Paläogen
chronostratigraphisches System
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Das Paläogen (von altgriechisch παλαιός palaiós, deutsch ‚alt‘ und γένος génos ‚Abstammung, Zeitalter‘) oder Alttertiär ist das unterste chronostratigraphische System und die älteste geochronologische Periode des Känozoikums und dauerte von vor etwa 66 Millionen Jahren bis zum Beginn des Neogens vor etwa 23,03 Millionen Jahren. Paläogen und Neogen wurden früher zum System des Tertiärs zusammengefasst. Die Bezeichnung „Tertiär“ wird allerdings mittlerweile von der International Commission on Stratigraphy (ICS) nicht mehr verwendet und Paläogen und Neogen werden inzwischen im hierarchischen Rang von Systemen verwendet.
| Paläogen System des Phanerozoikums | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Ära | Känozoikum | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| System davor | Kreide | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Beginn | 66 mya | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ende | 23,03 mya | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| System danach | Neogen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Mittlerer atmosphärischer O2-Anteil | ca. 26 Vol.-%[1] (130 % des heutigen Niveaus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Mittlerer atmosphärischer CO2-Anteil | ca. 500 ppm[2] (125 % des heutigen Niveaus) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Mittlere Bodentemperatur | ca. 18 °C[3] (4 °C über heutigem Niveau) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Zu Beginn des Paläogens kam es nach dem Aussterben der Nicht-Vogel-Dinosaurier zur Weiterentwicklung der Vögel und einer beträchtlichen Differenzierung der Säugetiere, die von ehemals kleinen Formen in der vergangenen Kreidezeit zu den beherrschenden Landtieren wurden. Gegen Ende des Paläogens waren die Rüsseltiere die größten Landsäugetiere. Die einzelnen Kontinente waren anfangs isoliert. Über eine Landbrücke zwischen Afrika und Eurasien, die sich vor 27 Millionen Jahren bildete, konnten sich die Tiere jedoch wieder weit verbreiten. Nur Australien und Antarktika nahmen eine andere Entwicklung.
Unterteilung
Das Paläogen ist weiter unterteilt in:
- System: Paläogen (66–23,03 mya)
- Serie: Oligozän (33,9–23,03 mya)
- Serie: Eozän (56–33,9 mya)
- Stufe: Priabonium (38–33,9 mya)
- Stufe: Bartonium (41,3–38 mya)
- Stufe: Lutetium (47,8–41,3 mya)
- Stufe: Ypresium (56–47,8 mya)
- Serie: Paläozän (66–56 mya)
- Stufe: Thanetium (59,2–56 mya)
- Stufe: Seelandium (61,6–59,2 mya)
- Stufe: Danium (66–61,6 mya)
Klima
Das Klima des Paläogens unterschied sich von dem des Quartärs durch die meist deutlich höheren globalen Durchschnittstemperaturen. Zu Beginn des Eozäns, vor rund 50 Millionen Jahren, stieg die globale Temperatur auf die höchsten Werte (ca. 30 °C) im gesamten Känozoikum („früheozänes Klimaoptimum“). Es herrschte ein ausgeprägtes Warmklima und die Polarregionen waren eisfrei. Im weiteren Verlauf des Eozäns wurden jedoch durch die plattentektonisch bedingte Wanderung der Kontinente („Kontinentaldrift“), speziell durch die zunehmende Isolierung des in die Südpolarregion gedrifteten Kontinents Antarktika von den übrigen Südkontinenten (vgl. → Gondwana), der globale Wärmetransport (vgl. → globales Förderband) verändert. Dies führte am Ende des Eozäns zu einer Abkühlung des Weltklimas und ab dem Oligozän, vor ca. 35 Millionen Jahren, vergletscherte Antarktika.
Globale Temperaturkurve für das Phanerozoikum (540 mya bis heute) mit erhöhter Auflösung für das Känozoikum. Der grüne und der schwarze Graph zeigen den Temperaturverlauf im Tertiär. Das Ende des Neogens wird markiert durch das Absinken der Temperatur unter den heutigen Mittelwert (0-Linie).
Gebirgsbildung
Vor circa 50 Millionen Jahren kollidierte die Indische Platte mit der Eurasischen Platte, wodurch das Himalayagebirge und das Hochland von Tibet entstanden (→ Plattentektonik).
Im Paläogen entstanden ganz oder teilweise auch weitere Gebirge: in Europa die Alpen, der Apennin, die Karpaten, die Pyrenäen und der Kaukasus, in Südamerika die Anden und in Nordamerika die Rocky Mountains. Die Gebirgsbildungen in Eurasien gingen einher mit der weitgehenden Schließung des Tethys-Ozeanes. Die zentralen Gebiete des östlichen Mittelmeers sowie des Schwarzen Meeres sind kleine Reste dieses ehemaligen Ozeanbeckens.
Kontinentalverschiebung
Die Kontinentalverschiebung verlangsamte sich im Paläogen deutlich. Das ehemalige Gondwana brach auseinander. Australien, das damals an die Antarktis gebunden war, wanderte nordwärts. Dazwischen bildete sich ein tiefer ozeanischer Graben. Zwischen Nordamerika und Europa bzw. Nordamerika und Asien bestanden Landbrücken.
Fauna und Flora

Das Paläogen ist die Zeitspanne zwischen dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, von dem auch die großen Dinosaurier betroffen waren, und dem Beginn des jüngsten Eiszeitalters. Das Aussterben könnte Folge eines Meteoriteneinschlags, des sogenannten KPg-Impakts (Paläogen) sein. Zu Beginn der Periode lösten Säugetiere die Reptilien als dominante Tiergruppe ab. Jede Epoche des Tertiärs ist durch charakteristische Entwicklungssprünge unter den Säugetieren gekennzeichnet. Die modernen Formen der Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und der Wirbellosen waren teils zu Beginn des Paläogens schon herausgebildet oder entwickelten sich in seinem Verlauf. Die Meerestiere dagegen unterlagen – abgesehen von den Säugetieren – lediglich geringen evolutionären Veränderungen.
Paläogeographie
Im Paläogen nahmen die Kontinente in etwa ihre heutigen Positionen ein. Nord- und Südamerika waren noch nicht durch Mittelamerika verbunden, auch Afrika und Eurasien waren noch durch die kontinuierlich schmaler werdende Tethys getrennt. Australien und Antarktika hatten sich bereits gelöst, befanden sich aber noch nahe beieinander. Die Indische Platte kollidierte mit der Eurasischen und es bildete sich der Himalaya. Große Flächen in Nordamerika, Eurasien und Afrika verlandeten, aus der Inselwelt Europa begann sich langsam eine zusammenhängende Landfläche zu bilden.