Papstwappen
persönliches Wappen eines Papstes
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Das Papstwappen ist das persönliche Wappen eines Papstes, das auch dessen Pontifikat symbolisiert. Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit führten Päpste dabei in der Regel das Wappen ihrer Familie; in der jüngeren Vergangenheit haben die Päpste regelmäßig kein Familienwappen, sondern führen dasjenige Wappen, das sie sich als Bischof zugelegt haben, in gleicher oder veränderter Form weiter. Die kirchliche Heraldik spricht dem Papst den exklusiven Gebrauch bestimmter Insignien zu, insbesondere der Tiara über und der päpstlichen Schlüssel hinter dem Wappenschild.


Vom persönlichen Wappen einzelner Päpste zu unterscheiden sind das Wappen der Vatikanstadt, das Wappen des Heiligen Stuhls sowie die beiden historischen Wappen der römischen Kirche und des Papsttums, die heute nicht mehr gebraucht werden.[1]
Geschichte
Die ältesten Wappendarstellungen im Umkreis der Kurie sind im 13. Jahrhundert nachweisbar: Kardinäle und andere geistliche Würdenträger kombinierten ihre persönlichen Wappen mit den Insignien ihres jeweiligen Standes. Es ist wahrscheinlich, aber nicht nachweisbar, dass die Päpste dieser Zeit auch im Amt ihre Familienwappen führten. Ebenfalls im 13. Jahrhundert wurden die gekreuzten Schlüssel unabhängig von Darstellungen des Petrus als Symbol für das Papsttum verwendet, z. B. auf Bannern (vgl. Wappen der Kirche).
Nikolaus III. (1277–1280) ließ das Wappen seiner Familie auf mehreren Bauwerken anbringen, die er als Papst errichten ließ; er führte also sicher sein Familienwappen als Papstwappen. Um 1300 scheint es üblich gewesen zu sein, dass Päpste das Wappen ihrer Herkunftsfamilie im Amt führten.[2]

Bonifatius VIII. gilt als erster Papst, der nachweislich sein persönliches Wappen mit päpstlichen Insignien kombiniert hat.[3][4][5] Wichtigste Quelle dafür ist eine Skulptur von 1296 an der Außenwand der Kathedrale von Anagni (und ihre Nachzeichnung in BAV, Barb. lat. 3221, fol. 457r). Sie zeigt den thronenden, mit der dreikronigen Tiara gekrönten Papst, der mit der Rechten segnet und in der Linken die Schlüssel Petri hält. Das Feld darüber ist dreigeteilt und zeigt links und rechts jeweils zwei Wappen: oben das seines Vaters, unten das von dessen zweiter Ehefrau Giovanna Aquila di Fondi;[6] in der Mitte ist oben eine Tiara mit Infuln und unten ein Schirm (wohl der Ombrellino) zu sehen. Die päpstlichen Attribute sind noch nicht mit dem Wappenschild kombiniert.[7] Schriftquellen der Zeit nennen die Wappen der Päpste nach deren Familien, nicht „päpstliche Wappen“.[8]

Bonifatius ließ das Wappen seiner Familie so häufig an päpstlichen Palästen anbringen, dass Pierre-Yves le Pogam von einer regelrechten ‚Manie‘ sprach.[9] Auch die unter Bonifatius erbaute, 1586 wieder abgerissene Benediktionsloggia der Lateranbasilika soll nach einem Giotto zugeschriebenen Fresko mit zahlreichen Darstellungen des Caetani-Wappen geschmückt gewesen sein. Eine Nachzeichnung des heute stark beschädigten Freskos zeigt, dass die Brüstung der Loggia mit mehreren Wappenschilden verziert war, die teils das Wappen Bonifatius’ und teils den Ombrellino zeigten.[10]
Eine intensive Nutzung heraldischer Zeichen durch die Päpste ist allerdings erst in Avignon nachweisbar.[11] Mit der Rückkehr des Papsttums nach Rom entfaltete sich auch dort eine intensive Kultur der heraldischen Darstellung des Papsttums.[12] Im 14. Jahrhundert entwickelte sich allmählich der Brauch, Insignien des päpstlichen Amtes (Schlüssel, Tiara, seltener Ombrellino und Vortragekreuz) neben dem, über dem oder auch im Schild mit dem persönlichen Wappen des jeweiligen Papstes darzustellen. Eine feste Konvention gab es aber nicht, und oft wurde das Wappen des Papstes ohne solche Hervorhebungen dargestellt. Noch im 15. Jahrhundert ist es häufig, dass das Papstwappen ohne besondere Prunkstücke neben dem Wappen der Kirche (arma ecclesiae) dargestellt wird,[13] um ersteres als das des Papstes zu markieren. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird es aber allmählich üblich, den Schild des Papstwappen mit dem gekreuzten Schlüsseln Petri zu hinterlegen. Im 16. Jahrhundert ist das Papstwappen oft mit der Tiara darüber markiert, die Schlüssel sind hinter der Tiara, seltener über dem Schild und noch seltener hinter diesem zu sehen.[14] Wappenbücher und Chroniken, die teils zahlreiche Papstwappen enthalten, verbreiten die zunehmend einheitlicheren Wappendarstellungen, die dabei auch Päpsten aus vorheraldischer Zeit zugeschrieben werden (sogenannte Fabelwappen).[15]
Verwendung
Das Papstwappen dient insbesondere zur Kennzeichnung päpstlichen Besitzes, päpstlicher Herrschaft und päpstlicher Urheberschaft. Typisch sind monumentale Ausführungen an oder auch in Repräsentativbauten. Historisch diente es auch als Hoheitszeichen, etwa auf Münzen.
In der Gegenwart prangen Papstwappen im Vatikan und seinen exterritorialen Liegenschaften in großer Zahl an Kirchen, Gebäuden, Mauern, Torbögen, Brunnen, Brücken, aber auch an Laternen, Sitzbänken, am Supermarkt Anona oder in Blumenbeeten der vatikanischen Gärten. Außerhalb des Vatikans finden sie sich an etlichen Gebäuden Roms sowie anderer Städte des ehemaligen Kirchenstaats, des Weiteren weltweit etwa an päpstlichen Universitäten oder den rund 1.900 Basilicae minores. Die Ausführungen reichen von den Travertin-Reliefs und Marmorfußböden früherer Jahrhunderte über gemalte Tafeln und Wappen-Ex libris bis hin zu gärtnerisch angelegten Varianten. Am häufigsten ist im Vatikan das Wappen von Pius XI. vertreten. Ebenfalls anzutreffen ist das Wappen auf wichtigen Schriftstücken wie Dekreten oder Enzykliken, aber auch im Briefkopf gewöhnlicher päpstlicher Schreiben. Auch auf im Vatikan verkauften Souvenirs wie Parfüm oder Badesalz wird es angebracht.[16]
Neben dem Papst ist nur eine einzige weitere Person zur Verwendung des päpstliche Wappens berechtigt: Der Präfekt des Päpstlichen Hauses darf den Schild als Teilmotiv in sein eigenes Wappen integrieren. So zeigte das Erzbischofswappen Georg Gänsweins bis 2013 das Wappen von Papst Benedikt XVI., danach bis 2023 das Wappen von Papst Franziskus.
- Wappen von Clemens XII. an den Kapitolinischen Museen
- Wappen von Hadrian VI. auf einem Majolika-Teller
- Wappen von Papst Franziskus in den vatikanischen Gärten
- Wappen von Benedikt XVI. an einer Basilica minor
- Fabelwappen von Gregor dem Großen (590–604) in einem Buch
Heraldische Gestaltung
Wappenbild
Die gemeinen Figuren im Schild legt der Papst zu Beginn des Pontifikats fest. Häufig greifen sie solche aus dem zuvor geführten Bischofs- bzw. Kardinalswappen des Pontifex auf, mitunter werden aber auch neue Elemente hinzugefügt. Verbreitet sind Bezugnahmen auf:
- Die Herkunft des Papstes: Die historisch meisten Päpste verwendeten im Schild des Papstwappens einfach ihr Familienwappen – meist ausschließlich, mitunter (wie im Fall von Alexander VI.) leicht abgewandelt. Pius XII. spielte mit der Friedenstaube im Wappen nach verbreiteter Ansicht auf seinen bürgerlichen Familiennamen „Pacelli“ (pax coeli „Himmelsfrieden“) an, Paul VI. mit der Figur des Sechsbergs auf seinen Familiennamen „Montini“.


- Die vormalige Diözese des Papstes: So führten etwa Johannes XXIII. und Johannes Paul I., die zuvor Patriarch von Venedig waren, den Markuslöwen im Wappen, Benedikt XVI. den Freisinger Mohr und den Korbiniansbären.
- Den Orden, dem der Papst zuvor angehört hatte. Das Wappen von Franziskus enthielt das IHS-Monogramm der Jesuiten, das von Leo XIV. zeigt ein von einem Pfeil durchbohrtes Herz, das als Emblem des Augustinerordens gilt.[17]


- Theologische Bekenntnisse, Ideale, politische Ziele wie Frieden (Taube bei Innozenz X. und Pius XII., PAX-Schriftzug bei Pius VII.), Glaube (Kreuz bei Pius VII. und Johannes Paul II., Kelch bei Gregor XVI.), Hoffnung (Anker bei Pius X.). Die Lilie steht meist als Symbol für die Jungfräulichkeit Mariens, soll bei einigen Päpsten aber auch deren Bezug zu Frankreich betonen. Häufig anzutreffen ist auch der Drei- oder Sechsberg, der auf Petrus, den Fels, als Fundament der Kirche verweist (Mt 16,18). Für den ebenfalls stark verbreiteten Stern gibt es verschiedene Deutungen (Stern von Bethlehem, Maria als „Meerstern“ etc.). Johannes Paul I. brachte durch Kombination von Elementen aus den Wappen von Johannes XXIII. (Markuslöwe) und Paul VI. (Sechsberg) seine Wertschätzung für seine beiden Vorgänger zum Ausdruck, deren Namen er auch in seinem Papstnamen kombinierte. Johannes Paul II. unterstrich mit dem schlichten Buchstaben „M“ im Wappen seine Verehrung für die Gottesmutter Maria, Benedikt XVI. mit der Muschel seine Bewunderung für den Theologen Augustinus.
Hut
Traditioneller Hut des Papstwappens war die Tiara. Die Papstwappen von Benedikt XVI. und seinen Nachfolgern zeigen stattdessen eine Mitra. Seit Johannes Paul II. verschwinden die Infuln der Tiara bzw. Mitra nicht mehr weitgehend hinter dem Wappenschild, sondern ragen seitlich augenfällig hervor.
Schlüssel
Ein weiteres Prachtstück der Papstwappen sind die Schlüssel Petri. Seit dem 15. Jahrhundert ist die häufigste Darstellungsart die Hinterlegung des Wappenschildes mit den gekreuzten Schlüsseln. Anders als beim Staatswappen der Vatikanstadt, zeigt der goldene Schlüssel in modernen Papstwappen nach (heraldisch) rechts. Wie im Wappen der Vatikanstadt, jedoch anders als in dem des Heiligen Stuhls, hängen die quastenbesetzten Enden der roten Kordel von den Reiden der Schlüssel lose herunter.
Wahlspruch
Franziskus und Leo XIV. brachten erstmals unter ihren Papstwappen ihren Wahlspruch an, so bei Franziskus Miserando atque eligendo (lateinisch für indem er [Christus] sich erbarmte und auswählte[18]).
Siehe auch
- Erläuterung der Papstwappen von Benedikt XVI., Franziskus, Leo XIV.
- Wappen des Papsttums
Literatur
- Donald Lindsay Galbreath: A Treatise on Ecclesiastical Heraldry. Part I. Papal Heraldry. Heffer & Sons, Cambridge 1930; von G. Briggs überarbeitete Ausgabe u.d.T. Papal Heraldry. Heraldry Today, London 1972. Digitalisat
- Bruno Bernhard Heim: Wappenbrauch und Wappenrecht in der Kirche. Walter, Olten 1947, v. a. S. 128–132. Überarbeitete englische Ausgabe u.d.T. Heraldry in the Catholic Church. Van Duren, Gerrads Cross 1978. Digitalisat
- Simon Petrus: Heraldisches Handbuch der katholischen Kirche. Battenberg, Regenstauf 2016, ISBN 978-3-86646-128-4.