Paul Bern
US-amerikanischer Filmproduzent, Filmregisseur und Drehbuchautor (1889-1932)
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Paul Bern, eigentlich Paul Levy, (* 3. Dezember 1889 in Wandsbek; † 5. September 1932 in Los Angeles, Kalifornien) war ein deutsch-amerikanischer Theaterschauspieler, Filmproduzent, Filmregisseur und Drehbuchautor.

Leben
Paul Bern wurde in Wandsbek, einer damals noch selbständigen Ortschaft, die erst 1937 im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes von Schleswig-Holstein nach Hamburg gekommen ist, geboren. 1898 zog seine Familie mit ihm aufgrund von Arbeitslosigkeit und Problemen mit Antisemitismus in die USA.[1] 1911 begann er eine Karriere als Bühnenschauspieler, stieg jedoch schon bald auf Tätigkeiten hinter der Bühne um, etwa als Inspizient. Zum Film kam er zunächst als Editor und wechselte bald das Metier zum Drehbuchautor. In den 1920er-Jahren war unter anderem als Assistent für Josef von Sternberg und Ernst Lubitsch tätig.
Bei einigen Projekten von Florence Vidor und Pola Negri arbeitete er auch als Regisseur, um allmählich in den Rang eines Produzenten aufzusteigen. Er wechselte 1926 von Paramount zu MGM, wo er rasch zum engsten Vertrauten von Irving Thalberg wurde. Bern wurde von Thalberg unter anderem mit der Überwachung der Dreharbeiten zu sämtlichen Greta-Garbo-Filmen beauftragt. Bern hatte den Ruf, ein Frauenversteher zu sein und erwarb sich in den Jahren die Freundschaft von einigen der berühmtesten weiblichen Stars von Hollywood, unter anderem auch mit Joan Crawford, die zu einem Zeitpunkt kurz vor der Ehe mit Bern stand.
Im Juli 1932 heiratete Bern die aufstrebende Darstellerin Jean Harlow, die erst kurze Zeit vorher zu MGM gewechselt war, nachdem das Studio ihren Vertrag von Howard Hughes gekauft hatte. Bern verschaffte Harlow die Titelrolle in Feuerkopf, mit der sie praktisch über Nacht zu einem Sexsymbol wurde. Die Ehe verlief nicht glücklich und bald wurden die teilweise öffentlich ausgetragenen Streitereien der beiden stadtbekannt.
Tod
Am 5. September 1932 wurde die Leiche von Paul Bern neben einem „Abschiedsbrief“ gefunden. Er hatte eine Schusswunde im Kopf. Der sich entwickelnde Skandal gefährdete die Karriere von Jean Harlow, doch gelang es dem Studio, die Schauspielerin einigermaßen unbeschadet durch die Turbulenzen zu führen. Berns Tod wurde nach einer Untersuchung als Suizid gewertet und Kummer über seine Impotenz als Grund vermutet.[2]
Über Jahrzehnte entstanden immer wieder Spekulationen über die Umstände von Berns Tod, zumal der Wortlaut des „Abschiedsbriefs“, der sofort in der Presse erschien, sehr viele Interpretationsmöglichkeiten eröffnete. Auch blieb stets unklar, wer der eigentliche Adressat des Briefs war. Ben Hecht und Samuel Marx haben über die Jahre immer behauptet, Bern sei in Wirklichkeit erschossen und der Mord aus Sorge um Jean Harlows Karriere vertuscht worden; von Marx erschien sogar 1990 ein ganzes Buch zu Berns Tod. Viele Spekulationen kreisen um Berns frühere Lebensgefährtin Dorothy Millette als mögliche Mörderin. Die beiden sollen verheiratet gewesen und die Ehe noch bestanden haben, wodurch Bern und Harlow eine ungültige Ehe geführt hätten. Bern zahlte der psychisch instabilen Millette weiter Geld für ihren Lebensunterhalt. Millette ertränkte sich nur wenige Tage nach Berns Tod, wobei eine andere Theorie sie für unschuldig hält und in ihrer nunmehr unsicheren finanziellen Zukunft den Grund für ihren Suizid sieht. Auch die offizielle Meinung, dass Bern tatsächlich Suizid beging, erscheint weiter möglich, da er Berns starke Neigung zu Depressionen belegt ist.[3]
Filmografie
- 1923: Martyrium der Liebe (The Christian)
- 1924: Die Ehe im Kreise (The Marriage Circle)
- 1924: Die Frau des Kommandeurs (Lily of the Dust)
- 1924: Wer war der Vater? (Name the Man)
- 1925: Scheidungsgründe (Grounds for Divorce)
- 1927: The Dove
- 1927: Der Bettelpoet (The Beloved Rogue)
- 1930: Romanze (Romance)
- 1930: Banditenlied (The Rogue Song)
- 1931: Helgas Fall und Aufstieg (Susan Lenox: Her Fall and Rise)
- 1932: Menschen im Hotel (Grand Hotel)
- 1932: Wie Du mich wünschst (As You Desire Me)
- 1936: Lustige Sünder (Libeled Lady)