Offshoring

Form der Verlagerung unternehmerischer Funktionen und Prozesse ins Ausland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der englische Begriff Offshoring[1] – deutsch Auslandsverlagerung[2][3] – bezeichnet eine Form der Verlagerung unternehmerischer Funktionen und Prozesse ins Ausland. Unterschieden werden Farshoring (Verlagerung in weiter entfernt liegende Länder) und Nearshoring. Offshoring ist das Gegenteil von Onshoring.[4]

Allgemeines

Auslöser für eine Offshoring-Entscheidung sind in der Regel die im Ausland günstigeren politischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere bei den Arbeitskosten, Abgaben, Umweltstandards oder Energiekosten. Man spricht auch von den sogenannten Standortbedingungen. Der Begriff „Offshoring“ hat in Europa und anderen Teilen der westlichen Welt insbesondere aufgrund der Problematik von Arbeitsplatzverlagerungen in osteuropäische sowie asiatische Länder eine negative Deutung erhalten. Dieses Thema ist auch im Kontext der Deindustrialisierung relevant.[5][6][7]

Aus Sicht der Industrie oder eines Unternehmens gibt es verschiedene Gründe für eine Gründung oder Auslagerung in anderen Ländern, z. B. die Steuerpolitik, die Wirtschaftspolitik bzw. Industriepolitik. In diesem Kontext spielen die sogenannte Fertigungsdienstleister eine signifikante Rolle, da sie einheimischen Unternehmen die Möglichkeit der Produktion im Ausland anbieten bzw. diese teilweise vollständig ausüben. Der Schutz des geistigen Eigentums (vgl. Patentrecht) ist dabei eine weitere kritische Größe, sowie die Lieferketten und Zulieferindustrie.

Neben multinationalen Konzernen und großen Firmen nutzen auch mittelgroße Unternehmen Offshoring. Der Umfang der ausgelagerten Tätigkeiten oder Funktionen geht von einzelnen Teilen bis hin zu vollständigen Abteilungen und Betriebsstandorten. Man unterscheidet jedoch, ob die eine Dienstleistung bzw. Produktion ausgelagert wird, oder das Unternehmen im Ausland eine eigene (als Besitzer oder Anteilseigner) Niederlassung mit günstigen bzw. geeigneten Bedingungen betreibt. Oft werden nur bestimmte Aktivitäten oder Tätigkeiten im Zuge eines Outsourcing ausgelagert. Typischerweise versuchen die Auftraggeber, d. h. Unternehmen die auslagern, ihre sogenannte Kernkompetenz zu behalten und zu stärken.

Die Offshoring-Standorte befinden sich häufig in sogenannten Schwellenländern oder Drittstaaten mit vergleichsweise niedrigem Lohnniveau (auch Niedriglohnländer genannt). Deutsche Unternehmen verlagern hauptsächlich nach Osteuropa und Asien (vgl. auch die Tiger-Staaten); nicht unbeachtlich ist aber auch das Outsourcing in Länder innerhalb oder außerhalb der EU bzw. des EEA.[8]

Eine andere Form des Offshoring ist die Gründung und Versteuerung in Ländern mit niedrigen oder attraktiven Steuersätzen für Unternehmen (beispielsweise die Staaten oder Länder Delaware, Dubai, Luxemburg oder Schweiz). Diese in der Umgangssprache als Briefkastenfirma bezeichnete Form ist nach dem Steuerrecht eine Funktionsverlagerung. Mit solchen Problemen befasst sich das OECD-Programm Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung (BEPS).

Geschichte

Eines der ersten Länder, in dem Offshoring betrieben wurde, war Brasilien im Bereich der Automobilindustrie. Foto Quelle und Photo Porst brachten in den 1960er Jahren durch Kooperation Billigangebote von Kameras aus der DDR auf den westdeutschen Markt. Die Verlagerung der Leistungserbringung trat seitdem in größerem Umfang bei der Industrie auf, die ihre Produktion an meist asiatische Auftragsfertiger auslagerte, und begann mit technologisch leicht herzustellenden Produkten. Nach der Erweiterung der EU ergaben sich neue Möglichkeiten. Grenzüberschreitende Dienstleistungen gibt es seit 2007 zunehmend durch Handwerksbetriebe aus Polen.[9]

Das Thema Offshoring bekam in engem Zusammenhang mit der Globalisierung und Expansion der weltweiten Logistik, der neuen Wirtschaft ab den 1990er Jahren und anderen Entwicklungen, beispielsweise der digitalen Revolution[10] und durch übergeordnete Handelsabkommen wie Freihandelsabkommen eine zunehmende Bedeutung.

Die Situation des Auslagerns verschärft sich ab den 2010er Jahren, da nicht nur die Produktion verlagert wurde, sondern auch hochqualifizierte oder -bezahlte Positionen, wie sie in der Forschung und Entwicklung (F&E) zu finden sind, in den Bereich des Offshoring fallen.[11]

Abgrenzungen und Definitionen

Der Begriff Offshoring lässt sich in Abgrenzung zu den Begriffen Insourcing/Outsourcing, Onshoring oder Reshoring unterschiedlich definieren.[12]

Offshoring vs. Insourcing/Outsourcing

Offshoring bezeichnet die geographische Verlagerung unternehmerischer Funktionen, während Insourcing/Outsourcing eine organisatorische Verlagerung bezeichnet. Die Verlagerung unternehmerischer Funktionen ins Ausland kann innerhalb eines Unternehmens stattfinden (sogenanntes internes oder captive Offshoring, auch Insourcing zu einer ausländischen Einheit genannt[13]) oder die Funktionen können an ein unabhängiges Unternehmen im Ausland ausgelagert werden (sogenanntes Offshore Outsourcing, auch Outsourcing zu einer ausländischen Einheit genannt[13]). Neben diesen beiden reinen Offshoringformen gibt es eine Bandbreite von Zwischenformen wie zum Beispiel Joint Venture (JV) mit einheimischen Partnern im Ausland.

Farshoring vs. Nearshoring

Oft findet sich auch eine zusätzliche geografische Eingrenzung des Begriffs Offshoring; als Farshoring werden einschränkend nur Verlagerungen in weit entfernte Länder (von Europa aus gesehen hauptsächlich Länder in Amerika oder Asien) verstanden. Davon abzugrenzen ist das Nearshoring, das Verlagern von Aufgaben und Funktionen in nahe gelegene Länder. Nearshoring wird in Europa oftmals als sinnvolle Alternative zum Farshoring betrachtet. Aus Sicht der deutschsprachigen Länder kommen hierfür insbesondere die Länder der EU-Osterweiterung infrage. Durch den Schengen-Raum werden praktisch keine Kontrollen an den Grenzen zwischen den EU-Staaten mehr durchgeführt, so dass entsprechende Unternehmensgründungen leichter möglich sind. Geringe kulturelle Abweichungen, die geographische Nähe und die minimale Zeitverschiebung sind nur einige Vorteile dieser Länder. In Sparten wie dem IT-Bereich oder der Callcenter-Dienstleistung[14] wird Nearshoring hauptsächlich eingesetzt, um die Personalkosten niedrig zu halten.

Offshoring vs. Onshoring

Unter Onshoring versteht man zwei Fälle,

  1. das Auslagern von Produktion oder Dienstleistungen innerhalb des Herkunftslandes des Auftraggebers. Als Beispiel kann man eine Autofabrik heranziehen, die Türen von einem anderen Unternehmen bezieht, das sich in derselben Stadt befindet. Diesen Fall bezeichnet man jedoch als Nearshoring;
  2. die Anlagerung von nationaler Produktion statt im Ausland, d. h. die teilweise geförderte (vgl. Subventionen) oder erzwungene (vgl. Policy) Maßnahme, internationale Unternehmen im eigenen Land anzusiedeln und produzieren zu lassen.

Offshoring bezieht sich immer auf das Ausland. Onshoring bezieht sich auf das Inland, d. h. das Ansiedeln oder Zurückholen in das eigene Land.

Motive für Offshoring

Die Motive für Offshoring lassen sich grob in betriebswirtschaftliche, politisch-rechtliche, technisch-logistische und steuerliche Motive unterteilen (siehe auch: Harte und weiche Standortfaktoren.). Im Einzelnen kommen hier in Betracht:[15]

Branchen und Zielländer

Energieintensive Unternehmen

Dazu zählen Produzenten im Bereich Strom sowie die Chemieindustrie oder die Petroindustrie.[16] So hat beispielsweise die BASF in China eine rund 10 Mrd. Euro teure Anlage in Zhanjiang eröffnet.[17][18] Diese Entscheidung wurde umfangreich in den Medien diskutiert und wird sogar in der nationalen Sicherheitsstrategie 2025 der Administration Trump (ohne ein spezielles Unternehmen beim Namen zu nennen[19]) genannt. Dabei spielt der Taiwan-Konflikt eine übergeordnete Rolle. Es wurde in Deutschland ein Stellenabbau angekündigt.[20] Ende 2025 wurden jedoch neue Investitionen für die Anlage bzw. das Stammwerk Ludwigshafen angekündigt.[21]

Pharmaindustrie

Diese Industrie lagert im Sinne einer Contract Manufacturing Organization (CMO) ihre Tätigkeiten aus. Es findet jedoch auch in Deutschland die Produktion von Arzeimitteln oder anderen biochemisch-pharmazeutischen Produkten einschließlich Endabfertigung statt, z. B. durch Unternehmen wie Vetter Pharma, oder Daiichi Sankyō in Pfaffenhofen oder der neue Produktionsstandort von Eli Lilly in Alzey.[22][23]

Halbleiter, Software und IT

In der Computerbranche oder IT-Industrie, einem historisch klassischen Industriezweig für das Auslagern, wird der Begriff „Offshoring“[24][25] oder „Outsourcing“[26] oftmals im Zusammenhang mit den Standorten von Servern (Rechenzentren oder Serverfarmen) oder Services (Servicecenter oder die Entwicklung von Produkten im Sinne eines Outsourcing) verwendet. Dabei beruht die Entscheidung für diese Verlagerung meist auf einer bestimmten Rechtslage oder Politik oder Personalfragen eines Staates, die das eigene Vorhaben begünstigt.[27]

Im Bereich der Software-Entwicklung sind die Transportkosten extrem gering, und Ergebnisse können theoretisch in kürzester Zeit über das Internet verschickt werden. In diesem Bereich werden vielfach Tätigkeiten der Programmierung und Wartung, aber auch das Projektmanagement ins Ausland verlagert.[28]

Ein häufig genanntes Beispiel für das Offshoring ist die Auslagerung der IT-Tätigkeiten nach Indien, wo in Metropolen wie Bengaluru u. a. zahlreiche Anbieter von IT- oder Entwicklungsdienstleistungen (z. B. Covansys, Infosys, Wipro Technologies, Tata Consultancy Services (TCS), NIIT Technologies), aber auch Töchter von US-amerikanischen (unter anderem IBM und Microsoft) und europäischen Unternehmen (unter anderem SAP und Siemens) angesiedelt sind.[29]

Die Halbleiterindustrie ist eine weitere klassische Branche, die ihre Produktionskapazitäten seit den 1990er Jahren im asiatischen Wirtschaftsraum (vgl. Tigerstaaten) etabliert hat. Neben dem sogenannten Fabless-Geschäftsmodell spielen auch hier eine Vielzahl von Standortfaktoren eine gewisse Rolle für die Verlagerung. In der Branche kommt es jedoch seit den 2020er Jahren zu verschiedenen Krisen, auch bekannt als Chipkrise, beispielsweise im Zusammenhang mit der Sicherheit im Taiwan-Konflikt.

Mittlerweile gehen die Anbieter von IT-Dienstleistungen auch dazu über, eigene Niederlassungen in den Hochlohnländern aufzubauen, um Aufträge zu akquirieren, die dann in den Heimatländern ausgeführt werden.

Brasilien

Ausländische Konzerne wie Bayer AG, Volkswagen, Ford wurden teilweise bereits ab den 1950er Jahren angelockt, um die Industriealisierung des Landes voranzutreiben, und bauten Produktionsstandorte auf. Bayer gründete 1954 ein Werk in Buenos Aires zur allgemeinen Auslagerung der Produktion. 1953 begann die Montage des VW Käfer 1200 und des VW-Bus 1200 aus deutschen CKD-Bausätzen in Brasilien. 1959 erfolgte die Vorstellung des Sedan 1200 (VW Käfer) mit einem Anteil von 95 % an in Brasilien gefertigten Teilen. Bereits 1919 war mit der Montage von CKD-Kits des Personenwagens T-Modell und des Lastwagens TT-Modell begonnen worden, die aus den USA eingeführt wurden.

China

Mit der Reform- und Öffnungspolitik unter Deng Xiaoping profilierte sich die Volksrepublik China ab 1979 durch die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen als Offshoring-Land für die Industrie.

Indien

In Indien ist – anders als in China – nicht die Industrie, sondern vor allem der Dienstleistungsbereich für Offshoring interessant

Bedeutung und Kennzahlen des Offshoring

Das McKinsey Global Institute schätzt aufgrund von Studien, dass im Jahre 2003 ca. 1,5 Mio. Dienstleistungsjobs von entwickelten Ländern abgewandert sind. Diese Zahl soll sich bis 2008 auf 4,1 Mio. erhöhen. Um diese Zahlen in den richtigen Kontext zu setzen, sei darauf hingewiesen, dass alleine in Amerika pro Monat über 4 Mio. Menschen ihren Arbeitsplatz wechseln. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen der OECD, bei denen die Exporte von Dienstleistungen als Schätzungsgrundlage dienen, dass drei Länder der zehn Spitzenreiter zur heutigen EU gehören. Das soll zeigen, dass es in Europa auch starke Tendenzen gibt, Offshoring innerhalb von Europa zu betreiben. Trotzdem könnten nach Schätzungen der OECD bis zu 20 Prozent der Arbeitsplätze in den 15 EU-Ländern vor der Expansion, in USA, Kanada und Australien durch Offshoring verloren gehen.

Die Erfassung der internationalen Verlagerungstätigkeiten aus Deutschland beruht weithin auf Schätzungen. Für das Berichtsjahr 2006 veröffentlichte das Statistische Bundesamt 2008 im Rahmen einer freiwilligen Piloterhebung erstmals eine Bestandsaufnahme zur Auslandsverlagerung, und für das Berichtsjahr 2016 beteiligte es sich an einer von Eurostat koordinierten europaweiten Sondererhebung, deren Ergebnisse 2019 veröffentlicht wurden. Einer Studie zu Unternehmen, die zwischen 2014 und 2016 wirtschaftliche Aktivitäten aus Deutschland in das Ausland verlagert haben, reicherte die Daten der Sondererhebung des Berichtsjahrs 2016 mittels Mikrodatenverknüpfung um zusätzliche Strukturmerkmale an. Als Ergebnis dieser Studie wurde der Beschäftigungsabbau durch Auslandsverlagerungen in diesem Zeitraum für „eher moderat“ befunden. Zugleich wurde ein Ansatz zur Charakterisierung verlagernder Unternehmen vorgestellt, um „mithilfe vorab verfügbarer Einzeldaten unterschiedlicher Unternehmensstatistiken Unternehmen zu identifizieren, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Verlagerungsaktivitäten aufweisen“, was es ermöglichen sollte, derartige Unternehmen in künftigen Stichprobenerhebungen gezielt zu befragen.[30]

Im März 2024 erklärte die Politikerin Franziska Brantner auf eine Anfrage hin, dass „keine aktuellen Daten aus der amtlichen Statistik zur Abwanderung von Unternehmen ins Ausland“ vorliegen.[31]

Bewertung des Offshoring

In der wirtschaftlichen Betrachtung werden unter anderem Arbeitskostenersparnisse, der Zugriff auf qualifiziertes Fachpersonal und die Ausnutzung der Zeitverschiebung als Vorteile des Offshoring verstanden. Gleichzeitig schafft Offshoring auch neue Kosten und Risiken: erhöhter Administrations- und Kommunikationsaufwand, interkulturelle Missverständnisse, infrastrukturelle Defizite und viele weitere Faktoren können je nach Art der verlagerten Unternehmensfunktion die Vorteile des Offshorings schmälern oder gar überkompensieren. Insbesondere ist auf das Controlling des Zulieferbetriebs zu achten.[32] Wurde die wirtschaftliche Bewertung eines Offshoring Vorhabens in der Vergangenheit oft mit externen Beratern (auch bekannt geworden als „Sourcing Advisors“[33] oder Beschaffungsberater) erarbeitet, gibt es inzwischen online Werkzeuge zur Simulation der Wirtschaftlichkeit.[34]

Im IT-Bereich zeigte sich, dass die Kostenvorteile im Nearshoring zu großen Teilen durch die erheblichen Kommunikationsaufwände auf der Auftraggeberseite relativiert werden.[35]

In der Zusammenarbeit mit indischen IT-Dienstleistern verweisen Kenner der Materie auf folgende häufig anzutreffenden Probleme: erheblich längere Durchlaufzeiten, mangelnde Termintreue und Arbeitsqualität, hoher Erläuterungsbedarf bei der Vergabe von Aufgaben, hohe Personalfluktuation, Mangel an Projektleitern, verspätete Benachrichtigung der Auftraggeber bei Problemen und nicht eingehaltene Zusagen. Umgekehrt kritisieren indische IT-Dienstleister an ihren Auftraggebern in Übersee oft unpräzise oder missverständliche Arbeitsvorgaben.[36]

Zu den größten Softwareproduzenten und IT-Serviceunternehmen gehören die schweizerische Luxoft mit 3.900 Spezialisten in der Ukraine.[37]

Durch die direkte Auswirkung auf Arbeitsplätze wird Offshoring auch auf politischer Ebene stark diskutiert. Kritiker, insbesondere Globalisierungskritiker und Gewerkschaften, befürchten, dass durch Offshoring viele Arbeitsplätze in Europa verloren gehen und ein ruinöser Wettbewerb der Staaten untereinander entsteht. In Worstcase-Szenarios prognostizieren sie soziale Zustände, wie sie zur Zeit der ersten Phase der Industrialisierung in Mitteleuropa herrschten. Die Rede ist dann auch von einer Deindustrialisierung.

Naomi Klein setzt sich in ihrem Buch No Logo kritisch mit Outsourcing oder Offshoring auseinander. Sie legt dar, wie große US-Kleidungshersteller oder Marken wie Gap, Nike, Levi’s oder Esprit Produktionsstätten in Niedriglohnländer verlegen, wobei sie dabei auf die für europäische Verhältnisse einfachen Arbeitsbedingungen hinweist. Dabei spielt das Phänomen oder Geschäftsmodell der Fast Fashion eine bedeutende Rolle.

Dieser Kritik wiederum wird entgegengehalten, dass die Auslagerung von Tätigkeiten an günstigere Anbieter die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen stärkt und zugleich inländische Arbeitsplätze sichert. Durch Mischkalkulation soll es möglich sein, Produkte und Dienstleistungen zu international konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Mit dem steigenden Wohlstand einiger der Offshoring-Länder erwartet man, dass diese mehr Waren aus den Industrieländern importieren. Dafür, dass Deutschland nur unterdurchschnittlich vom Offshoring profitiert, wird regelmäßig der stark regulierte Arbeitsmarkt in Deutschland verantwortlich gemacht: Die Abwanderung von manchen Arbeitsplätzen lässt sich nicht verhindern, zum Teil werden ganze Branchen verschwinden.

Beratungsunternehmen und Forschung

In dem Umfeld sind eine Vielzahl von Wirtschaftsberatungsunternehmen, wie McKinsey, tätig. Die Technische Universität Hamburg (TUHH) hat damals ein eigenes Forschungsprojekt unter dem Namen Global Innovation - Internationalisierung von Forschung & Entwicklung initiiert.[38]

Entwicklungen

Im Rahmen der Wirtschaftsdoktrin von US-Präsident Donald Trump kommt es zu einer gewissen Trendwende bzw. Umkehr des Offshoring. Bereits in seiner ersten Amtszeit versucht er, die Produktion in die Vereinigten Staaten zurückzuholen vgl. die Entwicklungen des Onshoring. Dazu wurde unter anderem eine strenge Zollpolitik eingeführt, welche auch die deutsche Wirtschaft stark beeinflusst.[39] Die Auswirkungen dieser Entscheidungen betreffen den gesamten Welthandel, wobei auch Exporte nach China betroffen sind, da es dort ebenfalls zu Handelskonflikten kommt (vgl. seltene Erden uvm.).[40]

Des Weiteren spielt die sich seit der großen Rezession veränderte weltweite Geldpolitik der Zentralbanken eine entscheidende Rolle in Bezug auf Investitionen und das Onshoring bzw. Offshoring.

Siehe auch

Literatur

  • Diana Farrell, McKinsey Global Institute, Harvard Graduate School of Business Administration (Hrsg.): Offshoring. Understanding the Emerging Global Labor Market. Harvard Business School Press, Boston, MA 2007, ISBN 978-1-4221-1007-2 (englisch, archive.org).
  • Catherine L. Mann: Accelerating the Globalization of America: The Role of Information Technology. Peterson Institute for International Economics, Washington 2006, ISBN 0-88132-390-X (englisch, columbia.edu).
  • A. G. Mayer, T. Söbbing: Outsourcing leicht gemacht. Frankfurt 2004, ISBN 3-8323-1019-3.
  • Deutsche Bank Research: Offshoring: Globalisierungswelle erfasst Dienstleistungen. 2004 (PDF; 453 kB)
  • Johannes C. Kerner: Erfolgsfaktoren des internationalen Outsourcing-Projektmanagements. Konzeptionalisierung – Operationalisierung – Messung. Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4399-7.
  • Markus K. Westner: IT Offshoring: Essays on Project Suitability and Success. Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-2046-1 (englisch).
  • Sachverständigengruppe der Deutschen Bischofskonferenz: Verlagerung von Arbeitsplätzen. Entwicklungschancen und Menschenwürde. Sozialethische Überlegungen. Bonn 2009, ISBN 978-3-940137-10-4.
Wiktionary: offshore – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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