Otto von Nostitz (Landeshauptmann)
1608 bis 1664 Beruf/Funktion Landeshauptmann von Schweidnitz und Jauer Konfession katholischer Bruder
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Otto von Nostitz(-Rokitnitz) (* 23. Mai 1608 in Seifersdorf; † 14. November 1664 in Jauer) war Landeshauptmann in Schlesien.

Leben
Herkunft
Otto Hans Freiherr von Nostitz (auch Nostiz oder Nostic) war der ältere Sohn des Johann von Nostitz (1562–1619), Landeshauptmann von Wohlau, aus dessen Ehe mit Sophia von Nostitz-Rothenburg bzw. Nieder-Neundorf (1582–1656, eine entfernte Cousine) und ein jüngerer Bruder des Oberstkanzlers von Böhmen, Johann Hartwig von Nostitz (1610–1683, 1673 Reichsgraf von Nostitz-Rieneck). Die Familie stammte aus dem alten schlesischen Adel und war weit verzweigt (Sachsen, Schlesien, Lausitz, Böhmen). Einige Linien erreichten den Grafenstand.
Lebensweg
Otto besuchte die Schule in Löwenberg in Schlesien und (gemeinsam mit seinem älteren Bruder) von 1622 an das Gymnasium academicum in Görlitz. Nach dem Abschluss studierte er, vermutlich 1624, an der Universität Leipzig, vornehmlich Philosophie und Theologie und unternahm 1626 eine Kavalierstour durch die Schweiz, Frankreich, die Niederlande und Deutschland. Sein eigenhändig geschriebenes Reisetagebuch, endend mit seinem Parisaufenthalt, ist erhalten. Am 7. August 1626 trug er sich in die Universitätsmatrikel der Straßburger Juristenfakultät ein, studierte dort aber höchstens einen Monat, denn schon im September reiste er weiter nach Genf, dann nach Frankreich. 1630 führte ihn sein Onkel Otto von Nostitz d. Ä., deutscher Vizekanzler im Böhmen, am kaiserlichen Hof in Wien ein. Unter dem Einfluss desselben Onkels, den er zum Kurfürstentag nach Regensburg begleitete, konvertierte er vom protestantischen zum katholischen Bekenntnis.
Mit Diplom vom 18. Mai 1631 erhob ihn der Kaiser in den böhmischen Freiherrenstand und ernannte ihn 1632 zum Appellationsrat in Prag. Als im Dreißigjährigen Krieg die Sachsen und Schweden in Böhmen einfielen, verließ Nostitz Prag und begab sich an den Hof nach Wien, wo ihn der Kaiser zum Kammerherrn ernannte. Kurz danach reiste er mit seinem Bruder nach Italien, bekannte ihn Rom erneut öffentlich seine Konversion zum katholischen Glauben und immatrikulierte sich 1635 zum Studium der Jurisprudenz an der Universität Siena. Auf seine dort erworbenen Kenntnisse der Italienischen Sprache ist wohl auch die Vielzahl italienischsprachiger Bücher in seiner Bibliothek zurückzuführen.
Nach Prag zurückgekehrt, nahm er seine Appellationsratstelle wieder ein. 1637 ernannte ihn der Kaiser zum Oberamtskanzler von Schlesien, eine neu eingerichtete Verwaltungsposition, um die Befugnisse der schlesischen Stände zu beschränken und sie schrittweise unter die kaiserliche Autorität zu bringen, ferner das Land zum katholischen Glauben zurückzuführen.
Tätigkeit als Landeshauptmann
1642 wurde er zum Landeshauptmann (königlicher Statthalter) des Fürstentums Breslau ernannt und 1651 zum Landeshauptmann des Herzogtums Schweidnitz und Jauer, wo er bis zu seinen Tod 1664 blieb.
Otto von Nostitz’ Aufgabe in der Verwaltung des Fürstentums Breslau bestand vor allem im Wiederaufbau und der Kriegsschädenbeseitigung nach den Verheerungen des noch immer andauernden Dreißigjährigen Krieges, der ganz Schlesien in Armut geführt hatte. Erschwert wurde seine Tätigkeit durch den kriegsbedingten Bevölkerungsrückgang. Ein Großteil Schlesiens war noch immer von den Schweden besetzt. Im Fürstentum Breslau überwinterten verschiedene Truppenteile, für deren Einquartierung, Verpflegung und Abführung der Kontributionen Nostitz als Landeshauptmann zu sorgen hatte. 1647 zog der schwedische General Arvid Wittenberg in Breslau ein, um von dort aus militärische Aktionen gegen Böhmen zu unternehmen. Daneben war Nostitz Mitglied mehrerer schlesischer Kommissionen, die mit unterschiedlichsten Aufgaben beauftragt wurden.
Am 8. März 1651 nach Schweidnitz-Jauer versetzt, erwarteten ihn dort die ähnliche Aufgaben. Noch im September 1648 hatte die bedrängte schwedische Besatzung die Stadt Jauer in Brand gesetzt. Die schlesischen Stadte waren so verarmt, dass sie die Steuerzahlungen nicht mehr leisten konnten. 1656 führte Nostitz daher Verhandlungen mit dem Kaiser über einen Aufschub der Steuerzahlung um drei Jahre, hatte aber nur teilweise Erfolg.
Eine weitere wichtige Aufgabe war die Rekatholisierung der mehrheitlich protestantischen Herrschaften Schweidnitz und Jauer. Dazu wurde eine sog. „Reduktionskommission“ eingesetzt, die die 254 protestantischen Kirchen beschlagnahmte, katholische Pfarrer einsetzte und die protestantische Bevölkerung zur Teilnahme an den katholischen Zeremonien während der katholischen Feiertage und an den Kirchenprozessionen verpflichtete. Unterstützt wurde die Rekatholisierung in den beiden Herzogtümern vor allem durch den Jesuitenorden, dessen Kolleg in Schweidnitz 1652 staatlich anerkannt wurde.
Otto von Nostitz starb am 14. November 1664 im Schloss Jauer. Über den Ort seiner Bestattung sind keine Nachrichten überliefert.
Besitzungen
Nachdem Nostitz 1631 das böhmische Indigenat erhalten hatte, erwarb er 1643 das Gut Rokitnitz im Adlergebirge, das in ein Fideikommiss eingebracht wurde, verkaufte sein lausitzisches Erbgut und erwarb später u. a. Profen, Herzogswaldau (Erbe seiner Frau) und Lobris im Herzogtum Schweidnitz-Jauer. Zudem gründete er eine wertvolle Kunst- und Büchersammlung.
Tagebücher
Auskunft über Nostitz Tätigkeit in Jauer gibt – neben den Regierungsakten – sein im Staatsarchiv Breslau aufbewahrtes Tagebuch aus den Jahren 1651 bis 1662. Er berichtet darin über seine sozialen Kontakte sowie sein religiöses Leben, ferner über die Tätigkeit der schlesischen Ständeversammlung und über die Gegenreformation. Eine Edition ist in Vorbereitung.
Nostitz Reisetagebuch aus dem Jahr 1626 ist zum Teil bei Simona Binková/Josef Polišenský (Hg.): Česká touha cestovatelská. Cestopisy, deníky a listy ze 17. století. Praha 1989, S. 145–164, in einer tschechischen Übersetzung herausgegeben.
Familie
Otto von Nostitz war seit 1640 mit Barbara Elisabeth Wachtel von Panthenau verheiratet. Dieser Ehe entstammten drei Söhne, von denen zwei bereits in jugendlichem Alter verstarben, und vier Töchter. Der älteste Sohn, Christoph Wenzel von Nostitz-Rokitnitz, setzte diese ältere Stammlinie Nostitz-Rokitnitz fort, deren Stammvater sein Vater Otto war.
Medaille
Anlässlich der Ernennung Ottos von Nostitz zum Landeshauptmann von Schlesien wurde eine Medaille geprägt, die Heinrich Miltner in seinem Medaillenwerk beschreibt.[1]
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Nostitz, Otto Freiherr von. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 20. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1869, S. 396 (Digitalisat).
- Richard Šípek: Jauerer Schlossbibliothek Otto des Jüngeren von Nostitz. Dissertation, Univerzita Karlova v Praze, Filozofická fakulta, 2023
- Claudia Zonta: Schlesier an italienischen Universitäten der Frühen Neuzeit 1526–1740. Dissertation, Historisches Institut der Universität Stuttgart, 2000
- Josef Pauser, Martin Scheutz und Thomas Winkelbauer (Hg.): Quellenkunde der Habsburgermonarchie (16.–18. Jahrhundert). Ein exemplarisches Handbuch (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 44). R. Oldenbourg Verlag Wien München 2004, ISBN 3-7029-0477-8 (Wien) bzw. ISBN 3-486-64853-5 (München)
- Jörg Deventer: Otto von Nostitz (1608–1665). In: Schlesische Lebensbilder, Band 8. Herausgegeben von Arno Herzig im Auftrag der Historischen Kommission für Schlesien. Breslau: Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn 2004, ISBN 3-7686-3501-5, S. 95 ff.