Otto Friedrich Ranke
deutscher Physiologe und Hochschullehrer
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Otto Friedrich Ranke (* 17. August 1899 in München; † 19. November 1959 in Erlangen) war ein deutscher Physiologe, Militärarzt (Oberfeldarzt) und Hochschullehrer.
Leben
Leben bis 1933
Otto Friedrich Ranke, dessen Vater der Psychiater Karl Ranke (1861–1951) war, absolvierte nach dem Abschluss seiner Schullaufbahn ein Studium der Medizin an den Universitäten München und Freiburg. In Freiburg bestand Ranke im Jahr 1923 das Staatsexamen und promovierte dort ein Jahr später bei Ludwig Aschoff mit der Dissertation „Über die Änderung des elastischen Widerstandes der Aortenintima und ihre Folge für die Entstehung der Atheromatose“ zum Dr. med.[1]
Im Anschluss an seine Promotion studierte Ranke bis 1925 mit Hilfe eines Stipendiums der Rockefeller-Stiftung weiter an der TH München und widmete sich mathematischen Studien. Anschließend war Ranke als Assistent am Pathologischen Institut der Universität Freiburg und unter Philipp Broemser (1886–1940) von 1928 bis 1935 an den Physiologischen Instituten der Universitäten Basel sowie Heidelberg tätig.[2] Seine Habilitation folgte im Jahr 1931 an der Universität Heidelberg mit der Schrift „Die Gleichrichter-Resonanztheorie: Eine Erweiterung der Helmholtzschen Resonanztheorie des Gehörs durch physikalische Untersuchung der Flüssigkeitsschwingungen“.[1]
Zeit des Nationalsozialismus
Ranke gehörte dem Stahlhelm an und wurde nach der Überführung des Stahlhelms in die Sturmabteilung (SA) Mitglied der SA. Zudem war er auch Mitglied im NS-Lehrerbund.[3] Ab 1935 war Ranke in Berlin am Luftfahrtmedizinischen Forschungsinstitut des Reichsluftfahrtministeriums bei Hubertus Strughold tätig.[2] Ranke wurde 1936 in Berlin zum außerplanmäßigen Professor der Universität Berlin ernannt.[3]

Von 1937 bis 1945 leitete Ranke das Institut Allgemeine und Wehrphysiologie an der Militärärztlichen Akademie in Berlin.[1] Ranke legte dort 1939 ein Zentralarchiv für die Wehrmacht an und forschte zu Themen der Luftfahrtmedizin, Wärmeregulation und Ernährungsphysiologie.[2] Sein Spezialgebiet waren leistungssteigernde Mittel. Ab 1938 führte er an Militärärztlichen Akademie Experimente mit Methamphetamin durch, weil es ihm als vielversprechendes Mittel zur Bekämpfung von Ermüdungserscheinungen erschien. Infolge der Studien Rankes wurde Pervitin systematisch in der Wehrmacht eingeführt[4] und fand insbesondere während der Blitzkriege gegen Polen und Frankreich 1939/40 millionenfache Verwendung. Allein von April bis Juli 1940 wurden mehr als 35 Millionen Tabletten an Heer und Luftwaffe ausgeliefert.[5]
Ranke war zudem beratender Wehrphysiologe der Heeressanitätsinspektion. Als Oberfeldarzt nahm Ranke an der Tagung über Ärztliche Fragen bei Seenot und Winternot am 26. und 27. Oktober 1942 in Nürnberg teil, wo auch über die Unterkühlungsversuche im KZ Dachau referiert wurde[6]. Bei dem Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen Karl Brandt war Ranke ab 1944 noch Angehöriger des wissenschaftlichen Beirates.[3]
1945 bis 1959
Nach Kriegsende leitete Ranke ab Anfang Mai 1946 an der Universität Erlangen das Physiologische Institut, wurde aber nach drei Monaten durch die amerikanische Militärregierung wieder entlassen. Von Mitte September 1947 bis zu seinem Tod war Ranke Professor für Physiologie an der Universität Erlangen und zugleich Direktor des dortigen Physiologischen Instituts.[7] Seine Forschungsschwerpunkte waren Sinnes- und Ernährungsphysiologe sowie die Physiologie des Stoffwechsels. Zudem war er ein begabter Mathematiker. Zu seinen Assistenten und Schülern gehörten der Physiologe Wolf-Dieter Keidel und der Chirurg und Würzburger Hochschullehrer Ernst Kern.[8] Ranke war Autor mehrerer Fachpublikationen, so gab er 1950 zusammen mit Konrad Lang ein Lehrbuch zu Stoffwechsel und Ernährung heraus.
Ranke starb im November 1959 unerwartet an einer arteriellen Thrombose im Schlaf[2] bzw. am Schreibtisch sitzend.[9] Sein Nachfolger wurde sein Oberassistent, der Privatdozent Wolf-Dieter Keidel.
Literatur
- Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 479.
- Wolf-Dieter Keidel: Otto F. Ranke †. In: Ergebnisse der Physiologie. Band 51 (1960), S. 20–37 (Digitalisat; PDF; 462 kB).
- Ranke, Otto Friedrich. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 8: Poethen–Schlüter. K. G. Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-25038-5, S. 177 (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).