Paride ed Elena

Oper von Christoph Willibald Gluck From Wikipedia, the free encyclopedia

Paride ed Elena ist eine Oper von Christoph Willibald Gluck. Es ist die dritte von Glucks sogenannten Reformopern für Wien, nach Orfeo ed Euridice und Alceste, und die am wenigsten aufgeführte der drei. Wie bei den beiden vorausgehenden Werken wurde das Libretto von Ranieri de’ Calzabigi geschrieben.

Schnelle Fakten Werkdaten, Personen ...
Werkdaten
Titel: Paride ed Elena
Form: Dramma per musica in fünf Akten
Originalsprache: Italienisch
Musik: Christoph Willibald Gluck
Libretto: Ranieri de’ Calzabigi
Literarische Vorlage: Heroides 16–17
Uraufführung: 3. November 1770
Ort der Uraufführung: Wiener Burgtheater
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Sparta und Umgebung, in mythischer Zeit
Personen

(italienisch/deutsch)

  • Elena / Helena, Königin von Sparta (Sopran)
  • Paride / Paris, Sohn des trojanischen Königs (Sopran)
  • Amore (Erasto) / Amor, unter dem Namen Erastus, Vertrauter der Helena (Sopran)
  • Pallade / Pallas Athene (Sopran)
  • Ein Trojaner (Sopran)
  • Chor / Ballett: Trojaner, Spartaner, Spartanerinnen, Gefolge der Pallas Athene
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Die Handlung behandelt die Ereignisse zwischen dem Urteil des Paris und der gemeinsamen Flucht von Paris und Helena nach Troja. Die Uraufführung fand am 3. November 1770 im Burgtheater in Wien statt.

Handlung

Zur Vorgeschichte: Die olympischen Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite streiten, wer von ihnen die Schönste ist. Zeus als höchster Gott lässt den jungen trojanischen Prinzen Paris entscheiden. Dessen Urteil fällt zugunsten von Aphrodite aus, die ihm die Hand der schönsten Frau auf Erden, Helena, versprochen hat.

Hier setzt die Handlung der Oper ein: Paris (Paride) ist in Sparta, um Helena (Elena), die Verlobte des Königs Menelaos, zu gewinnen. Zu Beginn bringt Paris der Göttin Aphrodite (hier mit lateinischer Bezeichnung: Venus (Venere)) ein Opfer dar. Mit Ermutigung von Erastos sucht er die Liebe Helenas. Paris und Helena treffen sich im königlichen Palast von Sparta und sind jeweils von der Schönheit des anderen beeindruckt. Sie bittet ihn, bei einem sportlichen Wettkampf als Richter zu fungieren. Als er gebeten wird, zu singen, tut er dies zum Lob ihrer Schönheit und gibt zu, dass der Zweck seines Besuchs darin besteht, ihre Liebe zu gewinnen. Sie befiehlt ihm, sich zurückzuziehen. Verzweifelt fleht er sie an, und sie beginnt nachzugeben. Dank des Eingreifens von Erastus, der sich als Amor offenbart, gibt sie schließlich nach, doch Pallas Athene (Pallade) warnt sie daraufhin vor dem bevorstehenden Leid. In der letzten Szene bereiten sich Paris und Helena darauf vor, nach Troja aufzubrechen.

Entstehung

Der genaue Entstehungsprozess des Dramma per musica Paride ed Elena ist nicht vollständig dokumentiert. Es wird jedoch angenommen, dass Text und Musik in den Jahren zwischen 1768 und 1770 in Wien entstanden. Das Libretto wurde von Ranieri de’ Calzabigi vermutlich nach der Uraufführung von Alceste im Dezember 1767 begonnen und laut einem Brief an Antonio Greppi bereits vor dem 12. Dezember 1768 abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Christoph Willibald Gluck offenbar schon mit der Komposition begonnen, die er wahrscheinlich erst in den frühen Monaten des Jahres 1770 vollendete.

Uraufführung

Die Uraufführung des Werkes fand am 3. November 1770 im Wiener Burgtheater statt und wurde anlässlich eines Besuchs von Erzherzog Peter Leopold von Österreich, zu dieser Zeit Großherzog der Toskana, gegeben.[1]

Die Titelpartie der Elena übernahm Caterina Schindlerin, während Giuseppe Millico die Rolle des Paride sang. In den weiteren Partien traten Teresa Curtz als Amore sowie Gabbriela Tagliaferri als Pallade auf.[2] Für die choreographische Gestaltung der Balletteinlagen war Jean-Georges Noverre verantwortlich, einer der bedeutendsten Ballettreformer des 18. Jahrhunderts. Das Bühnenbild stammte von Alessio Cantini.[3]

Rezeption

Bei der Uraufführung fand insbesondere die gesangliche Leistung Anerkennung, wobei der Sänger Giuseppe Millico in der Rolle des Paris hervorgehoben wurde. Auch die aufwändige Inszenierung und die zahlreichen Balletteinlagen wurden positiv bewertet. Gleichzeitig stieß das Werk jedoch aufgrund seines als uneinheitlich empfundenen Stils auf Kritik.[4]

Gestaltung

Paride ed Elena zählt gemeinsam mit Orfeo ed Euridice (1762) und Alceste (1767) zu den sogenannten Reformopern, die aus der Zusammenarbeit von Christoph Willibald Gluck und dem Librettisten Ranieri de’ Calzabigi hervorgingen.

Handlung

Das Libretto, das Erzherzog Peter Leopold gewidmet ist, orientiert sich an zwei Elegien aus dem Umfeld des römischen Dichters Ovid, die als Teil der Heroides (Briefe 16 und 17) überliefert sind und einen fiktiven Briefwechsel zwischen Paris und Helena darstellen.[5]

Die beiden Hauptfiguren sind sowohl literarisch als auch musikalisch bewusst kontrastierend angelegt: Paris erscheint als lebenslustiger, weltgewandter Trojaner, während Helena als pflichtbewusste und bodenständige Spartanerin charakterisiert wird. Die moralisch problematische Konstellation der Liebesbeziehung wurde dabei gezielt abgeschwächt. Vor dem Hintergrund der strengen sittlichen Maßstäbe im Wien der Regierungszeit Maria Theresias passten Gluck und Calzabigi den Stoff an die Anforderungen der Zensur an. Insbesondere wurde Helena nicht als Ehefrau des Menelaos dargestellt, sondern lediglich als dessen Verlobte, um die Darstellung eines Ehebruchs ohne unmittelbare Bestrafung zu vermeiden. Darüber hinaus wird die Beziehung der Protagonisten im Werk durch das Eingreifen der Liebesgottheit Amor legitimiert, wodurch tragische Elemente weiter zurücktreten.[6][7]

Komposition

Die Musik zu Paride ed Elena wurde von Gluck nahezu vollständig neu komponiert; lediglich einzelne Passagen gehen auf frühere Werke zurück. Die Rolle des Paride hatte Gluck seinem Lieblingskastraten Giuseppe Milico auf den Leib komponiert. Im Vorwort zur ersten gedruckten Ausgabe der Oper aus dem Jahr 1770 erläuterte der Komponist, dass dem Werk im Vergleich zu Alceste starke Leidenschaften und ausgeprägte tragische Situationen fehlten. Entsprechend sei auch die musikalische Gestaltung weniger auf dramatische Wucht als vielmehr auf einen möglichst wahrheitsgetreuen Ausdruck ausgerichtet.[8]

Orchester

Orchesterbesetzung bei der Uraufführung, Wien 1770:[9]

Weitere Aufführungsgeschichte

In Wien blieb die Oper bis etwa 1772 mit nur wenigen Aufführungen im Repertoire. Weitere Aufführungen zu Glucks Lebzeiten sind nur vereinzelt belegt, sowohl im deutschsprachigen Raum als auch in Italien.[10]

Aufnahmen

Digitalisate

Einzelnachweise

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