Prager Eltern-Kind-Programm

Programm zur Förderung frühkindlicher Entwicklung und der Eltern-Kind-Beziehung From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Prager Eltern-Kind-Programm (PEKiP) ist ein Konzept für die Gruppenarbeit mit Eltern und ihren Kindern im ersten Lebensjahr, das im Rahmen der Primärprävention mit wöchentlichen Treffen entsprechend der spezifischen PEKiP-Standards den Prozess des Zueinanderfindens unterstützen soll.

Geschichte

Basierend auf seinen Forschungen zur Begleitung von Säuglingen in der häuslichen und außerhäuslichen Betreuung entwickelte der Prager Psychologe Jaroslav Koch in den 1970er Jahren Bewegungs- und Spielanregungen für das Baby. Darauf aufbauend konzipierten die Psychologin Christa Ruppelt und der Sozialwissenschaftler Hans Ruppelt das sozialpädagogische Gruppenprogramm für junge Eltern. Seit 1978 bot der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit die Fortbildung für pädagogische Fachkräfte nach dem PEKiP-Konzept an. Im Jahre 1988 gründete sich der Verein PEKiP e. V., der seitdem PEKiP-Fortbildungen durchführt und eine Bild-/Wortmarke angemeldet hat, die von vielen Anbietern verwendet wird.[1]

Bezüge

Das PEKiP-Konzept ist mit den gruppenpädagogischen Leitlinien der themenzentrierten Interaktion und der personenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers verbunden und mit dem der Bindungstheorie entlehnten Konzept der elterlichen Feinfühligkeit. Die soziale Gruppenarbeit mit den jeder sozialen Gruppe innewohnenden dynamischen Prozessen dient als Basis.

Methode

Im Mittelpunkt stehen in der Gruppenarbeit die PEKiP Spiel-, Bewegungs- und Sinnesanregungen für Eltern und Kinder. Generationsübergreifend sind Eltern und Kinder gemeinsam spielend tätig. Eine sozialpädagogische Fachkraft leitet den Kurs und begleitet den Austausch und das Lernen der Teilnehmer untereinander. In der Gesprächsführung spricht sie Befindlichkeiten, Absichten und Erlebnisse der Teilnehmenden an. Sie informiert die Eltern über die frühkindliche Entwicklung ihres Kindes und ist Modell für Eltern und Kinder im Miteinander-Spielen.

Die Kursleitung achtet darauf, durch behutsame Gesprächsführung zu erreichen, dass Eltern auf Unterschiede zwischen gleichaltrigen Babys nicht mit Wertung, Besorgtheit oder Konkurrenz reagieren, sondern die Vielfalt der Entwicklungen als Besonderheiten der Kinder schätzen lernen. Zugleich leistet sie einen Beitrag zur Gesundheit des Kindes, indem sie bei körperlichen oder verhaltensbezogenen Auffälligkeiten den Eltern rät, den Kinderarzt auf diese Besonderheit aufmerksam zu machen.

Typischerweise sind die Babys in PEKiP-Treffen unbekleidet, damit die Bewegungsfreude unterstützt wird. Ausnahmen aus praktischen Gründen sind möglich; so wird eine Mutter, die ihr Baby stillen will, ihm zuvor meist eine Windel anlegen. Natürlich ist dies für alle Teilnehmenden ein freiwilliges Angebot. Damit die Babys nicht auskühlen, wird der Raum warm aufgeheizt.

Berufliche Fortbildung

Der PEKiP-Verein bietet Fachkräften aus dem pädagogischen, sozialen und psychologischen Bereich an, eine PEKiP-Gruppe entsprechend seiner Methode, Standards und der Umgebung zu leiten. Dazu erarbeiten sich die Teilnehmer Theorie, Praxis, Methodik und Didaktik und werden dabei in der Zeit ihrer ersten Gruppenleitung durch PEKiP-Fortbilder supervidiert.

Kritik

Kritisch diskutiert wird, dass durch die Teilnahme an Angeboten wie PEKiP der soziale Wettbewerb vorverlegt würde und das Kleinkind bei Teilnahme an mehreren Förderprogrammen durch zu viele Reize überflutet würde.[2]

Literatur

  • Jaroslav Koch: Psychologie a pedagogika dítĕte. Prag, 1960, mit Zdeněk Matějček
    • Total baby development. New York 1978. ISBN 0-671-22408-5. Tschechischer Originaltitel: Výchova kojence v rodině. Ausgabe London 1982 unter dem Titel: Superbaby
  • Dieter Höltershinken, Gertrud Scherer: PEKiP Das Prager-Eltern-Kind-Programm, theoretische Grundlagen: Ursprung und Weiterentwicklung. Dortmunder Beiträge zur Pädagogik, Bochum/Freiburg 2011 (4., erweiterte Aufl.). ISBN 978-3-89733-221-8
  • Anne Pulkkinen: PEKiP: Babys spielerisch fördern. Gräfe und Unzer 1999. ISBN 3-7742-7418-5
  • Monika Thiel: Babyspaß mit PEKiP-Spielen. Urania-Verlag 2002, 128 Seiten. ISBN 3-332-01308-4
  • Michael K. Meyerhoff: A Parents' Guide to Avoiding the Superbaby Syndrome. Verlag William Gladden Foundation, Dezember 1992, in englischer Sprache. ISBN 1-56456-136-4
  • Liesel Polinski: PEKiP: Spiel und Bewegung mit Babys. rororo 1993/2001. ISBN 3-499-60972-X
Wiktionary: PEKiP – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen

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