Otto Bürger

deutscher Naturwissenschaftler und Wirtschaftsgeograf From Wikipedia, the free encyclopedia

Heinrich Wilhelm Otto Bürger (* 4. Mai 1865 in Hannover; † 18. Januar 1945 in Törwang, Oberbayern) war ein deutscher Zoologe und Wirtschaftsgeograf, der ab 1909, im Zuge seiner Reisen durch Südamerika auch eine Reihe von Reisebeschreibungen verfasste. Er trug eine Reihe zu Objekten zu unterschiedlichen wissenschaftlichen Sammlungen bei und war für die wissenschaftliche Erstbeschreibung zahlreicher Wirbelloser verantwortlich.

Die Nemertinen des Golfes von Neapel und der angrenzenden Meeres-Abschnitte, Otto Bürger, 1895

Leben und Wirken

Otto Bürger war noch ein Kleinkind, als seine Mutter, Louise Charlotte Eckhart, die als Wäscherin ihren Lebensunterhalt verdiente, (1868) starb. Sie war nicht mit seinem Vater, Johann Baptist Nicolaus Mehltreter, verheiratete, der aus einer niederbayerischen Handwerkerfamilie stammte und als Sattler in Hannover tätig war. Von seinem Adoptivvater, Friedrich Bürger, ist nur bekannt, dass er als Sekretär am Amtsgericht tätig war.[1]

Zwischen 1885 und 1889 studierte er Biologie, Botanik sowie Zoologie in Göttingen, Leipzig und Freiburg (Breisgau). Er promovierte 1890, bei dem Göttinger Zoologen Ernst Heinrich Ehlers, über Schnurwürmer (Nemertea). Anschließend ging der nach Neapel, wo er sich an der Zoologische Station Neapel zu einem der führenden Experten für Schnurwürmer entwickelte.[1]

Während seines Italienaufenthaltes untersuchte er Sammlungen von Schnurwürmern verschiedener Tiefsee-Expeditionen, auf denen seine Habilitation basiert; Kenntnis des Nervensystems der Nemertinen.[2] Seine 1897 Abhandlung Nemertini[3] gilt noch immer als die bedeutendste Monografie auf dem Gebiet der Schnurwürmer.[4]

Seine erste Forschungsreise nach Kolumbien und Venezuela unternahm er 1896/97. Daraufhin erhielt Bürger 1900 einen Ruf als Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie an die Universidad de Chile und lehrte bis 1908 in Santiago de Chile.[1] Zunächst leitete er die kurz zuvor gegründeten Abteilungen Botanik, Zoologie und Mineralogie im Chilenischen Nationalmuseum für Naturgeschichte, bis er zum Direktor des Museums ernannt wurde.

Nach seiner Rückkehr kümmerte er sich in Deutschland und der Schweiz um die Auswertung seiner wissenschaftlichen Sammlungen, von denen noch immer einige Exponate in Museen ausgestellt werden. Nach der Rückkehr der Tiefsee-Expedition „Valdivia“ sowie der Arktisexpedition „Belgica“ half Bürger zudem bei der Auswertung der zoologischen Fundstücke. Außerdem verfasste er geografisch-wirtschaftliche Reiseberichte über die südamerikanischen Länder, die er selbst bereist hatte, darunter Chile, Venezuela, Kolumbien, Peru und Argentinien.[1]

Exponate in Museen und Sammlungen

Schriften

Biologische Veröffentlichungen

  • 1888: Beiträge zur Kenntnis des Nervensystems der Nemertinen. In: Vorl. Mittheil., Nachr. der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen 1888.[7]
  • 1890: Beiträge zur Kenntnis des Nervensystems der Nemertinen. Dissertation, Göttingen 1890[2]
  • 1890: Untersuchungen über die Anatomie und Histologie der Nemertinen, nebst Beiträgen zur Systematik. In: Ztschr. f. Wissenschaftl. Zoologie. Bd. 50, 1890[8]
  • 1891: Die Enden des exkretorischen Apparats bei den Nemertinen. In: Ztschr. f. Wissenschaftl. Zoologie. Bd. 53, 1891[9]
  • 1892: Vorläufige Mittheilungen über Untersuchungen an Nemertinen des Golfes von Neapel In: Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.[10]
  • 1893: Südgeorgische und andere exotische Nemertinen. Sprengel’s Zoolog. Jahrb. Bd. 7, 1983[11]
  • 1893: Über die Anatomie und Systematik der Nemertinen. Verhandlungen der Deutschen Zoologischen Gesellschaft zu Göttingen 1893, Leipzig 1894.[12]
  • 1897: Nemertini (Schnurwürmer), Vierter Band von H. G. Bronns Klassen und Ordnungen des Tier-Reichs, Leipzig, C.F. Winter, 1897–1907[3]
  • 1902: Weitere Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Hirudineen. Zur Embryologie von Clepsine. In: Zeitschrift für Wissenschaftliche Zoologie. Ausg. 72, S. 525–544.[13]

Reiseberichte

  • 1900: Reisen eines Naturforschers im tropischen Südamerika[14]
  • 1909: Die Robinson-Insel. Leipzig 1909.[15]
  • 1909: Lehr- und Wanderjahre in Chile., Leipzig, Dieterich, 1. Auflage 1909.[16]
  • 1920: Chile als Land der Verheißung und Erfüllung für dt. Auswanderer. Eine Landes- und Wirtschaftskunde., Leipzig, Dieterich 1920.[17]
  • 1922: Kolumbien. Ein Betätigungsfeld für Handel und Industrie, Leipzig, Dieterich 1922. VIII, 383 S. mit 1 Kt. und zahlr. graphischen Darstellungen.[18]
  • 1922: Venezuela. Ein Führer durch das Land und seine Wirtschaft., Leipzig, Dieterich 1922. VII, 272 S. mit 1 Karte[19]
  • 1924: Argentinien. Land, Volk und Wirtschaft. Ein Führer für Handel, Industrie und Auswanderung., Leipzig, Dieterich 1924. VIII, 328 S. mit 24 Taf. & 1 Karte[20]
  • 1924: Aus der Wildnis des Huemuls[21]
  • 1927: Paraguay der „Garten Südamerikas“. Ein Wegweiser für Handel, Industrie und Einwanderung. – Leipzig, Dieterich 1927. Vlll, .280 S. mit 8 Taf. & 1 Karte[22]
  • 1928: Uruguay. Land, Volk und Staat, Wirtschaft und Einwanderung.- Leipzig, Dieterich 1928. VII, 186 S. mit 8 Taf. und l Karte[23]

Literatur

  • Eberhard Stechow: Bürger, Otto. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 746 (deutsche-biographie.de).
  • G. Wagenitz: Göttinger Biologen 1737–1945. Eine biographisch-bibliographische Liste. Göttingen 1988, S. 38
  • Anne S. Troelstra: Bibliography of Natural History Travel Narratives. 2016 Utrecht KNNV, S. 90
  • Chronik Georg-Augustus-Universität Göttingen 1891/92. 7. 1892
  • H. Praesent, O. Bürger: Otto Bürger und sein Werk. [als Festgruss zum 60. Geburtstage überreicht von der Dieterich’schen Verlagsbuchhandlung Leipzig 4. Mai 1925]. Dieterich, Leipzig 1925.
  • Gerhard Wagenitz: Göttinger Biologen 1735–1945. Eine biographisch-bibliographische Liste (= Georg-August-Universität Göttingen: Göttinger Universitätsschriften Serie C, Kataloge Band 2). Göttingen Vandenhoeck & Ruprecht 1988, S. 38
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Einzelnachweise

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