Paraumbit

sehr seltenes Mineral From Wikipedia, the free encyclopedia

Paraumbit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung K3(H3O)Zr2[S3O9]2·≈2H2O[3] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kalium-Oxonium-Zirconium-Silikat.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Paraumbit
Weiße, perlmuttglänzende Paraumbitkruste auf rosa Eudialyt vom Eweslogtschorr, Chibinen, Halbinsel Kola, Russland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1982-007[1]

IMA-Symbol

Pumb[2]

Chemische Formel
  • K3(H3O)Zr2[S3O9]2·≈2H2O[3]
  • K3Zr2H[Si3O9]2·3H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/F.20-020

9.DG.25
59.02.01.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2[4]
Raumgruppe P2cm (Nr. 28, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/28.4[4]
Gitterparameter a = 10,34 Å; b = 13,29 Å; c = 14,55 Å[3]
Formeleinheiten Z = 4[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5[4][5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,59; berechnet: 2,92[4]
Spaltbarkeit vollkommen glimmerartig nach {010}; unvollkommen nach {100} und {110}[4]
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, weiß bis silbrigweiß, grau, hellgrün, blassgelb[4][5]
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlglanz auf Spaltflächen
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,588[6]
nβ = 1,601[6]
nγ = 1,610[6]
Doppelbrechung δ = 0,022[6]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 82° (gemessen); 78° (berechnet)[6]
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Paraumbit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt isometrische Kristalle bis etwa einem Millimeter Größe, kommt aber auch in derben Massen vor.

In reiner Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß bis silbrig weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine graue, hellgrüne oder blassgelbe Farbe annehmen.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Paraumbit am in einem Natrolith-Gang am Südhang des Eweslogtschorr (Eveslogchorr)[7] in den Chibinen in der Oblast Murmansk auf der russischen Halbinsel Kola. Beschrieben wurde das Mineral 1983 durch A. P. Khomyakov, A. A. Voronkov, Yu. S. Kobyashev und L. I. Polezhaeva, die das Mineral in Anlehnung an die enge strukturelle Ähnlichkeit zum Mineral Umbit benannten. Die Gitterparameter a und b der beiden Minerale sind fast identisch, allerdings ist der Gitterparameter c bei Paraumbit doppelt so lang wie der von Umbit, was mit dem griechischen Präfix παρά para ausgedrückt werden soll.

Typmaterial des Minerals wird im Geologischen Museum des Wissenschaftszentrums der Russischen Akademie der Wissenschaften in Apatity auf der Halbinsel Kola unter den Katalog-Nr. 5842 und 5843; im Mineralogischen Museum der Universität Sankt Petersburg unter der Katalog-Nr. 17065; im Bergbau-Museum der Staatlichen Bergbau-Universität Sankt Petersburg in Sankt Petersburg unter der Katalog-Nr. 1630/1; im Mineral Preserve Museum in Miass unter der Katalog-Nr. 13095vr und im Mineralogischen Museum der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau unter den Katalog-Nr. 82760, vis3464, vis4544, vis4545 und vis5045 aufbewahrt.[4]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Paraumbit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/F.20-020. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Paraumbit zusammen mit Umbit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/F.20 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Paraumbit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 3-periodischen Einfach- und Mehrfachketten“ zu finden, wo es zusammen mit Umbit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.DG.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Paraumbit die System- und Mineralnummer 59.02.01.02. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate: Dreierringe“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Wasserhaltige Dreierringe“ in der Gruppe „Umbit und verwandte Arten“, in der auch Umbit und Kostylevit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Paraumbit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P2cm (Raumgruppen-Nr. 28, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/28.4[4] mit den Gitterparametern a = 10,34 Å; b = 13,29 Å; c = 14,55 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte

In den Chibinen bildete sich Paraumbit durch Verdrängung von Wadeit in Pegmatit. Als Begleitminerale treten hier neben Wadeit unter anderem noch Eudialyt, Gaidonnayit, Kalifeldspat, Natrolith und Pektolith auf.

Neben seiner Typlokalität Eweslogtschorr und dem dortigen Wadeitvorkommen trat das Mineral in Russland noch am Berg Koaschwa und im Flusstal des Wuonnemjok in den Chibinen auf.

Im Steinbruch Poudrette am Mont Saint-Hilaire im Südwesten der kanadischen Provinz Québec fand sich Paraumbit zusammen mit Gaidonnayit in umgewandelten Pegmatit- und Sodalith-Xenolithen im intrusiven alkalischen Gabbro-Syenit-Komplex.

Daneben konnte das Mineral bisher nur noch am Magnet Cove im Hot Spring County im US-Bundesstaat Arkansas entdeckt werden (Stand 2017).[9]

Siehe auch

Literatur

  • A. P. Khomyakov, A. A. Voronkov, Yu. S. Kobyashev, L. I. Polezhaeva: Umbite and paraumbite, new zirconosilicates of potassium from the Khibina alkalic massif. In: Zapiski Vserossijskogo Mineralogicheskogo Obshchestva. Band 112, 1983, S. 461469.
  • Pete J. Dunn, Michael Fleischer, Carl A. Francis, Richard H. Langley, Stephen A. Kissin, James E. Shigley, David A. Vanko, Janet A. Zilczer: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 69, 1984, S. 810–815 (minsocam.org [PDF; 742 kB; abgerufen am 30. November 2017]).
Commons: Paraumbit – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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