1946 wurde die einheimische deutsche Bevölkerung über den Bahnhof von Leobschütz vertrieben.
1947 wurde Stara Cerekwia in Nowa Cerekwia umbenannt und 1950 der Woiwodschaft Opole eingegliedert. Seit gehört es zum Powiat Głubczycki.
Bieskau

Bieskau (tschechisch Bezdjekow) bildete bis 1937 eine eigenständige Landgemeinde. Am 1. April 1937 wurden Deutsch Neukirch und Bieskau zur Gemeinde Altstett zusammengelegt. Der Ort liegt südöstlich von Deutsch Neukirch. Heute ist es ein nicht amtlicher Ortsteil von Nowa Cerekwia.
Das Angerdorf Bieskau wurde 1331 erstmals als villa Besdcaw in Oppauiensi terra sita erwähnt. 1352 und 1358 ist es als villa Bescav vulgariter dicta prope Civitatem Nouamecclesiam belegt, 1377 als Besdechaw, 1423 als Bezdzecow und 1467 als Besdirkow. Der Ortsname leitet sich vom Personennamen Bezdjek ab (= das Dorf des Bezdjek).[2]
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Bieskau mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.
Nach der Neugliederung der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Bieskau ab 1816 zum Landkreis Leobschütz im Regierungsbezirk Oppeln. 1845 bestanden im Dorf eine Brennerei und 145 Häuser. Im gleichen Jahr lebten in Bieskau 789 Menschen, davon vier evangelisch. Eingeschult und eingepfarrt waren die Bewohner nach Deutsch Neukirch. Zu Bieskau gehörte der Ortsteil Neu-Bieskau bzw. Kolonie Bieskau.[3] 1861 zählte Bieskau 23 Bauern-, 16 Gärtner und 86 Häuslerstellen.[4] Ab 1874 gehörte Bieskau zum Amtsbezirk Deutsch Neukirch. 1885 zählte Bieskau 1011 Einwohner.[7]
Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten in Bieskau 677 Personen für einen Verbleib bei Deutschland und 3 für Polen. Bieskau verblieb wie der gesamte Stimmkreis Leobschütz beim Deutschen Reich.[6]
Der kleine Potich-Bach fließt durch Bieskau und mündet hier in die Troja.[8]
Sehenswürdigkeiten


- Die römisch-katholische Kirche St. Peter und Paul (Kościół św. Piotra i św. Pawła) wurde zwischen 1786 und 1788 unter Pfarrer Anton Proske im Stil des Barock erbaut. Bereits seit dem 13. Jahrhundert bestand hier ein Kirchenbau, der erstmals im Jahre 1234 erwähnt wurde. Der Kirchenbau wurde im März 1945 teilweise zerstört. Durch Brandbomben wurde der Turm sowie der Dachstuhl zerstört. Der Kirchenbau steht seit 1959 unter Denkmalschutz.[9]
- Die römisch-katholische Begräbniskirche mit dem Patronat des böhmischen Landesheiligen Wenzel von Böhmen (Kościół cmentarny św. Wacława) wurde 1688 im barocken Stil erbaut. Bei Kriegsende 1945 wurde sie zerstört. Erhalten haben sich lediglich die Außenmauern. Diese stehen seit 1965 unter Denkmalschutz.[9]
- Das Schloss Deutsch Neukirch stammt aus dem 15. Jahrhundert. Bis heute haben sich lediglich die Außenmauern erhalten. Diese stehen seit 1964 unter Denkmalschutz.[9]
- Ring mit Bürgerhäusern
- Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs
- Bahnviadukt aus dem Jahr 1907 über die Troja
- Heidrichskapelle
- Wegekapelle
- Steinerne Wegekreuze
Vereine
- Freiwillige Feuerwehr OSP Nowa Cerekwia
- Sportverein Pionier Nowa Cerekwia
Literatur
- Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien. München·Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 657.
- Georg Beier: Die Dörfer des Kreises Leobschütz 1914–1946. Oberschlesischer Heimatverlag Dülmen, 1990. ISBN 3-87595-277-4
