Paul Laufer

deutscher Parteifunktionär, Widerstandskämpfer und Stasimitarbeiter From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben und Wirken

Noch während seiner Ausbildung als Former wurde Laufer Mitglied der SAJ und 1921 auch der SPD. Sein Widerstand gegen „reformistische“ Tendenzen in der SPD brachte ihn 1927 in Kontakt mit der KPD, deren verdecktes Mitglied er wurde. Für die „Abwehrarbeit“ der KPD war er in der SPD unter dem Decknamen „Stabil“ tätig.

1935 war er Mitglied der illegalen Bezirksleitung der SPD in Berlin. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn 1936 zu drei Jahren Zuchthaus, die er in Brandenburg und Waldheim verbrachte. 1944 hat ihn die Wehrmacht ins Strafbataillon 999 eingezogen. Er kam in Jugoslawien in Kriegsgefangenschaft und war nach seiner Entlassung bei den Partisanen und in der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee. Anschließend kämpfte er in der Jugoslawischen Volksarmee.

Als er im Oktober 1945 nach Berlin zurückkam, ging er im Einvernehmen mit der KPD zunächst wieder zur SPD. Die Partei setzte ihn beim Wiederaufbau ihrer geheimen Apparate im Personalwesen ein. 1945/1946 arbeitete er zunächst in der „Pressestelle“ des Berliner Polizeipräsidiums, von 1946 an im Referat „Untersuchungen und Schiedsgerichte“ der KPD-Zentrale. Mit der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED im April 1946 wurde er SED-Mitglied. Im Jahr 1947 wurde er Hauptreferent des neu gebildeten „Abwehrreferates“ der Abteilung Personalpolitik beim Zentralsekretariat der SED unter Bruno Haid. 1949 wechselte er in die Zentrale Parteikontrollkommission (ZPKK), wo er Kader der SED zu prüfen hatte.

Nach dem Besuch der Parteihochschule „Karl Marx“ 1954/55 kam er am 28. Januar 1955 als Major und Leiter der Abteilung II in die Hauptverwaltung A des Ministeriums für Staatssicherheit, die für die Bearbeitung von SPD und DGB zuständig war. Paul Laufer war der Führungsoffizier von Günter und Christel Guillaume. Zu diesem Zeitpunkt bescheinigten ihm die Akten des MfS schon erhebliche gesundheitliche Probleme, die 1964 zum Rückzug aus der operativen Arbeit[1] und 1969 zu seiner Pensionierung als Oberst des MfS führten. Bei dieser Gelegenheit überreichte ihm Markus Wolf den Kampforden „Für Verdienste um Volk und Vaterland“ in Gold.

Laufer lebte seit Ende der 1940er Jahre zusammen mit der Widerstandskämpferin Hildegard Cahn-Loner in Ost-Berlin.[2] Ihr gemeinsamer Sohn Helmut Cahn wurde am 28. März 1950 geboren. Nach dem frühen Tod von Hilde Cahn-Loner im Mai 1954 heiratete Paul Laufer am 12. Mai 1955 die verwitwete DFD-Funktionärin Elli Bergner (geb. Burkhardt, 1920–1993).[3][4] Sein Sohn Helmut wuchs in der Familie Laufer gemeinsam mit zwei jüngeren Halbgeschwistern auf, darunter der Historiker Jochen Laufer (1956–2016).

Paul Laufer starb am 10. Juni 1969 im Alter von 65 Jahren in Berlin-Lichtenberg[3] und wurde auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde in der Gräberanlage für Opfer des Faschismus und Verfolgte des Naziregimes beigesetzt.[5]

Literatur

  • Anonym: Deckname Stabil. Stationen aus dem Leben und Wirken des Kommunisten und Tschekisten Paul Laufer. Offizin Andersen-Nexö, Leipzig 1988.
  • Michael Kubina: In einer solchen Form, die nicht erkennen läßt, worum es sich handelt… Zu den Anfängen der parteieigenen Geheim- und Sicherheitsapparate der KPD/SED nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 3/96, S. 340 ff.
  • Hubertus Knabe: West-Arbeit des MfS. Das Zusammenspiel von „Aufklärung“ und „Abwehr“. Christoph Links Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-86153-182-8, S. 62.
  • Michael Kubina: Von Utopie, Widerstand und kaltem Krieg. Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten Alfred Weiland (1906 – 1978). Lit Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-8258-5361-6, S. 166 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Michael F. Scholz: Skandinavische Erfahrungen erwünscht? Nachexil und Remigration. Die ehemaligen KPD-Emigranten in Skandinavien und ihr weiteres Schicksal in der SBZ/DDR. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07651-4, S. 153.
  • Hans-Joachim Fieber (Hrsg.): Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. Ein biographisches Lexikon. Band 12, Zweiter Ergänzungsband: K bis Z. Trafo, Berlin 2005, ISBN 3-89626-355-2, S. 101.
  • Jens Gieseke: Laufer, Paul. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4 (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
  • Gottfried Hamacher unter Mitarbeit von André Lohmar und Harald Wittstock: Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung Freies Deutschland, Ein biographisches Lexikon, DRAFD Berlin 2003, S. 88.
  • Ruth Hoffmann: Stasi-Kinder. Aufwachsen im Überwachungsstaat. Propyläen, Berlin 2012, ISBN 978-3-549-07410-7, S. 219–233.

Einzelnachweise

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