Oliver Jacobs
deutscher Schauspieler, Komponist und Sprecher
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Oliver Jacobs (* 1963[1] in Hamburg[1]) ist ein deutscher Schauspieler, Musicaldarsteller, Komponist, Sprecher und Moderator.[1] Er ist seit 2001 festes Ensemblemitglied am Theater Baden-Baden[1] und tritt regelmäßig in Theater-, Film- und Fernsehproduktionen auf.
Leben und Karriere
Oliver Jacobs wurde 1963 in Hamburg geboren. Nach seiner schulischen Laufbahn absolvierte er eine Ausbildung im Bereich Schauspiel und Musik an der Berufsfachschule Hedi Höpfner[2] in Hamburg,[3] wobei er sich insbesondere auf Musical und Jazz spezialisierte. Als Komponist arbeitet er unter dem Pseudonym Ephraim Bender.[4]
Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler arbeitet er auch als Moderator, Off-Sprecher und Sänger.[3]
Jacobs lebt mit seiner Frau Mechthild Jacobs[5] Baden-Baden,[5] Sie haben 2 Kinder,[5] einen Sohn (* 1999)[1] und eine Tochter (* 2001),[1] die ebenfalls Schauspieler[1] sind.[4]
Theater
Seit den 1980er-Jahren ist Oliver Jacobs als Bühnendarsteller aktiv. Erste Engagements führten ihn an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo er unter anderem in Yerma (Regie: Peter Zadek), Pünktchen und Anton und Der Bürger als Edelmann mitwirkte. Es folgten Rollen am Schlosstheater Celle, darunter Scipio in Caligula, Lucky in Warten auf Godot und Prinz Gonzaga in Emilia Galotti.[1]
Ab den 1990er-Jahren war Jacobs regelmäßig am Stage Theater des Westens in Berlin zu sehen, etwa in La Cage aux Folles, Hello Dolly und Cabaret. Weitere Stationen waren das Alte Schauspielhaus Stuttgart, die Komödie im Marquardt sowie die Schlossfestspiele Edesheim und Neersen.[1]
Seit 2001 gehört Jacobs zum Ensemble des Theater Baden-Baden,[3] wo er in über 100 Produktionen mitwirkte. Zu seinen Rollen zählen u. a. Harry Frommermann in Comedian Harmonists, Prof. Higgins in My Fair Lady, Tiger Brown in Die Dreigroschenoper, Graf Almaviva in Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit, Georges in La Cage aux Folles, Butler James in Dinner for One sowie Dr. Watson in Sherlock Holmes: Der Fall Moriarty. Er spielte unter der Regie von u. a. Thomas Höhne, Nicola May, Otto Kukla, Ingmar Otto und Stefan Huber.[1]
Jacobs war zudem in Opern- und Musicalproduktionen wie Die Gärtnerin aus Liebe, Die Prinzessin von Trapezunt, Cabaret und Anatevka zu sehen[3] und übernahm mehrfach musikalische Leitung und Kompositionen. Seine Theaterarbeit umfasst klassische Stoffe, zeitgenössische Dramen, Komödien, Revueformate und Uraufführungen.[1]
Hörspiele und Sprechertätigkeit
Seit den 1990er-Jahren ist Oliver Jacobs auch als Sprecher in Hörspielen, Radio-Features, Voice-over-Produktionen und Synchronisationen tätig.[3] Er wirkte in zahlreichen Produktionen für den SWR, NDR und andere öffentlich-rechtliche Sender mit.[1]
Zu seinen markanten Rollen zählen u. a. der Lance Corporal Kojo Agu (Romeo) im Game-Hörspiel Halo 3: ODST[1] (2008), der Rektor in den Kinderhörspielen Ida, Paul und die Dödeldetektive (2013) und Ida, Paul und die fiesen Riesen aus der Dritten (2012) sowie der Stationsarzt Lindner in November 1918 – Karl und Rosa (2015).[3] In Iris Drögekamps Doku-Hörspiel Die Luftpiraten von Marienbad (2017) sprach er die Rolle des Lubomir Adamica.[1]
Weitere Produktionen umfassen Der Schneemann (2010, Regie: Leonhard Koppelmann), Baudolino (2002, SWR/NDR), Der Seewolf (2003), Die Meute der Mórrígan (2003), Wiedersehen in Casablanca (2003), sowie das Feature Wirtschaftssanktionen – Was bewirkt der Druck auf Staaten? (2021, SWR2).[3]
Jacobs ist zudem regelmäßig als Kommentator, Off-Stimme und Sprecher in Reportagen, Dokumentationen und Magazinbeiträgen wie Tracks und Metropolis (2001–2025)[4] zu hören. Seine Stimme ist in zahlreichen Formaten zwischen politischer Analyse, Kinderhörspiel und literarischer Adaption präsent.[3]
Film und Fernsehen
Jacobs’ Filmografie umfasst ein breites Spektrum von dokumentarischen Rollen über satirische Nebenfiguren bis hin zu Hauptrollen in Independent- und Kurzfilmproduktionen. Er arbeitete mit Regisseurinnen und Regisseuren wie Judith Voelker, Iris Drögekamp, Leonhard Koppelmann, Gernot Krää, Stefanie Bolla, Benjamin Kaiser und Niki Stein zusammen.[1]
Oliver Jacobs begann seine Film- und Fernsehtätigkeit 1986 mit einer Nebenrolle als Blumenbote in der ZDF-Produktion Ein Fall für TKKG – Bestien in der Finsternis (Regie: Lutz Büscher). In den folgenden Jahren wirkte er in zahlreichen Kurzfilmen, Fernsehfilmen und Serienproduktionen mit.[3]
In den 2000er-Jahren war er unter anderem in Zelle 33 (2007, als Minister), Die Heimkehr (2007, Hauptrolle), OLI’s Wilde Welt (2008, KIKA), Carl und Bertha (2010, Ensemble), Everto (2010, Hochschule Offenburg), Frittierte Träume (2011, Hauptrolle), Das Haus Anubis (2011, als Herr Müller) und Druck! (2012, als Polizist Matze) zu sehen.[1]
Ab 2013 übernahm Jacobs vermehrt Vaterrollen, etwa in Zuviel für jetzt (2013), Ein offener Käfig (2013), Freitagsbraten (2014, Hauptrolle) und Die Arbeit der Toten (2014, als Albert Sieberts, 1. Platz VISIO Wettbewerb). Es folgten Auftritte in Aktenzeichen XY … ungelöst (2015), Schaufenster (2016, Hauptrolle), Schöne heile Welt (2017, als Anwalt) und Zweite Zukunft (2018, Hauptrolle als Phillip).[1]
2020 spielte er in der SWR-Dokumentation Die Rastatter Prozesse – Kriegsverbrecher vor Gericht die Rolle eines Verteidigers. 2022 war er in gleich drei Produktionen zu sehen: als Fahrer eines Mittelklassewagens in Tatort: Der Mörder in mir (Stuttgart), als Zahnarzt in Der Anruf und als Buchhändler Jürgen in Ein Sonntag auf dem Mond.[1]
Im November 2025 war Jacobs in der Tatort-Folge Tatort: Der Reini[6] als Eckehard Wolf[6] zu sehen.[1] Sie gehört zur Freiburger Tatort-Reihe mit den Ermittlern Franziska Tobler[6] und Friedemann Berg.[3]
Komposition als Ephraim Bender
Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler ist Oliver Jacobs auch als Komponist aktiv.[4] Unter dem Pseudonym Ephraim Bender ist er bei der GEMA registriert[4] und hat Musik für Theaterproduktionen, Revueformate und eigene Bühnenprojekte geschaffen.[4] Sein kompositorisches Schaffen umfasst Werke im Bereich Jazz, Musical, Bühnenmusik und Liedkomposition.[4]
Zu seinen Kompositionen zählen unter anderem die Musik Die Bremer Stadtmusikanten (1997).[4][2] Darüber hinaus komponierte er Songs für eigene Bühnenformate und entwickelte musikalische Konzepte für Inszenierungen am Theater Baden-Baden, bei denen er auch die musikalische Leitung übernahm.[2][4]
Jacobs komponierte Songs und Szenenmusik für zahlreiche weitere Produktionen, insbesondere im Bereich Musical, Revue, Kinderstück und Sprechtheater.[2]
Kompositionen (Auswahl)
- Die Bremer Stadtmusikanten – Musik und musikalische Leitung, Komödie im Marquardt, 1997 und Theater Baden-Baden, 2003[2]
- Das kalte Herz - Musik und musikalische Leitung, Theater Baden-Baden 2018
- Mutter Courage – Musikalische Leitung, Altes Schauspielhaus Stuttgart, 1997
Filmografie (Auswahl)
- 1986: Ein Fall für TKKG – Bestien in der Finsternis
- 2007: Die Heimkehr (Kurzfilm)
- 2007: Zelle 33 (Kurzfilm)
- 2008: OLI’s Wilde Welt
- 2010: Carl und Bertha
- 2010: Everto (Kurzfilm)
- 2011: Das Haus Anubis
- 2011: Frittierte Träume (Kurzfilm)
- 2012: Druck! (Kurzfilm)
- 2013: Ein offener Käfig
- 2013: Zuviel für jetzt (Kurzfilm)
- 2014: Die Arbeit der Toten (Kurzfilm)
- 2014: Freitagsbraten (Kurzfilm)
- 2015: Aktenzeichen XY … ungelöst
- 2016: Schaufenster
- 2017: Schöne heile Welt
- 2018: Zweite Zukunft
- 2020: Die Rastatter Prozesse – Kriegsverbrecher vor Gericht
- 2022: Tatort: Der Mörder in mir
- 2022: Der Anruf
- 2022: Ein Sonntag auf dem Mond
- 2025: Tatort: Der Reini
Weblinks
- Oliver Jacobs bei IMDb
- Oliver Jacobs bei Filmmakers
- Oliver Jacobs bei Crew United