Paul Felgenhauer

deutscher Kontroverstheologe und Chiliast der Barockzeit From Wikipedia, the free encyclopedia

Paul Felgenhauer (* 16. November 1593 in Puschwitz, Böhmen; † 1661 in Bremen) war ein deutscher Kontroverstheologe und Chiliast der Barockzeit.

Biografie

Als Sohn des lutherischen Pfarrers Paulus Felgenhauer (gest. ca. 1604) immatrikulierte sich Felgenhauer 1608 an der Universität Wittenberg, wo er sogar zeitweilig als Diakon an der Schlosskirche tätig war. Wieder im heimatlichen Böhmen, veröffentlichte er 1620 in Prag seine ersten chiliastischen Kontroversschriften, die von der dortigen lutherischen Orthodoxie scharf angegriffen wurden, doch starken Widerhall in Norddeutschland fanden, wo damals schon eine anti-orthodoxe Gegenbewegung existierte.

Nach der Schlacht am Weißen Berge floh er 1621 aus Böhmen, und irrte durch ganz Deutschland, um schließlich in Bremen Fuß zu fassen. 1638 ließ er sich im stadtbremischen Amt Bederkesa als Medikus nieder und verfasste zahlreiche prophetische Schriften, die in Amsterdam gedruckt wurden. Er sammelte eine heimliche Gemeinde von Anhängern um sich, ohne öffentlich in Erscheinung zu treten. Der Debstedter Pastor Krägelius denunzierte ihn 1653 öffentlich als Irrlehrer, doch der Bremer Rat ließ keine Verfolgung zu. Bei der Belagerung der Burg Bederkesa durch schwedische Truppen geriet der Ort in Brand und Felgenhauer wurde heimatlos. Erneut auf der Flucht, wurde er schließlich 1657 verhaftet und nach einem kirchlichen Irrlehreprozess in Syke zur Landesverweisung verurteilt. Seine Schriften wurden öffentlich verbrannt. Nach seiner Ausweisung aus den welfischen Landen ging er 1658 zurück nach Bremen, wo er den Rest seines Lebens als Arzt verbrachte.

Ähnlich wie Johann Jacob Zimmermann versuchte auch Felgenhauer, das Datum des Jüngsten Tages mathematisch vorauszuberechnen. Er ist der Verfasser von 50 meist anti-orthodoxen und chiliastischen Schriften, von denen viele ihres gefährlichen Inhalts halber im toleranten Amsterdam gedruckt werden mussten. 1649 und 1655 veröffentlichte er Verzeichnisse seiner eigenen Schriften.

Familie

Er heiratete am 19. Juni 1631 in Ottensen Margarete Junkhusen († 1668), Tochter des Georg Junkhusen und seiner Frau Catharina, einer Exultantin aus dem Tyrol. Das Paar hatte acht Kinder, von denen 5 Söhne und eine Tochter: Samuel, Israel, Jerusalema, Paul Georg, Adam Benedikt und Daniel. Samuel wurde in Bremen in 1632 geboren; Israel erblickte in Schwai das Licht der Welt. Jerusalema wurde in Danzig getauft. Paul Georg und Daniel wurden in Bederkesa geboren. Da Adam Benedikt drei Jahre vor Daniel auf die Welt kam, ist davon auszugehen, dass auch er in Bederkesa geboren wurde. Von den anderen zwei Kindern ist nichts bekannt. Es ist anzunehmen, dass eins dieser Kinder möglicherweise weiblich war und jünger als Jerusalema war, da Jerusalema häufig als älteste Tochter bezeichnet wird. Um 1657 / 1658 zum Zeitpunkt von Felgenhauers Verhaftung lebten von den acht Kindern nur noch fünf: Israel, Jerusalema, Paul Georg, Adam Benedikt und Daniel.

Werke (Auswahl)

  • Das Geheimnis vom Tempel des Herrn. Amsterdam 1631
  • Spiegel der Weisheit und Warheit. Amsterdam 1632
  • Das Büchlein Iehi Or, oder Morgenröthe der Weißheit. Jansson, Amsterdam 1640. Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv
  • Harmonia fidei et religionis, Harmony des Glaubens. Amsterdam 1654

Literatur (Auswahl)

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Felgenhauer, Paul. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 8.
  • Jürgen Beyer / Leigh T. I. Penman: Printed autobibliographies from the sixteenth and seventeenth centuries. In: Documenting the early modern book world: inventories and catalogues in manuscript and print. hg. v. Malcolm Walsby / Natasha Constantinidou (=Library of the written word, Band 31; =The handpress world, Band 23), Leiden/Boston: Brill 2013, S. 161–184, hier S. 172–176.
  • Johannes Göhler: Paul Felgenhauer – Prophet und Medicus. Sein Wirken in Bederkesa, sein Konflikt mit Matthäus Krägelius und seine Verurteilung in Syke, in: Wege des Glaubens, Beiträge zu einer Kirchengeschichte des Landes zwischen Elbe und Weser. Landschaftsverband Stade 2006.
  • Peter Poscharsky: Felgenhauer, Paul. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 69–70 (deutsche-biographie.de).
  • Hans-Joachim Schoeps: Barocke Juden, Christen, Judenchristen. Bern 1965
  • Julius August Wagenmann: Felgenhauer, Paul. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 278 f.
  • Ernst Georg Wolters: Paul Felgenhauers Leben und Wirken. In: Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte 54, 1956, S. 63–84
  • Bestattung Pfarrer Thomas Meyler, 5. Mai 1592. In: Podbořany Personenstandsregister, Geburten, Trauungen, Bestattungen 1580-1657. Archivni Vademecum, Litomerice: http://vademecum.soalitomerice.cz, Digitalisat (gesichtet 1. November 2022), 231/256 Original: K, O, Z, inv. c. 6168, sig L118/1, 1580-1657, Buškovice, Černčice, Hlubany, Kněžice, Krásný Dvůr, Kryry, Letov, Nové Třebčice, Očihov, Očihovec, Oploty, Petrohrad, Podbořany, Podlesice, Pšov, Račetice, Soběchleby, Strojetice, Sýrovice, Široké Třebčice, Valov, Veliká Ves, Vidhostice, Vitčice, Vroutek, Vysoké Třebušice, Zlovědice. Staatliches Gebietsarchiv Litomerice.
  • Bestattung Pfarrer Bartholomäus Adler, 30. April 1603. In: Podbořany Personenstandsregister, Geburten, Trauungen, Bestattungen 1580-1657. Archivni Vademecum, Litomerice: http://vademecum.soalitomerice.cz, Digitalisat (gesichtet 1. November 2022), 239/256 Original: K, O, Z, inv. c. 6168, sig L118/1, 1580-1657, Buškovice, Černčice, Hlubany, Kněžice, Krásný Dvůr, Kryry, Letov, Nové Třebčice, Očihov, Očihovec, Oploty, Petrohrad, Podbořany, Podlesice, Pšov, Račetice, Soběchleby, Strojetice, Sýrovice, Široké Třebčice, Valov, Veliká Ves, Vidhostice, Vitčice, Vroutek, Vysoké Třebušice, Zlovědice. Staatliches Gebietsarchiv Litomerice.
  • Niedersächsisches Landesarchiv (NLA), Abteilung Hannover, Fürstliche Kanzlei zu Hannover: Peinliche Verurteilung des Paul Felgenhauer wegen Ketzerei und seine Gefangenschaft zu Syke, 1657–1658. Bestand 11 (Justizwesen), Nr. 11.4 (Peinliche Gerichtsbarkeit), Akte 0011/20.
  • Staatsarchiv Bremen, Bremen: Kirchenbuch St. Ansgarii, Bremen, Taufen 1624 - 1646, Taufe des Samuel Felgenhauer am 26. August 1632. Digitalisat über Arcsys Niedersachsen, eingesehen am 29. Dezember 2025
  • Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg: Kirchenbuch Schwei (Budjadingen), Mischbuch (Taufen, Trauungen, Seelenregister, Beerdigte) 1609–1635, Taufe des Israel Felgenhauer am 27. November 1634. Digitalisat über Archion, eingesehen am 2. April 2022.
  • Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland: Kirchenbuch Trauungen 1625-1657, Hamburg-Altona, Trauung des Paulus Felgenhauer und der Margarethe Junkhus am 19. Juni 1631. Digitalisat über Archion, eingesehen am 12. April 2022.

Werk- und Literaturverzeichnis

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