Ottone (Händel)
Oper von Georg Friedrich Händel
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Ottone, Re di Germania[1] oder kurz Ottone (englisch: Otho; HWV 15) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Sie wurde am 12. Januar 1723 im King’s Theatre am Haymarket in London uraufgeführt.
| Werkdaten | |
|---|---|
| Titel: | Ottone |
| Originaltitel: | Ottone, Re di Germania |
Titelblatt des Librettos, London 1723 | |
| Form: | Opera seria |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Georg Friedrich Händel |
| Libretto: | Nicola Francesco Haym |
| Literarische Vorlage: | Stefano Benedetto Pallavicino, Teofane (1719) |
| Uraufführung: | 12. Januar 1723 |
| Ort der Uraufführung: | King’s Theatre, Haymarket, London |
| Spieldauer: | 3 Stunden |
| Ort und Zeit der Handlung: | Rom und Umgebung, 972 n. Chr. |
| Personen | |
| |
Im Mittelpunkt des Stoffes steht der spätere Kaiser Otto II., der als Zeichen einer Verständigung zwischen Westreich und Byzanz im Jahr 972 die byzantinische Prinzessin Theophanu heiratete.
Entstehung

Ottone war Händels neue Oper für die vierte Saison der Royal Academy of Music. Das Sujet kannte er bereits seit 1719, als er auf der Suche nach guten Sängern für die neu gegründete Royal Academy of Music Deutschland und Italien bereiste und in Dresden Antonio Lottis Hochzeitsoper Teofane zur Vermählung von Kurprinz Friedrich August II. mit Erzherzogin Maria Josepha von Österreich miterlebt hatte.[2] Zum Dresdner Ensemble gehörten seine alte Bekannte Margherita Durastanti, der Altkastrat Senesino und der Bass Giuseppe Maria Boschi,[3] die Händel alle drei ab 1720 für London engagiert hatte (die Durastanti ab der ersten Spielzeit, die anderen beiden erst ab der zweiten).[4][5]
Die Entstehung des Ottone war relativ komplex und verlief in mehreren Etappen. Händel begann mit der Komposition offenbar im Sommer 1722 und beendete sie laut Datierung im Autograph am 10. August 1722 (à Londres | August 21n⁄10v st | 1722).[6] Bis zur Uraufführung fünf Monate später wurden jedoch zahlreiche Änderungen vorgenommen.[7] So wurden beispielsweise zwei Arien der Matilda („Ah! tu non sai“ und „Nel suo sangue“) auf Wunsch Anastasia Robinsons geändert, weil diese sich nicht in der Lage sah, Wut und Leidenschaft so auszudrücken, „wie der Komponist es beabsichtigt hat, und so müssten sie folglich ihre Schönheit verlieren“.[8][9]
Ottone war außerdem als Debüt der berühmten Sopranistin Francesca Cuzzoni vorgesehen, von der es bereits Ende Oktober in einer Ankündigung des London Journal hieß, sie habe:
“... a much finer Voice and more accurate Judgment, than any of her Country Women who have performed on the English Stage.”
„... eine weit schönere Stimme und präziseres Urteilsvermögen als jede andere der Damen aus ihrem Heimatland, die bisher auf Englands Bühnen aufgetreten sind.“
Am selben Tag, dem 27. Oktober 1722, wurde die Spielzeit mit Wiederaufnahmen von Muzio Scevola (mit Musik von Bononcini, Ariosti und Händel) begonnen und später mit Wiederaufführungen von Floridante fortgesetzt.[11]
Cuzzoni traf erst Ende Dezember 1722 in London ein[12] und geriet laut einer berühmten Anekdote von John Mainwaring sofort mit Händel aneinander, weil sie ihre erste Arie in Ottone, „Falsa immagine“, nicht habe singen wollen. Nachdem Händel gedroht hatte sie aus dem Fenster zu werfen,[13][14] lenkte sie jedoch (wie zu erwarten) ein, und laut Charles Burney soll ausgerechnet diese Arie „ihren Ruhm als ausdrucksstarke und ergreifende Sängerin begründet“ haben (“fixed her reputation as an expressive and pathetic singer”).[15]
Die Uraufführung des Ottone fand am 12. Januar 1723 in der folgenden Besetzung statt:
- Ottone – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Altkastrat)
- Teofane – Francesca Cuzzoni (Sopran)
- Gismonda – Margherita Durastanti (Sopran)
- Matilda – Anastasia Robinson (Alt)
- Adelberto – Gaetano Berenstadt (Altkastrat)
- Emireno – Giuseppe Maria Boschi (Bass)
Die Oper war ein großer Erfolg. Bis zum Ende der Saison kam sie auf vierzehn Vorstellungen,[16] darunter auch ein Benefizabend für die Cuzzoni am 26. März 1723, für den Händel vier neue Arien schrieb (drei davon für Cuzzoni).[17]
Deren Stimme und Gesang riefen beim „sehr zahlreichen“ Publikum spontane „Überraschung und Bewunderung“ hervor („...the Surprize and Admiration of the Audience, which was very numerous“, laut Daily Journal vom 14. Januar).[18] Auch laut dem Opera Register wurde sie „extrem bewundert“ („was extreemly admired“), während die Durastanti, Senesino und Anastasia Robinson auch „sehr gefielen“ („...pleased much“).[19] Einen weiteren Eindruck von der Furore, den die neue primadonna und die Oper machten, gibt der Bericht von Friedrich Ernst von Fabrice, Kammerherr des Prince of Wales:
« A la fin la fameuse Cozzuna est arrivée non seulement, mais Elle a chanté encore à un nouvel Opera de Hendell, nommé Othon […] avec un tres grand aplaudissement. Et la Maison remplie comme un Oeuff. […] et il y a une si grande presse pour y aller qu’on vend deja à 2. ou 3. Guinées le Ticquet, dont le pri Courant est une demy-Guinée; de maniere qu’on en fait presque un Mississippi ou une Sudsée. »
„Endlich ist die berühmte Cuzzona nicht nur angekommen, sondern hat in einer neuen Oper von Händel, genannt Ottone, […] gesungen, mit sehr großem Beifall. Das Haus platzte fast aus den Nähten. […] und es gibt einen solchen Ansturm darauf, dass Eintrittskarten, die normalerweise eine halbe Guinee kosten, bereits für zwei und drei Guineen gehandelt werden, so dass er einer weiteren Seifenblase wie jener der Mississippi- oder Südseekompanie gleicht.“
Wenige Tage später waren die Preise sogar auf vier Guineen gestiegen.[22]
Wiederaufnahmen
In der folgenden Saison, zwischen dem 11. Dezember und dem 1. Januar 1724, wurde die Oper sechsmal wiederaufgeführt,[23] wahrscheinlich in der erweiterten Version vom 26. März (Cuzzonis Benefiz).[24]
Weitere Wiederaufnahmen der Oper gab es 1726 (neun Vorstellungen), 1727 (zwei) und 1733 (vier). Dafür nahm Händel beträchtliche Änderungen vor, u. a. wurden 1726 die Stimmlagen von Gismonda (nun Anna Dotti, Alt) und Matilda (Livia Costantini, Sopran) vertauscht, wodurch Transpositionen und Streichungen nötig wurden. Die beiden Aufführungen vom April 1727 dienten vermutlich als „Lückenbüßer“, weil Faustina Bordoni die Masern hatte; wenn es stimmt, dass auch die Cuzzoni krank war, ist die Besetzung der Teofane nicht klar. Auch 1733 waren verschiedene Änderungen und Transpositionen nötig, vor allem wegen der beiden neuen Kastraten Giovanni Carestini (Mezzosopran) als Ottone und Carlo Scalzi (Sopran) als Adelberto.[25][26]
Insgesamt erlebte Ottone 35 Vorstellungen unter Leitung des Komponisten und wurde darin nur übertroffen durch die 53 Aufführungen des Rinaldo und die 39 des Giulio Cesare in Egitto.
Weitere Aufführungsgeschichte
18. Jahrhundert
Laut Mitteilungen in Read’s Weekly Journal und dem französischen Mercure vom April 1723 sollte Ottone angeblich im folgenden Juli als Gastspiel an der Pariser Oper gespielt werden. Das überrascht insofern, als die italienische Oper und der dazu gehörende Gesang von Kastraten in Frankreich keineswegs allgemein geschätzt wurden. Aus den angekündigten Aufführungen wurde auch nichts, aber im Sommer 1724 reisten Händels Sänger tatsächlich nach Paris und gaben im Hause des Finanziers und Kunstpatrons Pierre Crozat konzertante Aufführungen von Ottone und Giulio Cesare (fast ohne Rezitative).[27]
Schon im August 1723, sowie im Februar 1725, wurde die Oper in Braunschweig unter Leitung von Georg Caspar Schürmann gegeben. Rezitative wurden dafür stark gekürzt und beide Male wurden offenbar einige von Händels Arien gegen entsprechende Stücke aus Lottis Teofane ersetzt.[28] An der Hamburger Oper am Gänsemarkt gab es im Mai 1726 vier Aufführungen einer Oper mit dem Titel Otto unter der Leitung von Georg Philipp Telemann; weitere zwei Aufführungen folgten 1727 und 1729. Dabei handelte es sich in Wirklichkeit um ein Pasticcio mit italienischen Arien von Händel, Telemann, Leonardo Vinci und Fortunato Chelleri. Die deutschen Texte der ebenfalls von Telemann vertonten Rezitative schrieb Johann Georg Glauche. Die beiden Kastratenpartien wurden eine Oktave tiefer von Bässen gesungen und außerdem ein Tenorpart des (von Händel und Haym gestrichenen) Isauro hinzugefügt.[29]
Im Dezember 1734 brachte die „Opera of the Nobility“ („Adelsoper“) – Händels berühmt-berüchtigte Konkurrenz in London – eine eigene Version von Händels Ottone heraus, mit fünf oder sechs Vorstellungen. Es war die einzige Händel-Oper, in der jemals der berühmte Kastrat Farinelli auftrat, und zwar in der Rolle des Adelberto. Er sang dabei jedoch nicht die Originalmusik, sondern zwei Arien aus Händels Riccardo Primo, zwei aus Lotario, eine aus Partenope, sowie zwei weitere Arien unbekannter Herkunft (vermutlich jüngerer Komponisten und im modernen neapolitanischen Stil). Francesca Cuzzoni und Senesino sangen noch einmal ihre alten Rollen.[30][31]
20. und 21. Jahrhundert
Nach fast zweihundert Jahren wurde die Oper zum ersten Mal am 5. Juli 1921 bei den Händel-Festspielen in Göttingen unter dem Titel Otto und Theophano wieder auf die Bühne gebracht; es folgten weitere vier Aufführungen. Sie fand in deutscher Sprache unter der Leitung von Oskar Hagen statt. Die Rollen der zwei ursprünglich von Kastraten gesungenen Partien ließ er von tiefen Männerstimmen singen: Ottone von Wilhelm Guttmann (Bassbariton) und Adelberto von Georg A. Walter (Tenor). Hagens Version war ziemlich erfolgreich und wurde bis 1928 in vielen deutschen und österreichischen Städten insgesamt 64 mal aufgeführt.[32]
Zum ersten Mal mit den originalen Stimmlagen war die Oper 1971 in London bei Aufführungen der Handel Opera Society zu hören; dies war auch die erste Produktion außerhalb Deutschlands.[32]
Die erste Aufführung des Stückes in historischer Aufführungspraxis sah man am 4. Juni 1992 wiederum bei den Göttinger Händel-Festspielen, diesmal mit dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Nicholas McGegan.
Libretto
Das Libretto erstellte Nicola Francesco Haym auf der Basis von Stefano Benedetto Pallavicinos Textbuch zu Lottis Teofane, die 1719 in Dresden aufgeführt worden war (siehe oben).[33]
Verschiedene Kürzungen und Änderungen ergaben sich schon aus der Tatsache, dass es sich bei der Vorlage um eine Festoper mit einigen allegorischen Huldigungsszenen handelte, die für den „alltäglichen“ Spielbetrieb eines Opernhauses natürlich nicht passten und zu entfernen waren. Außerdem wurde eine Nebenrolle (Isauro) gestrichen, und der Anteil der Rezitative wie immer verringert – in diesem Fall um etwa ein Drittel.[34] Haym übernahm von Pallavicino 18 Arientexte (davon vier mit Änderungen), ein Accompagnato-Rezitativ und die beiden Duette.[3] Gestrichen wurden vor allem Arien, die in der Vorlage mitten in einer Szene standen, stattdessen bevorzugten Haym und Händel Abgangsarien am Szenen-Ende. Die Texte zu einigen der interessantesten und emotionalsten Stücke der Oper, darunter Gismondas „Vieni, O figlio“ (Nr. 16), schrieb Haym extra für Händel und sehr wahrscheinlich auf dessen Wunsch.[35]
Hayms Textbuch wurde vielfach kritisiert, Dean und Knapp hielten es für eins der schlechtesten, die er für Händel geschrieben hat.[36] Laut Jahn wird gelegentlich „die Handlungsmotivation verdunkelt“ und „erst durch die Musik entsteht … eine stimmige dramaturgische Konzeption“.[34]
Handlung
Historischer Hintergrund
Die Opernhandlung ist im Großen und Ganzen Fiktion, aber unter Berücksichtigung historischer Figuren und Ereignisse, wie bereits im „Argomento“ („Vorbemerkung“) zum Libretto zu lesen ist,[37] das Haym fast vollständig von Pallavicino übernahm.[3]
Historischer Hintergrund und Vorgeschichte der Handlung sind Machtkämpfe um die Herrschaft in Italien im 10. Jahrhundert zwischen Berengar II. („Berengario“), dem Markgrafen von Ivrea, und dem fränkischen König Otto I.[38] Der letztere war durch seine Heirat mit Adelheid von Burgund („Adelaide“), der Witwe des langobardischen Königs Lothar II., zum König der Langobarden in Italien aufgestiegen. Alle drei werden in der Opernhandlung erwähnt, treten aber nicht persönlich auf.
Otto I. und Adelheid – deren Liebesgeschichte Händel übrigens 1729 in seiner Oper Lotario behandelte – waren die Eltern des Titelhelden Ottone, der mit Otto II. identisch ist. In der historischen Realität war er im Mai 961 von seinem Vater zum Mitkönig erhoben worden, und durch seine Heirat der byzantinischen Prinzessin Theophanu (Teofane) im Jahr 972 wurde eine Anerkennung des deutschen Kaisers durch Ostrom und eine Aussöhnung erreicht.
Die Opernfigur der Gismonda ist identisch mit Willa von Tuscien, der Witwe Berengars II., und ihr Sohn Adelberto mit Adalbert II. von Ivrea.[38]
Otto II. hatte tatsächlich eine Cousine namens Mathilde („Matilda“). Diese war eine Tochter seiner Tante Gerberga mit dem westfränkischen König Ludwig IV. Die historische Mathilde war jedoch nicht die Braut von Adalbert II. von Ivrea, sondern mit Konrad III. von Burgund verheiratet.[38]
Frei erfunden ist die Idee, dass Basilio – d. h. der spätere oströmische Kaiser Basileios II. – unter dem Namen „Emireno“ als Korsar auf dem Mittelmeer sein Unwesen getrieben habe.[37] Auch war der historische Basileios nicht der Bruder der Theophanu, sondern ihr Onkel.[38]
Erster Akt
Galerie mit Statuen. Gismonda sieht in ihrem Sohn Adelberto den rechtmäßigen König von Italien, und hat keinen anderen Wunsch, als ihn auf dem Thron zu sehen und Rache an Ottone zu nehmen, der Berengario, ihrem Gatten, die Krone geraubt hatte. Als Adelberto berichtet, dass die byzantinische Prinzessin Teofane, Ottones Braut, gerade in Rom eintreffe, hecken sie einen Plan aus: Da der wahre Ottone gerade auf hoher See in Gefechte mit dem Piraten Emireno verwickelt ist und Teofane ihren Bräutigam noch nie gesehen hat, soll Adelberto sich bei ihr als Ottone ausgeben. Durch eine schnelle Heirat mit ihr würde der echte Ottone zugleich die Braut und Italien verlieren.
Adelberto eilt Teofane entgegen, begrüßt sie als „seine“ Braut und drängt auf eine möglichst baldige Heirat. Doch Teofane bittet nach der anstrengenden Reise um Ruhe. Sie ist irritiert und sogar zutiefst enttäuscht, weil der Mann, der ihr gegenübertritt, überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Bildnis ihres Bräutigams Ottone hat, das sie bereits liebgewonnen hatte. Allein zurückgeblieben bezichtigt sie das „falsche Bildnis“, sie getäuscht zu haben („Falsa immagine“).
Pavillons am Meeresufer, mit Schiffen. Ottone hat den Korsaren Emireno besiegt und gefangen genommen. In einer Unterredung unter vier Augen macht Emireno obskure Andeutungen über seine wahre Identität, weigert sich aber diese preiszugeben. Ottone ist darüber etwas verärgert und lässt ihn abführen. Alleingeblieben freut er sich bereits darauf, endlich in Rom seine Braut Teofane kennenzulernen. Da tritt seine Cousine Matilda ein und berichtet, dass Gismonda soeben Adelberto zum König ausrufen ließ. Obgleich dieser Matildas Verlobter ist, bekräftigt sie Ottone darin, nach Rom zu eilen und den Thron zurückzuerobern. Sie selber werde an der Spitze eines anderen Heeres Rom von der anderen Seite angreifen.
Thronsaal im Palast. Teofane lernt Gismonda kennen, die sich als Mutter von „Ottone“ und damit ihre angebliche Schwiegermutter vorstellt. Teofane ist befremdet und entgegnet, dass sie gar nicht wusste, dass Kaiserin Adelaide in Rom weilt. Als Teofane im Gespräch erwähnt, Ottone habe verhindert, dass die „hochmütige“ Gismonda und Adelberto sich die Krone Italiens aneignen konnten, kann Gismonda ihren Ärger und Hass kaum verstecken, stellt die Ereignisse ganz anders dar und gibt Teofane den Rat, ihren Sohn zu lieben. Nachdem sie gegangen ist, erscheint Adelberto um die Hochzeit in die Wege zu leiten. Als er Teofane gerade die Hand reichen will, kehrt Gismonda in hellster Aufregung zurück: Jetzt sei keine Zeit zu heiraten, die wankelmütigen Römer hätten Ottone und seinen Truppen die Stadttore geöffnet. Sie drückt Adelberto sein Schwert in die Hand und eilt mit ihm davon. Teofane bleibt verwirrt und verstört zurück: Ottone komme? Und wer war dann dieser Mann, der sie gerade heiraten wollte?
Ottones Heer hat gesiegt. Dieser befiehlt, den gefangenen Adelberto in den Kerker zu führen, wo man ihn dazu bringen soll zu verraten, wo sich Teofane befindet. Adelberto ist entschlossen nichts zu verraten, bedauert aber, dass Ottone nur eine Nacht zu früh gekommen sei, sonst hätte er als sein Feind und Rivale jetzt glücklich sterben können. Ottone ist verwirrt: Adelberto ist auch sein Rivale? Er wünscht Frieden und Vergebung für alle Aufständischen und befiehlt, nach seiner Verlobten zu suchen.
Zweiter Akt
Innenhof im Palast. Während Adelberto zum Kerker geführt wird, stellt Matilda ihn wegen seiner Untreue zur Rede, hat aber gleichzeitig Mitleid mit ihm. Gismonda erscheint und kann ihre Verzweiflung nur mit Mühe verbergen. Die beiden Frauen machen sich zuerst gegenseitig Vorwürfe, doch dann schlägt Matilda vor, sie könnten Ottone um Gnade bitten, um Adelberto zu retten. Eine solche Erniedrigung lehnt Gismonda jedoch entrüstet ab. Nachdem Matilda gegangen ist, lässt Gismonda ihrer Trauer und Sorge um ihren Sohn freien Lauf („Vieni o figlio“).
Teofane und Ottone begegnen sich zufällig, können aber nur vermuten, wen sie vor sich haben. Ein erstes Gespräch wird verhindert, als plötzlich Matilda auftaucht und sich Ottone zu Füßen wirft. Teofane zieht sich zurück, beobachtet aber heimlich, was passiert: Als Matilda um Gnade für Adelberto bittet, lehnt Ottone ab und meint, sie habe einen würdigeren Gatten verdient. Matilda wird ärgerlich und verwünscht Ottone und seine zukünftige Braut. Teofane missversteht die Situation und hält Matilda für Ottones Geliebte. Als Ottone Teofane endlich begrüßen will, reagiert sie abweisend und bezichtigt ihn der Untreue. Ottone entgegnet, er habe wohl mehr Recht zu Eifersucht, da sie beinahe Adelberto geheiratet habe. Sie hält das nur für einen Vorwand und geht. Ottone glaubt hinter ihrer Eifersucht Liebe zu entdecken und ist darüber entzückt.
Lieblicher Ort mit Brunnen und Grotten nahe dem Tiber, und ein unterirdischer Gang, verschlossen durch einen Felsen. Nacht. Teofane sucht Trost in der Natur. Da tauchen aus dem unterirdischen Gang Emireno und Adelberto auf, die mithilfe eines Plans aus dem Kerker entflohen sind und nun mit einem Boot über den Tiber das Meer erreichen wollen. Als jemand kommt, verstecken sich: Von der einen Seite erscheint Matilda, die den Flüchtigen helfen möchte, von der anderen Seite Ottone auf der Suche nach seiner Geliebten. Als Matilda Ottone bemerkt, lockt sie ihn fort, um Adelberto und Emireno zu schützen. Teofane, die ebenfalls Alles aus einem Versteck beobachtet hat, deutet die Situation wieder falsch und fühlt sich noch mehr in ihrer Idee bestätigt, dass Matilda Ottones Geliebte sei. Als Adelberto und Emireno gerade in ein Boot steigen wollen, entdeckt Adelberto Teofane und greift nach ihr. Sie fällt in Ohnmacht. Die beiden Männer nehmen sie mit sich und rudern davon. Kurz darauf kommen Gismonda und Matilda und frohlocken über die geglückte Flucht.
Dritter Akt
Königliches Gemach. Ottone macht sich Sorgen, da er nicht weiß, wo Teofane ist. Da erscheint Gismonda und verkündet ihm triumphierend, ihrem Sohn und Emireno sei die Flucht gelungen. Ottone vermutet, dass Teofane bei ihnen ist und befiehlt seinen Soldaten, nach ihr zu suchen. Andererseits befürchtet er, dass Teofane Adelberto freiwillig, aus Verliebtheit gefolgt sein könnte, und ist der Verzweiflung nahe.
Wald mit Blick auf den Tiber. Die Flüchtigen mussten sich vor einem Sturm an Land retten. Während Adelberto nach einem Unterschlupf sucht, beginnt Emireno mit Teofane ein Gespräch und erfährt, dass sie die Tochter des ermordeten Kaisers von Byzanz ist und dass die Krone durch ihren Tutor gerettet werden konnte. Als Emireno sie entzückt umarmen will, fühlt sie sich angegriffen und wehrt sich; auch der gerade zurückkehrende Adelberto versteht das falsch. Es kommt zu einem Kampf zwischen den beiden Männern, aus dem Emireno als Sieger hervorgeht. Er lässt Adelberto gefangen nehmen und von seinen Leuten abführen; Teofane versucht er zu beruhigen und verspricht, er werde sie „glücklich machen“, was sie wiederum missversteht. (Doch ihre Stimmung schlägt zum Positiven um, als Emireno sich als ihr Bruder Basilio zu erkennen gibt, der vom byzantinischen Hof verbannt, zum Seeräuber wurde.)
Innenhof im Palast. Matilda berichtet Ottone, dass Adelberto Teofane gewaltsam entführt habe. Als sie bereits mit Soldaten aufbrechen will, um Adelberto eigenhändig zu bestrafen, geht Gismonda dazwischen und verrät Ottone, dass Matilda selber die Gefangenen befreit habe. Ottone fühlt sich verraten, aber die reuige Matilda verspricht, Alles wieder gutzumachen. Da erscheint Emireno mit dem gefangenen Adelberto und kündigt Teofane an, die sich aber zuerst für eine würdige Begegnung mit ihrem Bräutigam Ottone herrichten wollte. Ottone weist Emireno an, Adelberto durch dessen „Mauren“ mit Pfeilen hinrichten zu lassen, doch Matilda beansprucht die Rache für sich. Als Adelberto sich jedoch selber bezichtigt, er sei ihr gegenüber undankbar gewesen und habe es verdient, von ihrer Hand zu sterben, bringt Matilda es nicht übers Herz und lässt den Dolch fallen. Gismonda hebt ihn auf um sich selber zu ermorden, doch da erscheint Teofane und verbietet jegliches Blutvergießen an diesem ihrem Hochzeitstag. Sie reicht Ottone ihre Hand und beide besingen ihr Glück. Ottone erfährt nun auch, dass „Emireno“ in Wahrheit Teofanes Bruder Basilio und rechtmäßiger Thronfolger des oströmischen Reiches sei. Ottone verzeiht Gismonda und Adelberto, und alle versöhnen sich. Adelberto schwört Matilda und Ottone ewige Treue. Alle besingen Frieden und Liebe.
Orchester
Blockflöte, zwei Oboen, zwei Fagotte, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Erzlaute oder Theorbe, 2 Cembali[39]).
Struktur der Oper (Fassung der Uraufführung)
Ouverture – [Gavotte] (2 Ob, Fg, Str, BC)

Erster Akt
| Scena I | 1. Arioso. Gismonda (2 Ob, 2 Vl, BC) Pur che regni il figlio amato |
| Recitativo. Adelberto, Gismonda Chi piu lieto e di me? | |
| 2b. Aria. Gismonda (2 Vl, BC) La speranza é giunta in porto | |
| Scena II | Recitativo. Adelberto, Teofane Vien di Romano inclita figlia |
| 3. Aria. Adelberto (2 Ob, Fg, Str, BC) Bel labbro, formato | |
| Scena III | Recitativo. Teofane E tale Otton? |
| 4. Aria. Teofane (Str, BC) Falsa imagine, m’ingannasti | |
| Scena IV | 5. Concerto. (2 Ob, Str, BC) |
| Recitativo. Ottone, Emireno Te, che assalir | |
| 6. Aria. Emireno (Str, BC) Dal minacciar del vento | |
| Scena V | Recitativo. Ottone, Matilda Tutto a piu liete cure |
| 7c. Aria. Ottone (Str, BC) Ritorna, o dolce amore | |
| Scena VI | Recitativo. Matilda Anch’io sperai |
| 8. Aria. Matilda (Str, BC) Diresti poi così? | |
| Scena VII | Recitativo. Teofanie, Gismonda Tu la madre d’Otton? |
| 9. Aria. Gismonda (Str, BC) Pensa ad amare, che dal tuo cor | |
| Scena VIII | Recitativo. Teofane, Adelberto, Gismonda Adelaide, di cui con tanta lode |
| Scena IX | Recitativo. Adelberto, Gismonda, Teofanie Stendi la bianca mano |
| Scena X | Recitativo. Teofane Giunge Otton! e chi parte? |
| 10. Aria. Teofane (Str, BC) Affani del pensier, un sol momento | |
| Scena XI | 11. Sinfonia. (Str, BC) |
| Recitativo. Ottone, Adelberto Cede il ferro, o la vita! | |
| 12. Aria. Adelberto (2 Ob, Str, BC) Tu puoi straziarmi, puoi tormentarmi | |
| Scena XII | Recitativo. Ottone E di più mio rival? |
| 13. Aria. Ottone (2 Ob, Str, BC) Dell’onda i fieri moti sottratto in porto il legno |
Zweiter Akt
| Scena I | Recitativo. Matilda, Adelberto, Gismonda Per breve spazio |
| Scena II | Recitativo. Gismonda, Adelberto, Matilda Dove… Al carcere, oh madre! |
| 14. Aria. Adelberto (2 Ob, Str, BC) Lascia, che nel suo viso | |
| Scena III | Recitativo. Matilda, Gismonda Ah! che più non resisto! |
| 15b. Aria. Matilda (Str, BC) Ah! tu non sai, quant’il mio cor | |
| Scena IV | Recitativo. Gismonda Ben a ragion Matilda |
| 16. Aria. Gismonda (Str, BC) Vieni, o figlio | |
| Scena V | Recitativo. Teofanie, Ottone, Matilda Quegli è certo il mio sposo |
| 17a. Aria. Matilda (2 Vl, BC) All’orror d’un duolo il mio amore | |
| Scena VI | Recitativo. Ottone, Teofane O illustre Teofane |
| 18. Aria. Teofane (2 Ob, Str, BC) Alla fama, dimmi il vero | |
| Scena VII | Recitativo. Ottone Con gelosi sospetti |
| 19. Aria. Ottone (2 Ob, Str, BC) Dopo l’orrore d’un Ciel turbato | |
| Scena VIII | 20. Recitativo accompagnato. Teofane (2 Fg, Str, BC) O grati orrori! |
| 21b. Aria. Teofane (2 Vl, BC) S’io dir potessi al mio crudele | |
| Scena IX | Recitativo. Emireno, Adelberto Del gran sasso alla mole |
| 22b. Aria. Emireno (Str, BC) Le profonde vie dell’onde | |
| Scena X | Recitativo. Adelberto, Matilda, Ottone, Teofane Odo gente, dell’antro |
| 23. Aria. Ottone (2 Vl, BC) Deh! Non dir, che molle amante | |
| Scena XI | Recitativo. Emireno, Adelberto, Teofane Già d'ogni intorno |
| Scena XII | Recitativo. Gismonda, Matilda Odo il suono dell’onda |
| 24a. Duetto. Gismonda, Matilda (Str, BC) Notte cara! A te si deve |
Dritter Akt
| Scena I | 25. Aria. Ottone (2 Ob, Str, BC) Dove sei? Dolce mia vita! |
| Recitativo. Gismonda, Ottone Già t'invola, tiranno | |
| 26. Aria. Gismonda (Str, BC) Trema, tiranno | |
| Scena II | 27. Recitativo accompagnato. Ottone (Str, BC) Io son tradito |
| 28b. Aria. Ottone (Str, BC) Tanti affanni ho nel core | |
| Scena III | Recitativo. Teofane, Adelberto, Emireno Empi! al vostro attentato |
| 29a. Aria. Adelberto (2 Vl, BC) D’inalzar i flutti al ciel | |
| Scena IV | Recitativo. Teofane, Emireno, Adelberto Perchè in vita tornai? |
| Scena V | Recitativo. Adelberto, Emireno, Teofane Temerario pirata |
| 30a. Aria. Emireno (Str, BC) No, non temere, oh bella! | |
| Scena VI | Recitativo. Teofane Si me traete |
| 31b. Aria. Teofane (2 Vl, BC) Ben chè mi sia crudele | |
| Recitativo. Teofane Pur cangiasti alla fin | |
| 33. Aria. Teofane (Str, BC) Gode l’alma consolata | |
| Scena VII | Recitativo. Matilda, Ottone, Gismonda Uno de' servi miei anche mi disse |
| 34b. Aria. Matilda (2 Vl, BC) Nel suo sangue, e nel tuo pianto | |
| Scena VIII | Recitativo. Emireno, Adelberto, Gismonda, Matilda, Ottone Matilda, arresta il piede |
| Scena IX | Recitativo. Teofane, Ottone Frena, crudel, la dispevata destra |
| 35. Duetto. Teofane, Ottone (2 Ob, Str, BC) A’teneri affetti il cor s’abbandoni | |
| Recitativo. Ottone, Teofane, Emireno, Gismonda, Matilda, Adelberto Ma qual caso, qual Dio | |
| 36. Coro. (2 Ob, Str, BC) Faccia ritorno l’antica pace |
Diskografie
- harmonia Mundi 907073-5 (1992): Drew Minter (Ottone), Lisa Saffer (Teofane), Michael Dean (Emireno), Juliana Gondek (Gismonda), Ralf Popken (Adelberto), Patricia Spence (Matilda)
Freiburger Barockorchester; Dir. Nicholas McGegan (190 min) - Hyperion CDA 66751-3 (1993): James Bowman (Ottone), Claron McFadden (Teofane), Michael George (Emireno), Jennifer Smith (Gismonda), Dominique Visse (Adelberto), Catherine Denley (Matilda)
The King’s Consort; Dir. Robert King (175 min) - Decca 483 1814 (2017); Max Emanuel Cenčić (Ottone), Lauren Snouffer (Teofane), Pavel Kudinov (Emireno), Ann Hallenberg (Gismonda), Xavier Sabata (Adelberto), Anna Starushkevych (Matilda)
Il Pomo d’Oro (auf zeitgenössischen Instrumenten); Dir. George Petrou (203 min)
Literatur
- Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4).
- Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 88–95.
- Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7 (englisch).
- Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie (= Insel-Taschenbuch 2655). Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel Verlag, Frankfurt am Main / Leipzig 2000, ISBN 3-458-34355-5.
- Bernhard Jahn: Ottone, Re di Germania (HWV 15), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber-Verlag, Laaber 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 116–121.
- Paul Henry Lang: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben. Bärenreiter-Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7618-0567-5.
- Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
- Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0.
Weblinks
- Partitur von Ottone, Re di Germania (Händel-Werkausgabe hrsg. v. Friedrich Chrysander, Leipzig 1881)
- Ottone: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Libretto (PDF; 168 kB) von Ottone, Re di Germania
- Weitere Angaben zu Ottone
- Handlung und Hintergrund von Ottone (englisch)
- detaillierte Angaben zu Ottone (französisch)
