Otto Runge

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Otto Wilhelm Runge (geboren 22. Mai 1875 in Güstebiese; gestorben Ende August 1945 in Berlin) war ein Soldat, der mit anderen zusammen am 15. Januar 1919 das Berliner Hotel Eden bewachte.

Die Wachmannschaft im Hotel Eden feiert die Tötung der Kommunisten. Otto Runge in der Bildmitte, mit Mütze und Schnauzbart.

Er war an der Misshandlung der dort eingelieferten Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht beteiligt.

Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Der Kapitänleutnant Horst von Pflugk-Harttung gab Otto Runge am 15. Januar 1919 im Hotel Eden den Befehl:

„Runge, es ist Belagerungszustand und Krieg im Lande. Die Luxemburg wird hier herausgeführt und Sie haben Befehl von mir, sie sofort zu erschießen.“

Runge antwortete, er führe den Befehl nicht aus, weil viele Menschen vor dem Hotel standen, die seine Schüsse hätten ebenso treffen könnten.

Der Kapitänleutnant antwortete: „Runge, dann nehmen Sie den Gewehrkolben und schlagen die gemeingefährliche Bande nieder.“

Er schlug mit seinem Gewehrkolben Rosa Luxemburg bewusstlos und verletzte auf ähnliche Weise auch Karl Liebknecht. Im Gerichtsprozess am 14. Mai 1919 riet ihm Hauptmann Waldemar Pabst, der die Ermordung geleitet und Runge zu den Brutalitäten angestiftet hatte, still zu halten, eine kurze Haft abzusitzen und anschließend einen beträchtlichen Geldbetrag als Prämie für die Ergreifung von Luxemburg und Liebknecht zu kassieren – 300.000 Reichsmark nach zwei Monaten Haft und anschließender Amnestie. Runge saß die Haftstrafe von 2 Jahren und einem Monat ab und erhielt keine Prämie.[1][2] Der tatsächliche Mörder Rosa Luxemburgs war nach übereinstimmenden Quellen der Freikorps-Soldat Hermann Souchon. An der Ermordung Karl Liebknechts waren mehrere Offiziere beteiligt. Otto Runge als niederer Dienstgrad war nicht dabei.

Im Nationalsozialismus und der Sowjetischen Besatzungszone

Nach Ende seiner Haft 1922 bekam Otto Runge, der auch manchmal mit Wilhelm Runge unterschrieb, eine neue Identität unter dem Namen Wilhelm Radolf. Unter den Nationalsozialisten bekam Otto Runge „für seine Verdienste um das Reich“ eine erhöhte Pension.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus 1945 blühte in der Sowjetischen Besatzungszone der Mythos vom Luxemburg/Liebknecht-Mörder Otto Runge neu auf. Man fand den 70-jährigen Mann, verhaftete ihn und meldete das dem späteren DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. Pieck war am 15. Januar 1919 zusammen mit Luxemburg und Liebknecht verhaftet worden, kam aber aus ungeklärten Gründen frei und stieg 1945 unter den Sowjets politisch auf.

Der Journalist und Kommunist Willi Schoenbeck schrieb am 29. August 1945 an Wilhelm Pieck:

„Wir haben vor ungefähr acht Wochen den Mörder Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts verhaftet, ihn sehr eingehend vernommen. In der Anlage findest Du Abschrift seines Lebenslaufes und die Angaben über den tatsächlichen Verlauf des Mordplanes und seiner Durchführung.“

Pieck wusste, dass Otto Runge nicht der Mörder war, was ihn in eine Zwickmühle brachte. Bevor es zu einem neuen Prozess kam, starb Otto Runge in der Haft.

Die DDR-Zeitung Tribüne veröffentlichte am 12. Januar 1951 einen langen Artikel von Willi Schoenbeck mit der Überschrift: „Der Mord nach 26 Jahren gesühnt. Rosa Luxemburgs Mörder wurde im Mai 1945 der Gerechtigkeit zugeführt.“[3]

Einzelnachweise

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