Perfluorhexansulfonsäure
chemische Verbindung
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Perfluorhexansulfonsäure (Kurzname PFHxS) ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der langkettigen Perfluorsulfonsäuren. Bedeutend ist ihr Anion, das Perfluorhexansulfonat.
| Strukturformel | ||||||||||||||||
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| Allgemeines | ||||||||||||||||
| Name | Perfluorhexansulfonsäure | |||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C6HF13O3S | |||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||
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| Eigenschaften | ||||||||||||||||
| Molare Masse | 400,11 g·mol−1 | |||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
41 °C[1] | |||||||||||||||
| Siedepunkt |
238–239 °C[1] | |||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||
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| Zulassungsverfahren unter REACH |
besonders besorgniserregend: sehr persistent und sehr bioakkumulativ (vPvB)[3] | |||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||
Herstellung
PFHxS wurde durch elektrochemische Fluorierung (ECF) hergestellt.[4] Dabei entsteht zu rund 95 % das lineare Isomer.[5] Theoretisch gibt es von PFHxS 17 Skelettisomere.[6]
Verwendung
PFHxS wurde in Schaumlöschmitteln (AFFF), als Antischleiermittel in der Verchromung, in Imprägnierungsmitteln für Textilien, Leder und Polstermöbeln (z. B. in Scotchgard[7]), in Polier-, Reinigungs- und Waschmitteln, in Beschichtungen und bei der Herstellung von Halbleitern verwendet.[1]
Gefahrenbewertung
Analog zur längerkettigen Perfluoroctansulfonsäure ist die Perfluorhexansulfonsäure bioakkumulativ.[8] Anhand einer globalen Metaanalyse wurde für PFHxS ein trophischer Magnifikationsfaktor (TMF) von 1,76 (95-%-Konfidenzintervall: 1,33–2,32) ermittelt, was die hohe Bioakkumulation belegt.[9]
Bis zum Jahr 2014 war nur eine Studie zu den toxikologischen Wirkungen bekannt. Diese zeigt keine negativen Wirkungen, wobei der Umfang der Studie keine endgültige Bewertung zulässt.[10] Inzwischen sind als mögliche Auswirkungen auf den Menschen Beeinträchtigungen der Leber und der Immunantwort, gezeigt als verminderte Antikörperantwort auf Impfstoffe, bekannt. Bei 99,44 % der untersuchten Einwohner Kaliforniens wurde PFHxS im Blutserum nachgewiesen.[11] In 95 % der hundert zwischen 2009 und 2019 abgenommenen Humanblutproben aus der deutschen Umweltprobenbank wurde bis zu 4,62 ng/ml PFHxS nachgewiesen.[12] In 74 % der Blutplasma-Proben von 1109 Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren, die im Rahmen der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (GerES V) untersucht worden waren, wurde PFHxS nachgewiesen.[13]
Regulierung
2017 wurde PFHxS in die Kandidatenliste nach REACH-Verordnung aufgenommen[14][15] und vom Umweltbundesamt ein Trinkwasserleitwert von 0,1 µg/l empfohlen.[16] 2019 wurde vorgeschlagen es in den Stoff in den Anhang XVII der REACH-Verordnung aufzunehmen; dazu wird sich die Europäische Chemikalienagentur bis Mitte 2020 eine Meinung bilden.[17]
PFHxS wurde 2017 für die Aufnahme in das Stockholmer Übereinkommen nominiert,[18] und 2022 in seinen Anhang A aufgenommen.[19] Unter das Verbot fallen mehrere hundert Salze und Vorläufer von PFHxS.[20]
In der Schweiz ist die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung seit dem 1. Oktober 2022 verboten.[21]
In der EU sind die Höchstmengen von per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) im Trinkwasser über den Anhang I, Teil B der Richtlinie (EU) 2020/2184 (Trinkwasserrichtlinie) mit zwei verschiedenen Summen-Grenzwerten geregelt. Danach darf der Gesamtgehalt aller PFAS 0,5 μg/l, und die Summe der im Anhang III Teil B Nummer 3 genannten PFAS (PFAS-20), zu welchen auch Perfluorhexansulfonsäure gehört, 0,1 μg/l nicht überschreiten. Als Europäische Richtlinie ist die Richtlinie (EU) 2020/2184 allerdings nicht unmittelbar gültig, sondern musste jeweils in nationales Recht umgesetzt werden. In Deutschland wurde dies durch die Novellierung der Trinkwasserverordnung umgesetzt.[22]
Salze
Externe Links zu erwähnten Verbindungen
- Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Ammoniumperfluorhexansulfonat: CAS-Nr.: 68259-08-5, EG-Nr.: 269-511-6, ECHA-InfoCard: 100.063.173, PubChem: 109947, ChemSpider: 98757, Wikidata: Q81985357.
- Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Lithiumperfluorhexansulfonat: CAS-Nr.: 55120-77-9, ECHA-InfoCard: 100.293.154, PubChem: 23684611, ChemSpider: 4955524, Wikidata: Q81986834.
- Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Zinkperfluorhexansulfonat: CAS-Nr.: 70136-72-0, ECHA-InfoCard: 100.295.149, Wikidata: Q124307371.