Paul Debevec
Informatiker im Bereich Computergrafik
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Paul Ernest Debevec (geb. um 1972 in Princeton, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Informatiker. Er ist an der University of Southern California (USC) im Bereich der Computergrafik tätig.

Für seine Arbeiten im Bereich der sogenannten Light Stages wurde er 2010 mit einem Oscar für Wissenschaft und Entwicklung und 2019 mit einem Oscar für technische Verdienste ausgezeichnet.
Wissenschaftliche Arbeit
1996 schrieb Debevec an der UC Berkeley seine Doktorarbeit[1]. Sie beschreibt die Algorithmen der Software Façade, mit deren Hilfe aus einer Serie von Fotos das texturierte 3D-Modell eines Gebäudes rekonstruiert werden kann, ein Verfahren, das als bildbasiertes Modellieren (image-based modeling) bezeichnet wird.
Debevec präsentierte diese Technik erstmals einer breiteren Öffentlichkeit auf der SIGGRAPH 97 mit dem berühmt gewordenen Campanile-Video, einem virtuellen Vorbeiflug am Sather Tower, den er im Rahmen seiner Doktorarbeit erstellt hatte[2]. Seine darin gezeigten Ergebnisse finden unter anderem auch in der Filmindustrie Anklang und wurden zum Beispiel für die computergenerierten Schauplätze in Die Matrix oder zuletzt in Batman Begins eingesetzt.
Nach seiner Dissertation widmete sich Debevec der bildbasierten Beleuchtung[3][4]. Diese Technik erlaubt es, Lichtwerte direkt aus High-Dynamic-Range-Fotografien abzutasten und in computergenerierte Szenen zu importieren. Damit lassen sich sehr natürlich wirkende Bilder erzeugen. Angewendet wurde diese Idee zum Beispiel in den Filmen Matrix Reloaded, X-Men 2 oder Die Zeitmaschine.
Zusammen mit der Industrie entwickelte Debevec ferner sogenannte Light Stages (Lichtbühnen)[5], welche es ermöglichen, computergenerierte Schauspieler in realistisches Licht zu tauchen. Derartige Bühnen wurden unter anderem für die Produktion des Spielfilms Spider-Man 2 eingesetzt.
Im Rahmen der Oscarverleihung 2010 wurde Debevec zusammen mit Tim Hawkins, John Monos und Mark Sagar „für die Entwicklung und Konstruktion der Light-Stage-Aufnahmegeräte und des bildbasierten Gesichtsrendering-Systems zur Figurenbeleuchtung in Filmen“ mit einem Oscar für Wissenschaft und Entwicklung (Academy Scientific & Engineering Award) ausgezeichnet.[6] Die Kombination beider Systeme, die hochauflösende Reflexionsdaten von Personen erfassen, ermöglicht die Erstellung digitaler Gesichtszüge, die unter allen Lichtverhältnissen fotorealistisch dargestellt werden können.[6]
Bei der Oscarverleihung 2019 wurden Debevec, Tim Hawkins und Wan-Chun Ma „für die Erfindung des Verfahrens zur Erfassung von Gesichtsausdrücken mittels Polarized Spherical Gradient Illumination“ sowie Xueming Yu „für die Entwicklung und Konstruktion des Light Stage X-Aufnahmesystems“ mit dem Oscar für technische Verdienste ausgezeichnet.[7] Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences würdigte die Polarized Spherical Gradient Illumination als einen „Durchbruch in der Gesichtserfassungstechnologie“, der die Erfassung von Form und Reflexion des Gesichts eines Schauspielers mit Details im Submillimeterbereich ermöglichte, was die detailgetreue Wiedergabe von Gesichtern von Hauptfiguren möglich mache.[6] Light Stage X wäre eine Grundlage für alle nachfolgenden Innovationen und Grundstein für die Weiterentwicklung des Verfahrens.[6]
Literatur
- Debevec, Paul E. (1996): Modeling and Rendering Architecture from Photographs. (=Dissertation, UC Berkeley)
- Reinhard, Erik; Ward, Greg; Pattanaik, Sumanta; Debevec, Paul (2006): High Dynamic Range Imaging. Acquisition, Display, and Image-based Lighting. Amsterdam: Elsevier/Morgan Kaufmann.