Oppelsbohm
Pfarrdorf und seit 1972 Gemeindeteil und Verwaltungssitz der Großgemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis
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Oppelsbohm (früher Oppelsbom) ist ein Pfarrdorf und seit 1972 Gemeindeteil und Verwaltungssitz der Großgemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort war von jeher das kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Zentrum der Landschaft Berglen. Wie die ganze Gemeinde liegt Oppelsbohm im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Oppelsbohm Gemeinde Berglen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 48° 52′ N, 9° 28′ O |
| Höhe: | 308 m ü. NN |
| Eingemeindung: | 1. April 1972 |
| Eingemeindet nach: | Buchenberg |
| Postleitzahl: | 73663 |
| Vorwahl: | 07195 |
Lage von Oppelsbohm in Berglen
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Luftbild von 1985 von Erich Merkler | |

Geographische Lage
Von ausgedehnten Streuobstwiesen umgeben liegt das Dorf am Zusammenfluss von drei Bächen, dem Buchenbach aus nördlicher Richtung, der bei Burgstetten in die Murr mündet, der Kottenbach aus östlicher Richtung sowie dem Gruppenbächle aus südöstlicher Richtung.
Umliegende Ortschaften sind Rettersburg im Norden, Rudersberg-Necklinsberg im Osten, Birkenweißbuch und Vorderweißbuch im Südosten, Ödernhardt im Süden, Bretzenacker im Südwesten, Birkmannsweiler im Westen sowie Baach und Bürg im Nordwesten.
Zur Altgemeinde Oppelsbohm gehörte der kleine Ort Oberweiler.
Ortsname
Oppelsbohm bedeutet „Baum des Opolt“.[1] Die erste überlieferte Namensform lautet Opolspam (1293). Im 14. Jahrhundert (1344) erscheint der Ort als Opelsbowe und am Beginn des 15. Jahrhunderts (1411) als Oppelsbam. In der Folgezeit änderte sich der Name nur noch geringfügig. Im Forstlagerbuch von Andreas Kieser wurde der Name mit Oppelsbaum verhochdeutscht. In der lokalen schwäbischen Mundart wird das Dorf Obelschbom genannt.[1]
Geschichte
Oppelsbohm wurde im Jahre 1293 erstmals erwähnt, als das Kloster Lorch Vogteirechte an verschiedenen Orten Graf Eberhard dem Erlauchten von Württemberg überließ. In der Folgezeit fiel die Umgebung an das Haus Württemberg, doch besaß das Kloster Lorch auch noch im 16. Jahrhundert (1542) die Grundherrlichkeit in Oppelsbohm. Die Benediktinerabtei hatte 13 Lehen im Ort. Den Frucht-, Wein- und kleinen Zehnten mussten an die örtliche Pfarrei abgeführt werden, die im 15. Jahrhundert eingerichtet wurde. Im Jahr 1442 verpfändete Graf Ulrich von Württemberg das Dorf Oppelsbohm an seine Gemahlin Margarethe von Savoyen. Endgültig württembergisch wurde der Ort mit der von Herzog Ulrich eingeleiteten Reformation im Jahre 1535. In der Folgezeit fielen auch die Güter des Klosters Lorch an den Staat.
Im 19. Jahrhundert lebte man in Oppelsbohm hauptsächlich von der Landwirtschaft, jedoch wurden die Erzeugnisse nur selten ausgeführt. Es wurde ein wenig Flachs angebaut sowie Hanf von mittelmäßiger Qualität. Die Viehzucht war nur mittelmäßig; der Viehhandel wurde meist von ortsfremden Juden betrieben. Oppelsbohm besaß auch gute Weinlagen. Der gekelterte Wein erreichte dieselbe Qualität wie der Remstaler Wein. Man pflanzte vor allem Silvaner und Elblinge. Mit der Reblaus und anderen Schädlingen verschwand der Weinbau aus der Gemeinde. Im Gegensatz dazu war um 1850 war der Obstbau ständig am zunehmen. Man pflanzte Apfelbäume, Birnen und Edelkirschen. Aus den Kirschen wurde Kirschgeist gebrannt. Oppelsbohm besaß weiterhin eine Bierbrauerei, eine Ziegelei, eine Lohgerberei und sowie einige Leinenweber und Schreinereien.
Im Zuge der Gebietsreform in der NS-Zeit kam die Gemeinde Oppelsbohm 1938 zu dem neu gebildeten Landkreis Waiblingen.
Im Rahmen der Gemeindegebietsreform von 1972 wurde die Gemeinde aufgelöst und der neu gegründeten Großgemeinde „Buchenberg“ zugeordnet. Buchenberg wurde am 27. Dezember 1972 in „Berglen“ umbenannt. Oppelsbohm wurde Sitz der Gemeindeverwaltung und erhielt ein modernes Verwaltungszentrum.
Einwohnerentwicklung
Religion
Die Pfarrei Oppelsbohm wurde im 15. Jahrhundert (ab 1440) errichtet. Mit der Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich wurde Oppelsbohm wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch. Zur Pfarrei gehörten die Ortschaften Asperglen (bis 1836), Birkenweißbuch, Bretzenacker, der Buchenbachhof (bis 1732), Buhlbronn, Krehwinkel, Lindental (bis 1836), Necklinsberg, Ödernhardt, Öschelbronn, Stöckenhof (teilweise), Rettersburg, Streich, Unterschlechtbach (bis 1810) sowie Vorderweißbuch.
Politik
Schultheißen und Bürgermeister
- 1828: Stahl[2]

Wappen und Flagge
Die Altgemeinde Oppelsbohm führte ein Gemeindewappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.
Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: In goldenem (gelbem) Wappenschild mittig eine schwarze Hirschstange.
Wappenbegründung: Die Hirschstange und die Farbgebung verweisen auf die Verbundenheit zum Haus Württemberg.
Die Farben der Altgemeinde waren Gold-Schwarz (dargestellt als Gelb-Schwarz).
Mit der Auflösung der Gemeinde am 1. April 1972 ist das Wappen erloschen. Es kann noch von Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege, etwa als Autoaufkleber, Abzeichen oder Wimpel verwendet werden.
Sehenswürdigkeiten
- Evangelische Pfarrkirche St. Mauritius (erbaut im 15. Jahrhundert)
- Gedenkkreuz aus Sandstein für den sechsjährigen Jakob Eppler, der 1751 bei Holzfällarbeiten seines Vaters ums Leben kam. Das Kreuz trägt die Inschrift „I(acob) E(ppler) 1751“. Es wurde 1977 von dem Gemeindewald Alter Hau auf den Friedhof versetzt.[4]
Ortsneckname
Wegen des vielen Mostobsts und der verbreiteten Schnapsbrennerei wurde Oppelsbohm von den Einwohnern der umliegenden Gemeinden scherzhaft Saufbiegel (d. h. Saufwinkel) genannt.
Sonstiges
Nach der Gründung der Gemeinde Berglen herrschte bei vielen Straßen Namensgleichheit. Um Verwechslungen zu vermeiden, beschloss der Gemeinderat die Umbenennung der Straßen. Man entschied sich dabei, Bezeichnungen aus einem festumrissenen Bereich zu wählen. Man entschied sich bei Oppelsbohm letztlich für Musiker. Somit sind in Oppelsbohm alle Straßen nach Komponisten benannt, von Johann-Sebastian-Bach-Straße bis Webergasse (nach Carl Maria von Weber).
Bilder aus Oppelsbohm
Persönlichkeiten
Töchter und Söhne der Altgemeinde Oppelsbohm
- Friedrich von Klett (1781–1869), württembergischer Verwaltungsbeamter und Landtagsabgeordneter
- Johann Georg Hildt (1785–1863), Werkmeister und Architekt
- Georg Bernhard von Bilfinger (1798–1872), Jurist und Politiker
- Hansel Mieth (1909–1998), deutsch-amerikanische Fotojournalistin
- Jörg Hoffmann (* 1955), Gewerkschaftsfunktionär, SPD-Politiker, Erster Vorsitzender der IG Metall
Mit der Altgemeinde verbundene Persönlichkeiten
- Otto Mörike (1897–1978), evangelischer Pfarrer in Oppelsbohm und Gegner des NS-Regimes.
Literatur
- Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. Verlag J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1850.
- Ilse Böwing-Bauer: Die Berglen. Hopfer Verlag, Tübingen 1958.
- Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 285.
- Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 197–198.
- Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17011967-2.

