Ohrtbrookgraben
Nebenfluss der Pinnau
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Ohrtbrookgraben (en: Orthbrooks Graben) ist ein rechter Nebenfluss der Pinnau im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. In seinem unteren Verlauf bildet er abschnittsweise die Grenze zwischen den Städten Uetersen und Tornesch.
| Ohrtbrookgraben Orthbrooks Graben | ||
|
Der Ohrtbrookgraben in Uetersen | ||
| Daten | ||
| Lage | Deutschland, Südwesten von Schleswig-Holstein | |
| Flusssystem | Elbe | |
| Abfluss über | Pinnau → Elbe → Nordsee | |
| Quelle | Heidgraben Tornesch 53° 42′ 17″ N, 9° 41′ 57″ O | |
| Mündung | Pinnau, zwischen Tornesch und Uetersen 53° 40′ 22″ N, 9° 42′ 21″ O
| |
| Einzugsgebiet | 13 km² | |
| Rechte Nebenflüsse | Basshornlaufgraben | |
| Kleinstädte | Tornesch Uetersen | |
| Gemeinden | Heidgraben | |
Verlauf
Ein Teil des Ohrtbrookgrabens verläuft heute zunächst unterirdisch. Dieser Abschnitt beginnt im Bereich des Tornescher Bahnhofs und führt in Richtung Uetersen, wo er nach einem Regenrückhaltebecken auf den oberirdischen Hauptarm trifft. Der Hauptarm entspringt in der Heidgrabener Feldmark und fließt weiter in Richtung Uetersen.
Ab der Hochfeldstraße verläuft der Ohrtbrookgraben auf einer Länge von etwa einem Kilometer unterirdisch durch das Stadtgebiet von Uetersen und unterquert dabei die Kreisstraße 20 (Wittstocker Straße). Anschließend tritt er wieder oberirdisch hervor, streift das Grenzgebiet der Stadt Tornesch und durchfließt in Uetersen das Landschaftsschutzgebiet Wiesengrund. Dort mündet der Basshornlaufgraben in den Ohrtbrookgraben.
Im weiteren Verlauf durchfließt der Graben das 2003 neugestaltete Regenrückhaltebecken sowie ein weiteres Rückhaltebecken. Danach nimmt die Fließgeschwindigkeit deutlich zu. Der Ohrtbrookgraben durchquert mehrere Wiesen- und Feldflächen, unterquert die Kreisstraße 22 (Große Twiete) und verläuft anschließend durch das Landschaftsschutzgebiet Ehemaliges Pinnautal, bevor er bei Pinnau-km 11,9 in die Pinnau mündet.
Geschichte
Der Ohrtbrookgraben ist bereits auf der Landkarte des Kartografen Daniel Frese aus dem Jahr 1588 verzeichnet. Dies deutet darauf hin, dass es sich ursprünglich um ein natürliches Gewässer handelte, das in späterer Zeit künstlich vertieft und ausgebaut wurde.
Nach dem Gemeindechronisten Christian Wegener wurde der Graben zur gezielten Entwässerung der umliegenden Niederungsgebiete künstlich zur Pinnau hin angelegt. In den Flurgebieten Ohrtfeld und Ohrtbrook zwischen den heutigen Straßen In de Hörn, Esinger Weg und Uetersener Straße staute der undurchlässige Ortstein das Oberflächenwasser, wodurch eine Entwässerung erforderlich wurde. In der Folge wurde der Graben bis in die Moorgebiete verlängert.
Vor der Einmündung des Ohrtbrookgrabens in die Pinnau befand sich ein aufgestauter Mühlenteich, der die Wasserkraft für den Antrieb eines Mühlenrades nutzte. Der Teich war von Dünen umgeben und im Süden durch einen Damm begrenzt. Die zugehörige Mühle, die sogenannte Wischmühle, wurde vermutlich bereits vor 1600 stillgelegt. Darauf weist auch die nahegelegene Flurbezeichnung „Im alten Crogen“ hin, die auf eine ehemalige Gastwirtschaft in der Umgebung der Mühle schließen lässt. Die Mühle dürfte zudem von Bauern aus den jenseits der Pinnau gelegenen Dörfern Glinde und Appen genutzt worden sein, die über eine nahe gelegene Steinfurt die Pinnau queren konnten.
Während der Industrialisierung wurde der Ohrtbrookgraben über viele Jahrzehnte als Abwassergraben verschiedener Betriebe genutzt, darunter auch einer Brennerei. Aufgrund der starken Geruchsbelästigung erhielt er im Volksmund den Namen „Stinkbek“.
Gewässerausbau und Hochwasserschutz
In der zweiten Julihälfte wurde das Regenwasserrückhaltebecken im Rahme eines Gewässerausbaus am Ohrtbrookgraben um ein zusätzliches Klärbecken in nördlicher Richtung erweitert. Das bestehende Rückhaltebecken verfügte über ein Fassungsvermögen von etwa 14.000 Kubikmetern, das durch die Erweiterung um rund 8.000 Kubikmeter erhöht wurde. Zusätzlich wurde eine Ölsperre installiert. Der ökologische Ausgleich erfolgte durch die Anlage eines großzügigen Gewässerrandstreifens entlang des Grabens.
Weblinks
Quellen
- Stadt Uetersen: 750 Jahre Uetersen – 1234–1984. C. D. C. Heydorns, Uetersen 1984.
- Annette Schlapkohl, Ernst Martin Groth-Stiftung (Hrsg.): Tornesch. Die Geschichte der Ortsteile Ahrenlohe, Esingen und Tornesch von den Anfängen bis heute. Husum 2004.
