Otto Allendorff

deutscher Industrieller From Wikipedia, the free encyclopedia

Otto Moritz Allendorff (* 20. Februar 1841 in Schönebeck (Elbe); † 19. September 1912 in Groß Salze) war ein deutscher Industrieller, Großgrund- und Rittergutsbesitzer sowie Mäzen im Regierungsbezirk Magdeburg und im Herzogtum Anhalt.[1] Er war u. a. Besitzer einer der größten Brauereien in der preußischen Provinz Sachsen, betätigte sich erfolgreich in der deutschen Rüstungsindustrie, errang mehrere Preise auf Weltausstellungen und war von 1895 bis 1901 Präsident der Handelskammer Halberstadt. Kurzzeitig betrieb er auch das Deutsche Theater in Aschersleben, das Platz für über 800 Personen bot.[2]

Leben

Schloss Großpaschleben, zeitweiliger Sitz von Otto Allendorff

Allendorff war väterlicherseits Nachkomme eines pietistischen Pfarrers und Kirchenliederdichters des 18. Jahrhunderts und Sohn des Kaufmanns Wilhelm Allendorff (1799–1877) und dessen Ehefrau Berta geborene Palm (1805–1873). Er war in Schönebeck Besitzer einer Mälzerei und einer Brauerei,[3] die 1811 gegründet worden war.[4] Außerdem betrieb er Zuckerfabriken und eine Dampfziegelei.[5] Auf seine Anregung wurde die Munitionsfabrik Schönebeck gegründet, die als Norddeutsche Munitionsfabrik Schönebeck AG weltbekannt wurde, und war nach der Liquidation 1901 Gründer der Sprengstoff- und Patronenfabrik A. & W. Allendorff auf eigenem Grundstück am Hummelberg in Groß Salze, die ebenfalls auf Auslandsexporte spezialisiert war. Daneben besaß er rund 1.100 Hektar Land mit gewerblicher und landwirtschaftlicher Brennerei und war Pächter mehrerer, weit über 1.700 ha Land umfassender Domänen und Rittergüter mit eigenen Gutsbezirken in Geutz, Klepzig, Großpaschleben, Gottesganden u. a. Er war auch Mitglied im Kreisausschuss und im Eisenbahnrat sowie kommunalpolitisch als Stadtrat und zweiter Bürgermeister in Schönebeck tätig und Vize- und ab 1895 Präsident der Handelskammer Halberstadt.[6][7] Zuvor war er 1889 bereits vom Landtag der Provinz Sachsen zum Stellvertreter in der III. Abteilung für Industrie in der Gewerbekammer für den preußischen Regierungsbezirk Magdeburg gewählt worden.[8] Ferner war er Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins und Vorstand des Städtischen Krankenhauses in Groß Salze.[9]

Er gehörte dem Sektionsvorstand Magdeburg der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft an.[10]

Der Kirche in Schönebeck stiftete er anlässlich der Lutherfeier 1883 vier Buntglasfenster mit den Abbildungen von Luther und Melanchthon. Aus Anlass des 200. Jubiläums der Geburt seines Vorfahren Johann Ludwig Konrad Allendorf ließ er auf eigene Kosten gemeinsam mit seinem Bruder Paul eine Kinderbewahranstalt in Groß Salze errichten, die am 20. Mai 1893 feierlich eingeweiht wurde.[11] Dieser Anstalt sfiftete er 1903 ein 40 Morgen großes Grundstück für einen Neubau.[12] 1905 stellte er 500.000 Reichsmark für Stiftungen zu Gunsten der Waisenhäuser in Schönebeck und Groß Salze, dem Kindersanatorium sowie den Kirchen in Schönebeck, Groß Salze und Frohse zur Verfügung. 1908 erwarb er die frühere Tongrube am Hummelberg bei Schönebeck, um dort unweit des von seinem Vater errichteten Aussichtsturm gärtnerische Anlagen zu Verschönerungszwecken herrichten zu lassen.[13] Zu seinen Stiftungen zählte auch ein Freibett in den Lungenheilstätte Vogelsang. Finanziell unterstützte er auch das Frauenheim und die Kaiserin-Augusta-Heilanstalt Berlin.[14]

Nach Allendorffs Tod 1911 vermachten seine beiden Söhne Otto und Wilhelm Allendorff den Beamten und Arbeitern ihrer geerbten Unternehmen zur Erinnerung des Verstorbenen erhebliche finanzielle Stiftungen.

Schriften (Auswahl)

  • Die communale Bierbesteuerung in Deutschland. In: Der Bayerische Gastwirt vom 18. Juni 1892.

Ehrungen

Grabmal

Grabmal von Otto Allendorf und seinen Eltern Wilhelm und Berta

Das überdimensional große Grabmal von Otto Allendorf und seiner Familie mit klassizistischen Zügen befindet sich auf dem ehemaligen Friedhof in Schönebeck, Tischlerstraße.[21]

Literatur

  • Geh. Kommerzienrat Allendorff †. In: Tonindustrie-Zeitung. Band 36, Nr. 115, 28. September 1912, S. 1571, Digitalisat
  • Personalnotiz. In: Zeitschrift für das gesamte Schiess- und Sprengstoffwesen. Band 7, Nr. 19, 1. Oktober 1912, S. 397, Digitalisat
  • Totenschau. In: Der Arbeiterfreund - Zeitschrift des Centralvereins in Preussen für das Wohl der Arbeitenden Klassen. Band 50, 1912, S. 394, Auszug
  • Hans-Joachim Geffert: Allendorff, Otto Moritz. In: Guido Heinrich, Gunter Schandera: MBL. Magdeburger biographisches Lexikon. Scriptum-Verlag, Magdeburg 2002, ISBN 3-933046-49-1, Digitalisat, mbl.ub.ovgu.de, 9. Januar 2004
  • Beispiel für eine Bierniederlage: A. und W. Allendorff. In: Sabine Ullrich (Bearb.): Industriearchitektur in Magdeburg. Brauereien, Mühlen, Zucker- und Zichorienindustrie. Landeshauptstadt Magdeburg, Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Protokoll, Magdeburg 2003, S. 95–97
  • Jürgen A. Schulz: Heimatgeschichte. Die vergebliche Suche. In Schönebeck war der Name Allendorff einst allgegenwärtig. In: Volksstimme vom 9. April 2017.

Einzelnachweise

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