Peter Bulthaup

deutscher Philosoph und Chemiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Peter Bulthaup (* 13. Juli 1934 in Osnabrück; † 29. Oktober 2004) war ein deutscher Philosoph und Chemiker.

Bulthaup wurde 1968 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main bei Hermann Hartmann in Physikalischer Chemie promoviert und war zudem Schüler Adornos und Horkheimers. 1973 wurde er Professor für Didaktik der Naturwissenschaften an der TH Darmstadt. Seit 1975 war er Inhaber eines Lehrstuhls für Philosophie an der Universität Hannover mit den Schwerpunkten Deutscher Idealismus, Naturphilosophie und Kritik der Politischen Ökonomie; zudem wissenschaftlicher Beirat des Gesellschaftswissenschaftlichen Instituts Hannover.

Leben

Durch seinen Vater, der sich neben seiner Tätigkeit als Gewerkschaftssekretär autodidaktisch weitergebildet hatte, erhielt auch Peter Bulthaup Gelegenheit zu umfassender literarischer Bildung. Trotz dem Wunsch, Dramaturg oder Theaterregisseur zu werden, studierte er auf die pragmatische Weisung des Vaters hin in Göttingen (1955–1958) und Frankfurt am Main (1958–1963) vor allem Physikalische Chemie, worin er 1962 das Diplom erwarb und 1968 mit einer Arbeit über die Präzisionskalorimetrische Bestimmung der Differenz der Nullpunktsenergien von H2, HD, D2 und H2O, HDO, D2O promovierte; die Arbeit wurde betreut von Hermann Hartmann und Valentin Freise. Zusätzlich studierte er Philosophie und in Frankfurt auch Soziologie, dort dann bei Adorno und Horkheimer.

Nach Hilfskraftstellen (1962–1964 als WHK) und Assistenzverwaltungen (1964–1967) in der Physikalischen Chemie wurde er Ende der 1960er Jahre Lehrbeauftragter für Philosophie in Frankfurt. Er versah vor allem Seminare zum Bereich der Philosophie der Naturwissenschaften, sowohl in erkenntnistheoretischer als auch in gesellschaftstheoretischer Hinsicht. Nach dem Tode Adornos und dem Weggang Horkheimers wurde die Situation für deren Schüler in Frankfurt rasch schwieriger, zumal das Nachfolgerproblem nicht im Sinne der kritischen Studenten gelöst wurde. Unter finanziell äußerst schwierigen Bedingungen und in zunehmender akademischer Isolation war Bulthaup einige Jahre mit Editionsprojekten zu Benjamin und zu Stalin beschäftigt, verfasste eine Reihe von Aufsätzen und Rezensionen und hielt Vorträge. Ebenso entstand der Band Zur gesellschaftlichen Funktion der Naturwissenschaften.

Mit dem Pädagogik-Professor Heinz-Joachim Heydorn hatte Bulthaup in Frankfurt einige Lehrveranstaltungen abgehalten. Über diese Bekanntschaft erlangte er schließlich 1973 den Ruf auf eine Professur für Didaktik der Naturwissenschaften an der TU Darmstadt. Hier war er vor allem für die theoretische und praktische Ausbildung von Studenten des Lehramts an Gewerbeschulen zuständig.

Schon 1974 folgte der Ruf einer Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Naturphilosophie an der TU Hannover, die er 1975 antrat. Dies war maßgeblich durch den Einsatz Oskar Negts im Berufungsverfahren gelungen. Da die Kommission paritätisch besetzt war, gaben die Stimmen der studentischen Mitglieder den Ausschlag, während die Professoren fast geschlossen gegen Bulthaup gestimmt hatten. Dieser Umstand und Gerüchte über Bulthaups marxistischen Politikbegriff führten zu einer Anfrage im Landesparlament.[1]

Bulthaup blieb Professor am Philosophischen Seminar der Universität Hannover über seine Pensionierung 1999 hinaus, solange es der Gesundheitszustand zuließ, bis zum WS 2002/03. Seit Anfang der 1980er Jahre war seine Lehrtätigkeit krankheitsbedingt immer wieder unterbrochen oder eingeschränkt. Auch die Produktion von Aufsätzen und Vorträgen lässt von dieser Zeit an nach.

Peter-Bulthaup-Archiv

Schon vor seinem Tode 2004 hatte Bulthaup verfügt, dass sein wissenschaftlicher Nachlass an das Gesellschaftswissenschaftliche Institut (GI) zur Aufbewahrung und Veröffentlichung übergeben werden sollte, wo dann 2005 das Peter-Bulthaup Archiv gegründet wurde. Da Peter Bulthaup zu Lebzeiten weit weniger veröffentlicht als geschrieben hat, sind in dem Nachlass bislang unzugängliche Schriften enthalten. Darunter befinden sich vor allem die Vorlesungsskripte und unveröffentlichte Aufsätze zu erkenntnistheoretischen Themen, zur Philosophie der Naturwissenschaften, zu metaphysischen Themen, zur Rechtsphilosophie, zur Geschichtsphilosophie und zur praktischen Philosophie; außerdem noch zur Ästhetik und zu Themen der kritischen Theorie. Seit 2005 arbeiteten die Mitarbeiter des Archivs an der Erschließung und Digitalisierung des Bestandes. Seit 2013 befindet sich das Archiv in der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek in Hannover zur Aufbewahrung. Dort sind sowohl der handschriftliche Nachlass Bulthaups wie auch seine Handbibliothek öffentlich einsehbar. 2025 erschien der erste Band der vom GI herausgegebenen Editionsreihe Vorlesungen und Schriften aus dem Nachlass.

Veröffentlichungen

  • Zur gesellschaftlichen Funktion der Naturwissenschaften. Hrsg. v. Gesellschaftswissenschaftlichen Institut Hannover. 2. Auflage, Lüneburg 1996 (zu Klampen) (1. Auflage Frankfurt 1973). ISBN 3-924245-57-6
  • Parusie. In: Materialien zu Benjamins Thesen 'Über den Begriff der Geschichte'. Beiträge und Interpretationen. Hrsg. v. Peter Bulthaup, (Frankfurt 1975). Dieser Text ist auch in "Das Gesetz der Befreiung" (s. u.) enthalten.
  • Ernstfall und Allotria. Überlegungen zum Verhältnis von Reflexion und Kunst. In: Musik-Konzepte 63/64. Theodor W. Adorno. Der Komponist. Hrsg. v. H.-K. Metzger u. Rainer Riehn. edition text + kritik, München 1989.
  • Von der Freiheit im ökonomischen Verstande. I. Die Metaphysik von Δ G, II. Über einige Schwierigkeiten, die Förderung des technischen Fortschritts aus ökonomischem Zwang zu bestimmen. In: Das Automatische Subjekt bei Marx. Studien zum Kapital. Hrsg. v. Gesellschaftswissenschaftlichen Institut Hannover, Lüneburg 1998 (zu Klampen). ISBN 3-924245-67-3
  • Das Gesetz der Befreiung. Und andere Texte. Hrsg. v. Gesellschaftswissenschaftlichen Institut Hannover, Lüneburg 1998 (zu Klampen). ISBN 3-924245-75-4
    Rezension (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  • ... daß Gott selbst gestorben ist. Hegels Religionskritik. in: Wider den absoluten Anspruch, Gerd-Günther Grau zum 75. Geburtstag hrsg. v. Friedrich Wilhelm Korff, Würzburg 1998.
  • Zweckmäßigkeit, absoluter Zweck, Begriff. Kritik der Hegelschen Deduktion des Begriffs. In: Andreas Knahl, Jan Müller, Michael Städtler u. a.: Mit und gegen Hegel. Von der Gegenstandslosigkeit der absoluten Reflexion zur Begriffslosigkeit der Gegenwart. Hrsg. v. Gesellschaftswissenschaftlichen Institut Hannover, in Zusammenarbeit mit dem Istituto Italiano per gli Studi Filosofici; Neapel, Lüneburg 2000 (zu Klampen). ISBN 3-924245-91-6

Vorlesungen und Schriften aus dem Nachlass, hrsg. v. Gesellschaftswissenschaftlichen Institut Hannover:

  • Der Wissenschaftsbegriff des Deutschen Idealismus. Vierzehn Vorlesungen zur Einführung in die Philosophie, hrsg. v. Christoph Gödde und Sabine Hollewedde, zu Klampen Verlag, Springe 2025. ISBN 978-3-98737-048-9

Weitere Publikationen finden sich auf den Seiten des Peter-Bulthaup-Archivs sowie auf der Seite Nachruf zum Tode von Peter Bulthaup der Erinnyen (s. u.).

Einzelnachweise

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