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Offenes Herz (Verein)

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Offenes Herz ist ein deutscher gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der junge Freiwillige in Armenviertel auf der ganzen Welt entsendet, wo sie gemeinsam in kleinen Gemeinschaften leben und leidenden Menschen durch ihre Freundschaft beistehen. Der Verein wurde 1995 als deutsche Partnerorganisation des französischen Vereins Points Cœur gegründet und bis 2024 unter dem Namen „Points-Cœur/Offenes Herz e. V.“ geführt. Er ging aus dem Umfeld der gleichnamigen geistlichen Gemeinschaft hervor, die 2020 im Zusammenhang mit dem durch den Gründer Thierry de Roucy begangenen Missbrauch kirchenrechtlich aufgelöst wurde. Die aus ihr hervorgegangenen zivilrechtlichen Vereine, darunter Offenes Herz, bestehen seitdem ohne institutionelle Verbindung zur katholischen Kirche.

Gründung1995
SitzBerlin
ZweckInternationaler Jugendfreiwilligendienst in Armenvierteln
Schnelle Fakten Gründung, Sitz ...
Offenes Herz e. V.
Gründung 1995
Sitz Berlin
Zweck Internationaler Jugendfreiwilligendienst in Armenvierteln
Website offenesherz.de
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Gründung und Organisation

Der Verein hatte zunächst seinen Sitz in Miltenberg; im Zuge der Sitzverlegung nach Berlin-Neukölln erfolgte 2014 die Neueintragung beim Amtsgericht Charlottenburg unter dem Namen „Points-Cœur/Offenes Herz e. V.“. Auf Beschluss der Mitgliederversammlung vom November 2023 wurde der bisherige Namensbestandteil „Points-Cœur“ gestrichen und der Verein am 18. Dezember 2024 im Vereinsregister in „Offenes Herz e. V.“ umbenannt.[1][2]

Laut Selbstdarstellung entsendet der Verein „Freiwillige weltweit in Partnerprojekte, wo sie Menschen in benachteiligten Gebieten ihre Zeit und Freundschaft schenken“. Parallel dazu seien Wohnprojekte in Berlin und Wien entstanden.[3]

Freiwilligendienst

Der Freiwilligendienst von Offenes Herz richtet sich an junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren und dauert zwischen 14 und 24 Monaten. Die Freiwilligen werden in Häuser lokaler Partnerorganisationen entsendet; derzeit bestehen weltweit 19 solcher Häuser in 15 Ländern.[4] Die Einsatzorte befinden sich in benachteiligten Stadtvierteln in Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Griechenland, Italien, Japan, Kuba, Peru, den Philippinen, Rumänien, Senegal und Uruguay.[4] Die Einsatzländer überschneiden sich weitgehend mit jenen des französischen Partnervereins Points Cœur; dieser ist zusätzlich in Frankreich, Indien und Honduras präsent, während Offenes Herz auch Einsätze in Brasilien und auf den Philippinen anbietet.[5]

Die Freiwilligen leben zu viert bis sechst in Gemeinschaft. Sie empfangen und besuchen Familien und Menschen im Viertel und suchen wöchentlich Orte auf, an denen Menschen besonders leiden: Gefängnisse, Krankenhäuser, Waisenheime, Obdachlosenhäuser, Müllhalden, Zentren für Behinderte, Frauenhäuser sowie Einrichtungen für Drogenabhängige. In ihren Nachbarschaften organisieren sie besonders für die armen Kinder Ferienlager, Ausflüge für Kinder und Jugendliche, Sportfeste, kulturelle Abende, Hausaufgabenbetreuung und Gesprächsgruppen.[6]

Neben dem sozialen Einsatz ist auch nach der Auflösung der Muttergemeinschaft 2020 ein gemeinsames Gebetsleben fester Bestandteil des Alltags. Nach Angabe der aktuellen Vereinswebsite hängt die Qualität der Präsenz im Viertel nach Erfahrung vieler Freiwilliger wesentlich vom täglichen Gebet ab.[4] Darüber hinaus empfiehlt die Vereinswebsite Paten der Freiwilligen das tägliche Beten eines Rosenkranzgesätzes als geistliche Unterstützung.[7]

Das Leitbild des Vereins beschreibt die Vereinswebsite mit den Worten: „Die Freiwilligen wollen auf den größten Durst des Menschen antworten: zu lieben und geliebt zu werden.“[8]

Wohnprojekte in Deutschland und Österreich

Seit 2010 existiert das Wohnprojekt Offenes Herz-Haus in Berlin-Neukölln.[9] 2021 wurde dem ein weiteres in Berlin-Spandau hinzugefügt. Beide sind internationale Wohngemeinschaften aus 8–10 Studenten und jungen Berufstätigen, von denen einige bereits einen Freiwilligendienst mit Offenes Herz absolviert haben.[6][10] Ein 2023 im Publikationsorgan des Erzbistums Berlin erschienener Artikel über die Berliner Wohnprojekte beschreibt, dass die Bewohner regelmäßig Laudes, Vesper und andere Gebetszeiten gemeinsam halten, eine Hauskapelle mit Tabernakel eingerichtet haben und befreundete Priester dort mehrmals monatlich die Heilige Messe feiern.[10] Seit 2022 besteht zudem eine Wohngemeinschaft mit 6–7 Bewohnern in Wien.[11]

Staatliche Anerkennung

Der eingetragene Verein Offenes Herz wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) als offizielle Anlaufstelle für den Internationalen Jugendfreiwilligendienst geführt.[12][13] Auch im Rahmen des „Anderer Dienst im Ausland“ (ADiA) wird Offenes Herz als Träger des Freiwilligendienstes angeboten.[14]

Offenes Herz arbeitet auch mit dem Österreichischen Auslandsdienst zusammen, der Freiwillige zu denselben Partnerorganisationen entsendet, darunter nach Argentinien,[15] El Salvador,[16] Italien[17] und auf die Philippinen.[18]

Beziehung zur katholischen Kirche

Herkunft aus der Gemeinschaft Points-Cœur

Offenes Herz wurde 1995 als deutsche Partnerorganisation des französischen Vereins Points Cœur gegründet und gehörte zur selben kirchlichen Gemeinschaft „Association privée de fidèles Points-Cœur“. Der Verein war bis 2024 im Vereinsregister unter dem Namen „Points-Cœur/Offenes Herz e. V.“ eingetragen und entsendet seine Freiwilligen überwiegend in dieselben Häuser wie der französische Partnerverein Points Cœur.[19][4] Während des aktiven Bestehens der Gemeinschaft leitete ein der Gemeinschaft angehörender katholischer Priester die Berliner Niederlassung, die der Tagesspiegel 2012 als „moderne Variante eines Klosters“ mit täglichen Gebetszeiten von rund vier Stunden beschrieb und die Gemeinschaft dabei als „neuen Orden“ charakterisierte.[9]

2011 wurde der Gründer von Points Cœur, Thierry de Roucy, vom Kirchengericht Lyon wegen sexuellen Missbrauchs, Machtmissbrauchs und „Absolution des Komplizen“ verurteilt[20][21] und 2018 laisiert.[22][23] Alle kirchlichen Strukturen von Points-Cœur wurden schrittweise aufgelöst: 2017 die Fraternité Molokaï,[23][24] 2020 wurden die Gemeinschaft der „Servantes de la Présence de Dieu“ sowie die geistliche Dachgemeinschaft aufgelöst.[25]

Kirchliche Einordnung

Mehrere kirchliche Stellen haben klargestellt, dass die aus Points Cœur hervorgegangenen Organisationen nicht Teil der katholischen Kirche sind. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin stellte in einem Schreiben im August 2023 fest, dass Points Cœur und die Dienerinnen der Gegenwart Gottes „aufgrund schwerwiegender und anhaltender Unregelmäßigkeiten“ aufgelöst worden seien und „keinerlei kanonische Verbindung zur Kirche“ mehr hätten, auch wenn sie zivilrechtlich als NGOs weiteroperieren. Er forderte die Diözesanbischöfe auf sicherzustellen, dass diese Nachfolgeorganisationen sich nicht als kirchliche Gemeinschaften präsentieren und keine Aktivitäten kirchlicher Natur anbieten würden – unabhängig davon, unter welchem Namen oder in welcher Form sie weiterbestehen.[26]

Die Vereinswebsite stellte Anfang 2024 die Geschichte von Offenes Herz als gemeinsame Geschichte mit Points Cœur dar: einschließlich der ersten Häuser von 1990 und des UN-Beraterstatus von 2005.[27] In der aktuellen Version der Website sind weder diese Bezüge noch Verweise auf die Geschichte der Gemeinschaft Points Cœur oder die katholische Kirche vorhanden.[28]

Die Erzdiözese Wien hielt im Diözesanblatt vom Januar 2024 ausdrücklich in Bezug auf Offenes Herz fest: „Die Gemeinschaft ‚Offenes Herz‘, die 1990 als ‚Points Coeur‘ in Frankreich errichtet worden ist, wurde 2020 kirchenrechtlich aufgelöst. Die non-profit Organisation, die sich in der Tradition dieser Gemeinschaft sieht, ist nicht Teil der katholischen Kirche.“[29]

Zwei Schweizer Bischöfe erließen konkrete Verbote in ihren Diözesen: Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, untersagte im März 2024 die Werbung für Points Cœur in der Seelsorge sowie die Nutzung kirchlicher Netzwerke für Spendenaufrufe.[30]

Der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, erließ im August 2024 gleichlautende Verbote und erklärte, das Bistum lehne bei Problemen, die jungen Katholiken durch ein Engagement bei Points Cœur entstünden, jede rechtliche, kanonische und menschliche Verantwortung ab.[31]

Einzelnachweise

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