Otto Hilliger

deutscher Komponist From Wikipedia, the free encyclopedia

Otto Hilliger (* 1909 in Berlin-Neukölln; † 1987 in Berlin) war ein deutscher Musiker, Komponist und Chorleiter.

Leben und Wirken

Otto Hilliger war Pianist am Metropoltheater in Berlin. Während seiner Kriegsgefangenschaft gründete er in einem Gefangenenlager bei Baku ein Akkordeonensemble, das einige Aufmerksamkeit erregte. Nach seiner Rückkehr wurde er auf Empfehlung des Kommandanten jenes Lagers mit der Übernahme des Großen Chores des Hermann Duncker - Ensembles des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes FDGB beauftragt.

Über die Rezeption seiner Arbeit in der DDR berichtete Der Spiegel 1957: „Auf Wunsch Ihrer Parteiführung haben kommunistische Komponisten und Autoren in der Sowjetzone Versuche unternommen, sich auch auf musikalische Weise mit der westlichen Welt auseinanderzusetzen … Interessant war der Vergleich zweier Kompositionen über denselben Text. Sowohl Jean Kurt Forest als auch Otto Hilliger hatten Willi Layhs balladenhaftes »Lied vom Glück« vertont. Forest erfand für eine Solostimme … mit üppig ausgestatteter Klavierbegleitung eine Gesangslinie, die bald in melodischer, bald in rezitativischer Führung bis zum Sprechton den textlichen Inhalt auszudeuten versucht. Die Komposition, die in vielen Teilen fesselt, den Text jedoch fast erdrückt, macht einen uneinheitlichen Eindruck. Hilligers kantatenhafte Vertonung für gemischten Chor ist effektvoller, abwechslungsreicher, aber auch eklektischer. Es wurde eingewendet, daß Hilliger, dessen Verdienste um die Hebung des Chorgesanges … unbestritten sind, mit diesem Werk in der kleinbürgerlichen Liedertafeltradition steckengeblieben sei“.[1]

Trotz dieser Kritik wurde Otto Hilliger 1968 für die „für beispielhafte Förderung der Chor- u. Singebewegung“ mit dem Kunstpreis des FDGB ausgezeichnet.[2] Neben dem Großen Gemischten Chor des Herman Duncker - Ensembles, aus dem 1990 die Berliner Singegemeinschaft "Märkisches Ufer" hervorging,[3] arbeitete Hilliger u. a. auch mit dem Großen Chor des Berliner Rundfunks. Hilligers Bearbeitungen und Kompositionen waren Teil des Repertoires in Ost[4] und West[5] und werden auch heute noch gesungen.[6][7][8]

Otto Hilliger wurde auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde bestattet. Der Schauspieler und Musiker Olaf Hilliger ist sein Enkel.

Kompositionen, Bearbeitungen (Auswahl)

  • Nicht nur schau’n!, Walzerlied, Text: Hanna-Heide Kraze, Komposition für gemischten Chor u. Klavier, Lied der Zeit, 1952
  • Wir tragen durch die Zeiten Ernst Thälmanns Kämpfermut, Text: Walter Stranka, Komposition für gemischten Chor, Klavier u. Arkodeon
  • Brüder, seht, die rote Fahne, nach "Hold the fort", Kampflied der englischen u. amerikanischen Arbeiter, Chor des Berliner Rundfunks, Dirigent: Dietrich Knothe
  • Afrika, kämpfe dich frei, Text: Hasso Grabner, Chor des FDGB-Ensembles Hermann Duncker u. Orchester des Wachregiments, 1962
  • Old Black Joe (In der Ferne), Komp.: Foster Stephen Collins, Chorsatz
  • Genug gebückt! Jetzt heißt es sich erheben., Text: B. Segen, Komposition für mehrstimmigen Chor a cappella
  • Freiheit oder Tod, Rundfunkchor Leipzig, 1966
  • Juchheißa, mein Dirndl, Volkslied aus Oberösterreich, Chorsatz
  • Aus dem Studentenleben, Louisana-Polka, Text: Bendrich Smetana, Chorsatz
  • Heiterer Sommer – Goldene Tage streift mit blauem Flügelschlage, Komposition für gemischten Chor u. Klavier
  • Der rote Sarafan, tänzerische Kantate in 7 Bildern, m. Willi Hinzert (Choreografie), Libretto[9]
  • Georgische Skizze, Lied und Tanz für Mandolinenorchester, Partitur u. fünf Stimmen, Mitteldeutscher Verlag
  • Kaukasischer Marsch, für Zupfinstrumentenorchester, Partitur, Stimmen u. Material., Thüringer Volksverlag
  • Ein Lied für Ihn: Ewig keimen wird der Same, Text: Erich Weinert, für Sopran-Solo u. mehrstimmigen Chor a cappella
  • Traktorenlied, für 1–3-stimmigen Chor mit Klavier
  • Unter dem Mandelbaum, Moldauisches Volkslied, Bearbeitung für Zupfinstrumentenorchester u. Chorsatz
  • Ach, ihr Wege, endlos, steppenweit, Text: Lew Oschanin, Übersetzung: Ernst Busch, Komp.: Anatoli Nowokow, Tonsatz
  • Lied vom Mais, Text: Helga Müller, Komposition für Chor u. Klavier
  • Das Kraftwerk, Text: Helga Müller, Komposition für Chor u. Klavier
  • Der Tag des Bergmanns, Text: Eva Sonntag, Komposition für Chor u. Klavier
  • Ran, alle ran!, Arrangement: Hans Naumilkat, Komposition
  • Halt die Kanne feste, Text: Kurt Schwaen, Chorsatz
  • Och Mod'r, ich well en Ding han, Text: unbekannt, Chorsatz, 1975

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Aus der Praxis der Volkskunst: Die volkseignen Betriebe voran!, in: Volk und Kunst, 1/1950, S. 21 f.
  • Brüder am Werk, Band I–III, Chorliederbücher, herausgegeben vom Redaktionskollegium der FDGB-Liedblätter, ausgewählt u. zusammengestellt von Otto Hilliger u. a., Friedrich Hofmeister Musikverlag Leipzig, zahlreiche Ausgaben, mehrfach überarbeitet, 1955–1989
  • Hofmeister Chorblätter, Hrsg. Otto Hilliger u. a., Friedrich Hofmeister Musikverlag, 1975
  • Unser Sieg / Die Junge Garde kommt / Hymne des 26. Juli / Afrika, kämpfe dich frei!, EP, Eterna, 1962
  • 100 Jahre Deutsches Arbeiterlied, LP, Eterna, 1966
  • Internationale Arbeiterkampflieder, LP, Eterna, 1971
  • Wie der Frühling – Der Rundfunk-Jugendchor Wernigerode singt Volkslieder aus 21 Nationen, LP, Eterna, 1975
  • Für den Frieden der Welt – Bekannte Arbeiter- und Jugendlieder, Eterna, 1987

Literatur

Einzelnachweise

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