Paul Holzer

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Paul Holzer (geboren am 18. Dezember 1892 in Krotoschin, Provinz Posen; gestorben am 2. November 1975 in London) war Rabbiner in Hamburg, London und Dortmund.

Leben

Gedenkstein für die Neue Dammtorsynagoge

Paul Holzer war ein Sohn des Uhrmachers Heinrich Holzer und der Ernestine Tausk, er hatte zwei Brüder, die beide Opfer des Holocaust wurden. Holzer wuchs in Königshütte auf. Ab 1914 studierte er am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau, unterbrach aber schon nach kurzer Zeit das Studium und nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil.[1] Nach Ende des Krieges setzte er diese Ausbildung fort und promovierte 1921 parallel an der Universität Erlangen. 1923 wurde er als Rabbiner ordiniert und trat an der Neuen Dammtorsynagoge in Hamburg die Rabbiner-Nachfolger von Abraham Löwenthal an.

Seit 1934 unterrichtete er zudem in Hamburg jüdische Theologie, Geschichte und Religionsphilosophie an einem jüdischen Lehrhaus, das in Arbeitsgemeinschaften der Franz-Rosenzweig-Gedächtnisstiftung nach Art des Freien Jüdischen Lehrhauses organisiert war.[2]

Nach der Reichspogromnacht im November 1938 wurde Holzer von der Gestapo verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Es gelang ihm aber gemeinsam mit seiner Ehefrau Grete Holzer geb. Cohn[3] nach seiner Freilassung nach England zu emigrieren, wo er in Surrey und London als Rabbiner und Schulleiter tätig war.

Holzer kehrte kurz nach Kriegsende in die Britische Besatzungszone zurück und half als Rabbiner am Wiederaufbau des jüdischen Lebens. 1951 kam er erneut nach Deutschland, um zunächst als Oberrabbiner für das gesamte Nordwestdeutschland zuständig zu sein. Später wurde das Rabbinat aufgeteilt und Holzer amtierte in Dortmund als Landesrabbiner für Nordrhein-Westfalen.[4] 1956 war er Mitbegründer der Rabbinerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland.[5]

1958 erhielt er das Große Verdienstkreuz. Nach seiner Pensionierung im selben Jahr siedelte Holzer ein letztes Mal nach England über und verbrachte seine letzten Lebensjahre in Hendon (London).

Literatur

  • Holzer, Paul, in: Michael Brocke, Julius Carlebach (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 2: Die Rabbiner im deutschen Reich 1871–1945. Bearbeitet von Katrin Nele Jansen. München: de Gruyter, 2009, S. 291
  • Holzer, Paul, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, S. 313

Einzelnachweise

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