Opernhaus Damaskus
Konzert- und Opernhaus in Damaskus
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Das Opernhaus Damaskus (offiziell Dar al-Assad für Kultur und Künste, arabisch دار الأسد للثقافة والفنون, DMG Dār al-Asad li-ṯ-ṯiqāfa wa-l-funūn) ist das nationale Konzert- und Opernhaus in der syrischen Hauptstadt Damaskus.
| Opernhaus Damaskus | |
| Lage | |
| Adresse: | Opernhaus Damaskus am Umayyaden-Platz (ساحة الأمويين) |
| Stadt: | Damaskus |
| Koordinaten: | 33° 30′ 44″ N, 36° 16′ 43″ O |
| Architektur und Geschichte | |
| Eröffnet: | 7. Mai 2004 |
| Zuschauer: | Opernbühne 1331, Theaterbühne 663, Mehrfunktionshalle 237 Plätze |
| Internetpräsenz: | |
| Website: | Damascus Opera House (englisch) |
Standort
Das Opernhaus steht am Umayyaden-Platz (ساحة الأمويين), einem großen Kreisverkehr etwa zwei Kilometer westlich der Altstadt, an dessen südöstlicher Seite.
Geschichte
Damaskus hatte bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein Opernhaus. Während der französischen Kolonialzeit hielt die syrische Volkspartei unter der Führung von Abd al-Rahman Shahbandar 1925 ihre konstituierende Sitzung im alten Opernhaus von Damaskus ab.[1]
Das neue Opernhaus Damaskus wurde bereits zu Beginn der Regierungszeit von Hafiz al-Assad geplant, doch gab es erste Bauarbeiten erst nach seinem Tode im Jahre 2000. Das Opernhaus wurde am 7. Mai 2004 von seinem Sohn Baschar al-Assad und dessen Frau Asma al-Assad eröffnet.
Seit seiner Eröffnung war das Opernhaus der Schauplatz zahlreicher Theateraufführungen und Konzerte klassischer europäischer oder arabischer Musik sowie von Filmvorführungen, wie dem Europäischen Filmfestival in Syrien.
Das Opernhaus Damaskus ist der Hauptspielort des Syrischen Nationalen Symphonieorchesters, das regelmäßig Beiträge zum Musikleben in der syrischen Hauptstadt leistet. Kompositionen zeitgenössischer syrischer Komponisten wie Solhi al-Wadi, MAias Alyamani[2], Malek Jandali[3], Hassan Taha[4][5], Zaid Jabri[6], Shafi Badreddin[7] oder Kinan Azmeh[8] wurden hier aufgeführt.
Während des Bürgerkriegs war das Opernhaus im Jahr 2014 Ziel von Mörserangriffen, die „Rebellen“ gegen die syrische Regierung zugeschrieben wurden. Laut einem Bericht der Zeitung The Times of Israel wurden zwei Studenten der benachbarten Hochschule für Theater getötet und mehrere weitere schwer verletzt.[9]
Architektur und Ausstattung
Das Opernhaus ist ein fünfstöckiges Gebäude mit einer Opernbühne, einer Theaterbühne und einer Mehrfunktionshalle. Der Hauptsaal hat 1331 Sitzplätze, 2 Balkone und 20 Logen. Im selben Gebäudekomplex neben dem Opernhaus sind außerdem eine Hochschule für Theater und eine Hochschule für Musik angesiedelt.
Orgel
Im Opernhaus ist eine der weltweit vier schwebenden Luftkissen-Orgeln installiert. Die Orgel wurde 2000 von dem Orgelbauer Aug. Laukhuff aus Weikersheim in Deutschland erbaut. Das Instrument hat 40 Register auf vier Manualen. Die Orgel kann mit Luftkissen angehoben und auf der Bühne bewegt werden. Mittels Kompressoren werden die Luftkissen so weit aufgepumpt, dass sie die 18 Tonnen schwere Orgel gleichmäßig und lautlos anheben, bis sie über dem Boden schwebt. Die Orgel kann man so ferngesteuert an jeden beliebigen Platz der Bühne bewegen und absetzen. Aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien fehlt dem Opernhaus jedoch das Geld für die Wartung des Instrumentes.[10][11][12]
Aktivitäten während des Bürgerkriegs
Während des Krieges fanden im Opernhaus weiterhin Musik- und Kulturveranstaltungen statt, allerdings auf deutlich reduziertem Niveau: Die Spielzeiten wurden verkürzt, viele Musiker flohen oder wurden getötet; die öffentlichen Aufführungen fanden nur noch sporadisch statt und waren oft als offizielle und patriotische Veranstaltungen konzipiert. Das Syrian National Symphonic Orchestra meldete den Verlust von 74 Musikern, von denen viele in arabische und europäische Länder oder in die USA flohen. Im Jahr 2014 wurden bei einem Mörserangriff zwei Studenten des benachbarten Higher Institute of Dramatic Arts getötet und mehrere weitere verwundet.[13] Inmitten heftiger Kämpfe in den Vororten der Hauptstadt gab das Orchester im Januar 2015 ein Konzert, als rund 150 Raketen auf Damaskus niedergingen.[14]
Wiederaufnahme der kulturellen Veranstaltungen
Am 30. Januar 2025 trat das Nationale Symphonieorchester Syriens im Opernhaus vor einem großen Publikum auf, darunter Diplomaten und der neue Gesundheitsminister und Bruder des syrischen Präsidenten, Maher al-Sharaa, mit seiner Familie. Unter dem Titel "Für die Märtyrer und den Ruhm Syriens" erklangen Werke von Beethoven und Tschaikowsky sowie von syrischen Komponisten. Unter der Leitung des Chefdirigenten des Orchesters, Missak Baghboudarian, der der armenischen Minderheit in Syrien angehört, wurde das Konzert als das erste klassische Konzert in Syrien seit dem Sturz des früheren Regimes bezeichnet. Zu Beginn wurde eine Schweigeminute zum Gedenken an die mehr als 500 000 Menschen, die während des Bürgerkriegs getötet wurden, abgehalten. Aufgrund finanzieller Engpässe konnte der Musiksaal trotz des kalten Winterwetters nicht geheizt werden, und die Musiker und das technische Personal arbeiteten ohne Bezahlung.[15]
Eine weitere Veranstaltung mit dem Titel "Snapshots of Syrian Heritage" wurde vom Kulturministerium im April 2025 organisiert, bei der folkloristische Gruppen und Lieder in verschiedenen syrischen Sprachen wie Arabisch, Kurdisch, Armenisch und Tscherkessisch aufgeführt wurden.[16] Im Rahmen der landesweiten Kampagne "We Have Returned, O Sham" (Wir sind zurückgekehrt, Oh Sham) wurde das Opernhaus Anfang 2025 als eine der kulturell bedeutenden Stätten für Freiwilligeninitiativen der Zivilgesellschaft und Bemühungen um die Stadtverschönerung genannt.[17]