Ouhi Cha

südkoreanische Malerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Ouhi Cha (* 29. Juni 1945 in Daegu, Gyeongsangbuk-do, aufgewachsen in Busan) ist eine südkoreanische Malerin, Zeichnerin und Installationskünstlerin. Von 1981 bis 2022 lebte und arbeitete sie in Berlin und Seoul, seit Ende 2022 wohnt und arbeitet sie dauerhaft in Seoul.

Schnelle Fakten Koreanische Schreibweise, Hangeul ...
Koreanische Schreibweise
Hangeul 차우희
Revidierte
Romanisierung
Cha U-hui
McCune-
Reischauer
Ch’a Uhŭi
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Leben

Ouhi Cha absolvierte von 1964 bis 1969 ein Studium der Malerei an der Chung-Ang Universität in Seoul. Ab 1977 reiste sie durch Europa und lebte zunächst in Paris, bevor sie 1981 nach Berlin (West) zog. Ein Jahr später erhielt sie im Rahmen eines internationalen Residenzprogramms eine Atelier-Wohnung im Künstlerhaus Bethanien in Kreuzberg. Hier setzte sie sich insbesondere mit ihrer künstlerischen Identität an der Schnittstelle von Tradition und Moderne, östlichen und westlichen Kulturen auseinander. Eingehend befasste sie sich mit dem Maler Max Beckmann. Auch literarische Impulsfiguren wie James Joyce, Friedrich Nietzsche, Albert Camus, Franz Kafka oder Hwang Sun-won regten ihre Malprozesse an. Um ihr Spektrum abstrakter Ausdrucksformen auszuloten, experimentierte sie nebeneinander und gleichzeitig mit unterschiedlichen Techniken, Malweisen und Materialien.

1985 erhielt Cha ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und ein Arbeitsatelier[1] unmittelbar neben dem Brücke-Museum in Berlin-Dahlem. In einer Einzelausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Berlin zeigte sie noch im gleichen Jahr abstrakte Ölgemälde in den für sie charakteristischen Schwarz-Abstufungen wie den Zyklus „Imagination zu Novalis‘ Nacht“, heute im Besitz der Berlinischen Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur.[2] Der begleitende Katalog wurde im Verlag Kammerer und Unverzagt veröffentlicht, u. a. mit Beiträgen von Nam June Paik, Isang Yun und Wieland Schmied.[3] Ebenfalls 1985 erschien der Gedichtband Ich fühle mich in Grenzen wohl von Sascha Anderson, Stefan Döring und Bert Papenfuß-Gorek mit Lithographien Cha's. 1989 erlebte sie den Fall der Berliner Mauer und die damit einhergehenden gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen. Dies veranlasste sie dazu, in ihren Gemälden Verbindungen zwischen der Teilung Koreas und der deutschen Wiedervereinigung herzustellen und mit dem Medium der Performance die Auswirkungen von Krieg und Herrschaft zu thematisieren.[4]

In den Folgejahren hatte sie zahlreiche Ausstellungen in internationalen Galerien und Museen in Deutschland (u. a. Berlin, Bochum, Dresden, Düsseldorf, Köln, München, Weimar), Südkorea (Seoul, Busan), Japan (Tokio, Kyoto) und China (Peking). In Berlin wurde Ouhi Cha ab 1990 von der Georg Nothelfer vertreten, mit neun Einzelausstellungen gewürdigt und in Gruppenausstellungen wie „Schwarze Dominanz“ (2010) oder „Selection of works from the 1960s to the present“ (2025/26) gezeigt. Als Teilnehmerin der 8. Biennale von Sydney „The Readymade Boomerang“ zeigte sie rhythmisch kombinierte Gegenstände aus Naturmaterialien, die als skulpturale Collagen bereits auf ihre „Objet trouvé“[5] verweisen. Im Projekt „Inbetween“ arbeitete Ouhi Cha auf der 45. Biennale von Venedig mit 44 Künstlerinnen und Künstlern zusammen, die – wie sie – als „Nomaden“ zwischen verschiedenen Nationen und Welten agierten. Das Projektkonzept wurde von Jårg Geismar und Adem Yilmaz auf Einladung der türkischen Kuratorin Beral Medra umgesetzt.[6] 1995 präsentierte sie zur 46. Biennale in Venedig „Flying Dutch“, eine Raum-Installation aus Segeltüchern, Murano-Glas und zerbrochenen Spiegeln im Sterbezimmer von Richard Wagner im Palazzo Vendramin Calergi.[7]

1996 erhielt Cha ein Stipendium der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur. 2000 brachte Edition Raute zur gleichnamigen Ausstellung den Paperbackband Subtile Reisen zu Jacob Böhme heraus, der fünf Zeichnungen und eine Original-Lithographie Cha's enthielt.[8] 2001 war sie Preisträgerin des 12. Kunstpreises der Seok-Ju-Kulturstiftung 석주문화재단. Im gleichen Jahr wurde an sie der 9. Woo-Kyung Kunstpreis vergeben. Gemälde, Zeichnungen und Collagen von Cha befinden sich in zahlreichen Öffentlichen Sammlungen, u. a. im Kupferstichkabinett, Berlin (SMB), im Neuen Berliner Kunstverein, im National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul, im Busan City Museum und in der Shirota Collection, Tokyo.

In ihren Werken, die häufig bei zurückgenommener Farbigkeit von der Reduktion auf Symbolik und Kontrasten zwischen Schwarz und Weiß leben, verbindet sie die koreanische Tradition der Kalligraphie und Tuschmalerei mit Einflüssen der westeuropäischen Moderne.[9] Für Cha, die tief in der buddhistischen und taoistischen Kultur ihres Heimatlandes verwurzelt ist, waren und sind Schwarz und Weiß die Farben auf der Suche nach der menschlichen und malerischen Essenz.[10] Mitunter verwendet sie Fundstücke als Material für Bildobjekte und Rauminstallationen (u. a. Stray Thoughts on Sail, Öl auf Leinwand, 1992 und 1999; Sail as a Wing, Collage auf Papier, 2010 sowie La boîte de la mémoire, Installation, 2010).[11] Verbunden mit ihrer Migrationsgeschichte, verarbeitet Cha in den verschiedensten Variationen das literarische Motiv der homerischen Odyssee. Dabei verschiebt sie bewusst den Fokus vom Heldentum auf ein Stück in den Alltag verwobene ungelöste Trauer. Zu einer ihrer wichtigen Arbeitsstrategien gehört das Sprengen der Sprache. Dabei bringt sie koreanische und europäische Buchstaben, Schriftzeichen, Zahlen und literarische Referenzen mit abstrakten Formen in Schwingung und regt zu neuen Formen der Kommunikation an.[4]

Quellen (Auswahl)

Ausstellungskataloge

  • Watergate Gallery/Chang Art: La boîte de la mémoire. Ouhi Cha, Ausstellungskatalog, Seoul/Peking, 2010, ISBN 978-89-94002-06-4 (engl./korean.)
  • Seoul Museum of Art: Writing Paintings. Painting Words, Ausstellungskatalog, ed. by SeMA, Seoul 2007 (engl./korean.)
  • Jean Art Center, Ouhi Cha. Objet trouvé / dialogue - between the lines, Anniversary Exhibition Jean Art Gallery 32 Years, Ausstellungskatalog, Seoul 2004 (korean/dtsch.)
  • Jean Art Center, Stray Thoughts on Sails, Ausstellungskatalog, Seoul 1999 (korean./engl.)
  • Galerie Mühlenbusch-Winkelmann, Ouhi Cha. A Ship of Odyssey, Ausstellungskatalog mit Textauszügen aus Ulysses von James Joyce und der Odyssee von Homer, Düsseldorf 1991 (engl./dtsch.)
  • Galerie Georg Nothelfer, Ouhi Cha. Imagination, Ausstellungskatalog, Berlin 1991 (dtsch./engl.)
  • Staatliche Kunsthalle Berlin, Ouhi Cha, Ausstellungskatalog, Kammerer & Unverzagt, Hamburg 1985, ISBN 3-9801050-3-2 (dtsch./engl.)

Einzelnachweise

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