Olaf Barutzki

deutscher Schauspieler, kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und in der DDR Fernseh-Regisseur From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben und Wirken

Barutzki lebte als Kind mehrere Jahre mit seiner Mutter in England. Nach der Rückkehr nach Deutschland besuchte er in Berlin das Gymnasium des evangelischen Knabeninternats Paulinum. Danach begann er eine kaufmännische Lehre. Nach deren Abbruch machte er ab 1927 in Berlin unter Leopold Jessner an der Staatlichen Schauspielschule eine Schauspielausbildung. Ab 1928 war er in Berlin Schauspieler an der Piscator-Bühne und im Piscator-Kollektiv. Er trat u. a. neben Ernst Busch und Heinrich Greif auf. Unter Piscator spielte er u. a. 1929 im Theater am Nollendorfplatz in der Uraufführung von Walter Mehrings „Der Kaufmann von Berlin“, mit dem Piscator-Kollektiv 1930 am Lessing-Theater in der Uraufführung von Theodor Pliviers „Des Kaisers Kuli“ und 1931 im Wallner-Theater in der Matinee-Vorstellung von Anna Gmeyners „Heer ohne Helden“.

Barutzki war Mitglied der Roten Hilfe Deutschland und seit 1929 der KPD, deren Landobmann er 1931 wurde.

Nach der Machtergreifung der Nazis sicherte er ab 1933 seinen Lebensunterhalt in verschiedenen beruflichen Tätigkeiten, u. a. als Vertreter für Schaufenster- und Innen-Dekorationen. Seitdem nahm er aktiv am illegalen Widerstand gegen den NS-Staat teil. Er wurde 1934 das erste Mal verhaftet, nach erfolglosen Verhören aber wenig später entlassen.

Danach war er zeitweilig arbeitslos. Ab 1938 arbeitete er als Hilfsmechaniker im Kabelwerk Oberspree (KWO) der AEG. 1938 trat er der Deutschen Arbeitsfront bei. Neben seiner beruflichen Tätigkeit machte er im Abendstudium eine Ausbildung zum Ingenieur.

Barutzki gehörte im KWO der illegalen Gruppe um Joachim Franke und nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs der Pankower Gruppe um Rudolf Eichler und Max Niemand an. Er beteiligte sich u. a. an der Sammlung von Informationen über die Stimmung unter den Arbeitern, über die Rüstungsproduktion und die Vorbereitung neuer kriegsrelevanter Produkte.

Ab 1942 war Barutzki Messtechniker bei der militärisch wichtigen Steanit-Magnesia AG in Pankow. Er wirkte als Verbindungsmann zu Widerstandsgruppen in Pankow und beteiligte sich an der Verbreitung antifaschistischen Materials, u. a. des Texts der Rede Wilhelm Piecks über den Moskauer Rundfunk „Die innere Front“. Über Walter Husemann unterhielt er bis Sommer 1942 weiter Kontakt zur Gruppe im KWO.

Im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die Hetzausstellung „Das Sowjet-Paradies“ am 18. Mai 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet, aus Mangel an Beweisen aber freigelassen.

Am 22. Februar 1943 wurde er erneut verhaftet, und am 19. März 1943 verurteilte ihn der Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat in Verbindung mit landesverräterischer Feindbegünstigung“ zum Tode. Er verbrachte sechs Monate in der Todeszelle im Zuchthaus Berlin-Plötzensee. Dort war Wilhelm Schürmann-Horster sein Leidensgenosse. Barutzki widmete diesem später das Gedicht „September-Mord. In Memoriam will Schumann-Horster“.[1] Nach mehreren erfolglosen Gnadengesuchen seiner Familie wurde das Todesurteil auf Betreiben von Ernst Albers-Schönberg, Mitglied des Vorstands der Steanit-Magnesia AG und Leiter des Labors des Unternehmens, in eine zehnjährige Zuchthausstrafe umgewandelt. Am 27. April 1945 wurde Barutzki von der Roten Armee aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden befreit.

Er arbeitete dann ab 12. Juli 1945[2] in Berlin beim Rundfunk in der Masurenallee zunächst als Toningenieur. Er beteiligte sich aktiv am Aufbau des Rundfunks in der Sowjetischen Besatzungszone und wurde Mitglied der SED. Er nahm ein Studium der Theaterwissenschaft auf und arbeitete dann bis zum Eintritt in die Altersrente als Hörspielregisseur beim Rundfunk der DDR, vor allem für literarische Sendungen.

Barutzki betätigte sich zudem schriftstellerisch und als Lyriker. Er schuf vorwiegend politische Gedichte, von denen die Zeitung Neues Deutschland im Laufe der Jahre einige pulizierte, und u. a. 1985 den Text für eine Kantate zum 40. Jahrestag der Befreiung des Zuchthauses Brandenburg, zu der Eberhard Schmidt die Musik schuf.[3] Die Berliner Welle sendete am 14. April 1970 in der Regie von Fritz-Ernst Fechner sein Feature „Bekenntnis und Verpflichtung“. Der Dietz-Verlag Berlin edierte 1981 den Erinnerungsbericht „TU-Station. Bericht aus faschistischen Kerkern“.

Noch im hohen Alter engagierte Barutzki sich aktiv für die freundschaftliche Zusammenarbeit mit der Sowjetunion. U. a. unterhielt er Kontakte zu einer Moskauer Schule mit verstärktem Deutschunterricht, die er im September 1987 besuchte.

Barutzki war mit Nora Barutzki (1909–2002) verheiratet, mit der er drei Kinder hatte, darunter der Grafiker Lothar Barutzki und die Journalistin Monika Wellershaus (* 1942). Barutzki war u. a. mit Ingeborg Meschinski befreundet.

Das Adressbuch verzeichnete Barutzki 1942 in der Dusekestraße 20. Das Haus fiel den Luftangriffen der Alliierten auf Berlin zum Opfer, und Barutzki wohnte dann in der Florastraße 31.

Grab Barutzkis und seiner Frau auf dem Friedhof Pankow III

Barutzki und seine Frau wurden auf dem Ehrenhain für Verfolgte des Naziregimes des Friedhofs Pankow III beigesetzt.

Beispiele für Arbeiten beim Hörfunk (Hörspiele)

Technische Realisation:

Regie:

Literatur

  • Heinrich-Wilhelm Wörmann: Widerstand in Köpenick und Treptow. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 2010, ISBN 978-3-926082-43-5, S. 157.
  • Hans-Joachim Fieber et al.: Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. trafo verlag, Berlin, 2003. Band 1, S. 164; ISBN 3-89626-351-X, S. 87
  • Frithjof Trapp et al.: Biografisches Lexikon der Theaterkünstler, De Gruyter, 2013, S. 49/50

Einzelnachweise

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