Parvicursor

Gattung der Familie Alvarezsauridae From Wikipedia, the free encyclopedia

Parvicursor (lateinisch parvus – „klein, winzig“ und cursor – „Läufer“) war eine Gattung der Alvarezsauridae. Mit der ungefähren Größe eines modernen Haushuhns gehört er zu den kleinsten bekannten Dinosauriern. Er lebte in der späten Oberkreide der heutigen Mongolei.

Schnelle Fakten Zeitliches Auftreten, Fundorte ...
Parvicursor

Künstlerische Lebenddarstellung von Parvicursor

Zeitliches Auftreten
Campanium (Oberkreide)
73 Mio. Jahre
Fundorte

Baruungoyot Formation, Mongolei

Systematik
Dinosauria
Echsenbeckensaurier (Saurischia)
Theropoda
Coelurosauria
Alvarezsauridae
Parvicursor
Wissenschaftlicher Name
Parvicursor
Karhu & Rautian, 1996
Art

Parvicursor remotus
Parvicursor sp.

Schließen

Entdeckung

Bedeutende Fundstätten für Fossilien in der südlichen Mongolei

Die fossilen Überreste beschränken sich auf einen Fund von 1992. Sie stammen aus der Baruungoyot Formation, einer etwa 110 Meter dicken geologischen Schicht in der Wüste Gobi, gelegen in der Khulsan-Region (Mongolei). Die Region hat sich als bedeutende Fundstätte für Fossilien aus verschiedenen Phasen der Kreidezeit erwiesen.[1] Der postkraniale Holotyp (PIN 4487/25) umfasst die Beckenregion (Pelvis), Teile der Wirbelsäule sowie Gliedmaße der Hinterbeine.

1996 erfolgte seine genauere Untersuchung und Erstbeschreibung[2], 2022 eine weitere, welche deutlich tiefgreifendere Erkenntnisse bereitstellte.[3] Bei letzterer wurde unter anderem nachgewiesen, dass es sich um ein juveniles Tier handelte. Ähnliches berichtet eine Untersuchung von 2021, die neben starker Vaskularisierung und fehlende Wuchsunterbrechung („Jahresringe“) vorfand. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Tier jünger als ein Jahr war.[4]

2002 beschrieb ein Forschungsteam zwei weitere Funde aus der Region (MPC-D 100/206, MPC-D 100/207).[5] Die Einschätzung der sehr umfangreich erhaltenen Skelette hieß zunächst, es handele sich dabei um juvenile Exemplare von Shuvuuia.

2009 wies jedoch ein zweites Team eindeutig Verwachsungen an Handwurzel, Becken und Teilen der Wirbelbögen nach. Dies sei quasi der Beweis, dass es sich bei den Individuen um adulte Tiere handelt, die mit 40–50 cm projektierter Körpergröße deutlich zu klein für die zunächst angenommene Gattung wären. Stattdessen wird nicht ausgeschlossen, dass es sich bei den Exemplaren um eine weitere Art von Parvicursor handeln könnte. Eine genaue Untersuchung steht noch aus.[6]

Merkmale und Lebensweise

Größenvergleich von Parvicursor remotus (grün) mit anderen Alvarezsauridae und Mensch

Schätzungen bezüglich des Fundes gingen von einer Länge von 39 cm und einem Gewicht von ca. 162 g aus. Damit wäre es der wohl kleinste nachgewiesene, flugunfähige Dinosaurier. Da es sich aber um ein juveniles Tier handelt ist davon auszugehen, dass die Tiere größer waren. Eine vergleichende Studie zu Alvarezsauridae im Allgemeinen kommt zu einem Ergebnis von etwa 200 g, lässt eine eventuelle Größe aber unbeachtet.[7] Wie die anderer Alvarezsauridae waren die Vorderläufe stark verkürzt. Die Hände waren auf jeweils nur eine Daumenklaue reduziert (monodactyl). Dies half wahrscheinlich beim Öffnen von Termitenhaufen und grundsätzlichem Scharren nach kleinen Insekten und Würmern. Aufgrund der geringen Länge und der eingeschränkten Beweglichkeit scheint die Nutzung zur Verteidigung ungeeignet. Die Hinterbeine waren sehr schmal und stark verlängert, vermutlich sogar für das Verhältnis innerhalb seiner Familie. So konnte er auch über längere Distanzen hohe Geschwindigkeiten aufbauen. Damit eignet er sich hervorragend für den cursorialen Lebensstil. Terrestrische Läufer befinden sich dabei große Teile der Aktivitätsphasen in Bewegung, legen große Strecken zurück um Nahrung zu suchen und sich eventuellen Räubern zu entziehen.

Weitere Informationen Art, Status Holotyp ...
Hinterbein-Längen verschiedener Parvicursorinae (Schätzungen)
Art Status Holotyp Länge Hinterbein / Verhältnis zur Körperlänge Bemerkungen / Unsicherheit
Parvicursor remotus Juvenil (Holotyp) ca. 1,2–1,3 × Körperlänge[3] Sehr lange Beine im Verhältnis zur Körpergröße; Holotyp juvenil; Erwachsene vermutlich größer
Linhenykus monodactylus Subadult / teilweise adulte Fossilien 1,1–1,2 × Körperlänge[3] Schlank, cursorial, aber nicht ganz so extrem wie Parvicursor
Ceratonykus oculatus Fragmentarisches Fossil 1,05–1,15 × Körperlänge[3] Beine proportional etwas kürzer; teilweise Überlappung mit Parvicursor; evtl. Synonym
Albinykus baatar Juvenil + adulte Knochenfragmente 1,05–1,15 × Körperlänge[7] Etwas größer, Miniaturisierung variabel
Xixianykus zhangi Adult 1,05–1,15 × Körperlänge[7] Knochen vollständig genug für Schätzungen
Shuvuuia deserti Adult 0,95–1,1 × Körperlänge[7] Größerer Alvarezsaurid, Beine proportional kürzer als bei Parvicursor
Mononykus olecranus Adult 1,0–1,05 × Körperlänge[7] Größeres Tier, proportional kürzere Beine
Schließen

Die vergleichende Studie macht den Versuch eines paläo-biologischer Einordnung der Familie. Die kleinen bekannten Gattungen scheinen dabei eine ökologische Nische besetzt zu haben, wobei die größeren Ausmaße ihrer Vorfahren hinderlich waren. Durch die Miniaturisierung war das Angebot an Insekten und Weichtieren besser zu erreichen und analog sank der eigene Energiebedarf trotz hoher Bewegungsrate. In Bezug auf Fressfeinde waren die Tiere weniger auffällig, agiler in dichter Vegetation und effizient im Verstecken. Da der Holytyp leider kein Schädel beinhaltete bleiben die Fragen nach Größe der Augen etc. in Bezug auf Parvicursor leider vorerst unbeantwortet, allerdings ist davon auszugehen, dass er denen seiner Verwandten entsprach. Diese verfügen über große Augenhöhlen (Orbits), die auch kleine Lebewesen zuverlässig sichten können. Im Falle von Shuvuuia wird gar eine Nachtaktivität gemutmaßt.[7][8] Ähnliches gilt für eine eventuelle Befiederung. Die meisten aller fortschrittlichen Theropoden, auch die direkten Verwandten Parvicursors trugen ein Federkleid, welches vor allem eine durch die geringe Körperumfänge Temperaturregelung gewährleistete.[9][10]

Systematik

Weitere Informationen Verwandtschaftsverhältnisse der Alvarezsauroidea ...
Verwandtschaftsverhältnisse der Alvarezsauroidea
 Alvarezsauroidea 

Aorun


   

Haplocheirus


   

Tugulusaurus


   

Xiyunykus


   

Bannykus


   

Bonapartenykus


   

Patagonykus


 Alvarezsauridae 

Achillesaurus


   

Alvarezsaurus


   

Albertonykus


 Parvicursorinae 

Shuvuuia


   

Ceratonykus


   

Kol


   

Linhenykus


   

Mononykus


   

Trierarchuncus


   

Parvicursor


   

Albinykus


   

Xixianykus


Vorlage:Klade/Wartung/3Vorlage:Klade/Wartung/4Vorlage:Klade/Wartung/5Vorlage:Klade/Wartung/6Vorlage:Klade/Wartung/7Vorlage:Klade/Wartung/8Vorlage:Klade/Wartung/9











Kladogramm der Alvarezsauroidea nach Fowler et al. (2020). Fett hervorgehoben ist die Typusgattung Parvicursor.
Schließen

Aufgrund der Erkenntnis, dass der Holotyp nicht ausgewachsen war, steht der Verdacht im Raum, dass Parvicursor und seine nächsten bekannten Verwandten, Ceratonykus und Linhenykus, der gleichen Gattung angehören. Die festgestellten Unterschiede der drei Arten sind sehr gering und könnten auf den verschiedenen Entwicklungsstufen der Individuen beruhen. Um diesen Verdacht zu erhärten bräuchte es jedoch weiterer Funde, idealerweise aller drei Gattungen.[3][11]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI