Paulus Bor

niederländischer Maler (1601-1669) From Wikipedia, the free encyclopedia

Paulus Bor (genannt Orlando; * um 1601 in Amersfoort; † 10. August 1669 ebenda) war ein niederländischer Maler des Goldenen Zeitalters und Mitbegründer der Bentvueghels.[1]

Die desillusionierte Medea (Die Zauberin). Metropolitan Museum of Art

Leben

Paulus Bor entstammte einer angesehenen und wohlhabenden katholischen Familie aus Amersfoort. Sein Vater trug ebenfalls den Namen Paulus Bor, seine Mutter hieß Maria Casynsdr. Er war der Sohn eines Tuchhändlers und heiratete später Aleyd van Crachtwyck, die ebenfalls aus begütertem Haus stammte. Dies ermöglichte ihm eine weitgehend unabhängige künstlerische Laufbahn. Sein Lehrmeister ist nicht bekannt. Die älteste urkundliche Erwähnung von Paolo Bur unter seinem italianisierten Namen stammt aus dem Jahr 1623 und nennt ihn als Mitbegründer der Schildersbent, auch bekannt als Bentvueghels, in Rom. Dabei handelte es sich um eine Vereinigung hauptsächlich niederländischer und flämischer Maler, die von etwa 1620 bis 1720 in Rom tätig war und für ihre ausgelassenen Feiern bekannt war. Innerhalb dieser Vereinigung erhielt Bor den Bentnamen Orlando. Während seines Romaufenthalts wohnte er zunächst in der Pfarrei Sant’Andrea delle Fratte. In den Jahren 1624 und 1625 teilte er sich ein Haus am Piazza di Spagna und an der Strada dell’Olmo mit den Malern Jan Linsen, der den Bentnamen Hermaphrodit trug, und Michelangelo Cerquozzi. Ein Bildnis von ihm findet sich in einer Gruppenzeichnung von Bentmalern aus der Zeit um 1625, die sich im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam erhalten hat.[2]

Reisetasche und Dokumente auf einem Tisch (1630)

Um 1626 kehrte Bor nach Amersfoort zurück und trat dort der Lukasgilde bei, die 1630 durch den Amersfoorter Stadtrat als vollwertige Gilde anerkannt wurde. In der Folge gehörte er zu einem Malerkreis um Jacob van Campen und wurde 1638 von diesem mit der Ausmalung des Schlosses Honselaarsdijk bei Den Haag beauftragt. Das Landpalais war der Wohnsitz des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien und seiner Gemahlin Amalia von Solms-Braunfels. Neben Bor und van Campen wirkten an diesem Auftrag unter anderem auch Gerard van Honthorst, Pieter de Grebber und Christiaen van Couwenbergh mit. Das Schloss wurde später abgebrochen und ist nicht mehr erhalten.[2]

Im Jahr 1631 schenkte er dem Hieronymus-Hospital in Utrecht ein Gemälde. Um 1637 heiratete er Aleyd van Crachtwyck. Ab 1638 lebte er bis zu seinem Lebensende in Amersfoort. Im Jahr 1656 wurde er Regent des städtischen Armenhauses De Armen de Poth in Amersfoort, das als Hospiz für Bedürftige diente. Die in älterer Literatur gelegentlich vorgebrachte Behauptung, Bor sei in Amersfoort Brauer geworden, gilt nach heutigem Forschungsstand als unbegründet, denn dies traf auf einen Neffen zu. Bor starb am 10. August 1669 in seiner Heimatstadt als wohlhabender Mann.[2]

Werk

Allegorie der Logik (1630|1635). Musée des beaux-arts de Rouen

Das malerische Œuvre von Paulus Bor ist vergleichsweise überschaubar. Das früheste datierte Gemälde ist das im Jahr 1628 entstandene Familiengruppenbild Dankgebet der Familie Van Vanevelt, das für das St.-Pieters- und Bloklands-Gasthuis in Amersfoort angefertigt wurde. Die stilistische Entwicklung seines Werkes lässt sich in zwei Phasen gliedern. In den frühen Jahren, insbesondere von 1630 bis 1635, zeigt sich in Bors Malerei der Einfluss der Utrechter Caravaggisten, erkennbar an dramatischen Lichteffekten und einer bewusst eingesetzten Hell-Dunkel-Malerei. Gleichzeitig weist die glatte, kaum sichtbare Pinselführung auf den Einfluss der Haarlemer Schule, insbesondere der Maler Pieter de Grebber und Salomon de Bray, hin. Caesar van Everdingen bezeichnete Bor bereits als Bindeglied zwischen den Utrechter Caravaggisten und den Haarlemer Klassizisten.[2]

Im Laufe der 1640er Jahre trat der klassizistische Zug in seinem Werk immer stärker hervor, sodass es eine starke Ähnlichkeit mit dem Stil Jacob van Campens aufweist. Werke beider Maler sind bisweilen kaum zu unterscheiden, weshalb Zuschreibungen zwischen beiden Künstlern in der Forschungsgeschichte mehrfach revidiert wurden. Durch ungewöhnliche Bildkompositionen und eine archaisch anmutende Technik erhalten Bors' Werke einen eigentümlich geheimnisvollen und kontemplativen Charakter. Trotz seiner katholischen Konfession schuf er nur wenige religiöse Bilder, darunter Christus unter den Schriftgelehrten, das sich im Centraal Museum Utrecht befindet. Zu den bekanntesten Einzelwerken zählen Magdalena (La Maddalena), Desillusionierende Medea und Ankündigung des Todes Mariens, eine Verkündigungsdarstellung mit ungewöhnlicher Ikonografie, die sich im Museum of Fine Arts in Ottawa, Kanada, befindet.[2]

Werke von Paulus Bor befinden sich heute in zahlreichen europäischen und amerikanischen Museen. Im Pietersen-Blokland-Gasthuis in Amersfoort ist das Familiengruppenbildnis von 1628 erhalten. Im Rijksmuseum Amsterdam befinden sich zwei Gemälde und weitere Werke sind in folgenden Museen nachweisbar: Centraal Museum Utrecht, Rijksmuseum Meermanno-Westreenianum (Huis van het boek) in Den Haag, Walker Art Gallery in Liverpool, Metropolitan Museum of Art in New York, Museum Narodowe in Poznań, Musée des Beaux-Arts in Rouen und Cummer Museum of Art and Gardens in Jacksonville, Florida. Im Armenhaus De Armen de Poth in Amersfoort befindet sich noch heute ein allegorisches Kaminbild aus dem Jahr 1656 von seiner Hand.[2]

Literatur

  • Ad Bercht: Paulus Bor: de schilderijen. Doctoraalscriptie, Rijksuniversiteit Utrecht, Utrecht 1991.
  • Alfred von Wurzbach: Niederländisches Künstler-Lexikon. Band 1, Halm und Goldmann, Wien / Leipzig 1906.
  • Benedict Nicolson: Caravaggism in Europe. Oxford University Press, Oxford 1979.
  • Eduard Plietzsch: Paulus Bor. In: Jahrbuch der Königlich Preußischen Kunstsammlungen. Band 37, Berlin 1916.
  • Erika Dolphin: A Newly Discovered Painting by Paulus Bor for the National Gallery of Canada, Ottawa. In: The Burlington Magazine. Band 149, 2007.
  • Marten Jan Bok u. a.: Niederländische Malerei in neuem Licht. Herzog Anton Ulrich-Museum / Centraal Museum, Braunschweig / Utrecht 1987.
  • Sturla J. Gudlaugsson: Paulus Bor als portrettist. In: Miscellanea I. Q. van Regteren Altena. Amsterdam 1969.
  • Bor, Paulus. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 4: Bida–Brevoort. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1910.
  • Vitale Bloch: Zur Malerei des Paulus Bor. In: Oud Holland. Band 45, Amsterdam 1928.
  • Vitale Bloch: Orlando. In: Oud Holland. Band 64, Amsterdam 1949.
  • Walter W. von Moltke: Die Gemälde des Paulus Bor van Amersfoort. In: Westfalen. Band 55, Münster 1977.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.

Einzelnachweise

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