Pavelsbach

Gemeindeteil des Marktes Postbauer-Heng From Wikipedia, the free encyclopedia

Pavelsbach ist ein Gemeindeteil des Marktes Postbauer-Heng im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.[2]

Schnelle Fakten Markt Postbauer-Heng ...
Pavelsbach
Koordinaten: 49° 16′ N, 11° 21′ O
Höhe: 432 m ü. NHN
Fläche: 9,14 km²
Einwohner: 990 (31. Dez. 2025)[1]
Bevölkerungsdichte: 108 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1975
Postleitzahl: 92353
Vorwahl: 09180
Pavelsbach (2024)
Pavelsbach (2024)
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Ortsstraße NM44 in Pavelsbach (2024)

Geographie

Das Kirchdorf befindet sich rund 2,5 km südlich des Hauptorts Postbauer-Heng an der Kreisstraße NM 44. Etwa 1,1 km nordwestlich des Orts verläuft die Staatsstraße 2402. Am südlichen Ortsrand fließt der Loh- / bzw. Lachgraben und ca. 650 m nördlich des Dorfes der Hengerbach.[2]

Geschichte

Rund um die Kirche St. Cäilia und auch auf dem Gebiet des Pavelsbacher Sportgeländes hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mehrere Mesolithische Freilandstationen, also regelmäßig genutzte Sommer- bzw. Winterlager nomadisch lebender Jäger und Sammler, nachgewiesen. Somit sind im Ortsgebiet Pavelsbach bereits zur Mittelsteinzeit erste menschliche Aktivitäten nachweisbar.[3]

Eine erste Besiedelung des Gebiets um Pavelsbach ist ebenfalls für die vorgeschichtliche Zeit nachweisbar und wird belegt durch Hügelgräber aus der Bronzezeit (1800–750 v. Chr.) in der östlich des Ortes gelegenen Waldabteilung „Stockenau“. Die im Waldgebiet „Appel“ (zwischen Pavelsbach und Dippenricht) heute noch gut erkennbare Keltenschanze (Viereckschanze) weist eine Besiedelung in der Latènezeit (500–15 v. Chr.) nach.[4][5][6]

Erstmals wird der Ort in einer in Eichstätt ausgefertigten bischöflichen Urkunde vom 5. Februar 1249 (Bischof Heinrich IV. 1247–1259) mit dem Namen „Bephensbach“ erwähnt. Mit dieser Urkunde schenkten Gottfried von Sulzbürg und seine Gattin Adelheid von Hohenfels dem von ihnen in 1242 gegründeten Klosters Seligenporten u. a. zwei Höfe in Pavelsbach.[7]

Am 11. Oktober 1267 schenkte Bischof Hildebrand von Eichstätt (1261–1279) dem Kloster Seligenporten den „Zehnten“ des Ortes Niederpefensbach („Unterdorf“), den Ulrich von Sulzbürg als Lehen und „Siboto von Pefensbach“ als Afterlehen besaßen. Wenig später erwarb das Kloster auch weitere Zehnten in Pavelsbach; so beurkunden am 24. Februar 1269 die Landgrafen Friderich und Gebhard von Leuchtenberg, dass sie den „Zehnt zu Paeiffensbach“, den „der von Rvicgerdoerf“ (Rückersdorf) und dessen Erben von ihnen zu Lehen hatten, dem Kloster Seligenporten übertragen haben.[8]

Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) schenkte am 8. April 1317 dem „Hohen Deutschen Ritterorden“, der in Postbauer ein Pflegamt errichtet hatte, u. a. den Ort Niederpavelsbach. Die Bezeichnung Ober- und Unterdorf – für Ober- und Niederpavelsbach – ist bei älteren Dorfbewohnern noch heute gebräuchlich.[4][9]

Ein erstes Gotteshaus wurde in den Jahren 1437 und 1438 errichtet. Ermöglicht wurde dies durch eine Stiftung eines Regensburger Chorherrn aus der Neumarkter Familie der Plank.[10] Im Jahre 1735 musste diese Kirche aufgrund Baufälligkeit durch einen Neubau ersetzt werden.[11]

Die Gemeinde Pavelsbach

Mit dem königlichen Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 entstand die Ruralgemeinde Pavelsbach.[12][13]

Links kleines Schulhaus aus 1906 / Rechts Schulhaus aus 1881 mit Schulstadel

Die Gemeinde Pavelsbach erbaute in den Jahren 1880 / 1881 ein zweigeschossiges Schulhaus mit Lehrerwohnung und Nebengebäude[14] und in den Jahren 1905 / 1906 ein zweites, nur eingeschossiges Schulgebäude mit gemeindlicher Amtsstube.[15]

Im Zuge einer Gewerbeneugründung erfolgte am späteren Ortsteil An der Heide im Jahre 1924 die erste, zunächst ausschließlich gewerbliche Bebauung.[15]

In den Jahren 1927 und 1928 wurde mit dem Ausbau der Orts-Infrastruktur begonnen. Zunächst erfolgte in 1927 die Elektrifizierung des Dorfes und dann im Jahre 1928 die Errichtung einer ersten Fernwasserversorgung.[15] Noch im selben Jahr folgte der Bau eines Gemeinschaftshauses[16] und dort die Einrichtung eines ersten Kindergartens.[17]

Ein verheerende Flieger- und Artilleriebeschuss vernichtete am 21. April 1945 rund ein Drittel der dörflichen Bebauung (18 Wohnhäuser und 34 größere Nebengebäude) und forderte darüber hinaus 3 Todesopfer in der Zivilbevölkerung.[15]

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Dorfmuseum Fleischmichlhaus

Aufgrund der schwierigen Versorgungslage kam der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude zunächst nur schleppend voran.[15] Darüber hinaus wurden von Seiten der Gemeinde – im Zeitraum bis 1974 folgende Wiederaufbau- und Modernisierungsmaßnahmen meist über das gemeindliche Satzungsrecht durchgeführt:

  • Anlage zweier Feuerlöschteiche in 1958[18]
  • Durch den Wasser- und Bodenverband Pavelsbach wurden von 1958 bis 1963 die Pavelsbacher Fließgewässer auf einer Gesamtlänge von 10 km saniert, eine Fläche von rd. 80 Hektar entwässert sowie 4 große Brückenbauwerke errichtet.[19]
  • Mitbegründung des Wasserversorgungs-Zweckverbands „Möninger Gruppe“ am 4. Oktober 1958 und Bau der notwendigen Einrichtungen und Leitungen in den Jahren 1959 bis 1963.[15]
  • Auf die Errichtung eines Feuerwehrhauses mit Schlauchturm in 1961 folgte die Berufung zur Stützpunktfeuerwehr sowie die Beschaffung eines Löschgruppenfahrzeugs in 1962.[15]
  • Im Rahmen der von 1968 bis 1974 laufenden Flurbereinigung wurde auch
    • ein erstes Wohnbaugebiet, ein erstes Gewerbegebiet (Firma Schaller) sowie die heute noch genutzten Sportflächen bereitgestellt.
    • die Infrastruktur Pavelsbachs mit einem innerörtlichen Abwasserkanalnetz versehen und die Ortsstraßen mit Straßenbeleuchtung errichtet.[19][20]
  • Zusammen mit den Gemeinden Heng, Oberhembach, Postbauer, Pyrbaum, Rengersricht und Seligenporten gründete die Gemeinde Pavelsbach am 21. August 1969 den „Zweckverband der Volksschule Postbauer und Heng“.[15]

Gemeindegebietsreform

Im Rahmen der Bayerischen Gemeindegebietsreform stimmten die wahlberechtigten Bürger Pavelsbachs am 2. März 1975 mit rd. 2/3 der abgegebenen Stimmen für einen Anschluss an die Gemeinde Postbauer-Heng. Dieser wurde für Pavelsbach mit seinem Ortsteil An der Heide am 1. April 1975 vollzogen.[21][22][23][24]

Kirche St. Cäcilia

Religion

Am 17. Juli 1867 errichtet Bischof Franz Leopold Freiherr von Leonrod die Expositur Pavelsbach.[11]

Es gibt im Ort zwei katholische Kirchen, die Expositurkirche St. Leonhard und die Friedhofskirche St. Cäcilia. Beide sind als Teil der Pfarrei Möning nunmehr dem Pfarrverband Freystadt zugehörig. Die evangelischen Christen sind der Kirchengemeinde Pyrbaum zugeordnet.[25]

Einwohner

Einwohner mit Hauptwohnsitz in Pavelsbach:

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Vereine

In Pavelsbach gibt es (Stand: 2024) sechs Vereine.[22] Pavelsbachs ältester Verein ist die Freiwillige Feuerwehr,[29] die mit Urkunde „Seiner königlichen Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold“ vom 6. April 1884 gegründet wurde. Initiiert wurde diese Gründung, der anfangs 41 Mann starken „Wehr“, von dem seinerzeitigen Bürgermeister Georg Wild. Die Notwendigkeit einer schlagkräftigen Feuerwehr erkannten die Bürger Pavelsbachs wohl auch aufgrund eines Großbrands katastrophalen Ausmaßes im Jahr 1878.[30]

Auf Betreiben des Expositus Josef Scheiber[4] und des Organisten Josef Fries wurde der Kirchenchor Pavelsbach ab 1935 aufgebaut und wird seit Jahren von der Organistin Theresia Fürst geleitet.[22]

Bei dem 1965 gegründeten Turn- und Sportverein Pavelsbach (TSV) handelt es sich um den mitgliederstärksten Verein des Ortes. Im Jahr 2020 fusionierte der Schützenverein Eichenlaub Pavelsbach mit dem „TSV“ und bildet seitdem, neben Fußball, Handball, Tennis, Ski, Gymnastik und Laufen, die siebte Abteilung des Turn- und Sportvereins Pavelsbach.[31]

St.-Leonhard-Kirche (2024)

Der Heimat- und Traditionsverein, der Obst- und Gartenbauverein und die Blaskapelle Pavelsbach ergänzen das Vereinsspektrum in Pavelsbach.[22]

Sehenswürdigkeiten

  • Bronzezeitliche Hügelgräber (in der Waldabteilung Stockenau bei Pavelsbach)[32]
  • Viereckschanze (zwischen Pavelsbach und Dippenricht in der Waldabteilung Appel)[32]
  • Schwedenkreuze an drei Ortsausgängen[33]
  • Fleischmichlhaus in Pavelsbach[34]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Postbauer-Heng und Liste der Bodendenkmäler in Postbauer-Heng

Infrastruktur

Handwerk, Industrie und Dienstleistung

An der Heide

Im Ort selbst sind mehrere Handwerksbetriebe (Bauhauptgewerbe / Elektro / Ernährung / Gartenbau / Holzverarbeitung) sowie ein Telekommunikationsdienstleister und ein Floristikunternehmen ansässig.

Im nahen, auf dem Pavelsbacher Ortsgebiet liegenden Ortsteil An der Heide sind mehrere mittelständische Firmen ansässig, die auch zu den größten Unternehmen des Marktes Postbauer-Heng zählen. Zu nennen sind hier die Firmengruppe Bock, die Fa. Schaller und die Fa. Irema Filter.

Verkehr

Pavelsbach liegt direkt an der Kreisstrasse NM44. Die ÖPNV-Anbindung durch den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) erfolgt über die Buslinie 505 des OVF, die zu dem Bahnhof Postbauer-Heng führt.

Bildung

In Pavelsbach befindet sich ein mehrgruppiger gemeindlicher Kindergarten.

Personen mit Bezug zu Pavelsbach

Angelus Sturm, Kunst- und Kirchenhistoriker
  • Angelus Sturm OSB, (* 1886 Pavelsbach; † 1968 Metten) war ein deutscher Benediktinerpater, Mönch in der Benediktinerabtei Metten, sowie Kirchen- und Kunsthistoriker
  • Anton Fruth (1921–2005), Schulleiter in Pavelsbach von 1950 bis 1969, Ehrenbürger der Gemeinde Pavelsbach in Anerkennung seiner Verdienste um die Bildung. Träger der Goldenen Bürgermedaille des Marktes Postbauer-Heng.[22]
  • Johann Hirschmann (1908–1990), letzter Bürgermeister der Gemeinde Pavelsbach und Ehrenbürger des Marktes Postbauer-Heng sowie Träger der Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens.[22][35]
  • Josef Fries (1920–2005), Mitbegründer des Kirchenchores Pavelsbach, Gründer der Blaskapelle Pavelsbach, Träger der silbernen Bürgermedaille des Marktes Postbauer-Heng[22][36]

Siehe auch

Commons: Pavelsbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

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