Nuklearstrategie

strategisches Konzept, das den angedrohten oder tatsächlichen Einsatz von Kernwaffen zu politischen Zwecken umfasst From Wikipedia, the free encyclopedia

Eine Nuklearstrategie oder nukleare Verteidigung oder nukleare Abschreckung ist ein militärisch-strategisches Konzept bzw. eine Militärstrategie, die den angedrohten oder tatsächlichen Einsatz von Kernwaffen zu sicherheitspolitischen Zwecken beschreibt. Nuklearstrategien existieren seit Beginn des Atomzeitalters, genauer gesagt seit der militärischen Nutzung der Kernenergie.

Die nuklearen Strategien unterscheiden sich daher von den konventionellen. Diese Konzepte waren in den USA zunächst auch bekannt als Kriegspläne. Neben der konventionellen, taktischen oder Gefechtsfeld-Abschreckung gibt es die strategische Abschreckung (z. B. nukleare Abschreckung). Dabei stärkt jede Stufe die vorherige.

Staaten, die Kernwaffen besitzen (viz. Atommächte), erarbeiten Nuklearstrategien und halten sie seit dem Kalten Krieg (ab 1947) bis ins 21. Jahrhundert auf dem neuesten Stand. Die theoretische Planung wird in der Regel von speziellen militärischen Einheiten durchgeführt. Eine integrierte Struktur gewährleistet den Betrieb der Waffensysteme bzw. der offensiven Atomstreitkräfte. Im Falle der USA erfolgt dies unter der Leitung der United States Strategic Command (USSTRATCOM).

Akademische Beiträge zur Strategie kommen auch von verteidigungsnahen Beratungsorganisationen, wie z. B. der RAND Corporation in den USA.

Einleitung

Es gibt eine Vielzahl von Strategien, Konzepte und Theorien, die sich mit Nuklearwaffen bzw. der Politik von Nuklearwaffen befassen. Die ersten Veröffentlichungen und Diskussionen zu diesem Thema fanden Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre statt. Die Entwicklung einer generellen Militärstrategie reicht jedoch noch weiter zurück. Die grundlegenden Ideen dazu stammen von Carl von Clausewitz, welcher Strategie klassisch definierte als „die Theorie des Einsatzes von Kämpfen für das Ziel des Krieges“. Genauer gesagt ist die Aussage von Clausewitz, „der Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, im Falle von Atomwaffen bzw. einem Atomkrieg weit gefehlt. Ein solcher Krieg würde jegliche Politik beenden und die vollständige Vernichtung bedeuten, wie der Militärhistoriker Edgar McCloughry bereits 1957 bemerkte. Ein weiterer Stratege war der Brite B. H. Liddell Hart, der in seinen Überlegungen zu diesem Kontext eine starke konventionelle Streitkraft gegenüber einer nuklearen Rüstung bevorzugte – auch für die NATO. Laut dem Militärexperten Michael Howard ist der Haken an der Sache nur, dass man im Kriegsfall mit „Feuerlöschern zwar Unfälle bekämpfen kann, aber es voreilig wäre, anzunehmen, dass Unfälle die einzigen Notfälle sind, auf die sich der Westen vorbereiten muss.“[1]

Aufgrund ihres außergewöhnlich hohen Zerstörungspotenzials einer Kernwaffenexplosion nehmen Kernwaffen seit ihrem erstmaligen Einsatz am Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 eine moralische und sicherheitspolitische Sonderstellung als Massenvernichtungswaffe ein. Der ehemalige US-amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson sagte bereits 1964, die Entscheidung des Einsatzes der Waffen „würde uns auf einen ungewissen Weg von Schlägen und Gegenschlägen führen, dessen Ausgang niemand kennen kann“. In einer gemeinsamen Erklärung[2] aus dem Jahr 2022 bekräftigten die fünf Kernwaffenstaaten, „dass ein Atomkrieg nicht zu gewinnen ist und niemals geführt werden darf“. Die Waffen sollen „solange sie existieren – der Verteidigung, der Abschreckung und der Vorbeugung dienen“ und „die Verbreitung muss verhindert werden“.

Die NATO verfügt über eine eigene Nuklearstrategie als Teil des Strategischen Konzepts (darin die Abschreckung und Verteidigungshaltung), die in der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) und weiteren Gremien erarbeitet wird. Genauer gesagt waren US-amerikanische strategische (später taktische) Atomwaffen seit 1949 Teil der NATO-Strategie (Strategiedokument: Military Committee 3 bzw. MC 3), mit der das Nordatlantische Bündnis absolut geschützt und der Warschauer Pakt abgeschreckt werden sollte. Nach Artikel V würden die NATO-Parteien davon ausgehen, „dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird“. Im Falle eines solchen Angriffs würden die Vertragsmitglieder Maßnahmen ergreifen, „einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, um die Sicherheit des nordatlantischen Raums wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten“.

Nuklearstrategien wie die Massive Vergeltung (ab 1954) oder die Flexible Reaktion (ab 1968) waren daher neben dem damaligen Wettrüsten ein prägendes Merkmal des Kalten Krieges. Dabei spielt auch die nukleare Parität eine Rolle, d. h. eine Situation, in der die Nation, die zuerst zuschlägt, die nukleare Kapazität der anderen Nation nicht so auslöschen kann, dass sie keinen größeren Schlag erhält, als sie erhalten möchte. Ursprünglich wurde dieses Szenario bildlich mit zwei Skorpionen in einer Flasche verglichen: Die Ausführung eines vernichtenden Schlags ist unmöglich, ohne dass dabei die eigenen lebenswichtigen Teile einem gleich tödlichen Gegenstoß ausgesetzt werden.

Weil die beiden Konfliktparteien in dieser strategischen Auseinandersetzung über Kernwaffen verfügten und diese technisch aufrüsteten, stand die Nichtverwendung von Kernwaffen bei gleichzeitiger Wahrung sicherheitspolitischer Interessen im Mittelpunkt ihrer Nuklearstrategien. Auch die Abwehr eines Angriffs mit Nuklearwaffen durch Raketenabwehr stand im Fokus bzw. wurde berücksichtigt. Es wurde jedoch früh erkannt, dass ein Angriff mit Nuklearwaffen nur schwer oder gar nicht zu verteidigen ist. Speziell die MIRV-Technologie aus den 1970er Jahren macht die Verteidigung nahezu unmöglich.

Die Atommacht Frankreich ist seit 1966 kein Mitglied des NATO-Militärausschusses mehr, d. h., sie stellt ihr Atomarsenal, die „Force de dissuasion“, der NATO NPG nicht mehr zur Verfügung. Das Land bzw. Charles de Gaulle wollte eine unabhängige nukleare Abschreckung unter eigener Kontrolle.

Nach dem Ende des Kalten Krieges verloren manche Nuklearstrategien teilweise unmittelbar an Bedeutung. Die neuen Risiken in den 1990er Jahren waren zunächst unmittelbar mit der Nichtverbreitung von spaltbarem Material, Kernsprengköpfen, Kernwaffensystemen und dem Wissen dazu verbunden. Die Absicherung der genannten Gefahren fand u. a. durch Kooperation zwischen Russland und den USA statt. Die großen nuklearen Arsenale der ehemaligen Konfliktparteien Sowjetunion und USA wurden durch zahlreiche Abrüstungsverträge und Abkommen mittlerweile reduziert.

Neben der Strategieentwicklung wurde seit Jahrzehnten unter dem Aspekt der Rüstungskontrolle bzw. nukleare Abrüstung eine Erhöhung der Sicherheit und Stabilität durch den Abbau von Gefahrenpotenzialen angestrebt. Einige Beispiele waren der INF-Vertrag, SALT und Strategic Arms Reduction Treaty. Auch eine Vielzahl von Testmoratorien hatte das Wettrüsten und die Verbreitung von Waffen verhindert.

Nukleare Abschreckung

Dies ist eine vereinfachte Darstellung eines nuklearen Schlagabtauschs. Kriegspartei A führt einen Erstschlag gegen B aus. Die Gegenseite liefert unter der Annahme einer hohen Reaktionszeit und Überlebensrate einen alles vernichtenden Gegenschlag. Es kommt zu einer gegenseitig garantierten Zerstörung (MAD). (1955)

Abschreckung umfasst die Gesamtheit der Überzeugungen, die ein potenzieller Gegner aufgrund seiner Werte und Einstellungen in Bezug auf die Kapazitäten sowie den Willen des Abschreckenden hegt. Abschreckung zielt darauf ab, potenzielle Konflikte zu vermeiden, indem die Kosten und Risiken für den Angreifer als zu hoch eingeschätzt werden. Ein Gegner soll davon abgehalten werden, in einer Krise eine Aggression in Betracht zu ziehen. Was die eigene Seite davon abhält, Gewalt anzuwenden, soll davon jedoch nicht betroffen sein.

Alle Strategien verfolgen mindestens die folgenden übergeordneten Ziele:

  1. Abschreckung der jeweils anderen Seite vor einem nuklearen Totalangriff;
  2. Abschreckung von kleineren Konflikten, die zu einem vollständigen nuklearen Schlagabtausch (viz. totalen Krieg bzw. Atomkrieg) eskalieren könnten.

Die Nuklearstrategien verschiedener Staaten unterscheiden sich zwar grundsätzlich voneinander, es gibt jedoch gewisse Grundbausteine, die ihnen gemeinsam sind. Ein Grundbaustein ist beispielsweise die Massive Vergeltung, d. h., ob der Staat einen meist prompten Gegenschlag als Teil der Strategie sieht, um inakzeptablen Schaden zuzufügen. Ein Beispiel dafür ist Israels inoffizielle Samson-Option. Ein anderer Baustein ist die minimale (nukleare) Abschreckung, bei der der Aufbau umfangreicher Zweitschlagskapazitäten vermieden werden soll (oder nicht möglich ist). Ein Gegenschlag ist somit immer noch möglich, aber nur mit minimalen Mitteln, die im atomaren Fall bereits extrem sind und dadurch abschreckend wirken.

Die tatsächlichen Strategien oder Policen gehen jedoch weit über diese vereinfachte Darstellung hinaus, da sie viele weitere Aspekte berücksichtigen.

Grundsätzlich beeinflussen die Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik eines Landes im Besitz von einem Atomwaffenarsenal dessen Nuklearstrategie. Beispiele hierfür sind die Reagan- oder die Bush-Doktrin. Im erweiterten Kontext wird in diesem Zusammenhang auch umgangssprachlich von einer Nuklearpolitik oder nuklearen Ordnung gesprochen. Es ist jedoch zu unterscheiden zwischen den Dynamiken und Debatten der Politik einerseits und den nuklearen Policies andererseits, welche bestimmte Rahmenbedingungen und Inhalte definieren.

Eine nukleare Abschreckung wird technologisch durch offensive, sich ergänzende Waffensysteme aufrechterhalten, um im Falle eines Angriffs (Erstschlag) einen alles vernichtenden Zweitschlag gewährleisten zu können. Wenn drei verschiedene Waffenträgersysteme Kernsprengköpfe zum Ziel transportieren können, wird dies als „Triade“ bezeichnet.

Militärs haben ihre Strategien stets fortgeschrieben bzw. angepasst. Heute sind sie zusammen mit komplexen Kommando-, Kontroll- und Informationsinfrastrukturen [englisch command, control, and communication (C3)] integriert.[3] Sie werden durch Ziel- und Operationspläne konkretisiert. Zusätzlich finden Übungen statt, z. B. das NATO-Manöver Steadfast Noon. Weitere Demonstrationen der Fähigkeiten bzw. eine mediale Form der Abschreckung, sind Raketentests[4] oder die Präsentation von Kernwaffensystemen auf Militärparaden.[5]

Die nachfolgend beschriebenen Strategien behalten trotz der erwähnten Veränderungen seit dem Kalten Krieg teilweise ihre Gültigkeit, wobei alte Strategien durch neue ersetzt wurden. Die tatsächlichen Nuklearstrategien der Militärs sind stets Verschlusssache. Außerdem unterscheiden sich die Strategien aufgrund ihrer historischen, politischen, geografischen, militärischen usw. Bedingungen.

Die akademische oder militärische Forschung versucht, diese Strategien vor dem Hintergrund der globalen Sicherheitslage zu interpretieren und weiterzuentwickeln.

Nuklearstrategien der USA und NATO

Kalter Krieg

  • Vorneverteidigung (Forward Strategy): Konzept der Verzögerung eines Angriffs des Warschauer Paktes (WP) mit konventionellen Kräften östlich des Rheins. Anschließend nuklearer Gegenschlag strategischer Luftstreitkräfte mit einer konventionellen Gegenoffensive mit dem Ziel, den Warschauer Pakt (WP) zurückzudrängen. Diese Konzeption fand Anwendung von 1950/52 bis 1957 – NATO-Dokument 14/1 – und hätte bei einer Anwendung die Verstrahlung von weiten Teilen Deutschlands bedeutet. Es wurde aufgrund des angewachsenen Vernichtungspotenzials der Atomwaffenarsenale durch die Massive Vergeltung ersetzt. Die heutige verlängerte nukleare Abschreckung mittels taktischer Atomwaffen ist zwar nicht gleich, jedoch ein Grundprinzip der Nuklearstrategie der NATO.
  • Massive Vergeltung (Massive Retaliation): Beantwortung eines feindlichen (konventionellen) Angriffes mit einem vernichtenden Gegenschlag mit atomaren Waffen. Diese Konzeption (vgl. John F. Dulles) bestand von 1954/57 bis 1967/68, auch als NATO-Dokument MC 14/2. Es basiert auf der Tatsache, dass die USA ab 1945 die alleinige Großmacht im Besitz von Atomwaffen war, bis 1949 die UdSSR ihre erste Spaltbombe explodierte und ab diesem Zeitpunkt das Wettrüsten des Kalten Kriegs begann. Der Single Integrated Operational Plan (SIOP), ein Ziel- und Angriffsplan der USA, genauer das Dokument SIOP-62 sah 3423 Atombombenziele in dem Jahr 1960 vor. Massive Vergeltung wurde durch das nukleare Patt der Atommächte – die UdSSR hatte die USA in Sachen Atomwaffen aufgeholt – hinfällig. Die Massive Vergeltung hatte ihre damit ihre Grenzen und verlor ihre Effektivität bzw. Abschreckungsvermögen gegenüber kleineren Konflikten oder Aggressionen.
  • Mutual Assured Destruction (MAD) (gegenseitigen gesicherten Zerstörung): MAD ist eine sicherheitsstrategische Theorie, die ab den 1960ern in den USA entwickelt wurde. Sie zielt darauf ab, eine nukleare Zweitschlagsfähigkeit zu gewährleisten, um einen Angriff durch die Androhung einer umfassenden Zerstörung abzuschrecken. Die Ideen von MAD ging in der ab 1967 entwickelten (und offiziellen) Militärstrategie der Flexiblen Reaktion auf, die eine breitere Palette von militärischen Optionen und Reaktionen auf Bedrohungen umfasst, da ein Atomkrieg einem totalen oder absoluten Krieg gleichkommt und nicht zu gewinnen ist. Folglich war man sich des „begrenzten Krieges“ bewusst geworden.
  • Flexible Reaktion oder Flexible Antwort (Flexible Response) (NATO-Dokument MC 14/3): Angemessene Beantwortung eines Angriffs und damit zu Abschreckungzwecken der UdSSR. Im Rahmen der Konzeption der Flexiblen Reaktion von 1967/68 bis 1991 wurde in der NATO die Triaden-Strategie entwickelt. Diese Taktik sieht vor, konventionelle, nukleartaktische und nuklearstrategische Mittel im Verbund oder als Einzelelemente einzusetzen. 1980 umfasste der SIOP-5D rund 40.000 mögliche Ziele für Nuklearangriffe.[8][9] In den 1980er Jahren wurde die Flexible Antwort durch die Counterforce Strategie ergänzt.
  • Counterforce-Doktrin/Countervailing-Strategie: Eine in den USA unter Präsident Jimmy Carter entwickelte Strategie, die eine Flexibilisierung des Nukleararsenals bzw. der vorherigen Strategie der Flexiblen Antwort und den Ausbau der Angriffsfähigkeiten gegenüber feindlichen (lies: sowjetischen) strategischen Kernwaffen vorsieht, um flexible Optionen unterhalb einer Massiven Vergeltung zu ermöglichen. Genau gesagt wurden die Ziele die Kernwaffensysteme (z. B. Silos) selbst, und soziale Zentren (z. B. Städte) wurden nicht als Hauptziele eingeplant. Diese letztere Policy hat auch die UdSSR übernommen. Die Countervailing-Strategie ergänzte ab 1980 durch die US-Präsidentendirektive (PD 59) die Counterforce-Doktrin und führte u. a. zur Entwicklung von „Erdpenetrationskörpern“ (Raketen, Bomben) gegen gehärtete Ziele. Mit dem Counterforce-Programm ist auch die Raketenkrise in Europa verbunden, die mit der Stationierung von SS-20-Kernwaffensystemen begann und zum Doppelbeschluss der NATO führte. Vgl. dazu auch der INF-Vertrag.

Die oben genannten Strategien waren Teil des Kalten Kriegs und basierten auf der bipolaren Aufstellung der USA gegenüber der UdSSR bzw. dem Warschauer Pakt (WP). Mit dem Ende der Sowjetunion gerieten diese Strategien zunächst in den Hintergrund, und es begann ein umfangreicher Abbau und Umbau der Kernwaffenarsenale beider Nationen.

21. Jahrhundert

Nach dem Kalten Krieg, jedoch bis in die frühen 2000er Jahre, wurde der Single Integrated Operational Plan (SIOP) durch verschiedene Operationspläne [Operations Plan (OPLAN)] abgelöst bzw. die OPLAN integrieren die Kampfanteile des SIOP, speziell der OPLAN 8044.

  • Global Strike (Weltweiter Schlag): Ist ein Element der US-Militärstrategie (Operationsplan) bzw. eines Kriegsplans, das die weltweite und präventive Zerstörung strategischer und taktischer Ziele mit konventionellen und nuklearen Mitteln vorsieht. Die Strategie wurde als Teil eines konzeptuellen Operations Plan (CONPLAN) 8022[10] bekannt, welcher aber nie offiziell wurde und seit 2007 nicht mehr genutzt wird. Der Schutz bzw. die Sicherheit der USA und ihrer Alliierten vor der Proliferation von Massenvernichtungsmitteln, wie Atomwaffen zur Drittstaaten (vgl. Iran oder Nordkorea), ist ein Bestandteil dieses Plans. Es geht auf die Bush-Doktrin von 2002 zurück. Anteile des CONPLAN 8022 und OPLAN 8044 gingen in der OPLAN 8010 Serie auf.[11] Die Planung kommt von der United States Strategic Command (USSTRATCOM). Andere Anteile gingen in das Conventional Prompt Global Strike (CPGS) Programm über, welches die militärischen Fähigkeiten für den Plan aufbauen und bereithalten soll.
  • OPLAN 8010-12: Strategic Deterrence and Force Employment: Ein teilweise unter Verschlusssache gehaltener Kriegsplan der vermutlich sechs potenzielle Gegner der USA berücksichtigt: Russland, China, Nordkorea, Iran, Syrien und Angriffe mit Massenvernichtungswaffen durch nichtstaatliche Akteure.
  • Strategic Concept[12] (NATO): Die NATO fasst ihre Verteidigungsstrategie unter diesem Begriff zusammen. In dem der Öffentlichkeit zugänglichen Konzept für das Jahr 2022 steht unter § 44 (Übersetzung): Unser Ansatz wird weiterhin interessenorientiert und flexibel sein, sich auf die Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen und Herausforderungen konzentrieren und sich an die sich verändernden geopolitischen Gegebenheiten anpassen können. Der Unterteil zu Deterrence and Defence ist unter § 22 – § 34 dokumentiert.
  • Das Strategische Konzept der NATO beinhaltet US-amerikanische strategische und taktische Atomwaffen sowie die unabhängigen nuklearen Streitkräfte von Großbritannien und die stationierten taktischen Atomwaffen der NATO im Sinne der verlängerten Abschreckung.

Nuklearstrategien der UdSSR / Warschauer Vertrag / Russische Föderation

Kalter Krieg

  • 1951 befahl der sowjetische Regierungschef Generalissimus Josef Stalin die Entwicklung von Strategien für den Nuklearkrieg. Die Sowjetarmee sah ebenfalls den Präventivkrieg als Option vor. Nikita Sergejewitsch Chruschtschow erklärte am 14. Januar 1960 vor dem Obersten Sowjet, dass der globale Atomkrieg eine strategische Option sei, die es erlaube, „das Land oder die Länder, die uns überfallen … buchstäblich dem Erdboden gleichzumachen“. 1952 sollte Marschall Pawel Fjodorowitsch Schigarew eine strategische Bomberflotte der UdSSR aufbauen, die in der Lage sein sollte, die USA mit Nuklearwaffen anzugreifen. Entsprechende Luftstützpunkte wurden 1952 in Dikson und auf der Schmidt-Insel eingerichtet, von wo aus modifizierte Tupolew Tu-4 regelmäßig im internationalen Luftraum nahe den US-Basen in Kanada und auf Grönland Einsatzflüge unternahmen.
  • Unter Leonid Iljitsch Breschnew wurde ab 1965 eine Doppelstrategie propagiert. Demnach sollte die UdSSR einen Nuklearkrieg nicht führen, wenn er nicht von den USA bzw. der NATO aufgezwungen werde. Wenn ein Atomkrieg notwendig sei, müsse er auch geführt werden. Notfalls sei ein Präventivschlag denkbar.
  • Perimetr (Tote Hand), steht für ein Atomwaffen-Führungssystem, das im Falle eines nuklearen Enthauptungsschlags (Erstschlag), der die sowjetische/russische Führung aktionsunfähig gemacht hätte, einen allumfassenden Gegenschlag automatisch auslösen sollte.
  • Erst unter Michail Gorbatschow (vgl. auch Glasnost und Perestroika) entwickelte man ab 1987 eine neue Strategie, die der Verhinderung einer militärischen Auseinandersetzung gegenüber der Vorbereitung auf einen möglichen kommenden Krieg Priorität gab.

21. Jahrhundert

  • Das im Jahr 2000 artikulierte National Security Concept of the Russian Federation nach dem Präsidialdekret Nr. 1300 vom 17. Dezember 1999 (im Wortlaut des Präsidialdekrets Nr. 24 vom 10. Januar 2000);[13] Einige Punkte aus dem heute veralteten Konzept:
    • Die Hauptaufgabe der Russischen Föderation besteht darin, Aggressionen jeglichen Ausmaßes gegen sie und ihre Verbündeten abzuwehren, auch unter Einsatz von Atomwaffen.
    • Die Russische Föderation muss über Atomstreitkräfte verfügen, die in der Lage sind, jedem Aggressorstaat oder einer Staatskoalition in jeder Situation einen bestimmten Schaden zuzufügen.
    • Die Außenpolitik der Russischen Föderation sollte sich auf Folgendes konzentrieren:
      • * den Einsatz aller verfügbaren Mittel und Kräfte, einschließlich Atomwaffen, falls es notwendig ist, eine bewaffnete Aggression abzuwehren, wenn alle anderen Mittel zur Beilegung der Krisensituation ausgeschöpft sind oder sich als unwirksam erwiesen haben;
  • Die aktuelle Nuklearpolitik bzw. Strategie von Russland, bekannt als On Basic Principles of State Policy of the Russian Federation on Nuclear Deterrence[14] wurde vom russischen Präsident Vladimir Putin und dem Verteidigungsministerium veröffentlicht. Das Dokument wurde Ende 2024 aktualisiert und ersetzt den Stand von 2020.

Nuklearpolicen anderer Staaten

Neben den beiden bipolaren Kernwaffenstaaten USA und Russland gibt es die Kernwaffenstaaten Großbritannien, Frankreich und China. Ebenso verfügen die Länder Indien, Pakistan und vermutlich auch Israel über Atomwaffen. Nordkorea hat ebenfalls erklärt, im Besitz von Kernwaffen zu sein. Einige Staaten, beispielsweise China, verfolgen eine „Nichtersteinsatz“-Policy, die besagt, dass sie Atomwaffen unter keinen Umständen zuerst einsetzen würden, sondern nur als Zweitschlag.

All diese Länder haben eine mehr oder weniger umfangreiche Nuklearstrategie definiert, die in der Regel in unregelmäßigen Abständen angepasst wird. Nur in wenigen Fällen (USA, Russland und GB) werden Informationen teilweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von China sind beispielsweise keine offiziellen Details über das Atomarsenal bekannt, sondern nur Schätzungen, sodass genaue Analysen begrenzt sind.

Eine mögliche Anpassung besteht darin, dass ein Staat festlegt, dass ein Angriff auf seine Streitkräfte (unabhängig vom Standort) die Verteidigung oder den Einsatz von Atomwaffen rechtfertigt. Oder dass Atomwaffen zum Einsatz kommen sollen, wenn der Staat mit anderen Kampfmitteln, beispielsweise mit chemischen Waffen, angegriffen wird. Die Definition solcher Details hängt in der Regel eng mit den Entwicklungen bei den potenziellen Gegnern bzw. der von einem betroffenen Staat wahrgenommenen Sicherheitslage zusammen. Die Nuklearstrategien unterliegen insgesamt einer gewissen Dynamik, die sich zwar nicht stark verändert, aber dennoch vorhanden ist.

Übersicht Policies und Konzepte

Nuklearpolicies sind Teil des nuklearen Jargons von Sicherheitsanalysten und Strategen seit dem Kalten Krieg.

  • Erstschlag (First-strike): Ein offensiver Erstangriff
  • Zweitschlag (Second-strike) (synonym: Gegenschlag): Gegenschlag, falls möglich
  • Enthauptungsschlag: Ähnlich einem präemptiven Erstschlag, bzw. Präventivschlag
  • Nichtersteinsatz (No-first-use (NFU)): Einsatz nur nach einem atomaren Angriff
  • Start bei Warnung (Launch-on-warning):[15] Eine proaktive Strategie, die auf Frühwarnindikatoren basiert und einen sofortigen oder präventiven Schlag fordert, bei dem das Ziel getroffen wird, bevor es selbst getroffen wird.
  • Start unter Angriff (Launch-under-attack):[16] Eine reaktive Strategie, wartet auf einen bestätigten Angriff, kann aber sofort mit Vergeltungs- oder Sekundärkräften reagieren. Während des Kalten Krieges entsprach sie in etwa der „Warnstrategie“ (Launch-on-warning), wurde vom Strategic Air Command (SAC) jedoch als verzögerte Reaktion definiert. In beiden Szenarien müssen Interkontinentalraketen (ICBMs) schnell genug startbereit sein, um mit den Kriegsplänen übereinzustimmen.
  • Gegenkräfte Angriff oder Ziel (counterforce): Ein Angriff vorrangig gegen die militärischen Ziele hohen strategischen Werts (darunter Raketensilos, Gefechtsstände, Flugplätze).
  • Gegenwert Angriff oder Ziel (countervalue): Ein Angriff, beispielsweise gegen große Bevölkerungszentren.
  • Tödliches Versagen (fail-deadly): Eine Zweitschlag-Policy, beispielsweise in Anwendung in Form von Letters of Last Resort im Vereinigten Königreich

Laut der Nuclear Posture Review (NPR) von 2022 waren die US-Atomstreitkräfte nicht in einer launch-under-attack-Aufstellung und würden einen Erstangriff überstehen.

Frühwarnsysteme und Ballistische Raketenabwehr

Übersichtsbild des Ballistic Missile Defense System (BMDS) gegen Angriffe mit ballistischen Raketen. (2010)

Seit dem Kalten Krieg haben die USA und Russland komplexe defensive Überwachungs- und Frühwarnsysteme entwickelt, um Bewegungen der Gegenseite frühzeitig zu erkennen, darunter Radar- und satellitengestützte Technologien. Im Falle eines potenziellen Angriffs betragen die Vorlaufzeiten für eine Reaktion oft nur wenige Minuten, was die Dringlichkeit einer schnellen Entscheidungsfindung im Rahmen von Kontrolle, Kommando und Kommunikation (C3) unterstreicht. In den USA spielt das North American Aerospace Defense Command (NORAD) eine zentrale Rolle, indem es Informationen aus verschiedenen Quellen auswertet, um Bedrohungen schnell zu identifizieren und darauf zu reagieren.

Ebenfalls wurde eine Vielzahl an Abwehrsystemen gegen Bedrohungen entwickelt und in Betrieb genommen. Ein Beispiel ist das Aegis Combat System, welches an Bord von Marine-Kreuzern und Zerstörern eingesetzt wird und leistungsfähige Radar- und Interzeptor-Technologie zur Abwehr von Luftangriffen bietet. Ein bekanntes Programm aus den 1980er Jahren war das Strategic Defense Initiative (SDI), welches jedoch nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht weiterverfolgt wurde. Als Nachfolger wurde das National Missile Defense (NMD)-Programm in den 2000er Jahren gestartet. Auch das NMD wurde folglich durch das Ballistic Missile Defense System (BMDS) ab den 2010er Jahren ersetzt. Seit 2002 ist die Missile Defense Agency (MDA) die Leitorganisation für das US-amerikanische Abwehrsystem.

Die Anforderungen an die Systeme haben sich seit dem Ende des Kalten Kriegs und zu Beginn des 21. Jahrhunderts verändert. Die Entwicklung seit den 2010er Jahren beschäftigt sich mit nichtnuklearen Technologien (kinetische Waffen oder Abfangraketen) zur Verteidigung in der Start- oder Boost-, Mittel- und Endphase einer ballistischer Rakete. Ein Beispiel dafür ist das Ballistic Missile Defense System (BMDS), das verschiedene Technologien kombiniert, um Bedrohungen in jeder Phase ihres Fluges abzufangen.

Neben den offensiven Atomstreitkräften und einem zentralen Kontrollzentrum haben diese defensiven Fähigkeiten Einfluss auf die heutigen nuklearen Strategien.

Nukleares Kommando, Kontrolle und Kommunikation (NC3)

AFSATCOM

Die Autorität über den Einsatz von Kernwaffen liegt seit den 1960er Jahren beim US-Präsidenten (vgl. Atomkoffer und Permissive Action Link (PAL)) bzw. der National Command Authority (NCA). NCA ist über das National Military Command Center (NMCC) in direktem Kontakt mit STRATCOM, welche die Befehle aufnimmt und an die Einheiten per Emergency Action Message (EAM) weitergibt. In anderen Kernwaffenstaaten liegt das Befehlskommando ebenfalls beim Staatsoberhaupt und/oder Oberbefehlshaber.

Sollte die Bodenkontrolle und -kommunikation zu den Atomstreitkräften aufgrund eines verheerenden Angriffs ausfallen, übernehmen sogenannte Airborne Launch Control Centers (ALCC), beispielsweise die E-6B-Flugzeuge (Vorgänger: EC-135), die Funktion der bodenbasierten ICBM-Startcenter. Siehe auch Airborne Nuclear Command Post (ABNCP). Des Weiteren sind die E-4B, die fliegende Kommandozentrale des US-Präsidenten, in der Lage nukleare Befehle an die Einheiten zu geben. Das russische Gegenstück einer fliegende Kommandozentrale ist die Iljuschin Il-80.

Im absoluten Notfall greifen weitere Kommando- und Kommunikationssysteme, die gemäß einer fail-deadly-Policy einen Zweitschlag sichern sollen. Sie wurden ab den 1980ern entwickelt und in Betrieb genommen. Das sowjetische System wurde als „Tote Hand“ bzw. offiziell „Perimetr“ bekannt, das US-amerikanische als Emergency Rocket Communications System (ERCS). Das russische System wurde weiterentwickelt und ist heute noch in Betrieb. ERCS wurde hingegen durch das Satellitensystem Milstar, Air Force Satellite Communications (AFSATCOM) sowie die fliegende Kommandozentralen ersetzt.

Für weitere Informationen zum Thema siehe die einschlägige Fachliteratur.[17][18]

Nukleare Tarnfeldstrategie

Es existieren weitere Militärstrategien in diesem Umfeld. Geht man von den drei Domänen Land, See und Luft aus, wird deutlich, dass landgestützte Interkontinentalraketen (ICBM) und ihre Silos stationär gelagert sind und somit im Falle eines Erstschlags verwundbar wären. Diese Systeme wurden jedoch vor den seebasierten Trägermitteln, also Atom-U-Booten, entwickelt. Letztere sind nur schwer lokalisierbar und somit der am wenigsten verwundbare Teil einer nuklearen „Triade“. Die Länder Russland und China betreiben spezielle mobile ICBM-Plattformen, auch bekannt als Transporter-Erektor-Starter, z. B. der Topol-M Starterkomplex. Im Vergleich zu stationären, silobasierten ICBMs erlauben diese Waffenträgersysteme eine gewisse Mobilität.

Für solche Systeme besteht eine Strategie, auch bekannt als „Shell Game“ oder das multiple protective structure (MPS)-Konzept, mit welcher landbasierte ICBMs bzw. Starterkomplexe vor einem Erstangriff geschützt werden können.[19] Diese Strategie verfolgt das Ziel, eine Anzahl von Silos für ICBMs oder Strukturen für Starterkomlexe zu errichten und zu betreiben, die die maximale Anzahl der MIRV-Wiedereintrittskörper eines Gegners übersteigt. Dabei nutzt man die Möglichkeit, Silos oder Strukturen nach einem Zufallsprinzip befüllt oder leer oder mit einer Attrappe zu beladen, siehe auch Hütchenspiel oder Ziegenproblem. Dies erschwert die Möglichkeit der Zielplanung für einen Angreifer. Als Konsequenz ergibt sich, bzw. erhofft man sich, dass die „Kosten“ eines Angriffs proportional zur Anzahl der errichteten Strukturen in die Höhe schießen und damit eine erhöhte Abschreckung erreicht wird bzw. eine höhere Widerstandsfähigkeit oder Unsicherheit in Bezug auf die nuklearen Fähigkeiten. Diese Strategie ist jedoch aus Sicherheitsgründen problematisch, da sie eine transparente Kommunikation über die nuklearen Fähigkeiten erschwert und eine Quelle für Fehlinformationen darstellt.

Gesetzlichkeiten und Rechtsfragen

Ob Atomwaffen, deren Existenz, Einsatz oder die damit verbundene Bedrohung überhaupt legal sind, wird seit Jahrzehnten von Fachleuten untersucht.[20][21] Beispielsweise berücksichtigt die Strategie der USA das Kriegsvölkerrecht,[22] in dem zwischen zivilen und militärischen Zielen unterschieden wird.[23]

Der Internationale Gerichtshof (IGH) wurde 1993 mit einer Frage zur Rechtmäßigkeit des Einsatzes von Kernwaffen durch einen Staat in bewaffneten Konflikten beauftragt:[24]

„Wäre der Einsatz von Atomwaffen durch einen Staat in einem Krieg oder einem anderen bewaffneten Konflikt angesichts der Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt ein Verstoß gegen seine Verpflichtungen nach dem Völkerrecht, einschließlich der Verfassung der WHO?“

Im Jahr 1996 sah sich der IGH „nicht in der Lage, das von der Weltgesundheitsversammlung angeforderte Gutachten abzugeben.“

Eine zweite Anfrage 1994 befasst sich mit der Frage der Rechtmäßigkeit der Androhung oder des Einsatzes von Atomwaffen:[25]

„Ist die Androhung oder der Einsatz von Atomwaffen unter irgendwelchen Umständen nach internationalem Recht zulässig?“

Der IGH stellte 1996 fest:

„(…) dass das unmittelbar relevanteste anwendbare Recht das in der Charta der Vereinten Nationen verankerte Recht über die Anwendung von Gewalt und das in bewaffneten Konflikten anwendbare Recht sowie alle spezifischen Verträge über Kernwaffen waren, die der Gerichtshof für relevant erachten könnte.“

Strategie- und Sicherheitsforschung

Die nuklearstrategische Forschung war speziell im Kalten Krieg eine Domäne der Strategischen Studien oder auch Operations Research. Dabei griffen Strategietheoretiker häufig auf Erkenntnisse der Spieltheorie zurück, die das gängige nuklearstrategische Dilemma des Nichteinsatzes als ein Beispiel für das Gefangenendilemma betrachtete. In diesem Forschungsgebiet bekannt wurden vor allem Bernard Brodie, Herman Kahn, Thomas Schelling, Albert Wohlstetter, Colin S. Gray oder Lawrence Freedman.

Die Forschung findet heutzutage als Teil der militärischen und strategischen Studien, der Abrüstungs- oder Rüstungskontrollpolitik oder Sicherheitsforschung statt. Einschlägige Fachzeitschriften sind z. B. International Security, Journal for Peace and Nuclear Disarmament, Science & Global Security, Arms Control Today, Bulletin of the Atomic Scientists oder Nonproliferation Review.

Kontroversen

Die nukleare Abschreckung ist seit Jahrzehnten ein System, das auf dem Prinzip der Stabilität durch Gleichgewicht beruht. Aufgrund der mittlerweile neun Staaten, die im Besitz von Kernwaffen sind, sei das System laut dem pensionierten Leutnant General Douglas Lute „fragil“.[26] Lute äußert sich in Bezug auf den Film „A House of Dynamite“, der die Gefahren eines Atomkriegs thematisiert.

Die Abwehr atomarer Bedrohungen, also Interkontinentalraketen (ICBMs oder SLBMs), bleibt schwierig, da die Wahrscheinlichkeiten für einen Abfang größtenteils nur auf idealen Testergebnissen beruhen – ganz abgesehen von der Verlässlichkeit der Systeme selbst. Zudem sind bereits viele Abrüstungs- und Rüstungskontrollabkommen ausgelaufen. Der letzte Vertrag, der bis am 5. Februar 2026 gültig war und die Atomarsenale zwischen den USA und Russland begrenzte, war das New START Agreement.

Siehe auch

Literatur

Neuere Werke

Klassiker

  • Henry A. Kissinger: Nuclear Weapons and Foreign Policy (= Council on Foreign Relations). Harper & Brothers, New York 1957 (englisch, archive.org Deutsche Ausgabe: Kernwaffen und auswärtige Politik. München 1959.).
  • Bernard Brodie: Strategy in the Missile Age. RAND Corporation, Santa Monica, CA 1959, ISBN 0-8330-4224-6 (englisch, rand.org).
  • Herman Kahn: On Thermonuclear War. Princeton University Press, Princeton, NJ 1961 (englisch, archive.org Das Werk wurde 20 Jahre später (1984) von Kahn überarbeitet, siehe dort.).
  • André Beaufre: Abschreckung und Strategie. Propyläen Verlag, Berlin 1966.
  • Robert S. McNamara: The Essence of Security. Harper & Row, New York 1968 (englisch, archive.org).
  • André Beaufre: Die Revolutionierung des Kriegsbildes – Neue Formen der Gewaltanwendung. Seewald, Stuttgart 1973.
  • Herman Kahn: Thinking about the Unthinkable in the 1980s. Simon and Schuster, New York 1984, ISBN 0-671-47544-4 (englisch, archive.org).
  • Nigel Flynn (Hrsg.): War Today: Conflict and Confrontation between the Superpowers. Marshall Cavendish, London 1985, ISBN 978-0-86307-435-6.
  • Robert Jervis: The Meaning of the Nuclear Revolution: Statecraft and the Prospect of Armageddon (= Cornell Studies in Security Affairs). Cornell University Press, Ithaca; London 1990, ISBN 0-8014-2304-X (englisch, archive.org).
  • Gregory W. Pedlow (Hrsg.): NATO Strategy Documents 1949–1969. NATO, SHAPE, Brussels, Belgium 1997 (englisch, archive.org).

Einzelnachweise

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