Furane (Stoffgruppe)
Stoffgruppe
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Furane oder systematisch nach Hantzsch-Widman-Nomenklatur Oxole sind eine Stoffgruppe der organischen Chemie. Es handelt sich um Heteroaromaten, die sich vom Grundkörper Furan ableiten. Furane kommen recht häufig als Naturstoffe vor, unter anderem als Terpenoide und Furanfettsäuren. Genutzt werden verschiedene Vertreter als Pharmazeutika und Aromastoffe.
| Furane |
|---|
| Struktur der Furane, die Reste R1 bis R4 können beispielsweise Wasserstoff oder Organylgruppen sein |
Vorkommen
Terpenoide
Furanringe sind häufiger Bestandteil von Terpenoiden. Unter den Monoterpenen gehören dazu Perillen, das eine Semiochemikalie bei der Ameise Lasius fuliginosus und bei Milben ist, und das Rosenfuran, das ein Duftstoff in Rosenöl (aus Rosa damascena) ist.[1][1.1] Menthofuran ist ein Monoterpen aus Pfefferminzöl, das aus Pulegon gebildet wird. Dieses kann entweder zu Menthon und weiter zu Menthol reduziert oder zu Menthofuran oxidiert werden.[2] Dendrolasin kommt in Süßkartoffeln und Nacktkiemern sowie als Semiochemikalie bei der Ameise Dendrolasius fuliginosus vor. Das Longifolin aus den Blättern von Actinodaphne longifolia enthält sogar zwei Furanringe.[1.2] Zu den Hauptinhaltsstoffe von Myrrhe gehören Furanoeudesma-1,4(15)-dien, Furanoeudesma-1,4-dien-6-on und Furanoeudesma-1,3-dien. Ein anderes Diastereomer von letzterem ist aus der Orgelkoralle bekannt.[1.3] In Pflanzen der Senecioneae, kommen Furanoeremophilane vor, von denen insgesamt über 100 bekannt sind.[1.4] Die Hibiscone sind tricyclische Sesquiterpene mit einem Furanring, die in Hibiscus elatus vorkommen.[1.5] Das Pinguison aus dem Fettglänzenden Ohnnervmoos (Aneura pinguis) wirkt als Fraßschutz gegen Insekten.[1.6] Teugin ist ein furanoides Diterpen aus Teucrium fragile (Gattung Gamander), Junceinsäure eines aus Solidago juncea (Gattung Goldruten).[1.7] Diverse furanoide Sesterterpene sind aus Schwämmen bekannt, darunter Ircinin I aus Ircinia oros und 8,9-Dehydroircinin I aus Cacospongia scalaris, die jeweils zwei Furanringe aufweisen.[1.8]
- Rosenfuran aus Rosenöl
- Menthofuran aus Pfefferminzöl
- Myrrhe enthält furanoide Terpene als Hauptkomponenten
- Hibiscus elatus enthält Hibiscone
- Aneura pinguis enthält Pinguison
Furanfettsäuren

Furanfettsäuren sind Fettsäuren, die durch Sauerstoffüberbrückung einen Furanring in der Kohlenstoffkette enthalten. Typische Vertreter weisen eine Kettenlänge von 16 bis 22 Kohlenstoffatomen auf, davon sechs bis zwölf zwischen Carboxylgruppe und Furanring sowie drei oder fünf Kohlenstoffatome hinter dem Furanring. Der Ring trägt zusätzlich ein oder zwei weitere Methylgruppen.[3] Sie kommen in der Leber von Fischen, den Samenölen verschiedener Pflanzen und in diversen anderen Lebewesen vor.[4] Während sich die Forschung zeitweise hauptsächlich auf Fische und andere marine Lebewesen konzentrierte, wurde erst später klar, dass Furanfettsäuren auch in Pflanzen häufig und in größeren Mengen vorkommen, beispielsweise in Gräsern (Poaceae), Löwenzahn, Klee und Birkenblättern.[3] Bei der Untersuchung einiger mariner Wirbellosen wurde als häufigste Furanfettsäure 13,14-Dimethyl-12,15-oxyeicosa-12,14-diensäure nachgewiesen.[4]
Weitere Naturstoffe
Methanofuran ist ein Cofaktor mit Furanring, der für die Methanogenese (Bildung von Methan) in Mikroorganismen benötigt wird. Er dient dem ersten Reduktionsschritt des Prozesses, in dem Kohlenstoffdioxid zu einem Formamid reduziert wird.[5] 2-Isobutyl-4-hydroxymethylfuran-3-carbonsäure (MMF1) und 2-Propyl-4-hydroxymethylfuran-3-carbonsäure (MMF2) kommen als Signalmoleküle in Streptomyces coelicolor vor; strukturell ähnliche Verbindungen sind auch aus anderen Streptomyces bekannt.[6]

Aromen in Lebensmitteln
Furane kommen in Lebensmitteln vor, wo sie ein karamellartiges, fettiges oder nussiges Aroma erzeugen. Sie entstehen durch den hitzebedingten Abbau von Kohlenhydraten und Aminosäuren, beispielsweise in der Maillard-Reaktion, aber auch durch Oxidationen bestimmter Vorläufer wie mehrfach ungesättigter Fettsäuren. In der Maillard-Reaktion entsteht Furfural insbesondere aus Pentosen, Hydroxymethylfurfural insbesondere aus Hexosen. Auch der Grundkörper Furan entsteht in der Maillard-Reaktion.[7]
Verwendung
Medizin

Einige Pharmazeutika enthalten Furanringe, dazu gehören beispielsweise Furosemid, Mometasonfuroat und die Nitrofurane. Furan ist ein aromatischer Ring und weist ähnliche Eigenschaften wie ein Benzolring auf, sodass sich Furanringe als Bioisostere für Benzolringe eignen.[8.1] Furosemid ist ein Schleifendiuretikum, das aus 5-Carboxyl-2,4-dichlorbenzolsulfonamid hergestellt wird, wobei der Furanring durch Furfurylamin eingeführt wird.[8.2] Mometasonfuroat ist ein mit Furan-2-carbonsäure verestertes Steroid mit starker Bindungsaffinität an den menschlichen Glucocorticoidrezeptor und wird bei unterschiedlichen Hautleiden eingesetzt, unter anderem atopische Dermatitis, Psoriasis und Kontaktdermatitis.[8.3]

Nitrofurane sind verschiedene Imine und Hydrazone von 5-Nitrofurfural, die als Antibiotika und Antiparasitika eingesetzt werden. Der eigentlich aktive Wirkstoff, der DNA, RNA und Ribosomen schädigen kann, entsteht dabei, wenn die Nitrogruppe durch eine Nitroreduktase des Pathogens reduziert wird. Die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen, da die Reduktion der Nitrogruppe in humanen Zellen keine bedeutende Rolle spielt.[8][8.4] Nifurtimox wird als Antiparasitikum gegen Trypanosomen eingesetzt. Die Aktivierung verläuft über zwei Reduktionsschritte, eine Nitrosoverbindung und ein Hydroxylamin, anschließend entsteht durch Ringöffnung ein α,β-ungesättigtes Nitril, das als Michael-Akzeptor wirkt. Mit welchen Reaktionspartnern dieser genau interagiert, ist nicht bekannt.[8.5] Das Nitrofurantoin, ein anderes Nitrofuran, dient als Antibiotikum bei Harnwegsinfekten (beispielsweise mit Enterokokken oder Staphylokokken), und steht auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO.[8.4]
Aromastoffe
Diverse Furane sind in der EU als Aromastoffe in Lebensmitteln zugelassen. Einige Beispiele sind in der folgenden Tabelle angegeben.
| Verbindung | FL-Nummer | Quelle | Verbindung | FL-Nummer | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|
| 5-Methylfurfural | 13.001 | [9] | 2-Acetylfuran | 13.054 | [10] |
| Methyl-2-furoat | 13.002 | [11] | 2-Butylfuran | 13.103 | [12] |
| Furfural | 13.018 | [13] | Ethyl-2-furoat | 13.122 | [14] |
| Furfurylalkohol | 13.019 | [15] | Furfurylacetat | 13.128 | [16] |
| 2-Methylfuran | 13.030 | [17] | 2-Furansäure | 13.136 | [18] |
Metabolismus und Toxikologie
Furane können im menschlichen Metabolismus zu einem reaktiven Epoxid epoxidiert werden. Dieses ergibt durch Ringöffnung eine α,β-ungesättigte 1,4-Dicarbonylverbindung, die ebenfalls reaktiv ist und als Michael-Akzeptor mit Thiolen reagiert. Die als Nebenwirkung von Furosemid zum Teil auftretende Hepatitis wird auf ein Epoxid zurückgeführt.[8.6] Die aus Furanen gebildeten Epoxide wirken auch als irreversible Inhibitoren von Cytochrom-P450-Enzymen.[8.7]