Prime (Rakete)
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Prime war ein Projekt des schottisch-dänischen Herstellers Orbex zur Entwicklung einer teilweise wiederverwendbaren Trägerrakete. Die Rakete sollte europäische Kleinsatelliten ins All bringen. An der Nordküste Schottlands begann Orbex im Mai 2023 mit dem Bau eines neuen Weltraumbahnhofs für die Prime.[1]

Geschichte
Orbex entstand aus dem Projekt „Moonspike“ des britischen Unternehmers Chris Larmour und des dänischen Architekten und Raumfahrtingenieurs Kristian von Bengtson. Moonspike wurde 2015 mit dem Ziel gegründet, durch Crowdfunding eine eigene Mission zum Mond zu finanzieren. Geplant war eine zweistufige, mit Alkohol und Flüssigsauerstoff betriebene Rakete, die eine gekapselte Nutzlast auf eine Kollisionsbahn mit dem Mond bringt. Von den angestrebten 1 Mio. US-Dollar an Kickstarter-Einnahmen wurde jedoch nur 123.000 US-Dollar erlöst.[2][3][4]
Anlässlich der Farnborough Air Show im Juli 2018 machte Orbex seine Pläne zum Bau der Prime bekannt.[5] Zu diesem Zeitpunkt war mit 30 Mio. Pfund (etwa 34 Mio. Euro) bereits die Hälfte des geschätzten Kapitalbedarfs für die Entwicklung der Rakete gesichert. Laut Unternehmensangaben wurden unter anderem Gelder von der UK Space Agency, der ESA, den Wagniskapitalfonds Sunstone Technology Ventures und High-Tech Gründerfonds sowie der Firma Elecnor Deimos Space als strategischem Partner eingeworben.[6]
Im Februar 2019 eröffnete Orbex eine neue Firmenzentrale in Forres im Norden Schottlands und präsentierte dort einen – noch nicht flugfähigen – Prototyp der zweiten Raketenstufe.[7]
Aufbau

Die Prime war als zweistufige Rakete geplant. Ihre tragenden Strukturen sollten aus einem CFK-Aluminium-Verbundmaterial bestehen. Die zentrale Einheit des Motors wurde in einem Stück mit einem Metall-3D-Drucker des deutschen Herstellers Nikon SLM Solutions gefertigt.[7] Die erste Stufe sollte von sechs dieser Motoren angetrieben werden, die zweite Stufe von einem.[8]
Als Treibstoff kam (in Prototypen des Triebwerks) verflüssigtes Biogas in Form von Propan zum Einsatz, als Oxidator Flüssigsauerstoff. Dadurch arbeitete das Triebwerk einerseits annähernd klimaneutral, andererseits sollte der relativ niedrige Gefrierpunkt des Propans eine besonders leichte Tankkonstruktion ermöglichen: Der Treibstofftank sollte platzsparend innerhalb des Tanks mit kryogenem Sauerstoff angebracht werden.[8]
Ähnlich der US-amerikanischen Rakete Vulcan war auch bei der Prime eine Wiederverwendung der Triebwerkseinheit der Erststufe angedacht. Die Triebwerke sollten nach dem Einsatz im Meer landen.[8] Als weitere Innovationen nannte der Hersteller eine Triebwerkszündung ohne bewegliche oder elektrisch betriebene Teile.[9]
Produktions- und Starteinrichtungen
Die Prime wurde am Orbex-Hauptsitz in Forres entwickelt. Triebwerksentwicklung, -produktion und -test waren in Hvidovre bei Kopenhagen sowie an einem weiteren dänischen Standort angesiedelt.[5][10][11][12]
Auf der Halbinsel A' Mhòine – etwa 150 Kilometer nördlich von Forres – plante Orbex den Sutherland Spaceport.[1] Zudem zog Orbex einen Startplatz auf der Azoreninsel Santa Maria oder in Norwegen in Erwägung.[10][12] Die Wirtschaftlichkeit und Naturverträglichkeit des Sutherland Spaceport war umstritten.[13][14]
Technische Daten
Stand: 2025
| Erste Stufe | Zweite Stufe | |
|---|---|---|
| Höhe | 19 m[9] | |
| Durchmesser | 1,45 m[9] | |
| Leermasse | 0,35 t[15] | |
| Startmasse | 18 t[12] | |
| Schub | 30 kN[8] | |
| Treibstoff | Bio-Propan-Flüssiggas | |
| Oxidator | Flüssigsauerstoff | |
| Nutzlast ⇒ Höhe[16][5] |
220 kg ⇒ 200 km 150 kg ⇒ 500 km 100 kg ⇒ 1250 km | |
| Orbits | polar, sonnensynchron | |
Weblinks
- Orbex-Website
- AZµL – Azores Micro Launcher, Deimos und Orbex, November 2018 (PDF)