Bahnstrecke Bad Berleburg–Allendorf
Bahnstrecke in Deutschland
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Die Bahnstrecke Bad Berleburg–Allendorf, auch Obere Edertalbahn oder Ederberglandbahn genannt, verläuft von Bad Berleburg nach Allendorf (Eder), wo sie in die Bahnstrecke Nuttlar–Frankenberg mündet. Sie zweigte am Abzweig Hörre von der Bahnstrecke Erndtebrück–Bad Berleburg ab und war 36,2 Kilometer lang. Bis heute erhalten ist noch der Abschnitt von Allendorf bis Battenberg-Auhammer.
| Bad Berleburg–Allendorf (Eder) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Sonderzug in Battenberg (Eder) 2006 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckennummer (DB): | 2872 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke (DB): | ex 322.1 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke: | 174k (1934) 198m (1946) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 36,2 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Zweigleisigkeit: | – | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Geschichte
Eröffnung und Betriebsjahre
Nachdem 1908 die Bahnstrecke von Nuttlar nach Frankenberg (Eder) eröffnet wurde, schritten die Bauarbeiten an der Oberen Edertalbahn voran. Sie wurde in mehreren Abschnitten eröffnet. Mehrere der Empfangsgebäude an der Strecke wurden von Regierungsbaumeister Alois Holtmeyer errichtet.
| Abschnitt | Eröffnet am |
|---|---|
| Bad Berleburg – Raumland | 1. August 1910 |
| Raumland – Arfeld | 15. August 1911 |
| Arfeld – Hatzfeld (Eder) | 1. April 1911 |
| Hatzfeld (Eder) – Allendorf (Eder) | 17. November 1910 |
In den Jahren nach der Eröffnung entwickelte sich der Verkehr äußerst positiv. Doch schon in den 1930er-Jahren ging er mehr und mehr zurück. Schon 1936 bemängelte die Reichsbahndirektion Kassel den sehr schwachen Personennahverkehr zwischen Hatzfeld und Berleburg und empfahl eine Verminderung des Personenzugbetriebes. Der Zweite Weltkrieg brachte wieder einen Aufschwung, der Verkehr stieg stark an. Besonders in der Nachkriegszeit wurden enorme Verkehrsleistungen erbracht, bis dann zu Beginn der 1950er-Jahre der Verkehr mehr und mehr auf die Straße abwanderte, was auch damit erklärt werden kann, dass viele Bahnhöfe weit ab vom eigentlichen Ort lagen. So verschärfte sich dann der Fahrgastrückgang und die Einstellung des Reisezugverkehrs wurde vorgesehen.[3] Nach Untersuchungen über die Wirtschaftlichkeit der Strecke führte man zum 2. November 1954 den vereinfachten Nebenbahnbetrieb ein, nur Hatzfeld und Allendorf/Eder blieben mit Fahrdienstleitern besetzt. Nach und nach wurden die auf den Stationen noch tätigen Eisenbahner abgezogen, die Bahnhöfe Schwarzenau und Arfeld geschlossen, im Dezember 1972 entfernte man dort die Ausweichgleise. Ab dem 1. Juni 1975 fielen die Reisezüge nach 16 Uhr aus, an Sonntagen gab es keinen Reisezugverkehr mehr, die Samstagszüge zwischen Berleburg und Hatzfeld wurden ab 28. Mai 1978 gestrichen.
Auf der Strecke galt damals eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Besonderheiten waren die Durchfahrt durch den 325 Meter langen Dodenauer Tunnel und durch das Eisenwerk Hasenclever, wo ein werkseigener Wärter die Schranken bedienen musste.
Stilllegung
Angesichts rückläufiger Fahrgastzahlen erfolgte zum 30. Mai 1981 die Stilllegung des Personenverkehrs auf der Strecke. Ein Tag zuvor um 14:55 Uhr rollte der letzte Personenzug in Richtung Frankenberg aus dem Bad Berleburger Bahnhof.[4] Dieser Zug war mit einer schwarzen Fahne und einem Abschiedsgruß versehen. Am 30. Mai dann fuhr auch der letzte Zug des Streckenteils Hatzfeld–Frankenberg mit vielen Fahrgästen in Schienenbussen.
Bei der Stilllegung wurde auf die bestehende durchgehende Buslinie nach Frankenberg verwiesen. Aber nach einem Jahr habe man auf der Buslinie eine Rückgang der Fahrgäste um zwei Drittel festgestellt. Die Folge war, dass auch diese direkte Verbindung gekappt wurde.[4]
Die Strecke wurde auch im Güterverkehr zwischen Arfeld und Hatzfeld am selben Tag stillgelegt. Ein Jahr später endete er auch zwischen Bad Berleburg und Arfeld. Dieser Abschnitt wurde bereits 1983 demontiert. Der restliche Güterverkehr wurde 1995 beziehungsweise 2002 weitgehend beendet. Zwischen Bad Berleburg und Battenberg-Auhammer ist die Strecke komplett abgebaut.[5]
| Abschnitt | GV eingestellt am | Abbau |
|---|---|---|
| Bad Berleburg – Arfeld | 30. November 1982 | 1983 |
| Arfeld – Hatzfeld (Eder) | 30. Mai 1981 | 1983 |
| Hatzfeld (Eder) – Battenberg-Auhammer | 29. Mai 1995 | 2000 |
| Auhammer-Gelände | 15. Dezember 2002 | 2005 |
| Battenberg-Auhammer – Battenberg (Eder) | 15. Dezember 2002 | nicht abgebaut |
Heute
Von 2005 bis 2007 fuhren unter Federführung der Kurhessenbahn von Mai bis Oktober an Sonn- und Feiertagen zwischen Frankenberg (Eder) und Battenberg-Auhammer Ausflugszüge der Baureihen 628.2 und 628.4. Seit der Einstellung des Ausflugsverkehrs 2007 wurde der Abschnitt nur noch unregelmäßig von Personenzügen befahren, wie beispielsweise bis 2017 zur Eder-Bike-Tour im Juni jeden Jahres. Auch Viessmann wird nicht mehr beliefert.
Im Abschnitt zwischen Bad Berleburg und Auhammer wurde der Ederauenradweg zum Teil auf die alte Bahntrasse verlegt. Hierfür wurde die Strecke entwidmet, die Schienen entfernt und die Trasse größtenteils asphaltiert.
Der Holzzugverkehr zwischen Allendorf und Battenberg endete vorerst 2017,[6] doch 2021 stieg der Bedarf für Holztransport wieder an, sodass die Kurhessenbahn den Abschnitt bis zum Bahnhof Battenberg (Eder) ertüchtigen ließ, um wieder Transporte zu ermöglichen.[7] Seit Juli 2021 findet wieder Holzzugverkehr statt. Der Abschnitt bis zum Auhammer weist seit 2002 keinen Güterverkehr mehr auf, ist aber bis auf ein kurzes Teilstück im Auhammergelände noch nicht abgebaut.
Im Jahr 2019 wurde die Strecke noch einmal instand gesetzt, um die Überführungsfahrt der Dampflok 01 118 in ein Privatmuseum am Auhammer zu ermöglichen; diese Fahrt war, aufgrund des schlechten Zustands der Strecke, nur mit Schrittgeschwindigkeit möglich.[8]
Die Modellbahnfreunde Arfeld haben im Zentrum „Via Adrina“ Teile der Strecke anlässlich der 1200-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 2000 detailgetreu nachgebaut.[9]
Zukunft
Im Jahr 2022 wurde die Wiederaufnahme des Personenverkehrs von Battenberg nach Allendorf und weiter über die ehemalige Ruhr-Eder-Bahn nach Frankenberg durch einen parteiübergreifenden Antrag im Kreistag von Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Freien Wählern gefordert und wurde im selben Jahr bereits Gegenstand einer Machbarkeitsstudie,[10] die zu einem positiven Ergebnis kam.[11] Züge aus Marburg könnten im Bahnhof Frankenberg geflügelt werden.[12] Eine Nutzen-Kosten-Untersuchung ergab ein positives Verhältnis von 1,29, womit das Projekt förderfähig wäre.[13][14] Auch der Kreisausschuss hat sich positiv zum Vorhaben erklärt.[15] Stand 2025 laufen laut dem NVV derzeit Verhandlungen zwischen dem Land Hessen und der Kurhessenbahn.[16]
Im Sommer 2023 erreichte das Vorhaben auch den Kreistag Siegen-Wittgenstein: Die dortige SPD-Fraktion wollte den Kreis dazu bringen, eine Reaktivierung auch auf nordrhein-westfälischer Seite zu prüfen. Die Initiative des Richsteiners Michael Sittler (SPD), den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) mit der Prüfung einer Reaktivierung der Bahntrasse zu beauftragen, fand eine große Mehrheit im Kreistag.[17] Fast alle Mitglieder stimmten dafür.[18]

Weblinks
- Dokumentation der Oberen Edertalbahn ( vom 20. September 2012 im Internet Archive)
- Artikel zur Oberen Edertalbahn im Regiowiki der HNA ( vom 20. August 2021 im Internet Archive)
- Artikel zum Angriff auf die Obere Edertalbahn und Frankenberg im Zweiten Weltkrieg ( vom 6. Oktober 2007 im Internet Archive)


