Omnium

Mehrkampf im Bahnradsport From Wikipedia, the free encyclopedia

Omnium (aus dem Lateinischen: von allen = Mehrkampf) bezeichnet einen Wettbewerb im Bahnradsport, der nach aktuellem Reglement aus vier verschiedenen Ausdauerdisziplinen zusammengesetzt ist. Das Omnium wird bei Kontinental- und Weltmeisterschaften ausgefahren und ist seit 2012 Teil des olympischen Programms.

Szene aus dem Omnium-Wettkampf bei den Olympischen Sommerspielen 2016

Regeln

Das Omnium besteht seit 2025 aus folgenden Teildisziplinen:

  1. Scratch (Männer und Frauen 10 km, Junioren und Juniorinnen 7,5 km)
  2. Temporennen (Männer und Frauen 10 km, Junioren und Juniorinnen 7,5 km)
  3. Ausscheidungsfahren
  4. Punktefahren (Männer 25 km, Frauen und Junioren 20 km, Juniorinnen 15 km)

In den ersten drei Wettbewerben werden 40, 38, 36 etc. Punkte für die ersten Fahrer vergeben, zu denen sich die im Punktefahren erzielten Punkte für Sprints und Rundengewinne addieren. Sieger ist, wer die höchste Gesamtpunktzahl hat. Bei Punktgleichheit entscheidet der Einlauf des letzten Sprints im Punktefahren.

Entwicklung

Ein erster „Omnium“ genannter Wettbewerb wurde 1917 in Paris ausgetragen und bestand aus einem Sprint, einem 10 km langen Dernyrennen und einem 20 km langen Rennen mit Tandem als Schrittmacher. Über die Jahre wurde der Wettbewerb in unterschiedlichen Zusammensetzungen durchgeführt.[1] In Deutschland wurden von 1961 bis 1984 deutsche Amateur-Meister im Omnium ermittelt, mit den Teildisziplinen Sprint, Zeitfahren, Ausscheidungsfahren und Punktefahren. Ein Omnium-Wettbewerb wurde zum Beispiel auch beim bis 2008 jährlich stattfindenden „Großen Weihnachtspreis“ in der Dortmunder Westfalenhalle ausgetragen.

Der Wettbewerb wurde erstmals 2006 ins Regelwerk der UCI aufgenommen und 2007 bei den Weltmeisterschaften eingeführt, zunächst für Männer. Er bestand zu diesem Zeitpunkt aus folgenden Teilen:[2]

  1. 200 m Zeitfahren mit fliegendem Start
  2. Scratch (5 km)
  3. Einerverfolgung (Männer 3 km, Junioren 2 km)
  4. Punktefahren (15 km)
  5. Zeitfahren (1000 m)

Das Omnium deckte damit sowohl die Kurzzeit- als auch die Ausdauer-Disziplinen im Bahnradsport ab und bei den Ausdauer-Disziplinen sowohl die Verfolgung als auch ein Rennen mit Massenstart. In jedem Teilwettbewerb wurden Punkte entsprechend dem erzielten Rang vergeben, und es gewann der Fahrer mit der niedrigsten Gesamtpunktzahl. Bei Punktgleichheit entschied die Addition der Zeitfahr-Disziplinen.

2009 wurde das Omnium auch für Frauen ins WM-Programm aufgenommen. Nach den Weltmeisterschaften 2010 wurden die Regeln geändert. Grund hierfür war die Aufnahme des Omniums (Männer und Frauen) sowie zusätzlicher Frauenwettbewerbe in die Olympischen Spiele ab 2012. Dafür wurden mehrere Ausdauer-Disziplinen (Einerverfolgung, Punktefahren, Zweier-Mannschaftsfahren) aus dem olympischen Programm gestrichen. Als Ausgleich zugunsten der Ausdauerfahrer wurde das Ausscheidungsfahren in den Omnium aufgenommen, und die Distanzen einiger Teildisziplinen wurden erhöht.[3][4]

  1. Fliegende Runde
  2. Punktefahren (Männer 30 km, Frauen 20 km, Junioren 15 km, Juniorinnen 10 km)
  3. Ausscheidungsfahren
  4. Einerverfolgung (Männer 4 km, Frauen und Junioren 3 km, Juniorinnen 2 km)
  5. Scratch (Männer 10 km, Frauen und Junioren 7,5 km, Juniorinnen 5 km)
  6. Zeitfahren (Männer 1000 m, Frauen 500 m)

Die Distanzen im Scratch wurden jedoch darauf erhöht,[5] und 2014 wurde das Regelwerk grundlegend modifiziert. Die Reihenfolge der Wettbewerbe änderte sich ebenso wie die Berechnung des Gesamtergebnisses: In den ersten fünf Wettbewerben wurden nunmehr 40, 38, 36 etc. Punkte für die ersten Fahrer vergeben, zu denen die im Punktefahren erzielten Punkte für Sprints und Rundengewinne addiert wurden. Sieger war der Fahrer mit der höchsten Gesamtpunktzahl. Bei Punktgleichheit entschied der Einlauf des letzten Sprints des Punktefahrens. Damit ergab sich folgende Anordnung:[6]

  1. Scratch (Männer 15 km, Frauen und Junioren 10 km, Juniorinnen 5 km)
  2. Einerverfolgung (Männer 4 km, Frauen und Junioren 3 km, Juniorinnen 2 km)
  3. Ausscheidungsfahren
  4. Zeitfahren (Männer 1000 m, Frauen 500 m)
  5. Fliegende Runde
  6. Punktefahren (Männer 40 km, Frauen 25 km, Junioren 25 km, Juniorinnen 20 km)

Nach einer weiteren Regeländerung im Oktober 2016 wurden die Wettbewerbe mit Einzelstart (Einerverfolgung, Zeitfahren und Fliegende Runde) gestrichen und ein Temporennen hinzugefügt. Der Wettbewerb wird nun statt an zwei nur noch an einem Tag abgehalten, wofür auch die Länge von Scratch und Punktefahren reduziert wurde. Ziel der Reform war, das Omnium zu einem reinen Ausdauerwettbewerb zu machen und damit das Programm der Meisterschaften mehr zwischen dem Sprint- und Ausdauerbereich auszubalancieren.[7][8] Der Wettkampf hatte nunmehr folgende Form:

  1. Scratch (Männer 10 km, Frauen und Junioren 7,5 km, Juniorinnen 5 km)
  2. Temporennen (Männer 10 km, Frauen und Junioren 7,5 km, Juniorinnen 5 km)
  3. Ausscheidungsfahren
  4. Punktefahren (Männer 25 km, Frauen und Junioren 20 km, Juniorinnen 15 km)

2025 wurde die Länge von Scratch und Temporennen für Frauen auf 10 Kilometer und für Juniorinnen auf 7,5 Kilometer erhöht. Die Unterschiede im Punktefahren blieben bestehen.[9]

Paracycling

Im Paracycling wurde 2020 ein Omnium-Wettkampf für die Klasse C (Rennräder) eingeführt. Er hatte eine andere Zusammensetzung und bestand aus Zeitfahren, Verfolgung, Scratch sowie 200 Meter bei fliegendem Start. In jedem der vier Wettbewerbe wurden 40 Punkte für den ersten Platz vergeben, 38 für den zweiten usw. Das Gesamtklassement richtete sich nach der Addition der vier Wettbewerbe, bei Punktgleichstand entschied das Ergebnis im Scratch. Die Reihenfolge der vier Wettbewerbe war beliebig; Zeitfahren, Verfolgung und Scratch zählten zugleich als Einzeldisziplinen. Ende 2024 wurde das Para-Omnium wieder abgeschafft, da mit der Einführung neuer Wettkämpfe wie Sprint und Ausscheidungsfahren eine stärkere Spezialisierung der Fahrer zu erwarten war.[10][11]

Ergebnisse bei Bahnradsport-Weltmeisterschaften

Männer

Weitere Informationen Jahr, Gold ...
Jahr Gold Silber Bronze
2007Tschechien Alois KaňkovskýArgentinien Walter PérezVereinigte StaatenVereinigte Staaten Brad Huff
2008Neuseeland Hayden GodfreyAustralienAustralien Leigh HowardBelarus Aljaksandr Lisouski
2009AustralienAustralien Leigh HowardKanada Zach BellNiederlandeNiederlande Tim Veldt
2010Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Ed ClancyAustralienAustralien Leigh HowardVereinigte StaatenVereinigte Staaten Taylor Phinney
2011AustralienAustralien Michael FreibergNeuseeland Shane ArchboldBelgien Gijs Van Hoecke
2012AustralienAustralien Glenn O’SheaKanada Zach BellDanemarkDänemark Lasse Norman Hansen
2013Neuseeland Aaron GateDanemarkDänemark Lasse Norman HansenAustralienAustralien Glenn O’Shea
2014FrankreichFrankreich Thomas BoudatNiederlandeNiederlande Tim VeldtRusslandRussland Wiktor Manakow
2015Kolumbien Fernando GaviriaAustralienAustralien Glenn O’SheaItalienItalien Elia Viviani
2016Kolumbien Fernando GaviriaDeutschlandDeutschland Roger KlugeAustralienAustralien Glenn O’Shea
2017FrankreichFrankreich Benjamin ThomasNeuseeland Aaron GateSpanienSpanien Albert Torres
2018Polen Szymon SajnokNiederlandeNiederlande Jan-Willem van SchipItalienItalien Simone Consonni
2019Neuseeland Campbell StewartFrankreichFrankreich Benjamin ThomasGroßbritannienBritish Cycling Ethan Hayter
2020FrankreichFrankreich Benjamin ThomasNiederlandeNiederlande Jan-Willem van SchipGroßbritannienBritish Cycling Matthew Walls
2021GroßbritannienBritish Cycling Ethan HayterNeuseeland Aaron GateItalienItalien Elia Viviani
2022GroßbritannienBritish Cycling Ethan HayterFrankreichFrankreich Benjamin ThomasNeuseeland Aaron Gate
2023PortugalPortugal Iúri LeitãoFrankreichFrankreich Benjamin ThomasJapanJapan Shunsuke Imamura
2024Belgien Lindsay De VylderItalienItalien Simone ConsonniNiederlandeNiederlande Yanne Dorenbos
2025SpanienSpanien Albert TorresJapanJapan Kazushige KubokiBelgien Lindsay De Vylder
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Frauen

Weitere Informationen Jahr, Gold ...
Jahr Gold Silber Bronze
2009AustralienAustralien Josephine TomicKanada Tara WhittenNiederlandeNiederlande Yvonne Hijgenaar
2010Kanada Tara WhittenVereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Elizabeth ArmitsteadSpanienSpanien Leire Olaberria
2011Kanada Tara WhittenVereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarah HammerNiederlandeNiederlande Kirsten Wild
2012Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Laura TrottAustralienAustralien Annette EdmondsonVereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarah Hammer
2013Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarah HammerVereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Laura TrottAustralienAustralien Annette Edmondson
2014Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarah HammerVereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Laura TrottAustralienAustralien Annette Edmondson
2015AustralienAustralien Annette EdmondsonVereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Laura TrottNiederlandeNiederlande Kirsten Wild
2016Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Laura TrottFrankreichFrankreich Laurie BerthonVereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarah Hammer
2017GroßbritannienBritish Cycling Katie ArchibaldNiederlandeNiederlande Kirsten WildAustralienAustralien Amy Cure
2018NiederlandeNiederlande Kirsten WildDanemarkDänemark Amalie DideriksenNeuseeland Rushlee Buchanan
2019NiederlandeNiederlande Kirsten WildItalienItalien Letizia PaternosterVereinigte StaatenVereinigte Staaten Jennifer Valente
2020JapanJapan Yūmi KajiharaItalienItalien Letizia PaternosterPolen Daria Pikulik
2021GroßbritannienBritish Cycling Katie ArchibaldBelgien Lotte KopeckyItalienItalien Elisa Balsamo
2022Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jennifer ValenteNiederlandeNiederlande Maike van der DuinPortugalPortugal Maria Martins
2023Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jennifer ValenteDanemarkDänemark Amalie DideriksenBelgien Lotte Kopecky
2024Neuseeland Ally WollastonGroßbritannienBritish Cycling Jessica RobertsonNorwegen Anita Yvonne Stenberg
2025NiederlandeNiederlande Lorena WiebesFrankreichFrankreich Marion BorrasDanemarkDänemark Amalie Dideriksen
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Ergebnisse bei Olympischen Spielen

Männer

Weitere Informationen Jahr, Gold ...
Jahr Gold Silber Bronze
2012 DanemarkDänemark Lasse Norman Hansen FrankreichFrankreich Bryan Coquard Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Edward Clancy
2016 ItalienItalien Elia Viviani Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Mark Cavendish DanemarkDänemark Lasse Norman Hansen
2020 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Matthew Walls Neuseeland Campbell Stewart ItalienItalien Elia Viviani
2024 FrankreichFrankreich Benjamin Thomas PortugalPortugal Iúri Leitão Belgien Fabio Van den Bossche
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Frauen

Weitere Informationen Jahr, Gold ...
Jahr Gold Silber Bronze
2012 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Laura Trott Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarah Hammer AustralienAustralien Annette Edmondson
2016 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Laura Trott Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarah Hammer Belgien Jolien D’hoore
2020 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jennifer Valente JapanJapan Yūmi Kajihara NiederlandeNiederlande Kirsten Wild
2024 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jennifer Valente Polen Daria Pikulik Neuseeland Ally Wollaston
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Einzelnachweise

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