Parade (Album)

Album von Prince and The Revolution From Wikipedia, the free encyclopedia

Parade ist das achte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es entstand mit seiner Begleitband The Revolution und erschien am 31. März 1986 bei Paisley Park Records / Warner Bros. Records. Das Album dient als Soundtrack zu Prince’ Film Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond. Musikalisch ist es dem Contemporary R&B, Funk, Pop und Rock zuzuordnen; die Liedtexte behandeln vorwiegend Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen. Als Gastmusiker wirkten Clare Fischer, Jonathan Melvoin, Susannah Melvoin und Sheila E. mit. Parade war das letzte Album, das Prince mit The Revolution aufnahm.

Veröffent-
lichung

31. März 1986

Aufnahme

16. April 1985 – 6. Januar 1986

Label(s)

Paisley Park Records / Warner Bros. Records

Format(e)

CD, Download, LP, MC

Schnelle Fakten Studioalbum von Prince and The Revolution, Veröffent-lichung ...
Parade
Studioalbum von Prince and The Revolution

Veröffent-
lichung

31. März 1986

Aufnahme

16. April 1985 – 6. Januar 1986

Label(s)

Paisley Park Records / Warner Bros. Records

Format(e)

CD, Download, LP, MC

Genre(s)

Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock

Titel (Anzahl)

12

Länge

40:57

Besetzung

s. Mitwirkende

Produktion

Prince

Studio(s)

Sunset Sound (Los Angeles)
Washington Avenue Warehouse (Eden Prairie)

Chronologie
Around the World in a Day
(1985)
Parade Sign “☮” the Times
(1987)
Singleauskopplungen
5. Februar 1986 Kiss
7. Mai 1986 Mountains
2. Juli 1986 Anotherloverholenyohead
4. August 1986 Girls & Boys
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Das Album war international kommerziell erfolgreich und erreichte in mehreren Ländern Gold- und Platinstatus. Zudem erzielte Kiss Platz eins der US-Singlecharts. Auch die Parade-Tournee war kommerziell erfolgreich, und 1986 trat Prince erstmals live in Deutschland und Japan auf. Musikkritiker bewerteten sowohl das Album als auch die Tour sehr positiv.

Entstehung

Prince, 1986

Nachdem Prince am 7. April 1985 die Purple-Rain-Tour im Orange Bowl Stadium in Miami beendet hatte, begann er neun Tage später im Studio 3 der Sunset Sound Studios in Los Angeles mit den Aufnahmen zu Parade und spielte Life Can Be So Nice ein.[1] Am folgenden Tag nahm er dort Wendy’s Parade (später in Christopher Tracy’s Parade umbenannt), New Position, I Wonder U und Under the Cherry Moon auf. Auf Anweisung von Prince wurden die Aufnahmen ohne Unterbrechung durchgeführt, wobei er die kompletten Schlagzeugspuren aller vier Stücke in einer einzigen Session einspielte. „Vier Schlagzeugspuren einfach hintereinander, alle in der ersten Aufnahme! Wir haben zwischen diesen Songs niemals etwas geschnitten, sie wurden so genommen, wie sie waren“, betonte Toningenieurin Susan Rogers (* 1956).[2] Für die Songs nutzte Prince unter anderem einen Fairlight CMI; Lisa Coleman und Wendy Melvoin steuerten Backing Vocals bei, zudem übernahm Melvoin den Hauptgesang in I Wonder U. Nach Overdubs und Abmischung nahm Prince am 19. April Others Here with Us und einen Tag später Old Friends 4 Sale auf,[3] strich beide Songs jedoch später von der Albumtitelliste. Am 21. April 1985, exakt 31 Jahre vor seinem Tod, entstand Sometimes It Snows in April.[4] Einen Tag später wurde sein Album Around the World in a Day in den USA und Großbritannien veröffentlicht.

Während Prince im Studio 3 an den Aufnahmen zu Parade arbeitete, war im benachbarten Studio 2 die Band Mazarati tätig, eine von The-Revolution-Bassist Brown Mark gegründete Gruppe, deren Produzent er war. Dort arbeitete auch Toningenieur David Z. Rivkin (* 1953), der ältere Bruder von The-Revolution-Schlagzeuger Bobby Z. Rivkin. Mazarati fragte Prince, ob er einen Song für sie schreiben könne. Daraufhin nahm Prince am 27. April 1985 Kiss auf – jedoch in einer Version mit ausschließlich Akustikgitarren – und gab den Song an die Band weiter.[5] Brown Mark und die Toningenieure Coke Johnson und David Z. Rivkin überarbeiteten die Version umfassend und fügten Drumcomputer, E-Bass, Klavier sowie Gesang von Mazarati hinzu. Am nächsten Tag bearbeitete Prince die Version erneut; er entfernte den E-Bass, fügte Gitarrenlicks hinzu und übernahm – in einer Oktave höher – den Gesang. Rivkin wurde schließlich als Arrangeur genannt. Am 28. April nahm Prince All My Dreams auf, am 1. Mai 1985 überarbeitete er Velvet Kitty Cat, ein bereits 1983 komponiertes Stück.[6] Beide Songs blieben zu seinen Lebzeiten unveröffentlicht; die Version von Velvet Kitty Cat unterscheidet sich von jener auf Purple Rain Deluxe (2017).[7]

Am 1. Mai 1985 stellte Prince Warner Bros. Records eine Rohfassung von Parade mit folgender Tracklist vor:[8]

Weitere Informationen #, Titel ...
# Titel Veröffentlichung
01 Wendy’s Parade 1986: Parade (in Christopher Tracy’s Parade umbenannt)
02 New Position 1986: Parade
03 I Wonder U 1986: Parade
04 Under the Cherry Moon 1986: Parade
05 Others Here with Us bis heute (2026) unveröffentlicht
06 Life Can Be So Nice 1986: Parade
07 Velvet Kitty Cat bis heute (2026) unveröffentlicht
08 Sometimes It Snows in April 1986: Parade
09 Kiss 1986: Parade
10 Old Friends 4 Sale 1999: The Vault … Old Friends 4 Sale
11 All My Dreams 2020: Sign o’ the Times Super Deluxe
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Prince, 1986

Während seines Aufenthalts in Los Angeles arrangierte Quincy Jones ein Treffen zwischen Prince und Michael Jackson. Jones, der 1982 Jacksons Album Thriller produziert hatte, hielt ein Kennenlernen der beiden damals kommerziell sehr erfolgreichen Musiker für sinnvoll. Das Treffen fand bei einem Abendessen in Jacksons damaligem Haus in Encino (Los Angeles) statt. Der Schriftsteller Quincy Troupe beschrieb die Begegnung folgendermaßen: „Es war ein merkwürdiges Gipfeltreffen. […] Die beiden hockten da, musterten sich gegenseitig, sprachen aber sehr wenig. Es war eine faszinierende Pattsituation zwischen zwei sehr mächtigen Typen.“[9] Eine Zusammenarbeit zwischen Prince und Jackson kam jedoch nicht zustande.

Nach seiner Rückkehr nach Minneapolis schickte Prince dem Arrangeur Clare Fischer eine Kassette mit der Aufschrift „Marx Brothers Project“. Dabei handelte es sich um das Album Parade ohne Instrumentierung, wie Fischers Sohn Brent Fischer (* 1964) nach Prince’ Tod 2016 erklärte.[10] Mit Ausnahme von Girls & Boys, Kiss und Mountains ergänzte Clare Fischer sämtliche Stücke um Blas- und Streichinstrumente, die von Studiomusikern wie Allen Vizzutti, Árni Egilsson, Bill Watrous, Chuck Domanico, Don Palmer, Garnett Brown, Gary Foster, Gene Cipriano, Jack Nimitz und John Clark eingespielt wurden. Prince übernahm jedoch nur einen Teil dieser Arrangements und verwendete Fischers Beiträge letztlich bei sechs Songs des Albums.

Im Juli und August 1985 setzte Prince die Arbeiten an Parade im Washington Avenue Warehouse in Eden Prairie (Minnesota) fort und arbeitete mit den Geschwistern Melvoin. Am 8. Juli nahm er Girls & Boys auf, an dem Susannah Melvoin, die Zwillingsschwester von Wendy Melvoin, als Begleitsängerin mitwirkte.[11] Ein bereits 1984 komponiertes, unbetiteltes Klavierinstrumental nahm Prince am 11. Juli unter dem Titel Venus de Milo auf; Sheila E. spielte Schlagzeug. Drei Tage später entstand Do U Lie?, bei dem Jonathan Melvoin (* 1961; † 1996) Schlagzeug spielte, während Wendy Melvoin und Lisa Coleman die Backing Vocals übernahmen.[12]

Am 30. November 1985 überarbeitete Prince im Washington Avenue Warehouse das Stück Mountains, das Lisa Coleman und Wendy Melvoin zwei Wochen zuvor ohne seinen Einfluss als Instrumentalstück komponiert hatten.[13][14] Den letzten Song für Parade nahm er am 16. Dezember 1985 im Sunset Sound auf: Anotherloverholenyohead. Zwischen den Aufnahmen von April bis Dezember 1985 arbeitete Prince zudem immer wieder in Frankreich an seinem Film Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond, bei dem er selbst Regie führte.[15]

Am 6. Januar 1986 vollendete Prince das Album Parade im Sunset Sound in Los Angeles.[16] Alle Songs wurden von Prince und The Revolution produziert, arrangiert, komponiert und vorgetragen, wobei alle Bandmitglieder lediglich in Mountains mitwirkten. Bei den Songs Christopher Tracy’s Parade und Under the Cherry Moon gab Prince auch seinen Vater John L. Nelson (* 1916; † 2001) als Mitkomponisten an, ohne dessen Beitrag genauer zu spezifizieren.

Kurz vor der Veröffentlichung von Parade im März 1986 hatte Prince noch keine endgültige Tracklist festgelegt. Er beauftragte unter anderem Saxofonist Eric Leeds damit, eine geeignete Reihenfolge der Songs zu erstellen. „Zuallererst schmiss ich Kiss runter. Ich fand, der Song war eine Nullnummer. Er war mir damals egal und ist es bis heute. Prince hat nicht auf mich gehört. Das zeigt, wie viel Ahnung ich von Pop-Musik habe!“, sagte Leeds selbstironisch nach Prince’ Tod im Jahr 2016.[17][18]

Prince bezeichnete 1986 Parade selbst als „Katastrophe“. Abgesehen von Kiss fand er keinen Song besonders gelungen. Er erklärte, die Versuchung sei groß gewesen, sofort ein weiteres Album aufzunehmen, doch er habe zu früh nach Around the World in a Day begonnen und nicht genug Material parat gehabt. Diesen Fehler wolle er nicht wiederholen.[19]

Gestaltung des Covers

Das Albumcover zeigt auf der Vorderseite ein Schwarzweiß-Porträt von Prince mit erhobenen Händen, nach innen gekehrten Handflächen und gespreizten Fingern. Der Blick richtet sich frontal zur Kamera.[20] Er trägt ein Top mit vier mittig verlaufenden, senkrecht angeordneten Knöpfen. Das Rückseitenfoto ähnelt der Vorderseite; Prince ist mit geschlossenen Augen zu sehen, wie er im Begriff ist, das Top auszuziehen. Dabei wird eine Halskette mit einem Kreuz sichtbar.

Fotograf war der US-Amerikaner Jeff Katz (* 1960), der die Aufnahmen im September 1985 machte und bis 1996 mit Prince zusammenarbeitete. Katz wusste zunächst nicht, dass das Foto als Cover für Parade verwendet werden würde; es habe nie eine Anweisung gegeben, ein Albumcover zu erstellen, erklärte er. Prince habe nie angegeben, welche Fotos für welchen Zweck verwendet werden sollten.[21]

Das LP-Cover ist als Klappcover gestaltet. Auf der Innenseite und der LP-Innenhülle sind ebenfalls Schwarzweiß-Collagen aus Fotografien der Bandmitglieder und Filmszenen aus Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond abgebildet.

Im CD-Booklet fehlt die Collage der LP-Innenhülle; die Vorder- und Rückseitenfotos sind dagegen als Relief abgebildet. Die Liedtexte von Parade fehlen sowohl im CD-Booklet als auch in der LP-Ausgabe.

Musik und Liedtexte

Albumsongs

Sheila E., 1985

Die Musik verbindet stilistisch Contemporary R&B, Funk, Pop und Rock und weist zudem Balladen- sowie Jazz-Einflüsse auf. Als Gastmusiker wirken die Geschwister Jonathan Melvoin und Susannah Melvoin sowie Sheila E. mit. In sechs Songs – Anotherloverholenyohead, Christopher Tracy’s Parade, Do U Lie?, I Wonder U, New Position und Under the Cherry Moon – kommt ein 67-köpfiges Orchester unter der Leitung von Clare Fischer zum Einsatz,[22][23][24] in dem unter anderem Streicher, Blech- und Holzblasinstrumente sowie Perkussion zu hören sind. Im Gegensatz zu diesen orchestrierten Stücken arrangierte Prince die übrigen Songs deutlich sparsamer; Kiss und New Position zählen zu den am minimalistischsten arrangierten Werken seiner Karriere.[25]

Die Liedtexte thematisieren vorwiegend Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen und sind stellenweise leicht spirituell geprägt. Während das Thema Sex auf früheren Alben einen zentralen Stellenwert in Prince’ Liedtexten einnahm, erscheint es auf Parade ausschließlich im Kontext enger Liebesbeziehungen. Prince vermittelt dabei die Überzeugung, dass Liebe – und nicht Sex – die Essenz des Lebens darstellt.

Nur die Liedtexte der vier Songs Christopher Tracy’s Parade, Girls & Boys, Sometimes It Snows in April und Under the Cherry Moon nehmen direkten Bezug auf die Handlung des Films Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond, der im Juli 1986 in den US-Kinos anlief. Neben seinem charakteristischen Falsettgesang nutzt Prince auf Parade auch tiefere Stimmlagen.

  1. Christopher Tracy’s Parade
    Der Opener kann als eine Art Ouvertüre des Albums verstanden werden. Der Song verfügt über eine fröhlich wirkende Melodie, die auf einem stampfenden Marsch-Beat basiert. Das von Clare Fischer geleitete Orchester, bei dem Flöten, Trompeten und Streicher im Vordergrund stehen, dominiert das Arrangement, das stellenweise jedoch etwas unübersichtlich wirkt. „Christopher Tracy“ ist der von Prince verkörperte Protagonist des Films Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond; außerhalb des Filmkontextes lässt sich der Liedtext als Botschaft über die Bedeutung einer positiven Lebenseinstellung interpretieren.[25][26]
  2. New Position
    Der minimalistisch arrangierte Song ist dem Funk- und Popbereich zuzuordnen. Das Stück verzichtet auf Gitarren und Keyboard und ist um einen schnell gespielten E-Bass aufgebaut, wobei eine Caribbean Steel Pan das Arrangement belebt. Der Protagonist des Liedtexts beklagt gegenüber seiner Geliebten eine festgefahrene Routine und propagiert als Ausweg, „eine neue Position auszuprobieren“, um die Lebenssituation zu verbessern, bevor es zu spät ist. Er schlägt vor, die Beziehung zu erneuern, indem beide „im Fluss des Lebens fischen“.[25][26]
  3. I Wonder U
    Die Melodie beschränkt sich auf lediglich drei Noten. Das von Clare Fischer geleitete Orchester steht im Mittelpunkt des Arrangements; die Gesamttextur ist ähnlich wie bei Christopher Tracy’s Parade gestaltet. I Wonder U enthält nur wenig Liedtext, der das Staunen über die bloße Anwesenheit des Geliebten thematisiert.[25][26]
  4. Under the Cherry Moon
    Die Ballade ist dem Popgenre zuzuordnen und besitzt eine melancholische Melodie, die in ihrer Dramatik stellenweise an Bühnenmusik erinnert. Um die am Klavier gespielte Melodie entwickelte Prince eine fließende Synthesizer-Linie; die Strophen werden von einer absteigenden Melodie umrahmt, die ein Gefühl von Tragödie vermittelt. Da der Song weder einen Refrain noch eine Bridge aufweist, besteht er aus einem einzigen melodischen Thema, das sich mit jeder Strophe wiederholt. Der Liedtext thematisiert Verdruss und Unzufriedenheit mit dem Leben. Prince singt aus der Perspektive der Filmfigur Christopher Tracy, der von Ruhelosigkeit geprägt ist und sich danach sehnt, „wegzufliegen“ und sein Schicksal zu finden; sollten sich die Umstände nicht bald ändern, glaubt er, in den Armen seiner Geliebten zu sterben.[25][26]
  5. Girls & Boys
    Der Song ist dem Funkgenre zuzuordnen und besitzt eine von einer rhythmischen Keyboard-Figur geprägte Melodie. Eric Leeds setzt mit dem Baritonsaxophon markante Akzente, die von Roland-Gitarrensynthesizer-Phrasen unterstützt werden. Der Liedtext erzählt die Geschichte eines attraktiven Paares, das füreinander bestimmt ist und dabei Motive aus Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond aufgreift. Die beiden kennen sich erst seit kurzem und küssen sich auf den Stufen des Schlosses Versailles, doch die Frau ist „einem anderen Mann versprochen“, weshalb der Mann – ähnlich den Hauptfiguren des Films – versucht, „nicht verrückt zu werden“, da sie einen anderen heiraten soll. Prince trägt den Liedtext unter anderem im Sprechgesang vor. Der französischsprachige Monolog wird von Marie-France Drouin unter ihrem Pseudonym „Marie France“ gesprochen; im Refrain singt Prince mit „Vous êtes très belle“ („Du bist wunderschön“) ebenfalls einen Satz auf Französisch.[25][26][27]
  6. Life Can Be So Nice
    Das Stück gilt als der am wenigsten zugängliche Song des Albums und wirkt hektisch sowie dissonant. Ein monotones Flötenmotiv, das den gesamten Song hindurch wiederholt wird, steht im Zentrum des Arrangements. Der Liedtext thematisiert das positive Gefühl des Verliebtseins.[25][26]
  7. Venus de Milo
    Das ruhige Instrumentalstück enthält ein Streicherarrangement von Clare Fischer, das Prince’ Klavierspiel unterstützt. Die Komposition wirkt zeitlos und besitzt einen trägen Charakter, der zugleich Romantik und Dramatik vermittelt.[25] Der Titel bezieht sich auf die Skulptur Venus von Milo im Louvre.
  8. Mountains
    Der Song ist dem Funkgenre zuzuordnen und weist Einflüsse des Psychedelic Rock der 1960er Jahre auf. Prince nahm das Stück mit einem Drumcomputer auf; ein schwungvolles Horn-Riff erinnert an Earth, Wind and Fire. Mountains bietet insgesamt nur wenig harmonische oder rhythmische Abwechslung, da Prince durchgehend auf einem Grundakkord mit einem Sitar-ähnlichen Instrument spielt. Gegen Ende entwickelt sich der Song zu einem teils verwirrenden polyrhythmischen Experiment, da Prince ein zweites Schlagzeugmuster über den Hauptbeat legt. Der Liedtext ist eine Parabel über die Macht der Liebe, die Angst und Verzweiflung überwindet. Prince erzählt von einer Person, die „in einem Land namens Fantasy“ lebt, umgeben von 17 Bergen, die vom Meer umschlossen werden. Zudem vermittelt er, dass die Quelle unserer Ängste oft in uns selbst liegt und nicht in äußeren Kräften, die wir als gegen uns gerichtet wahrnehmen. Die Liebe wird diese scheinbar unüberwindbaren Hindernisse jedoch besiegen, sofern ausreichend Vertrauen vorhanden ist.[25][26]
  9. Do U Lie?
    Das schwungvolle Stück enthält Akkordeon-Spiel und einen jazzigen Swing-Rhythmus, wodurch Do U Lie? an die französische Chanson-Tradition erinnert. Prince’ Stimme wirkt teilweise affektiert und melodramatisch, sodass der Song eher einer Parodie als ernsthaftem Songwriting gleicht. Den französischen Einleitungssatz „Les enfants qui mentent ne vont pas au paradis“ („Kinder, die lügen, kommen nicht in den Himmel“) spricht Sandra Francisco, über die öffentlich kaum Informationen vorliegen. Der Liedtext offenbart Prince’ Unsicherheit in seiner Beziehung zu seiner Geliebten. Voller Zweifel fragt er sich, ob ihre Tränen echt oder nur eine weitere Form von Lügen sind; Antworten auf seine Fragen erhält er nicht.[25][26]
  10. Kiss
    Der Song ist den Genres Funk, Pop und R&B zuzuordnen. Prince entwickelte einen markant funkigen Groove, den er mit Drumcomputer und akustischen Gitarren erzeugte. In der zweiten Strophe ergänzt ein Keyboard-Part, in der dritten eine Rhythmusgitarre das Arrangement. Kiss besitzt keinen ausgeprägten Refrain und basiert auf einer traditionellen Dreiklangs-Blues-Sequenz. Am Anfang und Ende jeder Strophe fügte Prince einen „Turnaround“-Gitarrenakkord ein, entlehnt dem Song Papa’s Got a Brand New Bag (1965) von James Brown. Ein E-Bass ist nicht vorhanden. Prince singt den Liedtext in seinem charakteristischen Falsett an eine ungenannte Geliebte, die weder schön, erfahren, wohlhabend noch cool sein muss, um sein Begehren zu wecken. Statt sie als Objekt zu behandeln, lässt er sie wissen, dass beide „die Fantasie des anderen“ sein könnten. Zudem stellt Prince klar, dass er nicht an Dirty Talk oder anderen Spielen interessiert ist, da „Frauen, nicht Mädchen“ seine Welt bestimmen.[25][26]
  11. Anotherloverholenyohead
    Der Titel steht für „Another Lover Hold on Your Head“ und ist dem Bereich Rockmusik zuzuordnen. Prince komponierte den Song in Moll um eine Klavier-Akkordfolge, obwohl das Arrangement von einem Roland-Gitarrensynthesizer und einem Drumcomputer dominiert wird. Clare Fischers Streicher setzen während einer instrumentalen Pause ein, als Prince „Solo, Solo“ sagt. Der Liedtext handelt von einem Mann, der seine Geliebte zurückzugewinnen versucht, die ihn für einen anderen verlassen will.[25][26]
  12. Sometimes It Snows in April
    Das ruhige Stück setzt auf eine ausdrucksstarke Melodie, wobei Lisa Colemans Klavierspiel und Wendy Melvoins sparsame akustische Gitarrenbegleitung eine intime Atmosphäre schaffen. Auf Schlagzeug wird verzichtet. Der Liedtext ist Prince’ Klagegedicht für die Filmfigur Christopher Tracy. Der Satz „Manchmal schneit es im April“ verweist darauf, dass selbst in besten Zeiten Unglück eintreten kann. In seiner Trauer wünscht Prince, dass das Leben ewig weitergeht, erkennt jedoch: „Alle guten Dinge sind nie von Dauer“. Er reflektiert, ob der Tod von Christopher Tracy – Prince wird im Film als Hauptdarsteller erschossen – erklärt, warum Trauer existiert, und fragt sich zudem, ob er seinen Freund eines Tages im Jenseits wiedersehen wird. Der Satz „sometimes it snows in april“ wurde im Zusammenhang mit Prince’ Tod am 21. April 2016 häufig von Massenmedien zitiert.[25][26][28]

Die B-Seiten

  1. Love or Money
    Den als B-Seite von Kiss veröffentlichten Song nahm Prince zusammen mit Alexa de Paris und Girls & Boys am 8. Juli 1986 im Washington Avenue Warehouse in Eden Prairie auf.[11] Er stilisierte den Titel zu ♥ or $, entlehnt dem gleichnamigen Stück von Joni Mitchell auf ihrem Livealbum Miles of Aisles (1974). Der Song ist ein Ein-Akkord-Funk-Stück, das von einem pumpenden E-Bass angetrieben wird; Lisa Coleman und Wendy Melvoin wiederholen die Titelphrase durchgehend, während Eric Leeds Saxophonakzente setzt. Prince singt den Liedtext in leicht beschleunigter Stimme, die normal klingt, wenn der Track mit 33 statt 45 Umdrehungen pro Minute abgespielt wird. Er fragt, ob seine Geliebte ihn aus Liebe oder wegen seines Geldes begehrt. Der Song ist zudem im Film Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond zu hören. In einem Interview von 1997 erklärte Prince, er habe den Liedtext „für die Figur Mary Sharon“ geschrieben, die im Film von Kristin Scott Thomas verkörpert wird. 1987 erhielt Love or Money den Negativpreis Goldene Himbeere als „Schlechtester Filmsong“. Das Stück erschien nicht auf der Kompilation The Hits/The B-Sides (1993); eine offizielle Begründung liegt nicht vor.[29][30]
  2. Alexa de Paris
    Das Instrumentalstück ist ebenfalls im Film Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond zu hören und erschien als B-Seite der im Mai 1986 ausgekoppelten Single Mountains. Das komplexe, teils dramatische Rock-Stück ist im Midtempo gehalten; Prince improvisiert auf der Gitarre um ein Hauptthema, das auf einem Synthesizer erklingt. Die Musik beginnt ruhig und gemächlich, steigert aber ihre Intensität durch zunehmende Instrumentierung; Clare Fischers Orchester fügt ein bedrohliches Element hinzu, während ein Arpeggio-Synthesizer- und Streicherpart in den zweiten Abschnitt überleitet. Das Tempo steigt, während der E-Bass treibender wird und das Schlagzeug aktiver einsetzt. Prince startet ein Gitarrensolo, Sheila E. spielt ein kurzes Schlagzeugsolo, bevor das Hauptthema wiederkehrt. Den Songtitel „Alexa de Paris“ benannte Prince nach Alexa Fioroni, die heute (2026) Alexa Fioroni Slaughter heißt. 1986 studierte die damals 16-Jährige in Paris und war die Nichte von Prince’ Manager Steve Fargnoli († 2001). Alexa de Paris erschien ebenfalls nicht auf The Hits/The B-Sides.[29]

Titelliste und Veröffentlichungen

Weitere Informationen #, Titel ...
# Titel Dauer
01 Christopher Tracy’s Parade a 2:11
02 New Position 2:20
03 I Wonder U (Hauptgesang: Wendy Melvoin) 1:39
04 Under the Cherry Moon a 2:57
05 Girls & Boys 5:29
06 Life Can Be So Nice 3:12
07 Venus de Milo 1:52
08 Mountains b 3:57
09 Do U Lie? 2:43
10 Kiss c 3:37
11 Anotherloverholenyohead 3:59
12 Sometimes It Snows in April b 6:48
Spieldauer: 40:57 min.
Autor aller Songs ist Prince
a 
Autoren: Prince und John L. Nelson
c 
Arrangement: David Z. Rivkin
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Parade erschien am 31. März 1986 in den USA.[31] Das Album wurde zunächst auf LP und MC veröffentlicht, später auch auf CD und als Download.

Singles

Vom Album wurden vier Singles ausgekoppelt: Kiss erschien am 5. Februar 1986; die Singleversion (3:46 Minuten) ist neun Sekunden länger als die Albumversion. Die Albumversion geht nahtlos in den folgenden Song Anotherloverholenyohead über, sodass die letzten Sekunden nicht ausgespielt werden. Als B-Seite diente der zuvor unveröffentlichte Song ♥ or $.[32] Am 7. Mai 1986 erschien Mountains als Single; die B-Seite Alexa de Paris war zuvor ebenfalls unveröffentlicht.[33]

Am 2. Juli 1986 erschien in Nordamerika die Single Anotherloverholenyohead mit einer gekürzten Spielzeit von 3:23 Minuten. Die B-Seite ist eine verkürzte Version von Girls & Boys; außerhalb Nordamerikas wurde stattdessen I Wanna Be Your Lover vom Album Prince verwendet. Die Editionen unterscheiden sich zudem im Artwork. Am 4. August 1986 erschien in Europa die vierte Single Girls & Boys mit einer gekürzten Spielzeit von 3:27 Minuten. Die B-Seite enthält Under the Cherry Moon.

Musikvideos

Innenraum der Culver Studios, 2012

Prince veröffentlichte vier Musikvideos zu Songs des Albums Parade: Kiss, Mountains, Anotherloverholenyohead und Girls & Boys. Das Video zu Girls & Boys führte Prince selbst als Regisseur am 20. und 22. November 1985 im Studio de la Victorine in Nizza; zu dieser Zeit drehte er auch seinen Film Under the Cherry Moon – Unter dem Kirschmond in Frankreich. Das Video zeigt vorwiegend die Filmszene, in der Prince mit The Revolution den Song aufführt. Die ergänzenden Szenen wurden ebenfalls während der Dreharbeiten von Under the Cherry Moon aufgenommen.[34][35]

Das Musikvideo zu Kiss entstand am 13. Februar 1986 in den Laird International Studios (heute Culver Studios) in Culver City, Kalifornien.[36] Zu sehen sind Prince, Wendy Melvoin und das niederländische Model Monique Mannen (* 1965). Prince singt und tanzt, während Melvoin auf einem Barhocker Gitarre spielt. Mannen erscheint in schwarzer Unterwäsche, mit Spitzenumhang und schwarzer Sonnenbrille. Für ihren Auftritt erhielt sie 2.500 US-Dollar (umgerechnet rund 2.700 Euro) und trat 1990 auch als Tänzerin im Prince-Film Graffiti Bridge auf.[37] Regisseurin war erstmals Rebecca Blake (* 1949),[34][38] die später auch die Videos zu Cream und Diamonds and Pearls (1991) betreute.

Das Musikvideo zu Mountains entstand am 9. April 1986 ebenfalls im Studio de la Victorine in Nizza.[39] Regie führte erneut Prince; nach America (1985) sind Girls & Boys und Mountains seine zweiten und dritten Musikvideos, die außerhalb der USA produziert wurden. Die Liveversion von Anotherloverholenyohead entstand am 7. Juni 1986 – Prince’ 28. Geburtstag – bei einem Konzert mit The Revolution in der Cobo Arena in Detroit.[34] Regie führte Daniel Kleinman, der die Konzertaufnahme nach Prince’ Tod beschrieb: „Die schwierigste Person, mit der ich je gearbeitet habe, war zweifellos Prince – weit schlimmer als alle anderen. Er war ein fieser kleiner Kerl. Er kommunizierte mit mir nur über Notizen und schickte Anweisungen wie: ‘Sorge dafür, dass du eine Nahaufnahme des Keyboarders bei diesem Song bekommst’. Das war total verrückt; ich glaube, er war ein wenig soziopathisch.“[40]

Coverversionen

Mehrere Musiker nahmen Coverversionen der Albumsongs auf,[41][42][43] wobei Kiss am häufigsten neu interpretiert wurde. Zu den Interpreten gehören Sabrina Salerno (1987), Art of Noise feat. Tom Jones (1988), Bob Belden (1993), Royal Philharmonic Orchestra (1995), Niels Lan Doky (1998), Rodney Carrington (1998), Santi Debriano (1999), Max Raabe feat. Palast Orchester (2001), The Ukulele Orchestra of Great Britain (2001), Texas Lightning (2002), Richard Thompson (2003), Siggi Schwarz (2004), Nicole Kidman mit Hugh Jackman (2006), Nubya (2007), Uwe Schmidt als „Señor Coconut“ (2008), Aurea (2011), Finn. (2011), Glee Cast feat. Gwyneth Paltrow (2011), David Helbock (2012), Maroon 5 (2012), Lisa Wahlandt (2013), London Grammar (2017), Joan as Police Woman (2019), George Lynch & Jeff Pilson (2020), Popa Chubby (2020) und Vitamin String Quartet (2023).

Under the Cherry Moon wurde von Simian (2001), Katie Melua (2007), Jacobien Vlasman Quintett (2008), Morten Qvenild (2008) und Chris Brokaw (2017) gecovert. Girls & Boys coverten David Garza (1998), Marcus Miller feat. Macy Gray (2005) und The Dynamics (2007). Do U Lie? interpretierten Noël Akchoté (2011) und Bruce Harris (2017), während Pietro Tonolo und Riccardo Zegna 1995 eine Version mit dem Titel Do U Lie 4 Me aufnahmen. Sometimes It Snows in April coverten Patricia Kaas (1996), Montezuma’s Revenge (1998), Sanne Salomonsen mit Chris Minh Doky (1998), Soulounge feat. Astrid North (2003), Erika Stucky (2005), das Orchestre National de Jazz mit Franck Tortiller (2007), Oz Noy (2007), Knut Reiersrud (2008), Stargate & Espen Lind (2008), Lloyd Cole (2016), Meshell Ndegeocello (2018), SuRie (2019) sowie Pose Cast feat. Sandra Bernhard, Ryan Jamaal Swain, Hailie Sahar & Dyllón Burnside (2019). Bart Peeters nahm 2002 mit Soms Sneeuwt Het in De Lente zudem eine Version in flämischer Sprache auf.

Mitwirkende

Musiker

Alle Songs wurden von Prince arrangiert, komponiert, produziert und gesungen. Er spielte zudem alle Musikinstrumente selbst, ergänzt durch folgende Musiker:[44][45]

  • Atlanta Bliss – Trompete in Girls & Boys, Mountains
  • Bobby Z. – Perkussion und Schlagzeug in Anotherloverholenyohead, Girls & Boys, Mountains
  • Brown Mark – Backing Vocals und E-Bass in Anotherloverholenyohead, Girls & Boys, Mountains
  • Dr. Fink – Keyboard in Anotherloverholenyohead, Girls & Boys, Mountains
  • Eric Leeds – Saxophon in Girls & Boys, Mountains
  • Jonathan Melvoin – Schlagzeug in Do U Lie?
  • Lisa Coleman – Backing Vocals in Christopher Tracy’s Parade, I Wonder U, Life Can Be So Nice, New Position; Backing Vocals und Keyboard in Anotherloverholenyohead, Girls & Boys, Mountains, Sometimes It Snows in April
  • Marie-France Drouin (als „Marie France“) – “The French Seduction” (französisch gesprochener Satz) in Girls & Boys
  • Mazarati – Backing Vocals in Kiss
  • Miko Weaver – Rhythmusgitarrist in Mountains
  • Sandra Francisco – “Little Gypsy Girl” (französisch gesprochener Satz) in Do U Lie?
  • Sheila E. – Backing Vocals in Girls & Boys; Cowbells in Life Can Be So Nice; Schlagzeug in Venus de Milo
  • Susannah Melvoin – Backing Vocals in Anotherloverholenyohead, Christopher Tracy’s Parade, Girls & Boys, Mountains
  • Wendy MelvoinAkustische Gitarre und Backing Vocals in Anotherloverholenyohead, Girls & Boys, Mountains, Sometimes It Snows in April; Backing Vocals in Christopher Tracy’s Parade, Life Can Be So Nice, New Position; Hauptgesang in I Wonder U

Technisches Personal

  • Prince – Mixing
  • Ann Field – Collage
  • Arne Frager – Orchesteraufnahme
  • Bernie Grundman – Mastering
  • Clare Fischer – Arrangement und Komposition des 67-köpfigen Orchesters in Anotherloverholenyohead, Christopher Tracy’s Parade, Do U Lie?, I Wonder U, New Position, Under the Cherry Moon
  • Coke Johnson – Toningenieur
  • David Leonard – Toningenieur
  • David Tickle – Toningenieur
  • David Z. Rivkin – Arrangeur in Kiss, Toningenieur
  • Jeff Katz – Fotografie
  • Jeffrey Kent Ayeroff – Artdirector
  • Laura LiPuma – Artdirector
  • Peggy McCreary – Toningenieurin
  • Susan Rogers – Toningenieurin
  • Persönliches Management von Prince – Bob Cavallo (* 1939), Joseph Ruffalo, Steve Fargnoli (* 28. August 1949; † 14. September 2001)

Tournee

Schnelle Fakten Präsentationsalbum, Anfang der Tournee ...
Parade Tour
von Prince and The Revolution
Präsentationsalbum Parade
Anfang der Tournee 12. August 1986
Ende der Tournee 9. September 1986

Konzerte insgesamt
(nach Kontinent)

Konzerte insgesamt 19
Chronologie
Purple Rain Tour
(1984–1985)
Parade Tour Sign o’ the Times Tour
(1987)
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Zwischen dem 3. März und 3. August 1986 absolvierte Prince zehn US-Konzerte unter dem Motto „Hit & Run“. Die teilweise nur wenige Stunden zuvor angekündigten Shows waren ausnahmslos ausverkauft.[46]

Die Parade-Tour startete am 12. August 1986 in der Wembley Arena in London und endete am 9. September 1986 im Yokohama Stadium in Yokohama.[47] Sie umfasste 19 Konzerte in Europa und Japan, darunter Prince’ erste Auftritte in Deutschland und Japan. Die 15 europäischen Shows wurden von rund 120.000 Zuschauern besucht, die Konzertdauer variierte zwischen 100 und 120 Minuten.[48] Vorgruppen gab es weder bei der Hit-&-Run-Tour noch bei der Parade-Tour. The Revolution bestand damals aus elf Mitgliedern:[46]

  • Atlanta Bliss – Trompete
  • Bobby Z. – Schlagzeug
  • Brown Mark – Backing Vocals, E-Bass
  • Dr. Fink – Backing Vocals, Keyboard
  • Eric Leeds – Querflöte, Saxophon
  • Greg Brooks – Backing Vocals, Tänzer
  • Jerome Benton – Backing Vocals, Tänzer
  • Lisa Coleman – Backing Vocals, Keyboard
  • Miko Weaver – Backing Vocals, Gitarre
  • Wally Safford (* 1959; † 2022) – Backing Vocals, Tänzer
  • Wendy Melvoin – Akustische Gitarre, Backing Vocals, Steelpan

Gelegentlich spielte Prince während der Tour eine Coverversion von Miss You (1978) der The Rolling Stones. Ab dem 25. August 1986 führte er zudem It’s Gonna Be a Beautiful Night auf, das er später auf seinem im März 1987 erschienenen Album Sign “☮” the Times platzierte.

Das Abschlusskonzert der Parade-Tour am 9. September 1986 im 30.000 Zuschauer fassenden Yokohama Stadion in Japan markierte den letzten Auftritt von Prince mit The Revolution. Am 17. Oktober 1986 kündigte sein Management die Auflösung der Band an.[49][50]

Aftershows

Ab 1986 trat Prince gelegentlich nach den Hauptkonzerten zu Aftershows auf. Diese fanden in kleineren Clubs vor 300 bis 1.500 Zuschauern statt und verzichteten auf die aufwendigen Bühnenshows, Choreografien und Lichteffekte der Hauptkonzerte. Die Songauswahl unterschied sich, häufig ohne Top-Ten-Hits. Höhepunkte waren gelegentliche Gastauftritte bekannter Musiker.

1986 gab Prince bei drei der 15 Europakonzerte Aftershows. Die erste am 13. August im Busby’s (später Astoria) in London bot Gastauftritte von Nile Rodgers und Ron Wood. Am 14. August im The Roof Gardens spielte Eric Clapton Gitarre, und bei der letzten Show am 24. August im New Morning in Paris trat Prince’ Vater John L. Nelson auf.[47]

Rezensionen

Weitere Informationen Professionelle Bewertungen, Durchschnittsbewertung ...
Professionelle Bewertungen
Durchschnittsbewertung
Quelle Bewertung
AOTY[51] 85 %
Weitere Bewertungen
Quelle Bewertung
AllMusic[52] SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol
Musikexpress[53] SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol
Pitchfork Media[54] SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol
Rolling Stone (USA)[55] SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol
Entertainment Weekly[56] C–
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Die Kritiken zu Parade waren überwiegend sehr positiv. Die britischen Musikzeitschriften New Musical Express und The Face kürten es zum besten Album 1986, der Melody Maker platzierte es auf Rang zwei.[57] Der Musikjournalist Barry Graves schrieb in der Die Zeit, das „Feuerwerk von Déjà-vu-Effekten“ sei dem gängigen US-Hitparaden-Pop „um Lichtjahre der Phantasie überlegen“.[58] Michael Mönninger resümierte in der FAZ, man könne Prince „bei aller Amoralität“ nicht vorwerfen, „primitiv“ zu sein; für ihn müsse „der letztgültige Superlativ erst noch erfunden werden“.[58] Die Website Album of the Year (AOTY) ermittelte aus acht englischsprachigen Rezensionen eine Durchschnittsbewertung von 85 %.[51]

Die Musikjournalisten Albert Koch und Thomas Weiland vom Musikexpress vergaben die Höchstpunktzahl von sechs Sternen. Sie stellten fest, dass Parade – wäre Sign “☮” the Times nicht erschienen – als Prince-Referenzalbum gelten würde. Das Album zeige Prince und The Revolution „in einem bis dahin unerhörten Eklektizismus“, komplexe Passagen wie im Song I Wonder U seien „fantasievoll arrangiert“. Prince habe „neue Standards gesetzt“ und vieles vorweggenommen, woran er sich „in den nächsten Jahren“ orientierte. Koch und Weiland lobten, dass Parade auch 2016 „immer noch ungewöhnlich, frisch und zeitlos“ klinge.[53] In den 1980er Jahren zählte Herbert Grönemeyer bei einer Frage des Musikexpress neun Schallplatten auf, die er als Notration auf eine Insel mitnehmen würde, darunter Parade und Sign “☮” the Times.[59]

Douglas Wolk von Pitchfork Media bewertete Parade mit 9,1 von zehn Punkten und bezeichnete Prince als „genialen Autor, der genau wusste, was er wollte“. Er lobte Kiss als „brillanteste Nummer-1-Single des Jahres“ 1986, die die Hörer in den Bann des Albums zog. Der Rest zeichne sich durch „frischen, minimalistischen Funk“ aus, „roh, sparsam und unermüdlich exzentrisch“ – radikal anders als auf Purple Rain (1984), Around the World in a Day (1985) und alles andere, was 1986 erschien. Das Orchester im Opener Christopher Tracy’s Parade wirke „voll präsent und flackert zwischen Konsonanz und Dissonanz hin und her“, auch wenn Prince’ bearbeiteter Schlagzeugsound dominiert. Der Song erinnere an Being for the Benefit of Mr. Kite! (1967) von The Beatles, doch sobald „die Hörner und Flöten verklingen und der gigantische Beat pausiert“, schüttle Prince „den psychedelischen Traummantel“ von Around the World in a Day ab. Den Groove in New Position beschrieb Wolk als „noch krasser“ als in Kiss, während Do U Lie? und Sometimes It Snows in April „charmante Momente“ seien. Stücke wie das Zwischenspiel I Wonder U und das formlose Instrumental Venus de Milo bezeichnete er als „Wegwerf-Songs“. Das Herzstück seien die Dance-Tracks, „erfrischend knackig und luftig“. Insgesamt sei Parade „atemberaubend“ und klinge „immer noch frisch“.[54]

Stephen Thomas Erlewine von AllMusic vergab viereinhalb von fünf Sternen. Prince setze auf Parade „seine psychedelischen Neigungen“ fort, obwohl Around the World in a Day dafür teils negativ aufgenommen worden sei. Er wechsle jedoch „von Song zu Song die musikalischen Stimmungen und Texturen“, etwa in den ersten drei Stücken. Zudem sei „harter Funk“ in Girls & Boys, Mountains und dem „atemberaubenden“ Kiss zu hören. Die „musikalischen Abenteuer“ aller zwölf Songs – einschließlich des „Cabaret-Pop“ von Do U Lie? und Venus de Milo – untergrüben die Melodik des Albums „nicht“, was „wirklich bemerkenswert“ sei. Trotz „all dieser Attribute“ wirke Parade jedoch „ein wenig unausgeglichen“ und hätte mit Sign “☮” the Times „gleichziehen“ können, wäre es als Doppelalbum erschienen.[52]

Davitt Sigerson von der US-Ausgabe des Rolling Stone vergab ebenfalls viereinhalb von fünf Sternen und fragte, welcher Musiker außer Prince noch jene gespannte Erwartung wecke, die man früher neuen Werken von The Beatles, Bob Dylan und The Rolling Stones entgegengebracht habe. In den Arrangements von Parade werde Prince’ Vision deutlich; selbst ein „einfacher Walzer“ wie Under the Cherry Moon diene „als Vorwand für orchestrale Erfindungen“. In Kiss, New Position und insbesondere im „sensationellen“ Girls & Boys entwerfe Prince einen „sauberen, diamantharten Stil“, der jahrelange Nachahmungen nach sich ziehen könne. Zudem würden auf dem Album alle Klangbestandteile – „Gitarrenfetzen, Bläser, Schlagzeug“ und Stimme – gleichwertig behandelt, wodurch die Grenze zwischen „Basistrack“ und „Verzierung“ verschwimme. Prince erreiche so „den Effekt eines vollen Grooves“, indem er sich auf die für „das Verständnis des Hörers wesentlichen“ Elemente beschränke. Parade lasse Sex und Liebe „echt“ klingen, „vielleicht zum ersten Mal“ sogar als miteinander verwandt.[23][55]

Vereinzelt fielen die Kritiken auch negativ aus. David Browne von der Entertainment Weekly vergab auf der Skala von „A+“ bis „F“ lediglich ein „C–“. Nach seinem „schwächsten Film“ Under the Cherry Moon schwelge Prince mit seinem „ungleichmäßigsten Album“ noch tiefer in Selbstverliebtheit. Auf Parade dominierten „schwülstige Balladen und Ersatz-Kabarett“, sodass Browne nur Anotherloverholenyohead, Girls & Boys und Kiss positiv hervorhob.[56]

Auch der Stern zeigte sich enttäuscht und meinte, auf Parade sei „fast nur noch Rhythmus“ zu hören, eine „wilde Collage aus purem Drum-Sound“, die nur gelegentlich von „Saxophon-Sprengseln oder harten Piano-Einschüben“ durchbrochen werde.[60]

Kommerzieller Erfolg

Chartplatzierungen

Weitere Informationen ChartsChart­plat­zie­rungen, Höchst­platzie­rung ...
Chartplatzierungen
ChartsChart­plat­zie­rungenHöchst­platzie­rungWo­chen
 Deutschland (GfK)[61]6 (28 Wo.)28
 Österreich (Ö3)[62]7 (14 Wo.)14
 Schweiz (IFPI)[63]2 (17 Wo.)17
 Vereinigte Staaten (Billboard)[64]3 (29 Wo.)29
 Vereinigtes Königreich (OCC)[65]4 (28 Wo.)28
Jahrescharts
ChartsJahres­charts (1986)Platzie­rung
 Deutschland (GfK)[66]35
 Vereinigte Staaten (Billboard)[67]44
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Weitere Informationen Jahr, Titel ...
Jahr Titel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[68]
(Jahr, Titel, , Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
 DE  AT  CH  UK  US
1986 Kiss DE4
Gold
Gold

(18 Wo.)DE
AT8
(13 Wo.)AT
CH3
(12 Wo.)CH
UK6
Platin
Platin

(12 Wo.)UK
US1 (2)
Gold
Gold

(20 Wo.)US
US: 5. Mai 1986: Gold (1.000.000+)[69]
UK: 6. Mai 2022: Platin (600.000+)[70]
DE: Januar 2026: Gold (300.000+)
Mountains DE32
(8 Wo.)DE
UK45
(6 Wo.)UK
US23
(11 Wo.)US
Anotherloverholenyohead UK36
(3 Wo.)UK
US63
(10 Wo.)US
Girls & Boys DE27
(7 Wo.)DE
UK11
(9 Wo.)UK
USn.v.US
Nur in Europa ausgekoppelt
2016 Sometimes It Snows in April AT69
(1 Wo.)AT
CH64
(1 Wo.)CH
Charteinstieg: 1. Mai 2016
Platzierte sich postum als Download
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Zudem erreichte Sometimes It Snows in April postum im Mai 2016 Platz 14 in Frankreich, Platz 63 in den Niederlanden und Platz 90 in Portugal.[71]

Auszeichnungen für Musikverkäufe

Weitere Informationen Land/Region, Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe(Land/Region, Aus­zeich­nung, Ver­käu­fe) ...
Land/Region Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Aus­zeich­nung, Ver­käu­fe)
Ver­käu­fe
 Dänemark (IFPI) Gold10.000
 Deutschland (BVMI) Gold250.000
 Frankreich (SNEP) Platin300.000
 Japan (RIAJ) Platin200.000
 Niederlande (NVPI) Platin100.000
 Österreich (IFPI) Gold25.000
 Schweiz (IFPI) Gold25.000
 Spanien (Promusicae) Gold50.000
 Vereinigte Staaten (RIAA) Platin1.000.000
 Vereinigtes Königreich (BPI) Platin300.000
Insgesamt 5× Gold
5× Platin
2.260.000
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Hauptartikel: Prince/Auszeichnungen für Musikverkäufe

Preise

Prince wurde während der Parade-Ära mit mehreren Auszeichnungen und Preisen geehrt:

Grammy Awards

24. Februar 1987: Kiss gewann bei den Grammy Awards 1987 in der Kategorie „Best R&B Performance by a Duo or Group with Vocals“.[72]

Edison Award

3. April 1987: Parade erhielt den niederländischen Edison Award in der Kategorie „Best International Pop Album“.[73]

Minnesota Music Awards

23. April 1987: Prince gewann insgesamt elf Kategorien, darunter „Funk Male Vocals“, „Performing Solo Artist“, „Recording Solo Artist“ und „Rock Mainstream Guitar“.[73]

ASCAP Pop Music Awards

15. Mai 1991: Kiss erhielt einen ASCAP Pop Music Award in der Kategorie „Most performed Songs from 1 Oct. ‘89 to 30 Sep. ‘90“, da der Song 1990 im Film Pretty Woman zu hören ist, gesungen von Julia Roberts.[74]

Rolling Stone

2021 listete das US-Musikmagazin Rolling Stone Kiss auf Platz 85 der Die 500 besten Songs aller Zeiten.[75]

Literatur

  • Alex Hahn: Besessen – Das turbulente Leben von Prince. Hannibal Verlag, Höfen 2016, ISBN 978-3-85445-610-0.
  • Arthur Lizie: Prince FAQ: All That’s Left to Know About the Purple Reign. Backbeat Books, Guilford (Connecticut) 2020, ISBN 978-1-61713-670-2.
  • Ben Greenman: Dig If You Will the Picture – Funk, Sex and God in the Music of Prince. Faber & Faber Ltd, London 2017, ISBN 978-0-571-33326-4.
  • Dave Hill: Prince – A Pop Life. Droemer Knaur, München 1989, ISBN 3-426-04036-0.
  • Duane Tudahl: Prince and the Parade & Sign o’ the Times Era Studio Sessions 1985 and 1986. Rowman & Littlefield Publishers, 2021, ISBN 978-1-5381-4451-0.
  • Jon Ewing: Prince – CD Books. Carlton Books, Rastatt 1994, ISBN 3-8118-3986-1.
  • Liz Jones: Slave to the Rhythm – The Artist Formerly Known As Prince. Warner Books, Little Brown and Company 1997, ISBN 0-7515-2393-3.
  • Mick Wall: Prince – Purple Reign. Orion Publishing Group Ltd, Great Britain 2016, ISBN 978-1-4091-6920-8.
  • Mobeen Azhar: Prince 1958–2016: Sein Leben in Bild und Text. Edition Olms, Oetwil am See/Zürich 2016, ISBN 978-3-283-01265-6.
  • Per Nilsen: DanceMusicSexRomance – Prince: The First Decade. Firefly Publishing, London 1999, ISBN 0-946719-23-3.
  • Roland Mischke: Vom Nobody zum Pop-Prinzen. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1989, ISBN 3-404-61157-8.
  • Uptown: The Vault – The Definitive Guide to the Musical World of Prince. Nilsen Publishing, Linköping 2004, ISBN 91-631-5482-X.

Einzelnachweise

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