Octavia E. Butler

US-amerikanische Science-Fiction-Autorin From Wikipedia, the free encyclopedia

Octavia Estelle Butler (* 22. Juni 1947 in Pasadena, Kalifornien; † 24. Februar 2006 in Lake Forest Park bei Seattle) war eine amerikanische Science-Fiction-Autorin. Sie war eine der wenigen schwarzen Schriftstellerinnen des Science-Fiction-Genres und die erste, die größere Bekanntheit erreichte. Sie sprach vor allem schwarze und feministische Leser sowie Science-Fiction-Fans an.[1]

Octavia E. Butler, 2005

Leben

Octavia E. Butler war die Tochter von Laurice und Octavia M. (Guy) Butler und stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Ihr Vater arbeitete als Schuhputzer und starb, als sie noch sehr jung war; ihre Mutter arbeitete schlechtbezahlt als Dienstmädchen. Teilweise wuchs sie bei ihren Großeltern auf, die überzeugte Baptisten waren. Während ihrer Schulzeit wurde bei ihr eine Leseschwäche diagnostiziert, zudem beschrieb sie sich selbst rückblickend als ein ausgesprochen schüchternes Kind, das viel Zeit allein in der Bibliothek verbrachte.[2]

Von 1965 bis 1968 besuchte sie das Pasadena City College und ab 1969 die California State University in Los Angeles und die University of California in Los Angeles. Dort besuchte sie weiterführende Kurse, u. a. bei Theodore Sturgeon. Als sie beim Open-Door-Programm der Writers Guild of America einige Sitcom-Manuskripte einreichte, riet ihr der Seminarleiter Harlan Ellison, es stattdessen ernsthaft mit Kurzgeschichten und Romanen zu versuchen. Das tat sie. Ellison überredete sie zur Teilnahme am Clarion Science Fiction Writers’ Workshop. Dort traf sie Samuel R. Delany und verfasste ihre ersten Geschichten, die verkauft und veröffentlicht wurden.[3] Danach schlug sich Octavia Butler mit Gelegenheitsjobs durch und schrieb weiter. 1978 konnte Butler ihre Teilzeitjobs aufgeben und ganz vom Schreiben leben.[4]

Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1999 zog sie nach Lake Forest Park im Bundesstaat Washington.[5] Am 24. Februar 2006 stürzte sie auf dem Kopfsteinpflaster vor ihrem Haus und zog sich eine Kopfverletzung zu. Sie starb noch am selben Tag im Alter von 58 Jahren.[6] Bestattet ist sie in Altadena in Kalifornien.

Werk

1976 konnte Butler mit Ellisons Hilfe, ihren ersten Roman, Patternmaster, bei Doubleday publizieren.[7] Mit dem fünfteiligen Patternmaster-Zyklus wurde sie erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er schildert die Entstehung telepathisch begabter Menschen und behandelt dabei auch Rassen- und Geschlechterfragen. Danach veröffentlichte Octavia E. Butler mit Kindred 1979 ein Buch, das kaum noch etwas mit SF zu tun hatte und sehr erfolgreich war. Ohne die Zeitreise irgendwie technisch oder wissenschaftlich zu erklären, beschreibt sie darin, wie eine junge schwarze Frau immer wieder in die Vergangenheit ihrer Vorfahren hineingerissen wird, einschließlich eines weißen Sklavenhändlers. Dieser Kunstgriff, Gegenwart und Geschichte in einer Person zu konzentrieren, brachte dem Buch ein großes Publikum und Octavia E. Butler den ökonomischen Erfolg, um fortan vom Schreiben leben zu können.

In der Xenogenesis-Trilogie 1987–1989 (später unter dem Titel Lilith’s Brood zusammengefasst) geht es um die Rettung der Menschheit nach einem verheerenden Krieg; die Überlebenden treffen auf eine Alien-Rasse, die ein drittes Geschlecht besitzt, welches nicht nur die anderen beiden Geschlechter mental miteinander verknüpfen, sondern sie auch genetisch verändern kann.

Die 1990er Jahre über arbeitete Octavia E. Butler an der Parable-Trilogie, von der sie nur die ersten beiden Bände fertigstellen und veröffentlichen konnte. Sie schildert darin eine Dystopie, in der eine neue Religion namens „Earthseed“ die stete Veränderung aller Dinge predigt. Gesundheitliche Probleme und eine Schreibblockade hinderten sie daran, den dritten Band zu vollenden. Nach den Kurzgeschichten Amnesty (2003) veröffentlichte sie erst 2005 ihren nächsten und letzten Roman Fledgling, einen Vampir-Roman mit SF-Elementen.

Butler stand lange Jahre in enger Verbindung mit der Huntington Library und hinterließ der Bibliothek testamentarisch ihre Schriften, einschließlich ihrer Manuskripte, Korrespondenzen, Schularbeiten, Notizbücher und Fotografien.[8] Die Sammlung, bestehend aus 9062 Stücken in 386 Kartons, wurde 2010 für die wissenschaftliche Forschung zugänglich gemacht.[9]

2022 erschien die Serienverfilmung Kindred: Verbunden.

Erfolg

Butler wurde in die Anthologie Daughters of Africa aufgenommen, die 1992 von Margaret Busby in London und New York herausgegeben wurde. 1995 wurde sie als erste Science-Fiction-Roman-Autorin in der Geschichte dieser Auszeichnung mit dem Genius Award des MacArthur Fellows Program ausgezeichnet[10], mit 295.000 Dollar dotiert. 2005 wurde sie in die Chicago State University’s International Black Writers Hall of Fame aufgenommen.[11]

Im Jahr 2020, mehr als 14 Jahre nach ihrem Tod, wurde erstmals eines ihrer Bücher auf einer Bestsellerliste der New York Times geführt. The Parable of the Sower erschien in der ersten Septemberwoche des Jahres auf Platz 13 der Paperback Trade Fiction Liste.[12][13]

Auszeichnungen

  • Hugo Award
    • 1984 für die beste Kurzgeschichte Speech Sounds
    • 1985 für die beste Erzählung Bloodchild
  • Nebula Award
    • 1984 für die beste Erzählung Bloodchild
    • 1999 für den besten Roman Parable of the Talents
  • Locus Award
    • 1985 für die beste Erzählung Bloodchild
  • Science Fiction Chronicle Readers Poll
    • 1985 für die beste Erzählung Bloodchild
    • 1988 für die beste Erzählung The Evening and the Morning and the Night

Weitere Auszeichnungen:

Trivia

Octavia E. Butlers Grabmal in Altadena wurde durch das Eaton Fire im Zuge der Wald- und Buschbrände in Los Angeles 2025 leicht beschädigt.[17] Dem Geschehen wurde besondere Aufmerksamkeit zuteil, da Butlers Sämann-Parabel von 1993 bereits ausgedehnte Brände im Stadtgebiet von Los Angeles während der Amtszeit eines radikalkonservativen US-Präsidenten prognostizierte.[18]

Bibliografie

Patternist / Musternisten (Romanzyklus)

  • 1 Patternmaster (1976)
    • Deutsch: Als der Seelenmeister starb. Übersetzt von Inge Pesch von der Ley. Bastei Lübbe Science Fiction Special #24037, 1982, ISBN 3-404-24037-5.
  • 2 Mind of My Mind (1977)
    • Deutsch: Der Seelenplan. Übersetzt von Rosemarie Macke. Bastei Lübbe Science Fiction Special #24039, 1983, ISBN 3-404-24039-1.
  • 3 Survivor (1978)
    • Deutsch: Alanna. Übersetzt von Waltraud Götting. Bastei Lübbe Science Fiction Special #24052, 1984, ISBN 3-404-24052-9.
  • 4 Wild Seed (1980)
    • Deutsch: Wilde Saat. Übersetzt von Will Platten. Bastei Lübbe Science Fiction Special #24060, 1984, ISBN 3-404-24060-X.
  • 5 Clay’s Ark (1984)
  • Seed to Harvest (Sammelausgabe von 1,2,4,5; 2007)

Xenogenesis / Lilith’s Brood (Trilogie)

  • 1 Dawn (1987)
    • Deutsch: Dämmerung. Übersetzt von Barbara Heidkamp. Heyne SF&F #4765, 1991, ISBN 3-453-04478-9.
  • 2 Adulthood Rites (1988)
    • Deutsch: Rituale; aus dem Amerikanischen von Barbara Heidkamp. Heyne SF&F #4766, 1991, ISBN 3-453-04479-7.
  • 3 Imago (1989)
    • Deutsch: Imago; aus dem Amerikanischen von Barbara Heidkamp. Heyne SF&F #4767, 1991, ISBN 3-453-04480-0.
  • Xenogenesis (Sammelausgabe von 1–3; 1989, Sammelausgabe; auch: Lilith’s Brood, 2000)
    • Deutsch: Die Genhändler. Sonderausgabe in einem Bd.; aus dem Amerikanischen von Barbara Heidkamp. Heyne SF&F #5998, 1999, ISBN 3-453-14897-5.
    • Deutsch: Xenogenesis : das große Zukunftsepos; aus dem Amerikanischen von Barbara Heidkamp. Heyne, München 2024, ISBN 978-3-453-32228-8.

Parable / Parabel (Romanzyklus)

  • 1 Parable of the Sower, 1993 (auch: The Parable of the Sower, 2017)
  • 2 Parable of the Talents 1998 (auch: The Parable of the Talents, 2016)
  • The Parable of the Sower / The Parable of the Talents (Sammelausgabe von 1 und 2; 2016)

Einzelromane

  • Kindred (1979)
    • Deutsch: Vom gleichen Blut. Übersetzt von Peter Rummel. Bastei Lübbe Science Fiction Special #24042, 1983, ISBN 3-404-24042-1. Auch als: Kindred – Verbunden. Übersetzt von Mirjam Nuenning. w_orten & meer (w-orten & meer #5), 2016, ISBN 978-3-945644-05-8.
  • Fledgling (2005)

Sammlungen

  • Bloodchild and Other Stories (1995; auch: Bloodchild and Other Stories, Second Edition, 2005)
  • Unexpected Stories (2014)

Kurzgeschichten

  • Crossover (1971, in: Robin Scott Wilson (Hrsg.): Clarion)
  • Near of Kin (1979, in: Roy Torgeson (Hrsg.): Chrysalis 4)
    • Deutsch: Nahe Verwandte. Übersetzt von Leni Sobez. In: Roy Torgeson (Hrsg.): Am Vorabend des St. Poleander-Tages. Moewig (Playboy Science Fiction #6716), 1981, ISBN 3-8118-6716-4.
  • Speech Sounds (in: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine, Mid-December 1983)
    • Deutsch: Der süße Klang des Wortes. Übersetzt von Biggy Winter. In: Friedel Wahren (Hrsg.): Isaac Asimovs Science Fiction Magazin 28. Folge. Heyne SF&F #4366, 1987, ISBN 3-453-31368-2.
  • Bloodchild (in: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine, June 1984)
    • Deutsch: Blutsbrut. Übersetzt von Bernd Müller. In: Donald A. Wollheim und Arthur W. Saha (Hrsg.): World’s best SF 4. Bastei-Lübbe SF Special #24069, 1985, ISBN 3-404-24069-3. Auch als: Blutsbande. Übersetzt von Jürgen Langowski. In: Friedel Wahren (Hrsg.): Isaac Asimovs Science Fiction Magazin 27. Folge. Heyne SF&F #4294, 1986, ISBN 3-453-31301-1.
  • The Evening and the Morning and the Night (in: Omni, May 1987; auch: The Evening, the Morning, and the Night, 2015)
  • Amnesty (in: Sci Fiction, January 22, 2003)
  • The Book of Martha (in: Sci Fiction, May 21, 2003)
  • Childfinder (2014, in: Octavia E. Butler: Unexpected Stories)
  • A Necessary Being (2014, in: Octavia E. Butler: Unexpected Stories)

Interviews

  • Conversations with Octavia Butler (2009)

Literatur

Artikel

Interviews

Monographien

  • Florian Bast: Of Bodies, Communities, and Voices. Agency in Writings by Octavia Butler (= American Studies. Nr. 262). Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-8253-6510-3.
  • Susana M. Morris: Positive Obsession. The Life and Times of Octavia E. Butler. Amistad, New York 2025.

Nachschlagewerke

Commons: Octavia E. Butler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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