Olaus Wormius
dänischer Prähistoriker, Reichsantiquar, Begründer der skandinavischen Archäologie
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Olaus Wormius, latinisiert für Ole Worm (* 13. Mai 1588 in Aarhus; † 31. August 1654 in Kopenhagen), war Arzt, Reichsarchivar von Dänemark und einer der Begründer der skandinavischen Archäologie.

Leben
Er war der Sohn des Bürgermeisters von Aarhus aus einer Familie niederländischer Protestanten, die vor religiöser Verfolgung geflohen war. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Aarhus studierte er in Marburg, Gießen, Padua und Basel, wo er 1611 den Doktorgrad der Medizin erwarb. Er praktizierte einige Zeit als Arzt, auch in England, bekam aber dann ab 1611 an der Universität Kopenhagen einen Lehrstuhl für klassische Altertumskunde sowie ab 1615 eine Professur für Griechisch. 1625 wurde er Professor für Medizin und blieb es bis zu seinem Tod. 1617 wurde er von der Universität Kopenhagen zum Magister artium ernannt. Zeitweise war er dort auch Rektor.
Sein ganzes Leben lang praktizierte er Medizin und war Leibarzt des dänischen Königs Christians IV. Worm ist der Entdecker der nach ihm benannten „Wormschen Knochen“ in den Schädelnähten. Als gewissenhafter Arzt kümmerte er sich während der Großen Pestepidemie 1654 um seine Patienten in Kopenhagen, erkrankte jedoch selbst und starb.
Archäologische Tätigkeit
Worm befasste sich mit dänischen Altertümern und veröffentlichte die Monumenta Danica und Fasti Danici (1643). Sein besonderes Interesse galt Runeninschriften, er unternahm viele Reisen um sie zu sichten und sammelte Informationen von Korrespondenten. 1626 veranlasste er König Christian IV., alle dänischen Pfarrer in einem Rundschreiben aufzufordern, Runensteine, alte Gräber und sonstige Altertümer in ihrem Sprengel zu melden. 1639 wurde in Jütland ein mit Runen beschriftetes goldenes Horn gefunden und Worm als bester Kenner der Materie mit dessen Untersuchung beauftragt. Er veröffentlichte darüber De aureo cornu (1641), welches eine besondere geschichtliche Bedeutung hat, weil das Horn samt eines zweiten, das 100 Jahre später gefunden wurde, 1802 gestohlen und zerstört wurde.
Großsteingräber interpretierte er als Thingplätze und Opferaltäre, analog wurden Feuersteinklingen und -dolche als Opfermesser bezeichnet. Bei Pfeilspitzen war er sich unsicher, ob es sich um Produkte des Menschen oder der Natur handele, eine durchbohrte Steinbeilklinge aus Flint hielt er für das Fossil einer ursprünglich eisernen Axt. Urnen der späten Bronzezeit schrieb er den alten Dänen zu. Er greift in seinen Arbeiten stark auf den Thüringischen Altertumsforscher Nicolaus Marschalk (um 1470–1525) zurück, der als einer der ersten in Mecklenburg Grabhügel öffnete.
Sammlung

Worm war ein eifriger Sammler bizarrer und exotischer Gegenstände, Antiquitäten und ausgestopfter Tiere. Seine Sammlung enthielt viele steinzeitliche Steinartefakte, die er für Cerauniae hielt, welche der damaligen Ansicht zufolge mit Blitzen vom Himmel gefallen seien. Er besaß auch einen Narwalschädel, deren Stoßzähne früher für Hörner von Einhörnern gehalten wurden. Er kannte eine Harpunenspitze aus Stein, die in einem Meerestier in Grönland gefunden wurde, sowie Steinwerkzeuge und -waffen aus Amerika. Seine Wunderkammer Museum Wormianum in Kopenhagen war weit berühmt, ein dazugehöriger Katalog wurde postum von seinem Sohn herausgegeben.
Nach Worms Tod fiel die Sammlung an den König Friedrich III. und wurde in der alten Burg Kopenhagen ausgestellt. Gegenüber dem Schloss Christiansborg wurde ein neues Museum mit Bibliothek gebaut, jedoch erst 1680 nach dem Tod des Königs fertiggestellt, eines der ersten Museen dieser Art. Die Sammlung ist heute Teil des Geologischen Museums Kopenhagen.
Einflüsse
Worm hatte die Arbeiten des deutschen Humanisten Nicolaus Marschalk rezipiert, der bereits um 1510 Riesensteingräber und Hügelgräber in Mecklenburg ausgegraben hatte. Abbildungen des Torgauer Arztes und Antiquars Johannes Kentmann sind Teil der Sammlung des Museums Wormianum (1655).
Wirkungsgeschichte

Johann Just Winckelmann (1620–1699), der in seiner Notitia historico-politica veteris Saxo-Westphaliae (Oldenburg 1667) auch Riesensteingräber und andere Altertümer erwähnt, ist stark von Wormius beeinflusst, den er „Fautor olim meus“ nennt. Auch Nicolaus Schaten, der in seiner Historia Westphaliae Riesensteingräber als Gräber und Altäre identifiziert, beruft sich auf Wormius. Worm stand mit zahlreichen Gelehrten in Korrespondenz, unter anderem mit dem britischen Antiquar Walter Charleton (1619–1707), der in seinem Werk Chorea Gigantum (London 1663) Stonehenge den alten Dänen zuschrieb. Thomas Hearne (1678–1735), der britische frühbronzezeitliche Urnen als Dänisch beschrieb, stützte sich dabei auf das Werk von Wormius. Auch Thomas Tanner (1674–1735), der das Megalithgrab von Millbarrow auf der Ebene von Salisbury als die Grablege eines dänischen Heerführers identifizierte, berief sich auf vergleichbare Gräber, die Wormius in Dänemark beschrieben hatte, genau wie Francis Wise (1695–1767) das neolithische Grab von Wayland’s Smithy. Später würde man megalithische Gräber mit den gleichen Gründen den Kelten zuschreiben.
Ehrungen
Nach ihm sind die Pflanzengattungen Wormia Rottb. und Neowormia Hutch. & Summerh. aus der Familie der Rosenapfelgewächse (Dilleniaceae) benannt.[1]
Schriften
- Fasti Danici. Kopenhagen 1643 (digitale-sammlungen.de).
- Runir seu Danica literatura antiquissima. 2. Auflage. Kopenhagen 1651 (archive.org).
- De aureo cornu, 1641 (über die Goldhörner von Gallehus).
- Danicorum monumentorum libri sex. Kopenhagen 1643 (digitale-sammlungen.de).
- Willum Worm (Hrsg.): Museum Wormianum, Leyden 1655.
Literatur
- Peter Berghaus (Bearb.): Der Archäologe. Graphische Bildnisse aus dem Porträtarchiv Diepenbroick. Hrsg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1983, ISBN 3-88789-062-0.
- Glyn Daniel: Geschichte der Archäologie. Corvus, Köln 1990, ISBN 3-87540-153-0 (englisch: A short history of archeology. Übersetzt von Joachim Rehork).
- Ole Klindt-Jensen: A history of Scandinavian archaeology. Thames and Hudson, London 1975, ISBN 0-500-79006-X (englisch, dänisch: En historie om skandinavisk arkæologi. Übersetzt von G. Russel Poole).
- Jul. Petersen: Worm, Ole. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 19: Vind–Oetken. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1905, S. 186–195 (dänisch, runeberg.org).
- Stuart Piggott: Ancient Britons and the Antiquarian Imagination. Thames and Hudson, London 1989, ISBN 0-500-01470-1 (englisch).
- Henrik Ditlev Schepelern: Museum Wormianum: Dets Forudsætninger og Tilblivelse. Wormianum, Aarhus 1971, ISBN 87-85160-05-9 (dänisch).
- Paul Hans Stemmermann: Die Anfänge der deutschen Vorgeschichtsforschung. Kabitzsch, Leipzig 1934, DNB 578593939.