Parekklesion
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In der ostkirchlichen Sakralarchitektur steht das Parecclesion (griechisch: παρεκκλήσιον, latinisiert: Parekklesion, wörtlich „Seitenkirche“; übersetzt meist als „Seitenkapelle“) in der Regel an der Seite der Kirche.

Die Funktion dieser Seitenkapelle war unterschiedlich. Oft diente sie der Totenliturgie für eine wichtige verstorbene Person, und zwar vor ihrer Beerdigung oder später zum Gedenken an die Person. Manchmal diente das Parekklesion sogar als Ort der Grablege.
Ihre Bildausstattung nimmt auf diese Nutzungen Bezug. In Fresken oder Mosaiken kommt dann die Ikonographie der Auferstehung, Erlösung, Hoffnung auf das ewige Leben nach dem Tod zum Ausdruck. In Istanbul sind zwei solche Seitenkapellen erhalten.
Chora-Kirche, Istanbul

Im Süden der byzantinischen Chora-Kirche (griechisch Ἐκκλησία του Ἅγιου Σωτῆρος ἐν τῃ Χώρᾳ) im Stadtteil Fatih steht das Parekklesion. Die Mosaiken und Fresken des gesamten Gebäudes im Stil der Palaiologischen Renaissance zählen zu den bedeutendsten und aufwendigsten Sakralzyklen weltweit.
Die Fresken im Parekklesion waren der letzte Auftrag des Kanzlers Theodoros Metochites. Sie lassen sich auf die Jahre 1320 und 1321 datieren. Ihr Bildprogramm ist typisch für eine Grabkapelle: Es sind Themen der Auferstehung und des Jüngsten Gerichts.
Das Fresko im Gewölbe des zweiten Jochs stellt Christus als Weltenrichter mit Himmel und Hölle dar.
Ein Fresko an der Seitenwand oberhalb des Gesimses stellt Maria als fürbittende Mittlerin zwischen Christus und den Menschen dar.
Im oberen Teil der Apsis ist die Auferstehung Jesu Christi (griech. Anastasis) zu sehen. Im Zentrum steht Christus, der gerade die Felsen und Tore der Totenwelt gesprengt hat, die gefesselte Personifikation des Todes liegt zu seinen Füßen. Mit der rechten Hand zieht Jesus Adam aus dem Grab, mit der linken befreit er Eva. Hinter Adam stehen Johannes der Täufer, David und Salomon, über Evas Grab steht Abel und hinter ihm eine Gruppe von Gerechten des Alten Bundes.
An beiden Seitenwänden der Kapelle befinden sich vier Gräber in tiefen Nischen. Ursprünglich standen dort Sarkophage. Darüber sind noch Spuren der einstigen Fresken zu sehen.
Pammakaristos-Kirche, Istanbul

Das andere Parekklesion steht an der Südseite der ehemaligen Klosterkirche Pammakaristos (Kirche der Theotókos Pammakarístos, Μονή Παμμακάριστου, Kirche der allerseligsten Gottesgebärerin). Das Gebäude war ehemals eine der berühmtesten byzantinischen Kirchen in Konstantinopel.
Die Seitenkapelle (Parekklesion) besitzt nach der Hagia Sophia und der Chora-Kirche die meisten Mosaiken in Istanbul und ist seit 1949 ein Museum. Die Pammakaristos-Kirche wurde 1315 zu Ehren von Michael Tarchaniotes Glabas, eines Generals und Protostrators des Kaisers Andronikos II. Palaiologos, von seiner Frau Martha Glabas erneuert.
Martha Glabas stiftete auch das Parekklesion (vermutlich als Grabkapelle), das reich mit Mosaiken und Fresken ausgestaltet ist. Unter seiner Hauptkuppel zeigt das Parekklesion ein Mosaik mit Christus als Pantokrator im Kreise biblischer Propheten (Mose, Jeremia, Zefanja, Micha, Joel, Sacharja, Obadja, Habakuk, Jona, Maleachi, Ezechiel und Jesaja).
In der Apsis ist eine Deësis dargestellt, wobei Jesus Hyperagathos von Maria und Johannes der Täufer flankiert ist. Die Taufe Jesu ist die einzige vollständig erhaltene szenarische Darstellung in diesem Parekklesion.
Literatur
- Mathews, Thomas F.: The Byzantine Churches of Istanbul: A Photographic Survey. Pennsylvania State University Press, University Park 1976, ISBN 0-271-01210-2
- Belting, Hans; Mango, Cyril (ed.); Mouriki, Doula: The mosaics and frescoes of St. Mary Pammakaristos (Fethiye Camii) at Istanbul. Dumbarton Oaks Pub Service 1978, ISBN 0-88402-075-4.