Otto Schlecht
deutscher Staatssekretär
From Wikipedia, the free encyclopedia
Christian Otto Schlecht (* 21. Dezember 1925 in Biberach an der Riß; † 3. Dezember 2003 in Bonn) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft.


Leben
Otto Schlecht wurde 1925 als Sohn eines gleichnamigen Metzgermeisters geboren. Er besuchte in seiner Heimatstadt Biberach Volksschule und Oberschule, wurde im Frühjahr 1943 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und leistete dann bis 1945 Kriegsdienst (Pionier zu den Gebirgsjägern). Er kämpfte während des Zweiten Weltkriegs auf dem Balkan, wurde zum Leutnant befördert und verwundet. Nach kurzer Zeit in amerikanischer Kriegsgefangenschaft machte er 1945 bis 1946 ein kaufmännisches Volontariat bei der Energie-Versorgung Schwaben, erlangte dann an der Universität Freiburg durch das Propädeutikum die Hochschulreife und begann 1947 ein Studium der Betriebswirtschaft. Er wechselte bald die Fachrichtung und studierte von 1947 bis 1952 Volkswirtschaft, unter anderem bei Walter Eucken, Friedrich A. Lutz, Elisabeth Liefmann-Keil und K. Paul Hensel, deren Freiburger Schule[1] seine wirtschaftspolitischen Auffassungen prägte. Er schloss 1951 das Studium der Volkswirtschaft mit der Diplomprüfung ab und wurde 1952 summa cum laude zum Dr. rer. pol. promoviert.
Schlecht trat 1953 unter dem Minister Ludwig Erhard als junger Referent in das Bonner Bundesministerium für Wirtschaft (heute Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) ein und wurde dort 1958 Regierungsrat, 1961 Oberregierungs, 1964 Ministerialrat, im Januar 1967 Ministerialdirigent, im Juni Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung I/Wirtschaftspolitik. 1973 wurde er zum Staatssekretär befördert. Er war Staatssekretär unter acht Wirtschaftsministern (Hans Friderichs (FDP), Otto Graf Lambsdorff (FDP, 1977–1982), Manfred Lahnstein (SPD, 1982), Otto Graf Lambsdorff (1982–1984), Martin Bangemann (FDP, 1984–1988), Helmut Haussmann (FDP, 1988–1991), Jürgen Möllemann (FDP, 1991–1993) und Günter Rexrodt (FDP, 1993–1998)) und drei Bundeskanzlern (Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl). Schlecht war parteilos und nach seiner Pensionierung 1991 bis zu seinem Tod Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung. Er war auch Mitglied des Beirates der gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung und der Mont Pèlerin Society sowie Rotarier. Bis heute ist er der am längsten amtierende Staatssekretär in der Geschichte der Bundesrepublik.[2]
Schlecht sah die Soziale Marktwirtschaft als eine weit über die ökonomischen Vorteile der Marktwirtschaft hinausgehende, übergeordnete Idee, die komplementär zur rechtsstaatlichen Demokratie stehe und die wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Vorstellungen miteinander versöhnen könne. Damit stand er Alfred Müller-Armack (1901–1978) nahe.
Er wirkte federführend beim „Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit“ (auch „Lambsdorff-Papier“) mit.
Otto Schlecht war evangelisch, ab 1953 verheiratet mit Heidi Schlecht, geborener Mangold, und starb im Dezember 2003 im Alter von 77 Jahren.
Ehrungen
- 1969 Bundesverdienstkreuz
- 1976: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
- 1978: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
- 1983: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland
- 1992: Alexander-Rüstow-Plakette
Publikationen (Auswahl)
- Konzertierte Aktion als Instrument der Wirtschaftspolitik. Mohr, Tübingen 1968.
- Strukturpolitik in der Marktwirtschaft. 1968.
- Erfahrungen und Lehren aus dem jüngsten Konjunkturzyklus. 1972.
- Wettbewerb als ständige Aufgabe. 1975.
- Wirtschaftswachstum wozu, wie, womit? Mohr Siebeck, 1980, ISBN 3-16-343431-2.
- Konjunkturpolitik in der Krise. 1983.
- Grundlagen und Perspektiven der Sozialen Marktwirtschaft. Mohr, Tübingen 1990, ISBN 3-16-145684-X.
- mit Martin Lambert, Josef Düllings und Heinrich Frommknecht: Umbau der Sozialsysteme. Sinus Verlag, Krefeld 1994, ISBN 3-88289-404-0.
- mit Martin Lambert, Jürgen Husmann und Anton Rauscher: Der Sozialstaat vor dem Offenbarungseid? Sinus Verlag, Krefeld 1996, ISBN 3-88289-409-1.
- mit Wolfgang Franz und Werner Tegtmeier: Der Europäische Beschäftigungspakt – Chance oder Illusion? Sinus Verlag, Krefeld 2000, ISBN 3-88289-415-6.
- als Hrsg. mit Gerhard Stoltenberg: Soziale Marktwirtschaft. Grundlagen, Entwicklungslinien, Perspektiven. Herder, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 2001, ISBN 3-451-20260-3.
- Ordnungspolitik für eine zukunftsfähige Marktwirtschaft. Erfahrungen, Orientierungen, Handlungsempfehlungen. FAZ, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-89843-042-1.
Literatur
- Berthold Sillich (Redaktion): Soziale Marktwirtschaft als Aufgabe. Neue Herausforderungen und bewährte Prinzipien. Festakademie aus Anlass des 75. Geburtstages von Otto Schlecht. Sinus, Krefeld 2001, ISBN 3-88289-418-0.
- Schlecht, Otto. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1078.