Patrónit
Mineral aus der Gruppe der Sulfide
From Wikipedia, the free encyclopedia
Patrónit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Formel VS4 und bildet Aggregate aus säulenartigen Kristallen von dunkelgrauer Farbe.
| Patrónit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2007 s.p.[1] |
| IMA-Symbol |
Pat[2] |
| Chemische Formel | VS4 |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/D.08 – Anhang II/F.01-010 2.EC.10 02.16.21.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | 2/m |
| Raumgruppe | I2/c |
| Gitterparameter | a = 6,78 Å; b = 10,42 Å; c = 12,11 Å β = 100,8° Bitte Quelle als Einzelnachweis ergänzen |
| Formeleinheiten | Z = 8 Bitte Quelle als Einzelnachweis ergänzen |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2 |
| Dichte (g/cm3) | 2,82 |
| Spaltbarkeit | Bitte ergänzen |
| Farbe | dunkelgrau |
| Strichfarbe | schwarz |
| Transparenz | undurchsichtig |
| Glanz | metallisch |
Etymologie und Geschichte
Patrónit wurde erstmals 1906 von Donnel Foster Hewett in der Typlokalität Minas Ragra bei Cerro de Pasco in Peru gefunden. Das Mineral ist nach dem peruanischen Metallurgen Antenor Rizo-Patrón benannt.
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Patrónit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er gemeinsam mit Auripigment, Dimorphin, Gerstleyit, Getchellit, Metastibnit und Realgar im Anhang zur „Galenobismutit-Cosalit-Gruppe (Bleiwismutspießglanze)“ mit der Systemnummer II/D.08 und den Hauptmitgliedern Cannizzarit, Cosalit, Galenobismutit, Giessenit, Kobellit, Lillianit, Ustarasit und Weibullit steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/F.01-010. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit nichtmetallischem Charakter“, wo Patrónit als einziges Mineral eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/F.01 bildet.[3]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[4] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Patrónit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „M : S = 1 : >2“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.EC.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Patrónit die System- und Mineralnummer 02.16.21.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit verschiedenen Formeln“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 02.16.21.
Bildung und Fundorte
Patrónit bildet sich in Klüften, die sich in Schiefergestein gebildet hatten und die mit asphaltähnlichem Kohlenwasserstoff gefüllt sind. Dabei ist es mit verschiedenen anderen Vanadium-Mineralen vermischt. Es ist häufig stark mit Schwefel, Kohle, Ton und Bravoit vergesellschaftet. Weitere vergesellschaftete Minerale sind Pyrit, Minasragrit, Stanleyit, Dwornikit und Quarz.
Patrónit ist fast ausschließlich aus der Ragra-Mine in Peru bekannt. In diesem größten bekannten Vorkommen an Vanadiumerzen ist Patrónit eines der Haupterze. Weitere Vorkommen sind nur noch aus der Tsumeb Mine in Namibia bekannt.
Kristallstruktur
Patrónit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe I2/c (Raumgruppen-Nr. 15, Stellung 8), den Gitterparametern a = 6,78 Å, b = 10,42 Å, c = 12,11 Å und β = 100,8° sowie acht Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Verwendung
Patrónit war lange Zeit die wichtigste Quelle zur Gewinnung von Vanadium. Inzwischen wurde es aber von Magnetit-Erzen abgelöst, aus denen Vanadium als Nebenprodukt gewonnen werden kann.
Siehe auch
Literatur
- Patrónit in: Anthony et al.: Handbook of Mineralogy, 1990, 1, 101 (pdf)
- Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 482.
Weblinks
- Mineralienatlas:Patrónit (Wiki)
- mindat.org – Patrónite (engl.)
