Peter Freuchen

dänischer Polarforscher und Schriftsteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Lorentz Peter Elfred Freuchen (* 20. Februar 1886 in Nykøbing Falster, Dänemark; † 2. September 1957 in Anchorage, Alaska) war ein dänischer Polarforscher, Schriftsteller und Journalist. Er gründete gemeinsam mit Knud Rasmussen die nordgrönländische Handelsstation Thule und beteiligte sich an mehreren arktischen Expeditionen.

Peter Freuchen Anfang der 1910er Jahre

Leben

Jugend

Peter Freuchen war eines von sieben Kindern des Kaufmanns Lorentz Benzon Freuchen (1859–1927) und seiner Frau Anna Petersine Frederikke Rasmussen (1862–1945).[1][2] Von 1894 bis 1904 besuchte er die Kathedralschule in seiner Heimatstadt Nykøbing Falster, die er mit der Hochschulreife abschloss. Anschließend begann er ein Medizinstudium an der Universität Kopenhagen, das er jedoch 1906 abbrach.[1]

Leben als Polarforscher und Handelsverwalter

Stattdessen nahm er von 1906 bis 1908 als Heizer und meteorologischer Assistent an der Danmark-Expedition unter Ludvig Mylius-Erichsen nach Nordostgrönland teil. Meteorologe der Expedition war Alfred Wegener. Er kehrte nicht an die Universität zurück, sondern wurde Journalist für die Zeitung Politiken. Er freundete sich mit Knud Rasmussen an und sie fassten den Plan, an der kürzlich von Knud Rasmussen gegründeten Missionsstation in Uummannaq (Dundas) auch eine Handelsstation zu errichten. Sie hielten zusammen Vorträge über Grönland, um Geld zu sammeln, und konnten 1910 die Handelsstation einweihen, womit die Kolonisierung der dort lebenden Inughuit in Gang gesetzt war.[1] Im Jahr darauf heiratete er die vermutlich etwa 10 Jahre jüngere Inughuaq Navarana († 1921). Zu ihren Eltern gibt es widersprüchliche Angaben: Sie wird einerseits als Tochter von Merĸussâĸ und Kavssâluk bezeichnet,[2] allerdings war Kavssâluk eine Tochter Merĸussâĸs. Stattdessen gilt als ihr Vater Angutdluk, während Kavssâluk später mit Uvdloriaĸ weitere Kinder bekam, darunter Inuutersuaq Ulloriaq (1906–1986),[3] der Peter Freuchen als seinen Schwager bezeichnete.[4]

Von 1912 bis 1913 unternahmen Rasmussen und Freuchen die Erste Thule-Expedition gemeinsam mit den beiden Inughuit Uvdloriaĸ und Inukitsoĸ. Uvdloriaĸ war wie erwähnt der Stiefvater von Freuchens Frau, während Inukitsoĸ der Großvater von Ûssarĸak K'ujaukitsoĸ war. Sie überquerten das Inlandeis, um Ejnar Mikkelsen und Iver Iversen zu finden. Beide waren inzwischen bereits gerettet worden, aber der Expedition gelang es dennoch, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen wie den Beweis, dass der Peary-Kanal nicht existierte und Peary Land somit eine Halbinsel war. Dieselbe Entdeckung war bereits der Danmark-Expedition im Jahr 1907 gelungen, was aber zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt war, da alle Expeditionsmitglieder dieser Teilexpedition ums Leben gekommen waren.[1][2][5]

Die folgenden Jahre lebte Peter Freuchen gemeinsam mit seiner Frau in Uummannaq (Dundas), wo er die Handelsstation verwaltete. 1916 wurde sein Sohn Merĸusâĸ Kaivigánguaĸ Kilemeĸ Angutdluk Freuchen (1916–1962) geboren, 1918 seine Tochter Pipaluk Palíka Kavssâluk Tukúmínguaĸ Jette Freuchen (1918–1999), die später Schriftstellerin wurde. 1919 gab er die Verwaltung der Station ab, um an der Fünften Thule-Expedition teilnehmen zu können.[5]

1921 starb Peter Freuchens Frau in Upernavik an der Grippe. Kurz darauf reiste Peter Freuchen im Zuge der Fünften Thule-Expedition nach Kanada, wo er als Biologe und Kartograf beitrug. Wegen im Frühjahr 1923 zugezogenen Erfrierungen musste er seine Aktivitäten beschränken. Im Sommer 1924 machte er sich auf die Rückreise und erreichte Dänemark knapp zwei Monate später, wo ihm später der linke Fuß amputiert werden musste. Daraufhin musste er seine Karriere als Polarforscher einstellen.[1] Der Kanadier Ollie Ittinuar († 2013) gilt als unehelicher Sohn Peter Freuchens. Sein nach dem Großvater benannte Sohn Peter Freuchen Ittinuar (* 1950) war der erste Inuk, der im kanadischen Parlament saß.[6][7][8]

Leben als Kulturperson

Peter Freuchen mit Gästen auf Enehøje

Am 22. November 1924 heiratete er in Vejen seine Jugendfreundin Magdalene Vang Lauridsen (1881–1960), die bis 1912 mit dem Schauspieler Tronier Funder (1884–1964) verheiratet gewesen war, und die die Tochter des Nationalbankdirektors Johannes Lauridsen (1847–1920) und seiner Frau Maren Sofie Olsen (1850–1927) war.[2] Anschließend hielt sich das Paar größtenteils in den USA auf. 1926 erwarb er die kleine bei Nakskov vor Lolland gelegene Insel Enehøje und wurde zugleich Redakteur der Wochenzeitschrift Ude og Hjemme. Er begann zahlreiche Bücher zu schreiben, sowohl Sachbücher als auch autobiografische und belletristische Werke, die alle in der Arktis spielen. Seine Bücher erschienen in zahlreichen Sprachen. Dazu hielt er Vorträge und schrieb Theaterstücke. Seine Bücher Storfanger und Rømningsmænd wurden Anfang der 1930er Jahre verfilmt und Freuchen trug selbst zu dem Film bei. Eskimo wurde 1935 mit einem Oscar ausgezeichnet.[5][1][2]

Peter Freuchen mit seiner Frau Dagmar Cohn Anfang der 1950er Jahre

1937 reiste er in die Sowjetunion und kam in Kontakt mit den Yupiit an der Ostspitze Sibiriens, die 13 Jahre zuvor von Knud Rasmussen während der Fünften Thule-Expedition besucht worden waren. 1938 gründete er in Kopenhagen den Eventyrernes Klub, den dänischen Abenteurerclub.[5] Er war ein Gegner des Nationalsozialismus und bot vor und während des Zweiten Weltkriegs deutschen Flüchtlingen Zuflucht auf Enehøje. Hierfür wurde er zweimal verhaftet und verurteilt.[1] 1944 ließ er sich von seiner Frau scheiden[2] und flüchtete nach Schweden, wo er als Redakteur einer Zeitung für dänische Flüchtlinge arbeitete.[1] Anschließend reiste er in die USA und ließ sich in New York City nieder.[5] Am 23. Juni 1945 heiratete er in Troy die dänische Modezeichnerin Dagmar Cohn (1907–1991), Tochter des Direktors Hans Cohn (1874–1947) und seiner Frau Betty Johanne Neustadt (1885–1974), deren Ehemann, der Architekt Torben Müller im Krieg ums Leben gekommen war.[2]

1956 gewann er ein Vermögen in der ersten großen US-Quizsendung „Die 64.000-Dollar-Frage“ mit der korrekten Beantwortung von 17 Fragen über die Weltmeere.[2] Im September 1957 starb er an einem Herzinfarkt auf der Elmendorf Air Force Base in Alaska, von wo aus er gemeinsam mit dem norwegisch-amerikanischen Flugpionier Bernt Balchen, dem australischen Polarforscher Sir Hubert Wilkins und dem amerikanischen Admiral Donald MacMillan – allesamt Arktis-Veteranen – per Flugzeug aus für eine Fernsehdokumentation die Arktis überfliegen sollte. Seine Asche wurde aus einem Flugzeug über der North Star Bugt verstreut.[1]

Ehrungen

1908 erhielt er die Fortjenstmedaljen in Silber.[2] Die Königliche Dänische Geographische Gesellschaft verlieh ihm 1921 gemeinsam mit Godfred Hansen als erstem die Hans-Egede-Medaille.[9] 1932 erhielt er die Walker-Medaille der American Geographical Society.[2] Freuchen zu Ehren wurde 1986, also hundert Jahre nach seiner Geburt, der Asteroid (3369) Freuchen nach ihm benannt.[10]

Monografien

Quelle:[11]

  • 1927: Grønland, Land og Folk
  • 1927: Storfanger. En Roman om Hudson-Bugtens Eskimoer
    • auch erschienen auf Niederländisch (1929), Russisch (1930), Tschechisch (1930), Englisch (1930), Deutsch (1932), Italienisch (1932), Hebräisch (1933) und Slowenisch
  • 1928: Rømningsmand. En Roman om Eskimoer
    • auch erschienen auf Deutsch (1929)
  • 1929: Nordkaper. Roman
    • auch erschienen auf Deutsch (1930), Englisch (1932), Schwedisch (1948) und Norwegisch (1960)
  • 1930: Ivalu. En Roman fra Polareskimoernes Land
    • auch erschienen auf Deutsch (1931), Englisch (1935), Schwedisch (1946), Finnisch (1947) und Norwegisch (1961)
  • 1934: Eskimo. En Roman om Hudson-Bugtens Eskimoer
    • auch erschienen auf Englisch (1934) und Schwedisch (1943)
  • 1934: Knud Rasmussen som jeg husker ham. Fortalt for Ungdommen
    • auch erschienen auf Schwedisch (1944), Französisch (1949) und Englisch (1958)
  • 1935: Arctic Adventure. My Life in the Frozen North
    • auch erschienen auf Niederländisch (1936), Französisch (1939), Spanisch (1947) und Polnisch (1948)
  • 1935: Flugten til Sydamerika
    • auch erschienen auf Portugiesisch
  • 1936: Min Grønlandske Ungdom
    • auch erschienen auf Schwedisch (1940), Norwegisch (1941), Isländisch (1945), Grönländisch (1948), Finnisch (1958) sowie in verkürzter Form erneut auf Dänisch (1953)
  • 1938: It's All Adventure
  • 1938: Min anden Ungdom
    • auch erschienen auf Schwedisch (1941), Deutsch (1941) und Isländisch (1955)
  • 1939: Sibiriske Eventyr
    • auch erschienen auf Schwedisch (1945)
  • 1941: Diamantdronningen. Roman fra Canadas Nordvest Territorium
    • auch erschienen auf Schwedisch (1962) und Norwegisch (1962)
  • 1943: Hvid Mand. Roman
    • auch erschienen auf Schwedisch (1944), Finnisch (1946), Englisch (1946) und Norwegisch (1950)
  • 1944: Eskimofortællinger og Andre Noveller
  • 1946: Solfjeld. Roman fra Grønland
    • auch erschienen auf Schwedisch (1947) und Norwegisch (1950)
  • 1948: Larions Lov. Roman fra Alaska
    • auch erschienen auf Schwedisch (1949), Norwegisch (1949), Englisch (1952), Deutsch (1955) und Französisch (1955)
  • 1951: Nigger-Dan. Roman fra Canada
    • auch erschienen auf Schwedisch (1952), Englisch (1956) und Norwegisch (1963)
  • 1953: Vagrant Viking. My Life and Adventures
    • auch erschienen auf Finnisch (1954), Deutsch (1955), Spanisch (1956) und Slowenisch (1956)
  • 1953: I Al Frimodighed. Erindringer I
    • auch erschienen auf Schwedisch (1954), Norwegisch (1954) und Isländisch (1957)
  • 1954: Ice Floes and Flaming Water. A True Adventure in Melville Bay
    • auch erschienen auf Dänisch (1956), Grönländisch (1957–60), Schwedisch (1957), Norwegisch (1957), Finnisch (1958), Russisch (1961), Bulgarisch (1964) und Lettisch (1964)
  • 1955: Fremdeles Frimodig (vom Verlag zurückgezogen)
    • auch erschienen auf Schwedisch (1956) und Isländisch (1958)
  • 1957: Fra Thule til Rio
    • auch erschienen auf Isländisch (1960)
  • 1957: Peter Freuchen's Book of the Seven Seas
    • auch erschienen auf Deutsch (1957), Französisch (1958), Schwedisch (1958), Norwegisch (1958), Finnisch (1958), Dänisch (1959), Isländisch (1959), Spanisch (1959), Niederländisch (1959), Serbokroatisch (1961), Japanisch (1962) und Tschechisch (1972)
  • 1958: Whaling Boys
    • auch erschienen auf Dänisch (1959), Norwegisch (1960), Schwedisch (1961), Deutsch (1961) und Grönländisch (1977)
  • 1958: The Arctic Year (mit Finn Salomonsen)
    • auch erschienen auf Dänisch (1961), Schwedisch (1961), Norwegisch (1961), Holländisch (1961) und Tschechisch (1972)
  • 1960: Adventures in the Arctic (posthum herausgegeben von Dagmar Freuchen)
  • 1961: Book of the Eskimos (posthum herausgegeben von Dagmar Freuchen)
    • auch erschienen auf Dänisch (1961) und Schwedisch (1964)
  • 1962: Men of the Frozen North (Antologie, posthum herausgegeben von Dagmar Freuchen)
  • 1962: Book of Arctic Exploration (Antologie, posthum herausgegeben von Dagmar Freuchen)
  • 1963: Erindringer (posthum herausgegeben von Dagmar Freuchen und Iver Gudme)
  • 1965: The Peter Freuchen Reader (Antologie, posthum herausgegeben von Dagmar Freuchen)

Literatur

  • Pipaluk Freuchen, Ib Freuchen, Helge Larsen (Hrsg.): Bogen om Peter Freuchen. Fremad, Kopenhagen 1958.
  • Jette Horn Hansen: Peter Freuchens Romaner. Aarhus Universitet, Aarhus 1978.
  • Kurt L. Frederiksen: Freuchen. Den store Peter. Sohn, Rødovre 2010, ISBN 978-87-91959-89-9.
  • Janni Andreassen: Altid frimodig. Biografi om polarforskeren, forfatteren og eventyreren Peter Freuchen. Gyldendal, Kopenhagen 2013, ISBN 978-87-02-07166-5.
  • Reid Mitenbuler: Wanderlust. An Eccentric Explorer, an Epic Journey, a Lost Age. Sugar23 Books / Mariner Books, New York / Boston 2023, ISBN 978-0-358-46832-5.
Commons: Peter Freuchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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