Ostmalaysia

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Ostmalaysia bezeichnet den östlichen Teil Malaysias auf der Insel Borneo und umfasst die Bundesstaaten Sabah und Sarawak sowie das Bundesterritorium Labuan. Die Region ist durch tropisches Regenwaldklima und eine außerordentliche Biodiversität geprägt.

Ostmalaysia in Südostasien
Politische Karte der Insel Borneo (Ostmalaysia in Orange)

Mit rund 6,2 Millionen Einwohnern (Stand 2023)[1] leben hier etwa 19 % der malaysischen Bevölkerung, obwohl Ostmalaysia mit einer Fläche von ca. 198.000 km² der größere der beiden Landesteile Malaysias ist. Die Bevölkerungsdichte ist deutlich geringer als in Westmalaysia, und große Flächen sind von Regenwäldern bedeckt.

Die größte Stadt und das größte städtische Zentrum ist Kuching, das auch die Hauptstadt von Sarawak ist und über 600.000 Einwohner hat. Kota Kinabalu ist die zweitgrößte und eine der wichtigsten Städte in Ostmalaysia. Demografisch unterscheidet sich Ostmalaysia vom Westteil, da hier verschiedene indigene Volksgruppen wie Kadazan-Dusun oder Dayak und eine bedeutende chinesische Minderheit ansässig sind. Auch der Anteil der Christen, die knapp ein Drittel der Bevölkerung Ostmalaysias ausmachen, ist deutlich höher als auf dem Festland.

Geografie

Topografische Karte von Borneo

Sabah und Sarawak liegen im Norden Borneos, eingebettet zwischen dem Südchinesischen Meer und dem Sulusee. Die höchste Erhebung Malaysias ist der Mount Kinabalu in Sabah (4.095 m). Weitere Gebirgszüge im Inselinneren sind z. B. Crocker- und Muller-Gebirge. Tieflandgebiete finden sich vor allem im Westen (besiedelte Küstenebenen) und Osten Borneos. Weite Teile der Küstenregionen sind von Mangrovenwäldern und Sumpfgebieten geprägt. Das Klima ist ganzjährig warm und feucht, mit Temperaturen um 27 °C im Jahresmittel und sehr hohen Niederschlägen (~3.800 mm pro Jahr).[2]

Ostmalaysia verfügt über eine weltberühmte Tier- und Pflanzenwelt. Die Insel Borneo gilt als Biodiversitäts-Hotspot mit vielen endemischen Arten: Dazu gehören u. a. der Borneo-Orang-Utan, der Nasenaffe (Proboscis Monkey), der Nebelparder und verschiedene Hornvogelarten. Der dichte Regenwald beherbergt Tausende von Pflanzenarten (darunter riesige Stieleichen und seltene Orchideen) sowie unzählige Schmetterlinge und Insekten. Mehr als 2.000 Blütenpflanzen wurden etwa im Gunung Mulu-Nationalpark gezählt, der über 300 Vogel- und über 100 Säugetierarten aufweist.[3] Zahlreiche Schutzgebiete (z. B. Kinabalu-Nationalpark, Gunung Mulu und Danum Valley) dienen dem Erhalt dieser Ökosysteme.

Geschichte

Vor der Kolonialzeit war Borneo kulturell und politisch vielfältig: Verschiedene indigene Reiche (Bruneiisches Reich, kleine Herrschaften) teilten sich die Region. Ab dem 19. Jahrhundert kam es zu europäischem Einfluss: Der englische Abenteurer James Brooke wurde 1841 zum ersten „Weißen Raja“ von Sarawak ernannt, womit ein dynastisches Herrschaftsregime der Familie Brooke begann, die für hundert Jahre anhielt. Sabah (damals „Nord-Borneo“) wurde 1881 von einer britischen Handelsgesellschaft (North Borneo Chartered Company) übernommen und 1888 zum britischen Protektorat. Labuan wurde schon 1848 britische Kronkolonie. Während des Zweiten Weltkriegs waren Sabah und Sarawak (ebenso wie ganz Borneo) 1941–45 von Japan besetzt.[4] Nach Kriegsende wurden beide Gebiete 1946 britische Kronkolonien.

Am 16. September 1963 traten Sabah und Sarawak – zusammen mit Malaya und Singapur – der neugegründeten Föderation Malaysia bei. Dabei sicherten die 1963 vereinbarten Abkommen (Malaysia Agreement, MA63) den Borneo-Staaten besondere Rechte zu. Kurz nach Gründung bekämpfte Indonesien die Eingliederung Borneos in Malaysia im sogenannten „Konfrontasi“-Konflikt (1963–66).[5] In Sarawak kam es zudem zu einem kommunistischen Aufstand, getragen vorwiegend von der dortigen chinesischen Minderheit, der bis 1990 andauerte.[6] Es kam auch immer wieder zu Spannungen über die Umsetzung der Sonderrechte (z. B. bei der Verteilung von Einnahmen aus Erdöl und Gas). Bis heute prägen Entwicklungsunterschiede das Verhältnis zu Westmalaysia.

Ethnien und Kultur

Kadazan-Dusun

Ostmalaysia ist ethnisch außerordentlich vielfältig. In Sabah stellen die indigenen Völker die Mehrheit: die größten Gruppen sind Kadazan-Dusun (Hauptvolk im Hochland), Bajau (Seenomaden an der Küste) und Murut. Diese Gruppen bewahren zahlreiche Traditionen (z. B. Langhäuser, Webkunst, Holzschnitzereien) und eigene Sprachen. Ein berühmtes Fest ist das Pesta Kaamatan, das Erntefest der Kadazan-Dusun. In Sarawak dominieren die Dayak-Gemeinschaften, besonders die Iban (ca. 31 % der Bevölkerung) und die Bidayuh. Viele Dayak leben ebenfalls traditionell in Gemeinschaftshäusern („Langhäusern“) und feiern Erntedankfeste wie das „Gawai Dayak“ (Tanz- und Musikfest). Daneben gibt es in beiden Bundesstaaten bedeutende Minderheiten: Ethnische Chinesen (ca. 20 % in Sarawak, viele davon Buddhisten oder Christen) sowie malaiische und islamisierte Gruppen (z. B. Suluk).[7][8] Im Gegensatz zu Westmalaysia leben im Osten nur relativ wenige Inder. Insgesamt wird die Bevölkerungsmehrheit zu den „Bumiputera“ gezählt (indigene Völker und malaiische Gruppen), während es auch eine wachsende Zahl an Ausländern gibt.

Die große religiöse Vielfalt spiegelt die Ethnien wider. In Sabah sind etwa 69,6 % der Bevölkerung Muslime, rund 24,7 % Christen (2020).[9] Sarawak ist eines der wenigen Gebiete im Land mit christlicher Bevölkerungsmehrheit: 2020 waren hier etwa 62,1 % der Einwohner Christen und 19,2 % Muslime.[10] Andere Religionen (Buddhismus, Animismus u. a.) und indigene Glaubensrichtungen spielen ebenfalls eine Rolle. Die Mehrsprachigkeit Ostmalaysias ist gesetzlich geschützt: Noch bis in die 1970er Jahre durften Parlament und Gerichte Englisch verwenden und in beiden Staaten können indigene Sprachen in lokalen Rechts- und Versammlungsverfahren eingesetzt werden.[11]

Wirtschaft

Flüssigerdgasterminal auf Sarawak

Die Wirtschaft Ostmalaysias stützt sich traditionell auf natürliche Ressourcen. Öl und Erdgas sind die wichtigsten Sektoren: Sabah und Sarawak liefern einen Großteil der malaysischen Öl- und Gasproduktion. In den Jahren 2018–2024 betrugen die Investitionen in Exploration und Förderung auf See rund 113,2 Milliarden Ringgit (RM) in Sarawak und RM 56,3 Milliarden in Sabah. Im gleichen Zeitraum erzielten die beiden Staaten zusammen Einnahmen von über RM 490 Milliarden aus Öl/Gas (Sarawak: RM 285,4 Mrd., Sabah: RM 205 Mrd.). Diese Erlöse tragen erheblich zum Staatshaushalt bei, führten aber auch zu Konflikten um Ressourcenkontrolle (z. B. zwischen Sarawak und dem nationalen Ölkonzern Petronas).[12]

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist die Forst- und Holzindustrie. Die dichten Regenwälder Borneos lieferten jahrzehntelang wertvolles Tropenholz für den Export. Auch die Landwirtschaft spielt eine Rolle: In beiden Bundesstaaten werden Ölpalmen und Kautschuk sowie Nutzpflanzen (z. B. Reis, Pfeffer, Kokosnuss) angebaut. Sabah ist bekannt für Tropenfrüchte, Sarawak für Langhölzer sowie Sarawak-Pfeffer. Auch der Tourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Natürliche Attraktionen wie der Mount Kinabalu, die Höhlen von Gunung Mulu und die Tauchgründe von Sipadan ziehen Besucher aus aller Welt an. 2023 verzeichnete allein Sarawak fast 3,9 Millionen Touristen, was rund RM 10 Milliarden Umsatz brachte (etwa 7 % des staatlichen BIP).[13]

Trotz reichlich Ressourcen gibt es in Sabah und Sarawak jedoch wenig Industrie, welche sich vorwiegend im Westen des Landes mit Verbindung zum asiatischen Festland befindet. Entsprechend sind Armut und Einkommensunterschiede teils höher: Im Jahr 2020 lebten ca. 25,3 % der Bevölkerung in Sabah und 12,9 % in Sarawak unter der Armutsgrenze. Beobachter führen dies auch auf die starke Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und auf infrastrukturelle Defizite zurück. Die relative geografische Isolation fällt hierbei negativ ins Gewicht.[14] Beim Human Development Index lag Sabah im staatsweiten Ranking deutlich unter dem Durchschnitt und Sarawak leicht darüber.[15]

Politik

Politisch sind Sabah und Sarawak Teil der Föderation Malaysia, besitzen aber Sonderrechte. Beide haben – anders als die malaiischen Sultanate – einen vom König ernannten Gouverneur (Yang di-Pertua Negeri) als Staatsoberhaupt. Dem gegenüber stehen eigene gewählte Parlamente (Dewan Undangan Negeri) und Ministerpräsidenten (Chief Ministers) in jeder Provinz. Bei Bundeswahlen entsenden Sabah und Sarawak eine große Zahl an Abgeordneten in das nationale Parlament. Das Malaysia Agreement 1963 (MA63) gewährte beiden Staaten weitreichende Kompetenzen, die jedoch 1976 beschnitten wurden. Dazu zählt etwa die Kontrolle über Einwanderung: Personen aus Westmalaysia benötigen in Sabah/Sarawak eigene Einreisegenehmigungen. Laut Verfassung durften bis in die 1970er Jahre Englisch und indigene Sprachen in Gesetzgebung und Gerichtswesen verwendet werden. Die Bundesverfassung erlaubte den Landesverfassungen, bei Grundbesitz Privilegien für Einheimische vorzusehen.[11] Die Demografie von Sabah hat sich jedoch seit den 1990er Jahren dramatisch verändert. So wurde Einwanderern aus Indonesien und den Philippinen die Staatsbürgerschaft gewährt, um die Regierungspartei UMNO an der Macht zu halten.[16]

Aktuelle politische Debatten drehen sich um die vollständige Umsetzung der MA63-Rechte und mehr Autonomie. Sowohl in Sabah als auch in Sarawak gibt es regionale Parteien, die stärkere föderale Selbstbestimmung fordern.[17] Die Zentralregierung hat zugesagt, die Anforderungen des Malaysia Agreement umzusetzen. Kontrovers diskutiert wird etwa die Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Bundesmittel und höheren Staatsanteilen an Rohstoffeinnahmen, um die Entwicklungslücke zum Westen zu schließen. Im Dezember 2021 wurde vom malaysischen Parlament ein Gesetz verabschiedet, um die Unabhängigkeit von Ostmalaysia zu stärken und die Autonomieversprechen von 1963 einzuhalten.[18]

Politische Gliederung Ostmalaysia

Weitere Informationen Staat, Lage ...
Staat Lage Hauptstadt Bevölkerung (2023)[1] Fläche in km²

Sabah

Kota Kinabalu 3.592.800 73.619

Sarawak

Kuching 2.509.500 124.450

Labuan

Victoria 99.500 92
Gesamt - - 6.201.800 198.161
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Einzelnachweise

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